Das Gefühl, dass uns etwas ganz Großes bevorsteht

Es ist die vielzitierte offene Tür, durch die man nur noch durchgehen müsse, die mich bisweilen in den vergangenen Wochen genervt hat. Mit dem 3:0 gestern gegen Magdeburg ist sie verschwunden. Union ist durch diese verdammte Tür gegangen. Endlich möchte ich sagen, wenn ich an die 5 sieglosen Spiele vor der HSV-Partie vor 2 Wochen denke. Verdammt nochmal endlich, wenn ich an die Niederlage in Darmstadt vergangene Woche denke. Und das mit einer Leistung, die während des Spiels durch die hohe Effizienz vor dem Tor in der ersten Halbzeit nie gefährdet war. Es gab so ein, zwei Momente im Spiel, in denen ich dachte, es könnte jetzt kippen. Aber dazu spielte Magdeburg seine Angriffe so unkonzentriert zu Ende, dass nie nachhaltig Gefahr entstand.

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Ritter Keule mit dabei #fcunion #fcufcm

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Normalerweise hätte dieses Spiel viel Raum für Drama geboten. Aber das hatte sich mit dem frühen Tor von Grischa Prömel zügig erledigt. Die einzig schöne Geschichte war die von Sebastian Polter, der nichts sagte, aber 2 Tore sprechen ließ. Und jeder, der an diesem Tag mit offenen Augen an einem Berliner Kiosk vorbei gegangen war, wusste was diese Tore bedeuteten. Sie konnten vielleicht das Unsagbare ausdrücken.

Und der sowieso schon sehr emotionale Stürmer zeigte nach dem erlösenden Treffer zum 3:0 einen Jubel, wie ich ihn zuletzt vor gut einem Jahr gesehen habe. Damals war es zu Spielende der Treffer von Steven Skrzybski gewesen, der Union den Klassenerhalt sicherte. Nun hing Sebastian Polter am Zaun, weil sein Tor bedeutet: Union wird auf jeden Fall Platz 3 sicherhaben. Es ist die beste Platzierung Unions im wiedervereinigten Deutschland. Haben das alle mitbekommen? DAS IST DIE BESTE PLATZIERUNG UNIONS IM WIEDERVEREINIGTEN DEUTSCHLAND!

Sebastian Polter jubelt nach seinem 3:0 am Zaun, Foto: Felix/Union in Englisch

 

Vielleicht kommt meine Tiefenentspanntheit im Moment daher, dass ich mir gar keinen Kopf darum mache, wer nun Relegation spielt. Denn das ist mir total egal. Union ist es nicht. Mir ist es egal, wenn uns ein Stuttgarter Podcast zu seiner Relegations-Episode einladen möchte. Denn wir werden keine Relegation spielen. Mir ist es egal, ob Gelbsperren in der Relegation gelten (ja, tun sie). Denn Union wird keine Relegation spielen. Genauso ist es mir egal, wie das mit den Eintrittskarten gehandhabt wird. Das war gestern das letzte Heimspiel der Saison. Es ist diese Überzeugung, die das Team gestern ausgestrahlt hat, die der Verein ausstrahlt und die ich für mich irgendwie nach der Niederlage in Darmstadt gefunden habe.

Das sind die Spielberichte der Berliner Medien:

Fotos vom Spiel findet ihr hier:

Sebastian Polter dreht jubelnd ab, Foto: Stefanie Fiebrig

Ich kann die Geschehnisse rund um den Gästeblock nicht chronologisch wiedergeben. Es gab ein BFC-Banner im Gästeblock. Es wurden vermeintlich gestohlene Magdeburg-Fanutensilien auf der Waldseite präsentiert. Es provozierten Fans beider Seiten an der Plexiglastrennung zwischen Gästeblock und Sektor 4, bis Magdeburger Anhänger den Heimbereich stürmen wollten. Das taten sie vor laufenden Fernseh- und Überwachungskameras und warfen so einiges Richtung Ordner. Im Affekt kann sicher einiges passieren. Aber wenn man anfängt ein Absperrgitter zu tragen, sollte der Verstand wieder einsetzen. Dann wurde auch noch probiert, hinter der Gästetribüne durch ein Tor in den Heimbereich einzudringen. Die kursierenden Videos und Bilder davon sind mehr als verstörend.

Magdeburg-Anhänger durchbrechen hinter der Tribüne ein Tor zum Heimbereich

Ich frage mich, ob man das von der Heimseite unbedingt so mit Provokationen befeuern muss, da wir doch wissen, wer normalerweise in Sektor 4 steht. Das sind nicht die, die sich vorher noch die schwarzen Handschuhe überziehen, bevor sie sich prügeln.

Auf der Waldseite präsentierte Magdeburg-Zaunfahne, Foto: Tobi/unveu.de

Als ob die Polter-Tore und die damit zusammenhängende Geschichte, die Chance auf den direkten Aufstieg am letzten Spieltag, der Magdeburger Abstieg und versucht Sturm auf den Heimbereich nicht schon genug war, erhitzte ein Thema die Gemüter, das wohl niemand auf den Schirm hatte: Omas Purzelchen hatten ihren letzten Tag im Stadion.

Ich schätze sicherlich wie so viele andere die Purzelchen und hole mir auch gerne ein Stück Kuchen am Stand an der Waldseite oder beim Stadionbauerdenkmal. Als ich die wirklich immer nette Bedienung gefragt habe, was das soll und ob sie Pleite sind, antworteten sie, dass ihnen von Union gekündigt wurde. Das Geschäft laufe gut. Sie hätten gehört, Union wolle umstrukturieren.

Mein erster Gedanke war, dass Union vielleicht allen Kommissionären (also denen, die einen vom Union-Catering unabhängigen Stand im Stadion betreiben) gekündigt habe, um nun das ganze Geschäft neben Bier und Grill auch noch zu übernehmen. Ungefähr so wie die “Abseitsfalle” als Bierstand irgendwann nicht mehr für das Stadion zuständig war.

Aber dieser Gedanke erwies sich als falsch. Dem Betreiber der Purzelchenbuden wurde gekündigt und es wird stattdessen wohl ein neuer Kommissionär kommen und es wird auch im nächsten Jahr wieder Purzelchen, Kaffee und Kuchen im Stadion geben. Ob die Quarkbällchen dann Purzelchen heißen dürfen oder anders werden wir sehen. Und ob sie  auch so gut schmecken, weiß ich ebensowenig. Ich glaube, dass die ganze Geschichte vom kleinen Stand, dem der gesichtslose Kapitalist Union gekündigt hat, sicher nicht stimmt.

Ich kann natürlich verstehen, dass sich Unmut gegen diese Entscheidung regt, denn wir sehen nur die jederzeit witzigen und freundlichen Damen vom Purzelchenstand und nicht das gesamte Geschäftsverhältnis zu Union. Wir haben unsere Geschichten mit dem seit 10 Jahren bestehenden Ständen. Nicht nur mein Kind habe ich immer mit Purzelchen ins Stadion gelockt und konnte so auch das Spiel dort sehen. Aber die Entscheidung dürfte unumkehrbar sein. Und daran wird wohl auch diese Petition zum Erhalt des Purzelchenstands nichts ändern. Diesen Unmut wird Union jetzt aushalten müssen.

Unioner der Saison

Eines meiner Lieblingsfotos vom Spiel ist das von Rafal Gikiewicz. Für mich ganz klar der Unioner der Saison, weil er nicht nur auf dem Platz sondern auch daneben eine Präsenz zeigte, wie ich sie von einem Union-Torhhüter noch nie erlebt habe. Und weil er einen Ehrgeiz versprüht, der Undenkbares möglich macht.

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#sieg #union #boy #berlin #home 🧤

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Auf den anderen Plätzen

Die A-Junioren haben das letzte Saisonspiel mit 1:4 in Wolfsburg verloren und beenden die Saison auf Platz 10. Klassenerhalt in der Bundesliga. Das ist eine gute Nachricht, auch wenn sie schon vor dem Spieltag feststand.

Mit einem 6:0 beim Absteiger Dresden behauptet das erste Frauenteam am vorletzten Spieltag den Tabellenplatz 1 und weiter die Chance auf die Relegation zur Zweiten Liga. Viktoria ist immer noch nur einen Punkt entfernt.

Mit einem 4:2 gegen Berolina Mitte erhält sich das 2. Frauenteam die Chance, vielleicht noch am letzten Spieltag der Saison am Erstplatzierten Staaken vorbeizuziehen.

Siegerselfie der 2. Frauen nach dem 4:2 gegen Berolina Mitte, Foto via Hauptstadtarroganz

Was ich noch sagen wollte: Der letzte Saisonspieltag hat sich im Gegensatz zu früher nicht wie ein Abschied angefühlt. Wir werden uns alle noch wiedersehen. Und ich hoffe, dass es zur Aufstiegsfeier werden wird.

17 Gedanken zu „Das Gefühl, dass uns etwas ganz Großes bevorsteht

  1. „Fiebrig, du hast die Pfanne heiß“ und das ist auch gut so

  2. Es standen aber genau die mit den schwarzen Handschuhen in sek 4.

  3. Das BFC-Banner hab ich nicht mitbekommen. Schlimmer finde ich allerdings, dass schon bei 1:0 mindestens eine Fahnenstange aus dem FCM-Block in Richtung jubelnde Spieler geworfen wurde.
    Ganz so überzeugt vom Ausbleiben der Relegation bin ich leider nicht. Aber Respekt an Sebastian für diese Einstellung. Schützenhilfe von Dresden erwarte ich nicht.

  4. Ich stand wie immer auf der Waldseite und war echt erschrocken was in Sektor 4 bzw. Gästeblock passiert ist. Da stehen nämlich Familien mit Kindern. Ich möchte mir nicht vorstellen, wenn die Plexiglasscheibe bricht. Diese Chaoten hauen dann auf alles ein. Die machen da kein Unterschied zwischen Frau und Kind. Und das die Mannschaftsleiterin den Kontakt mit den Capos sucht und sie daraufhinweist, die Fahne und Schals von Magdeburg runterzunehmen und nicht weiter zu provozieren finde ich echt arm. Die Szene war sich offensichtlich auch uneinig was sie machen sollen. Die Einen haben gesagt:“ Runter jetzt mit dem Zeug“ und die Anderen: „Nö“. Echt bekloppt. Ich habe dann persönlich lautstark meinen Unmut zu dieser Aktion geäußert und musste mir dann von umstehenden Leuten echt anhören, dass es doch nicht so schlimm sei. Das war nicht mein Union und ich war danach auch echt schlecht drauf und konnte über das 3:0 nicht mehr jubeln. Das sollte intern echt angesprochen werden. Über die FuMa und auch in der Szene.

  5. Wir werden keine Relegation spielen? Das ist doch Stand jetzt die allerwahrscheinlichste der zwei übrigen Optionen. Klar ist das noch nicht entschieden, aber es liegt eben auch nicht nur in der Hand der Mannschaft (aka Daumendrücken für Dresden). Ja die Freude über das aufgestoßene Tor ist da. Aber die Aussicht auf Relegation trübt die beste Nachwendeplatzierung imho schon ein wenig.

  6. Als Vorsichtsmaßnahme für einen eventuellen Blocksturm waren natürlich auch Unioner der etwas sportlicheren Kategorie in Sektor 4 vertreten. Hörte man vor dem Spiel auf der Waldseite. Ob die Utensilien jetzt als Provokation herhalten, keine Ahnung. Die Magdeburger Szene wollte wahrscheinlich so oder so nicht geräuschlos aus der 2. Liga verschwinden.

    Insgesamt aber ein gutes Auftreten der Ordner, die die Situation relativ schnell im Griff hatten. So weit man das von der Waldseite aus beurteilen konnte.

  7. Ich finde es stark, dass ganz viele (und nicht nur Sebastian und einige weitere Unverbesserliche ;)) endlich mal optimistisch sind und vom Besten ausgehen…

    Ich habe gestern auf jeden Fall öfter Augen und Ohren aufgerissen, ob der Interviews und Stellungnahmen nach dem Spiel: der pure Optimismus. Glaube kann Berge versetzen.

    Eisern.

    Aufstieg jetzt.

    Und ja: Rafal ist der ideale Torhüter für Union!

  8. Ich stand bis zur 80. Minute ungefähr 3 Meter neben der Plexiglasscheibe. Richtig, es standen viele eher gemütliche Fußballgucker im Sektor 4. Die sind dann ab der 80. auch Stück für Stück weiter nach rechts Richtung Treppen gerutscht. Uns wurde das dann auch ein bisschen zu hitzig. Dafür füllte sich dann der Bereich vor der Scheibe und den Trenn-Toren mit sportlichen Jungs mit Kapuzen und Sonnenbrillen. Auch vorher gab es schon ein paar Unioner in der Nähe, deren Interesse vorrangig dem benachbarten Gästeblock als dem Spiel galt.

    Das gezogene Banner wird wohl nur ein Vorwand gewesen sein. Bereits vorher sollen sich einige Magdeburger vermummt haben. Ein paar nette Freunde aus H’hausen waren auch am Start.

    Trotzdem muss ich sagen, dass es bis dahin insgesamt entspannt dort zuging. Ein bisschen Gepöbel an der Scheibe, aber mehr nicht. Und auch während der Unruhe hatte zumindest ich das Gefühl, dass unsere Ordner (und z.T. die sportlichen Jungs) die Situation im Griff hatten. Mir war allerdings nicht bewusst, dass die Magdeburger das Tor unten beim Catering fast schon geöffnet hatten und durch waren.

  9. Ich fand die “Absteiger”-Rufe anfangs unangebracht und unnötig. Einen auf dem Boden liegenden Gegner muss man nicht noch treten. Als die Magdeburger dann jedoch anfingen, unser Wohnzimmer zu demolieren, hab ich Ihnen den Abstieg sofort gegönnt. Ich fand es darüber hinaus sehr interessant und angenehm, dass das Sicherheitskonzept offensichtlich die Pozilei möglichst lange raushielt und versucht wurde, die Gemüter anderweitig zu beruhigen. Die Ordner taten mir trotzdem Leid, die dann die Plexiwände und die Tore sichern mussten…

  10. Anzumerken ist noch, dass die Magdeburger kurz nach Beginn des Spiels auf den Essens-Container im Gästeblock geklettert sind. Das habe ich bisher auch noch nicht gesehen in unserem Gästeblock. Sie standen dort ungefährt 10 Minuten drauf. Wurden aber dann anscheinend wieder runtergeholt.

  11. Ja auch ich konnte mich nach dem Spiel aufgrund der Geschehnisse im Fanbereich nicht so wie sonst über unseren Sieg freuen. Auf einen am Boden Liegenden tritt man nicht nach. Ich gehöre zu der Generation, die solche Situationen mit Union vor längerer Zeit auf der Verliererseite mit erlebt haben. Das vergisst man nicht.

  12. Egal, was da gestern im Gästeblock passierte, da redet in spätestens 14 Tagen eh keiner mehr drüber, weil wir dann nämlich aufgestiegen sind in die 1. Fußballbundesliga.

    Ob direkt oder in der Relegation, egal! Wir steigen auf! Der Countdown läuft…Ick freu ma

  13. Vielleicht sollte man drüber nachdenken, den “Familienblock” umzusiedeln. Es wird sicher auch in der Zukunft Gästefans geben, die ähnlich ticken……ich bin dann schon am überlegen, ob ich den Unionnachwuchs ( 10 Jahre ) noch mitnehmen kann in Sektor 4.

  14. Boah sowas wie Familienblock will ich gar nicht hören. Ja es mag Bereiche geben wo man sie häufiger antrifft, die Familien und die Spätentschlossenen, doch bitte nicht einen Kinderspielplatz daraus machen. Und bitte nicht falsch verstehen, ich bin selbst Familienvater. Jeder kann doch frei entscheiden, wo er sich hinstellt (natürlich niemals auf den “hier-stand-ich-schon-immer” Platz, das ist ja klar ;o) Und wie soll man die Fans von Sek 4 bitte umsiedeln? Ich stelle mir gerade ein Hinweisschild vor: “Zartbeseitete Fans, Familien und sonstige nicht so kernige Unioner bitten wir sich eher Richtung Gegengerade zu platzieren”
    Eine Umkehrfrage: wer soll sich denn stattdessen in Sek 4 aufhalten?
    Ich finde es so wie es ist schon sehr deeskalierend. Auch die Gästefans wissen ja, wer im Sek 4 steht. Ich sehe eher die Trennung zwischen den Bereichen und deren Aufrechterhaltung als wichtig an. Ansonsten bin ich voll bei Peter!
    Aufstieg jetzt!
    UNVEU

  15. Pingback: Kurzzeitig offene Tür zum Gästeblock beim Spiel Union gegen Magdeburg › ***textilvergehen*** › 1. FC Magdeburg, 1. FC Union Berlin, 11Freunde, Anglerhut, Blocktrennung, bochum, Fischerhut, Gästeblock, offen, Tür, Tor

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