Marvin Friedrich fehlt schon in Augsburg, aber noch ist er nicht bei Union

Ich gebe zu, dass ich ein bisschen gehofft hatte, dass das Thema Marvin Friedrich bereits am Montag geklärt ist. Der Kicker hatte geschrieben, dass sich Augsburg von seiner Mondforderung einer Ablöse von 4 Millionen Euro entfernt habe und Union zuletzt 1,8 Millionen Euro Ablöse inklusive Bonuszahlungen von bis zu 700.000 Euro geboten habe. Dann kam dieses Bild vom Trainingsauftakt des FC Augsburg, auf dem wir Marvin Friedrich nicht erkennen konnten. Dass der Innenverteidiger nicht das Foto gemacht hatte und deshalb nicht zu sehen war, stellte FCA-Manager Stefan Reuter später klar, als er der Augsburger Allgemeinen Zeitung sagte: “Wir haben gesagt dass er nicht da sein muss wenn die Gespräche so weit fortgeschritten sind. Jetzt warten wir mal die nächsten Stunden und Tage ab. Wir sind in sehr guten Gesprächen.”

Das Thema Innenverteidigung ist aber nicht das einzige, das Unions Manager Oliver Ruhnert umtreibt, wie Kurier oder Tagesspiegel schreiben. Es geht eben auch darum, Spielern wie Lennard Maloney, Cihan Kahraman und Lennart Moser Spielpraxis zu verschaffen. Aktuell hat letzterer eine Gastspielgenehmigung von Union erhalten und ist beim FC Energie in der Saisonvorbereitung. Doch wie dieser Text aus der Lausitzer Rundschau deutlich macht, dürfte die Leihe ganz stark davon abhängen, was Cottbus auf der Torhüterposition macht. Union dürfte kein Interesse daran haben, Moser an einen Klub zu verleihen, wo er nicht zum Einsatz kommt. Im Testspiel gegen Aue (2:3-Niederlage für Cottbus) scheint der Union-Nachwuchskeeper aber eine gute Figur gemacht zu haben. Außerdem erwähnt die Neue Westfälische Zeitung Interesse von Arminia Bielefeld an Marcel Hartel.

Ein Trainingslager bietet immer die Chance, neue Spieler kennenzulernen. So schauen sich Bild, Kurier und Morgenpost Innenverteidiger Keven Schlotterbeck an und erwähnen, dass er bereits eine Ausbildung bei der Polizei sicher hatte und dann doch noch Fußballprofi wurde. Die Bild zählt auf, wer alles aus der Familie Schlotterbeck im Fußball unterwegs ist und war. Der bekannteste war Niels Schlotterbeck (Onkel von Keven), der Bundesliga und Zweite Liga Ende der 80 bis Anfang der 90er spielte. Bekannt ist er laut Bild für ein Eigentor im DFB-Pokalfinale 1987.

Zugänge gibt es bei der medizinischen Versorgung. Mannschaftsarzt Tankred Haase und Matthias Plepp sind nicht mehr im Dienst des 1. FC Union Berlin. Diesen Job übernehmen laut Vereinsmitteilung ab sofort Suchung Kim, Clemens Gwinner und Tobias Gehlen von der Charité, mit der Union schon seit einigen Jahren bei der sportmedizinischen Untersuchung zusammenarbeitet.

Eine Bundesliga-Saison will gut geplant sein. Ich weiß nicht, wer von euch ebenso wie ich mal vor ein einiger Zeit leichtsinnig gesagt hat, dass die erste Bundesliga-Saison eine Allesfahrersaison wird. Da war das für mich alles noch in ferner Zukunft und ich dachte eher an eine Zeit, in der meine Kinder aus dem Haus sind … Nun habe ich einen Job, der wahnsinnig viel Zeit frisst, Kinder, die Aufmerksamkeit fordern und will ein Haus bauen. Aber irgendwas ist ja immer. Ich setze ein bisschen auf einen Spielplan, der es gut mit mir meint und einen Chef, der versteht, wenn ich am Freitag vielleicht Home-Office im Partyzug des Eisernen Virus mache. Denn der Eiserne Virus hat eine Party-Saison versprochen und plant jetzt die Umsetzung dieses Versprechens. Ich zähle auf euch.

Immer Unioner

Gute Besserung an Maxi Thiel, der sich in einem Vorbereitungsspiel des 1. FC Heidenheim das Kreuzband gerissen hat.

Und sonst so?

Ich habe gestern bei den gleichen Trikots der Drittligisten mit dem gleichen Sponsor gelernt, dass Sunmaker keine ostdeutsche Solariumkette ist. Dass ein Wettanbieter so offensiv als Hauptsponsor gleich bei mehreren Drittliga-Vereinen in der gleichen Liga auf der Brust ist, scheint für den DFB laut diesem MDR-Text kein Problem zu sein. Wir legen uns das mal auf Wiedervorlage bis zum nächsten Wettskandal oder zur Neuregelung des Glücksspielstaatsvertrags (muss bis 2021 passiert sein).

Maik vom St-Pauli-Podcast Millernton hat wieder seine berühmte Dauerkarten-Preisübersicht angefertigt. Und bevor jemand Schnappatmung bekommt: Nein, die Übersicht gewichtet nicht die Preise nach Platz-Angebot. Ein Verein wie Union kommt da traditionell schlechter weg, weil er überproportional viele Stehplätze in Lagen hat, wo andere Klubs Sitzplätze anbieten. Auch die Kombination Mitgliedschaft und Dauerkarte wird nicht berücksichtig. Ansonsten ist das eine ganz gute Übersicht. Nicht mehr und nicht weniger.

Der 1. FC Lokomotive Leipzig erinnerte im Zuge der Jüdischen Woche in Leipzig in der vergangenen Woche an zwei Schicksale ehemaliger Mitspieler, die im Nationalsozialismus als Juden verfolgt wurden. Beide Lebensläufe könnt ihr auf der Website von Lok nachlesen. Ich finde es gut, wenn sich Vereine in Ostdeutschland nicht darauf zurückziehen, erst in der DDR gegründet worden zu sein, sondern auch ihre Vorgängervereine (wenn es welche gibt) in die Traditionspflege einbeziehen.

Nach dem Aus der Frauen-Nationalmannschaft bei der Fußball-WM in Frankreich kann sich der DFB wieder zurückziehen und so tun, als wäre alles okay beim Frauenfußball. Dagegen schreibt dieser Artikel von Spiegel Online zurecht an. Da darf natürlich auch die mediale Selbstkritik nicht fehlen, denn welche Rolle spielt der Frauenfußball denn außerhalb von Großereignissen bei Medien wie Spiegel Online? Aber das nimmt den DFB natürlich nicht aus der Verantwortung. Ich komme mehr und mehr zu dem Schluss, dass ein eigener Frauenfußball-Verband besser wäre, obwohl ich das früher absurd fand. Aber dann gäbe es zumindest irgendeine Entwicklung, die unabhängig vom Männerfußball ist. Ob sie dann besser wäre, steht auf einem anderen Blatt.

Zum Abschluss heute ein paar Grüße aus Vietnam, wo “Dem Morgengrauen entgegen” gesungen werden kann, während wir in berlin noch schlafen.

4 Gedanken zu „Marvin Friedrich fehlt schon in Augsburg, aber noch ist er nicht bei Union

  1. “Home-Office im Partyzug des Eisernen Virus” – made my day already.

  2. Sehr wahrscheinlich bist du informierter beim Frauenfußball als ich, dennoch glaube ich, dass es ein Rückschritt wäre, wenn die Frauen ihren eigenen Verband gründeten. Zumal es doch, wenn ich es recht erinnere, schon so war, bevor es dem DFB genehm war, dass Frauen auch Fußball spielen. Außerdem würde es den noch nicht ausgestorbenen Eindruck wiederbeleben, dass sei ja doch was anderes.
    So wie ich Verbände verstehe, steht doch der solidarische Gedanke zumindest an einer prominenten Stelle in solchen Institutionen. In der Leichtathletik promoten die Läufer die weniger populären Disziplinen. Bei uns ist das oft umgekehrt, da sind es die Werfer. Aber niemand wird doch Prämien unterschiedlich hoch nach Disziplin gestalten. Der DFB ist in der Pflicht. Also gleiche Prämien für Männer und Frauen für den gleichen Titel sollte eine Selbstverständlichkeit sein – wenn man ein Verband ist, der seine Sportler*innen gleichbehandelt. Wenn das so nicht, müssen die Mitglieder dieses Verbandes handeln. Indirekt also auch wir. Neben medialer Aufmerksamkeit, Nationalspieler und Nationalspielerinnen gemeinsam abbilden auf Plakaten, gehört auch eine infrastrukturelle Initiative dazu. Die Liga muss sicher medial anders präsentiert werden. Aber ich glaube, von daher vermute ich auch deine Intention den eigenen Verband betreffend, ist der DFB die berühmte lahme Ente, kein Präsident*in, Korruptionsverdachte und so reformfreudig wie ein im Permafrostboden liegendes Mammut. Aber vielleicht werden wir ja von einem Kandidat*in überrascht, der/die bei Männern wie Frauen neue Wege beschreitet.

  3. @cuttertom Es gibt viele Argumente gegen einen eigenen Verband (der gewichtigste ist derjenige, dass die Fifa nur einen Verband je Land anerkennt, was vielleicht die stärkste Triebfeder im Umdenken des DFB war, den Frauenfußball doch zu akzeptieren). Mir geht es vor allem darum, dass Frauen im Prinzip keine Rolle spielen in einem Männerfußballverband. Im Präsidium gibt es genau eine Frau. Und die ist, Überraschung, für Frauenfußball zuständig. Der stete Kampf um Gleichberechtigung (es gibt im Mädchenfußball des DFB keine A-Jugend, so dass Mädchen nach den B-Junioren direkt in die erste Mannschaft springen sollen, es gibt das Verbot der gemischten Teams ab C-Jugend, etc.) hemmt die eigentliche Entwicklung des Sports. Wer kann denn seine Tochter mit gutem Gewissen zum Frauenfußball schicken und sich sicher sein, dass sie dort auch Leistungsfußball spielen kann? Es ist sicher nur ein Gedankenspiel von mir abseits von Realitäten, aber es hilft dem Frauenfußball meiner Meinung nach nicht, wenn er nur als Anhängsel des Männerfußballs wahrgenommen wird.

    Dieser Beitrag illustriert, was ich meine.

  4. @sebastian Den Artikel habe ich auch gelesen, aber wie bewiesen mit deiner Antwort, bist du eindeutig tiefer im Thema als ich. Und irgendwie bestätigen wir uns auch gegenseitig, wenn die Fifa nur einen Verband anerkennt, dann ist der DFB in der Pflicht zu reformieren. Die Mitglieder sind sicher gefragt, diesen behäbigen Verband zum Jagen zu schieben. Also Union mach mal was. Dass die Frauen als Anhängsel wahrgenommen werden, ist Folge des Verhaltens des Verbandes. Deswegen sprach ich andere Sportverbände an, da wird doch auch nicht so nach Frauen und Männern unterschieden, zumindest nicht im Training oder Wettkampf. Vielleicht kann mal dort lernen.

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