Der Kicker schreibt, wie viel Geld Union von Quattrex bekommen hat

Weil von Unions Verfolgern nur Steffen Baumgarts Paderborn stabil gute Leistungen zeigt und Ergebnisse einfährt (die aber umso mehr), halten sich die Konsequenzen von Unions Punktverlusten in der Tabelle in Grenzen. Nun schaut Union heute erstmal gespannt nach Köln: Denn nur der HSV kann sich heute gegen den Effzeh noch etwas absetzen…

Sebastian Andersson

Auch Sebastian Andersson schaut gespannt, Foto: Felix/Union in Englisch

Die Berliner Medien beschäftigen sich noch damit, wie die Spieler am Freitagabend das 2-2 gegen Regensburg empfunden haben – und vor allem mit Sebastian Polter.

Podcast

Wir haben gestern den Podcast über das Spiel gegen Regensburg aufgenommen und dabei vor allem darüber gesprochen, welche strukturellen Probleme in der Rückrunde in Unions Spiel aufgetaucht sind. Auch darüber, welche Lösungen es dafür geben könnte, spinnen wir ein wenig.

Ideen, die dabei vorkommen, sind neben Aufstellungen mit den Sebastians Polter und Andersson auch, vielleicht Grischa Prömel oder einen der Innenverteidiger einmal in die Personalrochaden einzubeziehen, die vor allem das offensive Mittelfeld treffen, um Unions spielerisches Potential zu erhöhen.

Quattrex

Das Thema der geschäftlichen Beziehungen von Union und der Investitionsfirma Quattrex stehen schon seit einiger Zeit immer wieder einmal in Frage. Zum Beispiel bei einer der letzten Mitgliederversammlungen, als der Vereinsvorstand auf eine Frage nach deren Inhalte nur sagte, dazu nichts sagen zu können. Das wenige, das über die Verbindung von Union und Quattrex bekannt ist, hatten wir 2016 hier zusammengefasst.

Der Kicker berichtet nun in seiner Ausgabe von heute (kurze Zusammenfassung online) über Details der Geschäfte zwischen Quattrex und Union (sowie Rapid Wien, Kaiserslautern und Heidenheim). Vor allem geht es dabei um Wolfgang Dietrich. Der ist seit 2016 Präsident des VfB Stuttgart, und eine der Personen hinter Quattrex Zwar hat Dietrich sich vor seinem Amtsantritt beim VfB von einigen Posten in Quattrex Management zurückgezogen. Enge Verbindungen zu den Firmen, die zu Quattrex gehören, und substantielle Beteiligungen daran hat er aber weiterhin (unter anderem hat Dietrichs Sohn nun ein Aufsichtsrat-Mandat inne, dass früher Wolfgang Dietrich ausübte, und hält Dietrich indirekt immer noch Anteile an Firmen des Komplexes).

Die DFL hat Dietrich und Stuttgart beschieden, dass keine Interessenkonflikte vorliegen, obwohl Dietrich finanziell vom Erfolg von Union profitiert – zum Beispiel in einer möglichen Relegation gegen Stuttgart. Union hat dem Bericht zufolge seit Sommer 2016 6,3 Millionen Euro von Quattrex erhalten. Schon bis Ende 2017 haben sich daraus für die Investoren dem Kicker zufolge Renditen von knapp 25 Prozent ergeben.

Aufstiegskurs

Unions Frauen haben gestern gegen den SFC Stern 4:1 gewonnen und damit die Tabellenführung in der Regionalliga (ein Punkt vor Viktoria, das 4:0 in Bischofswerda gewann) verteidigt. Photos von dem Spiel, in dem Union in der ersten Halbzeit mit einem Doppelschlag von Lisa Heiseler und Josephine Ahlswede in Führung ging und Marta Stodulska mit zwei Toren in der zweiten Halbzeit den Endstand herstellte, gibt es bei Facebook:

Bildeeer vom 4-1 von Union gegen Stern

Bilder vom 4:1 von Union gegen Stern; Facebook: 1. FC Union Berlin Frauen

Dafür, den Aufstieg in der Regionalliga und der Relegation tatsächlich zu schaffen, gibt es in der kommenden Saison übrigens eine neue Belohnung: alle Spiele der Liga sollen auf Fussball.de und dem Streamingportal soccerwatch.tv gezeigt werden. Realisiert werden sollen die Übertragungen durch die “durch künstliche Intelligenz gesteuerten Kameratechnik” von Soccerwatch. Wir sind gespannt, ob und wie gut das funktionieren wird, und hoffen, es an Union sehen zu können.

46 Gedanken zu „Der Kicker schreibt, wie viel Geld Union von Quattrex bekommen hat

  1. “Zum Beispiel bei einer der letzten Mitgliederversammlungen, als der Vereinsvorstand auf eine Frage nach deren Inhalte nur sagte, dazu nichts sagen zu können”

    korrekt ist, dass der verein bereits auf die frage nach der bloßen existenz einer solchen vereinbarung mit der aussage reagierte, dazu könne man nichts sagen.

  2. interessant an dem Thema Quattrex ist dass es Vermutungen untermauert dass die plötzliche Freistellung von Jens Keller auch mit eventuellen Verbredungen (man kann auch Wetten) auf einen Austieg zu tun haben könnte und evtl. der Investor 2017 kalte Füße bekommen hat, wenn man die Welt der Investoren so betrachtet (Beispiele Hannover, HSV, 1860) ist es durchaus üblich bestimmte Ziele zu verabreden, besonders pikant ist dabei die Möglichkeit dass wir in der Relegation auf Stuttgart treffen. Ach: “wir lassen uns nicht vom Westen kaufen” …. @ mario draghi: ja ich erinnere mich daran dass die Frage danach bei den Herren auf der Empore doch einige Nervösität ausgelöst hatte.

  3. @jens otto
    „…Wer lässt sich nicht vom Westen kaufen?! …“
    Mitsingen tu ichs auch, aber schmunzeln muss ich jedes mal. Es ist eben so eine Art romantisches Echo.

  4. Zumindest würde die beschriebene Nervosität die Vermutung nahelegen, dass Unions Gelder hier veruntreut/verkauft werden und Zingler das Gefühl Union nur noch als Marketing sieht. Das ist auch etwas, was von außen schon häufiger beschrieben wird, dass die Andersartigkeit bewusst als Marketing genutzt wird. Die großen Investoren wie Adidas stört das auch nicht, überraschenderweise findet eben so ein großes Unternehmen den Weg zu Union. Außerdem gibt es meines Erachtens dann wieder diese schöne Bestätigung zu den Worten, man sei jedem Geldgeber – auch Sponsoren – verpflichtet gut mit dem Geld umzugehen.

  5. @ Eiserner: man merkt schon dass sowohl Dirk Zingler wie u.a. auch Thomas Koch Geschäftsleute sind, das hat uns allerdings vor einigen Jahren auch geholfen und muss man den Beteiligten hoch anrechnen, was der Vorgang Quattrex zeigt: wir sind in den Realitäten des Profifußballs angekommen und da braucht man Geld, wenn man sieht was auch wir inzwischen für Transfers ausgegeben haben und wenn man sieht wie sich das entwickelt. Ich hoffe nur dass unsere Oberen weiterhin wissen was sie tun und das Bekenntnis zu unseren Grundlagen nicht nur Lippenbekenntnisse sind! @ silberhacke: ja es ist schon erstaunlich was sich in den letzten Jahren verändert hat, ich muss sagen dass es mir auch etwas Angst macht das wir unsere Wurzeln verlieren, tun wir alle etwas dafür dass wir niemals vergessen wo wir herkommen und wie hart es war zu überleben.

  6. @ Daniel Roßbach: ich würde auch nicht so weit gehen wie Eiserner aber man muss schon sagen dass das ganze Konstrukt Quattrex auch mit Risiko behaftet ist, vorallem die persönliche Verflechtungen mit Stuttgart sind gerade jetzt heikel, im Moment brennt ja beim VfB die Luft und wir konnten ja bei anderen Vereinen (1860, Hannover, HSV etc.) sehen wie schnelle Geldgeber auch Kalte Füße bekommen, wie gesagt: ich hoffe dass unsere Oberen wissen was sie tun und alles vertraglich geregelt ist. Und was das Marketing angeht: Dirk Zingler hat auch schon von der “Marke Union” geredet und manchmal finde ich die Vermarktung schon etwas viel …

  7. Darum singen wir im Block J schon “etwas“ länger “Wer lässt sich nicht vom Westen kaufen – Keiner, keiner…“
    Und es wird mehr und mehr zur traurigen Realität.

  8. @jens otto
    So isses!
    Es hilft, Leute in den Entscheidungsbereichen zu haben, die mit der Verantwortung (oder eben auch dem Geld) umgehen können. Wollen wir oben mitspielen, schaffen wir das nich allein aus unserem Nimbus heraus, auch wenn sich unser Nimbus, wie wir gerade erleben, prima vermarkten lässt.
    Natürlich produziert das Geschäftsgebaren, wenn es nicht kommuniziert wird, immer auch Paranoia, ganz gleich ob es angemessen ist oder nicht.
    Wer investiert, braucht einen Plan, und er braucht Nerven. Ich hoffe, Zingler verfügt über beides. Jedenfalls scheint er kein Seelenverkäufer zu sein. Es bleibt zu hoffen, dass uns die Verbindlichkeiten nicht irgendwann das Genick brechen.

  9. Ich spitze nur zu aus zwei Gründen:
    a) Siehe vorletzter Beitrag, wo ich deutlich mache, dass mir das kaufmännische Wissen fehlt und ich gern wüsste, ob es nicht günstigere Alternativen gab, um an Geld zu kommen.
    b) Ich provoziere gern differenzierte Auseinandersetzungen und erweitere die Extreme der Betrachtung.

    Persönlich ist mir durchaus bewusst, dass Gelder benötigt werden, um erfolgreich zu sein, genauso dass wir diese Gelder v. a. über Kredite stemmen (müssen), um eine gelungene Balance aus Langfristigkeit (Infrastruktur), aber auch sportlichem Betrachtungspunkt zu schaffen. Da ich weder Unternehmen noch Sportvereine geleitet habe und auch nur von den veröffentlichten Darstellungen über andere Vereine Informationen beziehe, kann ich faktisch nichts wirklich Handfestes beitragen. Falls jemand Wissen über Viktoria, den VfB Stuttgart, 1860 München etc. hat, die auf festen Zahlen und einem Gradmesser an Kompetenz beruhen, gern her damit. Wontorra hat das im Ansatz ja am Sonntag versucht.

    Ach ja, eine Frage, die Wontorra und sky90 aufnahmen, ist diese rapide Entlassungssucht bei deutschen Vereinen. Könnten wir uns, auch weil es ja Jens Keller betrifft, damit einmal auseinandersetzen? Oder evtl. einer der Schreiber?

    Eisern

  10. @Daniel Dann sollte, siehe Kritiken ein paar Wochen zuvor, das Niveau des Textilvergehens aber auch nicht auf Bild-Niveau sein. Denn da fühle ich mich aktuell mit den Aussagen ganz gut bestätigt.

  11. @eiserner Ich finde es maximal schwierig, das Wort “Veruntreuung” hier zu benutzen. Denn darum geht es hier nicht. Es geht um das Risiko, das der graue Kapitalmarkt darstellt und sich mit hohen Renditen bezahlen lässt. Und aus der Erfahrung der 90er Jahre bei Union mit riskanten, teils fragwürdigen Deals stellt sich da schnell ein Unwohlsein ein. Dazu kommt, dass die Faktenlage, die der Verein dazu öffentlich teilt, mit als sehr dünn noch wohlwollend bezeichnet ist.

    Mir sind Meinungen sehr wichtig, auch hier in den Kommentaren. Wenn sie faktenbasiert sind, dann finde ich das um so besser.

  12. machen wir uns nichts vor: die meisten unioner schrecken jetzt kurz auf, weil mal etwas an die Öffentlichkeit gedrungen ist, was der verein vorher nicht autorisiert hat. in zwei wochen wird die sache von fast allen wieder vergessen sein. quattrex wird erst dann wirklich ein Thema, wenn sich daraus wirklich ein lodernder brand entwickelt. solange es “läuft” (kann man davon angesichts von angeblich 10-25% Kreditzins p.a. wirklich sprechen?) ist es fast allen egal. inklusive berliner sportmedien und auch inkl. textilvergehen. jetzt hecheln die medien (vielleicht) schnell der Veröffentlichung des kicker hinterher, hofft aber im grunde darauf, dass man zu quattrex nicht recherchieren muss, weil man a) dem verein nicht wehtun will und b) auch die eigene fachkompetenz zu finanzthemen gering ist oder ganz fehlt.

  13. Im Jahresabschluss der Quattrex Sports AG (vgl. http://www.bundesanzeiger.de) heißt es zum Geschäftsmodell:
    „Die Quattrex-Sports AG gewährt Vereinen verlorenene Zuschüsse. Mit der Gewährung von verlorenen Zuschüssen erhält die Gesellschaft Anteile an Vermarktungserlösen der Vereine. Die Zuschüsse sind nicht rückzahlungspflichtig. Die Wertminderung erfolgt über die Abschreibung bis zum Ende der Laufzeit der Verträge.“
    De facto ist es also ein Art Kredit („Zuschuss“) dessen Rückzahlung nicht endfällig oder pro rata erfolgt, sondern über einen prozentualen Anteil an den Vermarktungserlösen und somit variabel. Wenn ich den Kicker-Artikel richtig im Kopf habe bis 2026. Interessant wäre natürlich zu wissen wie hoch dieser Anteil ist und was alles unter „Vermarktungserlöse“ fällt…

  14. dass union via quattrex “kreative Buchführung” betreibt ist seit jahren bekannt. mich interessieren einzelne posten in der Vereinbarung ehrlich gesagt wenig, sondern, wie lange das noch gutgehen kann.

  15. @mario draghi So geehrt ich davon bin, dass wir hier genannt werden und in die Verantwortung gezogen werden, aber eine tatsächliche Quattrex-Recherche mit entsprechendem Scoop können wir nicht leisten. Warum? Weil wir nicht dafür bezahlt werden. Das ganze Blog ist ein Hobby. Hauptberuflich arbeite ich 50 Stunden in der Woche etwas komplett anderes. Und Daniel auch. Und alle anderen auch.
    Und was die Kollegen der Berliner Medien betrifft, kann ich auf jeden Fall sagen, dass Quattrex da seit Jahren auf der Agenda steht und es sicher nicht am mangelnden Willen liegt, dass dazu nichts erschienen ist.
    Was die Fachkompetenz betrifft, kann ich nur für mich sprechen. Von Haus aus bringe ich sie sicher nicht mit.

  16. ich nehme euch da nicht in verantwortung und erwarte auch nicht von euch, kritisch über union zu berichtigen. ich bin der Meinung, dass ihr schnell einen bogen um Themen macht, bei denen etwas heikles oder unangenehmes herauskommen könnte (stichworte union-finanzen; pyro; stadion-erweiterung). das einzige, wo ihr euch mal etwas aus der Deckung gewagt habt, war die nordkorea-Politik des vereins, weil es euch in eurer Berichterstattung selbst eingeschränkt hat. aber gut – das ist menschlich.

    bei den professionellen Berichterstattern bin ich da weniger nachsichtig. “jahrelang auf der agenda” – aber trotzdem haben alle Berichterstatter zusammen keinen Halbsatz zum Thema zu papier gebracht? muss man das verstehen?

  17. Bei den stark gestiegenen/ steigenden Vermarktungserlösen im Fussball (zumindest in den höherklassigen Ligen) ist dann auch kein Wunder, wenn Renditen von 25% und mehr rauskommen – sofern der Anteil an den Vermarktungserlösen nicht gedeckelt wird. Andererseits reduziert diese Finanzierungsvariante auch das Risiko wenn es einem Verein nicht so gut geht und die (erhofften) Vermarktungserlöse ausbleiben. Ohne die Details zu kennen, ist es halt unmöglich zu beurteilen, ob es sinnvollere (günstigere) Finanzierungsvarianten gegeben hätte (welche Vermarktungserlöse werden einbezogen, gibt es einen Deckel, also z.B. 20% der Erlöse, aber maximal x Mio. €, ist der Anteil abhängig von der Ligatzugehörigkeit usw usw). Da kann man halt nur hoffen, dass sich die handelnden Personen im Verein nicht haben über den Tisch ziehen lassen und alle Varianten ernsthaft geprüft haben. Warum sollten wir dieses Vertrauen nicht haben ?
    Und: bei einem Bankdarlehen wären die Zinskonditionen vielleicht auf den ersten Blick günstiger, aber eben auch das Risiko wenn Erlöse fehlen – die Bank will ihr Geld immer vollständig und als erste zurück haben, egal ob der Verein erfolgreich ist oder nicht…

  18. es geht ja nicht um recht haben oder unrecht haben. ich wollte euch nur sagen, wie ich euch beurteile. das könnt ihr zur kenntnis nehmen oder es lassen.

  19. Wenn einer dem anderen bloß seine Meinung um die Ohren haut, bleibt das Thema auf der Strecke.
    Aber vielleicht gehts ja auch nur darum, ein bisschen Dampf abzulassen. Unerfreulich ist es trotzdem.

  20. @jacek: am ehesten zu vergleichen sind die Konditionen wahrscheinlich mit denen der anderen clubs im Fonds. heidenheim und lautern hatten jeweils 7,5% festzins vereinbart – ich würde das als marktkonforme zinsen für einen zweitligisten bezeichnen. wenn union also die plan-Verzinsung von 9,4% erreicht (das knappe 1% beratungshonorar kommt vermutlich da noch oben drauf) ist das jedenfalls deutlich mehr.

  21. @ mario draghi: danke, ich denke genau wegen der Probleme beim VfB Stuttgart ist das Thema jetzt auch hochgekommen, wie ich schon schrieb hoffe ich dass unsere Oberen alles so geregelt haben dass wir keine Probleme bekommen wenn andere in Schwierigkeiten geraten, ich würde das Thema gerne beerdigen (zumindest bis zur nächsten Mitgliederversammlung)

  22. was willst du bei der nächsten Mitgliederversammlung thematisieren?
    die aussage des vereins zum thema quattrex lautete bisher “Auf Grund von rechtlichen und grundsätzlichen Erwägungen äußert sich der 1. FC Union Berlin e.V. öffentlich nicht zu Abschlüssen, dem Bestehen oder den Inhalten einzelner Verträge des Vereins mit Dritten.”
    warum sollte sich daran etwas geändert haben?

  23. @ mario draghi: es geht ja nicht um öffentliche Äusserungen sondern um die Mitgliederversammlung, ich verstehe übrigens dass Finanz- und Vertragsfragen nicht in der Öffentlichkeit breit getreten werden.

  24. “breit treten” klingt so schön plakativ. tatsächlich verweigert unser verein bereits die auskunft darüber, ob überhaupt eine vertragsbeziehung zu quattrex besteht. von “details breit treten” reden wir hier noch nicht mal ansatzweise.

    da braucht sich niemand nicht zu wundern, warum die vereinsführung das vertrauen von teilen der mitglieder verliert oder verloren hat.

  25. nebenbei: die überschrift ist mehr falsch als richtig. union hat das geld nicht von quattrex bekommen, sondern von einem fonds mit gleichem namen. hinter diesem fonds dürften mehrheitlich aber ganz andere investoren stehen als quattrex selbst.

  26. danke für den link, der aus meiner sicht aus mehreren gründen sehr interessant ist.

    1. offenbar gab es bereits seit 2016 öffentlich verfügbare konkrete hinweise, wo Journalisten auf der suche nach quattrex-informationen hätten such enkönnen. ich sehe dadurch eine meiner obigen aussagen bestätigt.

    2. strukturell sehe ich das größte Risiko in dieser konstruktion in der Bewertung des (mezzanine-)kapitals. der Fonds ist als Mischform zwischen eigen- und Fremdkapital ausgelegt. unser Motiv für diese lösung leuchtet sofort ein: wir sind dazu angehalten, unser negatives eigenkapital abzubauen. dafür ist es aber irrelevant, ob wir (!) das Geld als eigenkapital ansehen; sondern entscheidend ist, ob das kapital in der lizensierung als eigenkapital angesehen wird. dahinter kann man ein Fragezeichen setzen. denn es gibt eine feste rückzahlungsverpflichtung – das ist normalerweise ein klares Indiz für Fremdkapital. offenbar hat die dfl diese Konstruktion bislang als lizenz-konform eingestuft. kann das auch jemand für die zeit bis 2026 garantieren?

    3. wir haben es hier letztlich mit einem “geschlossenen Fonds” zu tun. geschlossene Fonds sind vor allem für einen ein gutes Geschäft: für den oder die Initiatoren (hier: quattrex). Initiatoren gewinnen vor allem durch verschachtelte, komplexe Strukturen, wo man “wunderbar” diverse gebühren verstecken kann. hier z.b. die 0,95% beratungsprovision. es gibt hier also zwei bzw. drei Möglichkeiten: a) entweder der Fonds verdient sein Geld an blöden Investoren, die zu doof sind, die komplexe Konstruktion zu durchschauen. b) oder an dem Kreditnehmer (=wir), der letztlich die Rendite für die Investoren erwirtschaften muss oder c) die realistischte variante: an beiden. ich behaupte deshalb mal, dass die quattrex-kohle für uns sehr teuer ist und dem extremen streben unserer vereinsoberen zu verdanken, in die 1.liga zu wollen.

    wir wissen, was anderen vereinen passiert ist, die in diesem streben mehrfach gescheitert sind (Kassel, lautern); bzw. haben das ja bereits mehrfach auch am eigenen leib erleben müssen.

  27. Puh, ich bleibe bei der Feststellung, dass sich das Konstrukt mangels Detailinformationen nicht wirklich beurteilen lässt. Was heißt feste Rückzahlungsverpflichtung ? Nur bezogen auf den ursprünglich an Union ausgezahlten Betrag von rd 6 Mio. € oder inklusive einer garantierten Verzinsung von x % p.a. Oder ist die Verzinsung tatsächlich vollständig oder zumindest teilweise erfolgsabhängig? In dem Online-Kicker-Artikel war ja von einer „Plan-Rendite“ gesprochen, also offensichtlich errechnet aus einer erwarteten Entwicklung der Vermarktungserlöse (inkl Aufstieg ?!?). Ob dies so kommt, who knows ?

    Was mich zugegebenermaßen auch stört ist die fehlende Transparenz / Kommunikation ggü den Vereinsmitgliedern. Es geht nicht darum, Konditionen und Vertragsdetails offenzulegen – das ist mit Sicherheit durch entsprechende Vertraulichkeitsvereinbarungen ausgeschlossen – und auch aus Wettbewerbsgründen vielleicht gar nicht so hilfreich, aber von Vereinsseite aus zu sagen – ja, es gibt eine Finanzierungsvereinbarung mit Quattrex und diese Vertragsbeziehung abstakt zu beschreiben (Eigenkapital/ Mezzanine/Fremdkapital, welche Verpflichtungen ist der Verein eingegangen usw.) wäre als „vertrauensbildende Maßnahme“ m.E. durchaus angemessen. Aber vermutlich hat sich der Verein einer allumfassenden Vertraulichkeitsvereinbarung unterworfen, die auch die bloße Existenz der Vertragsbeziehung einschließt.

    Was freilich die auch in den Kommentaren bereits aufgeworfene und berechtigte Frage aufwirft, warum dieses Thema nicht stärker im Fokus des investigativen (Sport-)Journalismus steht. Wobei sich hier vermutlich das bestätigt, was bei den Ergebnissen von Football Leaks zu beobachten ist – kurze Empörung (wenn überhaupt und inklusive der Fangemeinde) und dann zurück zum business as usual des Profifußballs.

    Nur damit das nicht falsch verstehen wird – ich meine hier nicht das super Engagement und den State of the Union von Teve 🙃. Dafür sind andere da…

  28. eine “allumfassende vertraulichkeitserklärung” macht eigentlich keinen sinn, weil der Fonds ja an Anleger verkauft werden soll. wie will man einen Fonds verkaufen, über den niemand etwas sagen darf?

  29. Es reicht ja den Investoren zu erklären, nach welchen (abstrakten) Kriterien der Fonds grundsätzlich investieren darf, ohne dass diese vorab zu wissen, in welche Vereine das Geld investiert wird. Da wäre mal eine Aufgabe für den Journalismus, vielleicht über die Anlegerseite an mehr Infos zu kommen.

    Aber zwischen Verein (Kreditnehmer) und Fonds (Kreditgeber) kann es durchaus eine allumfassende Vertraulichkeitsvereinbarung geben.

    Und ja, am Ende macht derjenige, der den Fonds aufgelegt hat und verwaltet den größten Schnitt. Null Risiko, die fürstlich vergütet werden.

  30. jeder Investor, der in den Fonds einen größeren betrag investieren will, wird sich nicht allein auf die aussagen des Emittenten oder Initiators verlassen, sondern eigene Erkundigungen und Analysen anstellen. dann wird er zwangsläufig genaueres über die vier fußballclubs wissen wollen und – wenn es ein guter Investor ist – kontakt zu diesen aufnehmen. kein vernünftiger großanleger würde investieren, wenn er zu union kontakt aufnimmt, von dort aber die antwort erhält “wir dürfen ihnen nichts dazu sagen”.

  31. “Plan-Rendite” ist quasi für den realistischen Normalfall errechnet. daneben dürfte es auch andere Berechnungen geben bis hin zur worst-case-rendite und auch zur best-case-Rendite. letztere wird noch deutlich über den genannten 9,4% p.a. liegen. die rückzahlungsverpflichtung dürfte mindestens 6,3 mio. umfassen; einen festen zins gibt es ja nicht.

  32. @ mario draghi: ich verstehe sehr gut deine Argumente und wafrum du so verärgert bist und ich sehe auch das Problem wie auch Jacek in der mangelnden Kommunikation vorallem gegenüber den Vereinsmitgliedern, ich verstehe aber auch warum der Verein diese Finanzierungsmöglichkeit nutzt, wobei eine drastische Verschwiegenheitsklausel dann schon ein, wie man in Schwaben sagt Geschmäckle hat. Das Problem ist dass ohne die Probleme beim VfB Stuttgart warscheinlich keine Hahn danach krähen würde, nun besteht das Risiko dass sich vielleicht die DFL nochmals damit beschäftigt. Ich bin ratlos wie wir das Thema wieder einfangen können und hoffe weiter dass unsere Oberen das alles wenigstens bedacht haben und wir nicht in Schwierigkeiten geraten.

  33. @ mario draghi: es ist müßig darüber zu spekulieren, wie der Fonds im Detail funktioniert, aber dass jeder einzelne Fondsinvestor Zugang zu den Vereinen haben soll, halte ich für nicht realitätsnah. So ein Fonds sammelt idR Kapital bei Investoren ein und legt dieses anhand der im Emissionsprospekt definierten Kriterien an. Bezogen auf Fussballvereine könnten das (absolut spekulativ) sein: Ligazugehörigkeit und Dauer der Zugehörigkeit (z.B. mind. 2. Liga), Mindestumsatz, Mitgliederzahl, usw. das Fondsmanagement entscheidet über die konkreten Investitionen. Der Fonds kann den Investor eine Mindestrendite in Aussicht stellen oder auch nicht. Er wird den Investoren regelmäßig in Form von Rechenschaftsberichten über die getätigten Investitionen und die Performance berichten müssen (aber ggf auch hier ohne die konkreten Details zwischen Fonds und Verein offenlegen zu müssen).

    Das Geschmäckle ist halt insofern da, weil sich entweder der Verein die Verschwiegenheit selbst auferlegt hat oder dazu vom Fonds verpflichtet wurde.

  34. wie gesagt: ein cleverer investor wird sich niemals allein auf die aussagen der emittenten verlassen (schon gar nicht, wenn es um geschlossene fonds oder/und um größere summen geht). wenn der fonds an dritte verkauft werden soll – und so liest es sich – dann wäre eine solche klausel kontraproduktiv. ich glaube deshalb, dass es eine solche “absolutes stillschweigen-klausel” gar nicht gibt.

    @jens otto: “kein hahn kräht danach” ist eine ziemlich arrogante haltung gegenüber denen, die das thema seit jahren ansprechen, die aber vom verein genausolange größtmöglich ausgebremst wurden. jene werden kein interesse daran haben, das thema nun zu einzufangen (neudeutsch für “unter den teppich kehren”). der verein hat seit jahren ein schweres kommunikationsdefizit (übrigens noch länger kritisiert als quattrex). es gibt noch genug ältere unioner, die ganz genau wissen, wohin die mischung aus komplexe finanzierungsstrukturen plus größtmögliche intransparenz führen können.

  35. @mario draghi Keine Ahnung, warum hier deine Beiträge nicht auftauchten. Aber es gibt keine Mengenbegrenzung der Kommentare unter Posts. Ich schaue noch einmal beim Spam-Plugin nach, ob da etwas eingestellt ist.

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