Stand jetzt ist Marvin Friedrich plötzlich Spieler beim FC Augsburg

“Dydydydydydy. Nananananana. Momomomomo. Scheiß Dynamo!” Als ich gestern mit dem Jungunioner im Auto zur Verwandtschaft an die Oder fuhr, war das Kind noch voll drauf. Die Fahrt war im Prinzip die Fortsetzung der Party vom Mittwoch. Er stimmte die ganze Zeit Lieder an und ich dachte daran, dass ich ihn vielleicht irgendwann an die Waldseite verlieren werde. Nach den mental wirklich anstrengenden Wochen, die unfassbarerweise zum Aufstieg führten, brauche ich erst einmal Erholung. Da reichte der gestrige Feiertag nicht aus.

Keine Pause gibt es für einige Unioner. Denn während die meisten Spieler bereits im Urlaub sind, geht es für Sebastian Andersson und Rafal Gikiewicz in die Verlängerung. Beide sind bei ihren Nationalmannschaften. Und auch Christopher Trimmel steht auf Abruf für Österreich.

Am Flughafen Tegel traf Unions Keeper auch einen Verteidiger, der für Bayern nicht mehr gut genug ist:

Ebenfalls keinen Urlaub hat Oliver Ruhnert. Der Manager wird jetzt die Verpflichtungen fest machen, die sich aus der Ligazugehörigkeit ergeben. Die erste Nachricht gab es bereits am Donnerstag: Florian Flecker wird aus Österreich vom TSV Hartberg kommen. Am offensiven Mittelfeldspieler war Union bereits in dieser Saison dran. Laut Vereinsmitteilung bekommt er einen Zweijahresvertrag.

Die nächste Frage ist, was mit den Leihspielern Suleiman Abdullahi und Robert Zulj passiert. Beide haben zum Ende der Saison zu ihrer Form gefunden. Bei Abdullahi dürfte es aus arbeitsrechtlichen Gründen keinen Weg zurück nach Braunschweig geben, zumal Union eine Kaufoption für einen Vertrag bis 2022 besitzt.

Augsburg zieht die Kaufoption

Apropos Kaufoption: Die hat der FC Augsburg bei Marvin Friedrich gezogen (BZ), was zur absurden Situation führt, dass der Verteidiger nach dem aktuellen Stand der Fakten zurück nach Augsburg muss, wo er gar nicht hin will. Union erhält von Augsburg eine vorher ausgemachte Ablöse (laut BZ 1 Million Euro) und muss nun eine Ablöse aushandeln, um mit Marvin Friedrich den vielleicht zukünftigen Kapitän fest zu verpflichten. Schauen wir uns die Entwicklung an, die der Verteidiger in den anderthalb Jahren bei Union genommen hat, so ist der Schritt von Augsburg nachvollziehbar, denn der Wert des Spielers dürfte die 1 Mio Euro sicher überschreiten. Dass der Klub hingegen in ihm mehr als ein Spekulationsobjekt sieht, glaube ich nicht. Wer will schon einen Spieler, der ganz klar keine Lust hat, nach Augsburg zurück zu gehen.

Marvin Friedrich bei der Aufstiegsfeier am Mittwoch, Foto: Tobi/unveu.de

Die Morgenpost hat den heutigen Tag genutzt, um ein Porträt von Urs Fischer zu schreiben. Das liest sich beim langsamen Runterkommen nach den Aufstiegsfeierlichkeiten ganz schön, aber richtig Neues erfahren wir nicht. Urs Fischer passt zu Union. Das wissen wir. Und durch den geglückten Aufstieg wissen das auch alle anderen.

Mich freut es für den Trainer, dass der wohlüberlegte Schritt ins Ausland für ihn auf Anhieb funktioniert hat. Er hat ein fragiles Mannschaftsgebilde stabilisiert (auch durch die Transfers, bei denen Oliver Ruhnert anfangs vor allem auf erfahrene Spieler setzte). Und er hat sich nicht verrückt machen lassen durch die wirklich schräge Saisonendphase. Als Belohnung gibt es für ihn nun die europaweite Aufmerksamkeit in einer der Top-Ligen des Kontinentes. Besser kann es zumindest aus persönlichen Karriere-Interessen nicht laufen. Es ist immer gut, wenn persönlicher Karriereplan und der Plan für die Vereinsentwicklung deckungsgleich verlaufen.

Ein etwas anderes Porträt gibt es im Kurier, der sich der kurz vor dem Aufstieg gestorbenen Ingeborg Lahmer widmete, die lange als Sekretärin für Union arbeitete und Ehrenmitglied des Vereins war. Ich glaube, dass ich nicht der einzige bin, der seit Montagabend an all diejenigen denkt, die diesen Tag nicht mehr mit uns erleben durften, mit denen wir aber gerne gefeiert hätten. Jeder dürfte da ganz andere Namen im Kopf gehabt haben. Ich dachte vor allem an Milan (andere kennen ihn als Assi), mit dem ich in der Kneipe 5Ziegen noch auf die Geburt des Jungunioners angestoßen hatte, an Janine und vor allem an TeeCee, dessen Stimme und Meinung zu Union mir wirklich fehlt, auch wenn wir garantiert nicht immer einer Meinung waren.

Hier noch einmal die Nachträge der Berliner Medien zu der Aufstiegsfeier vom Mittwoch:

Einer meiner Lieblingskollegen ist Andreas Baingo und ich finde es immer noch schade, dass wir nur so kurz miteinander arbeiten konnten, weil ich noch viel von ihm hätte lernen können. Er hat den Aufstieg genutzt, um ein paar feine Beobachtungen zu notieren (er schreibt aktuell auch eine kleine Unionserie im Kurier):

Bilder der Aufstiegsfeier gibt es hier:

Als ich diese Woche nach dem Aufstieg noch einmal von Radioeins angerufen wurde, stellten mir die Moderatoren die Frage, ob die Bundesliga Union nicht zu stark verändern würde. Eine Frage, die wir uns alle vor 10 Jahren beim Zweitliga-Aufstieg bereits gestellt haben, allerdings aus anderen Gründen. Ich bin angesichts des für die nächste Saison ausgesetzten Stadionausbaus (zumal es ja sowieso noch keine Baugenehmigung gibt), relativ entspannt, was das betrifft. Meine Antwort lautete deswegen: “Ich hoffe, dass Union die Bundesliga kulturell aufmischt.”

Die grundsätzliche Frage ist aber interessant, vor allem, da wir in Berlin die Erfahrung mit Verdrängung gerade sehr stark machen. Deshalb hat Andrej Holm, der im Stadion neben mir steht, ein sehr kluges Interview bei 11Freunde gegeben und auch ein paar oberflächliche Vermutungen entkräftet. Wer mehr über Andrejs Expertise zum Thema Gentrifizierung lesen  möchte, kann das im Gentrification-Blog machen.

Ach kommt, noch etwas Erpelpelle zum Schluss:

14 Gedanken zu „Stand jetzt ist Marvin Friedrich plötzlich Spieler beim FC Augsburg

  1. Danke, Sebastian, für diesen Beitrag.
    Insbesondere für die Worte über jene Unioner, welche die grandiosen Momente nicht mehr erleben konnten, aber definitiv mitgefeiert haben. Genauso ein „Danke sehr“ für das Lob an Andi Baingo – ein toller Kollege und Mensch!
    Wow. Makes my day!
    🤜🏻⚽️⚽️⚽️🤛🏻

  2. Zum Thema Verdrängung würde ich gerne wissen, ob ich der Einzige bin, der sich ernsthaft Sorgen um regelmäßige Stadionbesuche bzw. das Kaufen einer Dauerkarte macht, angesichts 3000 neuer Mitglieder seit dem Aufstieg? Leider musste ich letzte Saison aus persönlichen Gründen eine Saison mit meiner Dauerkarte aussetzen und schiebe jetzt etwas Panik… Bin ja auch schon gespannt, wie viele der neuen Mitglieder auch im Falle eines Abstiegs Mitglied bleiben!!!

  3. @ Kevin: das macht mir ehrlich gesagt auch große Sorge. Hatte dieses Jahr keine Dauerkarte obwohl ich ca 12x im Stadion war, aber halt mal mit meinen kleinen Kindern auf der Tribüne, mal ohne Kinder auf der Gegengerade.

    Würde mich nicht wundern, wenn bis Saisonstart die 30.000 geknackt wird, „Sonntagsfans“ anderer Vereinssympathisanten inklusive.

    Ich würde mir ja wünschen, dass der Verein für die nächste Saison einen Stichtag für das Vorkaufsrecht für Mitglieder einführt (27.5.2019…), aber ich glaube nicht dass das passiert. Weil der Verein nicht will oder womöglich aus vereinsrechtlichen Gründen nicht darf (Gleichbehandlungsgrundsatz o.ä.)

  4. Ich selbst kenne zwei Leute, die jetzt Mitglied geworden sind. Einer hat eine DK war aber bisher kein Mitglied. Die andere ist meine Mutter, die mit meinem Vater, der bereits lange Mitglied ist, eine DK für die Haupttribüne holen möchte.

    Ich glaube kaum, dass Eventis jetzt eintreten. Wenn man eine DK oder Tickets für nächste Saison haben möchte wird das nur noch über Mitglieder gehen.

    Scheint so, dass uns Busk auch verlässt …
    https://www.kicker.de/news/fussball/bundesliga/startseite/750483/artikel_gladbach-holt-gruen-und-verleiht-nicolas-zu-union.html

  5. @Jacek @kevin Ohne Details zu wissen, gehe ich davon aus, dass weiterhin 11.500 Dauerkarten verkauft werden und der Rest in den freien Verkauf geht. Freier Verkauf dürfte realistisch betrachtet bedeuten: Verkauf an Mitglieder ohne Dauerkarte. Wird also vielleicht nichts mit Dauerkarte aber Einzeltickets sind bei guter Planung und allzeit gutem Internet drin. Ich sehe da nicht, dass andere groß profitieren können.

  6. Eure Sorgen um eine Dauerkarte sind sicherlich berechtigt, aber ich frage mich schon, wieso man seine Dauerkarte ausgerechnet nach August 2017 freiwillig abgibt.

    Mit der Einführung des Zweit-Ticketmarktes August 2017 war bei mir der Entschluss gereift, meine Dauerkarte bis zu meinem Ableben zu behalten. Selbst wenn ich mal keine Zeit habe, kann ich anderen Freunden/Unionern eine Freude machen – ohne finanzielle Einbußen.

  7. @Sebastian: ich vermute, dass es deutlich schwieriger wird als schon gegen HSV oder VfB und da war es spätestens am Nachmittag nach VVK-Start vorbei mit Kartenverfügbarkeit – bei 22.000 Mitgliedern und nicht wie demnächst bei 30.000+

    Ist ein einfacher Dreisatz bei 22.000 Plätzen abzgl. 11.500 Dauerkarten abzgl 2.500 Gästeplätzen abzgl Sponsoren/Presse bzw „Friends&Family“ (vermutlich mehr als in Liga 2) bleiben dann vielleicht noch 6000-7000 Karten im freien Verkauf, bei verdoppelter Anzahl von Mitgliedern ohne Dauerkarte

  8. Und ich meinte auch nur „freien Verkauf“ an Mitglieder. Da wäre es schon hilfreich, wenn ermöglicht wird, dass Vollmachten online hinterlegt werden können (zumindest für Familienmitglieder die auch Mitglied sind)

  9. Danke für die Worte. Gedacht habe ich auch an den Seemann, an TeeCee sowieso. An Eddy, Günni und Janine. Wegbegleiter und Wegbereiter.

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