Union hat den Aufstieg gestern höchstens zu sehr gewollt

Das Gute an dem 2-2 von Union gestern Abend gegen Regensburg ist, dass endlich niemand mehr reden darüber muss, ob Union (und irgendein Teil davon) den Aufstieg doll genug will.

Denn wenn gestern sonst nichts klar wurde, dann doch zumindest das. Und zwar, als Christian Arbeit mit viel Verve, Pathos und Enthusiasmus (und ein bisschen kaputten Metaphern) die Mannschaft und die anderen Unioner aufforderte, die Tür zur Bundesliga einzutreten.

Als das Publikum (von Sebastian Bönig animiert) schon vor dem Anpfiff stärker vibrierte als die Winkelemente in der Choreo, und als sich der Ärger über den Spielverlauf an Schiedsrichter Osmers entlud.

Und als die Mannschaft auf eine suboptimale erste Stunde und die Gegentore mit einer nicht filigranen, aber wütenden und durchschlags-kräftigen Offensivphase nach dem 1-2 reagierte. Und schließlich, als man nach dem Spiel hörte, wie unzufrieden alle Unioner mit dem 2-2 waren.

Die Berliner Medien konzentrieren sich vor allem auf die Tabelle, in der Union den HSV nicht überholt hat.

Was statt des Willens Unions Problem ist

Das ‘Problem’ des immer-noch-Tabellendritten Union ist dann eben nicht die Einstellung (und auch nicht die Aufstellung). Sondern dass spätestens in diesem Spiel klar wurde, dass diese Mannschaft Defizite hat, die für eine Aufstiegskampagne letztlich fatal sein könnten. Nicht wegen der zwei Punkte, die Union am Freitag verloren hat. Sondern weil diese Defizite den notwendigen Siegen zum Aufstieg wahrscheinlich im Weg stehen werden.

Zu diesen Defiziten zählt – im Narrativ dieser Union-Saison überraschender Weise – auch die Innenverteidigung in einer Art. Als ich gestern in der Pressekonferenz Regensburgs Trainer Achim Beierlorzer gefragt habe, worin die Schwachstellen von Unions Abwehr liegen, die seine Mannschaft ziemlich effektiv (vom Abschluss abgesehen) ausgenutzt hat, wies Beierlorzer diese Frage zunächst noch zurück. Einige Minuten später im nicht-aufgezeichneten Teil der Pressegespräche sagte er aber auch: “Dann ging’s eben schnell [in der Regensburg Offensive], mit Sargis Adamyan… Die beiden Innenverteidiger sind groß und wuchtig. Aber schnell und wendig sind sie nicht. Die Räume haben wir wahrgenommen und bespielt.” Das gleiche (“wenn du die ins Laufen bekommst…”) sagte auch der Regensburger Innenverteidiger Nachreiner.

Die Frage ist nun, ob Union in den letzten paar Spielen Fehler gemacht hat, die diese – ja nicht überraschenden – Schwächen exponiert haben, oder ob die Liga ein bisschen zu früh für Union darauf wirklich aufmerksam wurde. Das heißt, es fragt sich eigentlich: kann Union etwas tun, um diese Schwäche wieder zu kaschieren?

Damit, wie genau Regensburg diese Schwäche ausgenutzt hat, und worin Unions Offensive bestand (Beierlorzer: “… nur noch Langholz geschlagen …”) werde ich mich im Laufe des Tages auf Eiserne Ketten detaillierter beschäftigen.

Aber bei der Problembetrachtung sollten die guten Seiten dieses Spiels auch nicht übersehen werden. Auf welche Weise auch immer: in der Zeit nach dem 1-2 hatte Union eben sehr viele und große Chancen.

Außerdem war Felix Kroos gut gesehener, schneller, genauer Diagonalball vor dem 1-0 eine reine Freude.

Und beim 2-2 blieb es nur wegen Regensburgs Ersatz-Torhüter, der auch nur spielte, weil die Nummer 1, Philipp Pentke, angekündigt hatte, sich einen neuen Verein zu suchen. Nun, André Weis produzierte kurz vor Schluss gegen (den guten) Joshua Mees eine Parade, von der Sebastian Polter sagte: “Es ist mir unbegreiflich, wie man diesen Ball halten kann.”

Kroos

Fekix Kroos konnte sich über seine Vorbereitung des 1-1 letztlich nicht freuen. Auch, weil er auch viele Fehler machte. Foto: Felix/Union in Englisch/Football & Wildlife Media

Photos

Von uns gibt es diesmal leider keine Bilder, aber dafür die von Felix bei Union in Englisch und von unveu.de

Schöner eisern ohne Rassismus

Leider passiert so etwas in unserem Stadion:

Deshalb ist das so wahr wie notwendig:

23 thoughts on “Union hat den Aufstieg gestern höchstens zu sehr gewollt

  1. Wir reden hier über eine Phase des wollens ab der 75 Spielminute und mit der Herreinnahme von Polter. Ich würde das jetzt nicht an der Innenverteidigung fest machen. Wenn wir 3:2 Gewinnen redet da niemand mehr drüber. Fakt ist doch, dass Union nach dem raschen Ausgleich von Regensburg wieder wie in den vergangenen Wochen keine spielerischem Mittel findet um so eine Mannschaft aus dem Stadion zu fegen. Erst wenn wir zurück liegen spielen sie plötzlich wie aufgedreht. Woran das liegt sollte man analysieren. Für mich wurde Sebastian viel zu spät eingewechselt!!

  2. Es ist ja nicht so , dass die Innenverteidiger daran schuld sind. Sondern Union hatte jetzt einige Spiele, in denen sie es als Mannschaft insgesamt nicht geschafft haben, die in für sie gute Situationen zu bringen.

    Auf die Offensive habe ich mich hier nicht konzentriert. Ja, da gibt es Fragezeichen, ich weiß aber nicht, ob Sebastian Polter auf alles die Antwort ist.

    Das Wollen fand ich über die ganze Zeit offensichtlich vorhanden und wüsste nicht, wem man es wie absprechen könnte.

  3. @Daniel
    Danke, dass du die Innenverteidiger ansprichst. Ich hätte dich sonst mal gefragt, ob dir was aufgefallen ist aus deiner professionellen Sicht. Denn gerade in den letzten Spielen hatte ich das Gefühl, dass die zwei immer häufiger in Zweikämpfe mussten und oft sehr allein waren. 100% verteidigen kann man das nicht.

  4. Polter ist natürlich nicht auf alles die Antwort, aber ich fände es gut, wenn er mehr Spielzeit bekäme, vor allem bei offensiv ausgerichteten Heimspielen. Er machte immer wieder wichtige Tore für uns. Dazu sollte ihm Fischer mehr Gelegenheit geben.

  5. Entscheidend finde ich die unnötigen Ballverluste im Vorwärtsgang, die unsere Abwehr erst entblößen und Gegentore provozieren. Das erinnert mich ein wenig an die schlechteren Spiele der Keller-Ära.
    Dazu kommt die Einfallslosigkeit der Offensive. Insgesamt keine Mischung, die uns als Aufstiegsaspiranten ausweist.

  6. Ich lupfe da doch schon mal die Augenbraue wenn Urs auf der Pk sagt das die Mannschaft die ersten 60 Minuten nicht das umgesetzt hat was man die ganze Woche über trainiert hat…
    Die Innenverteidiger sind halt wirklich die ärmsten Säue momentan, irgendwas passt da im defensiven Mittelfeld nicht, gestern vor dem 1:1 die nahezu identische Szene wie vor Paderborns 1:0, ein Mann läuft an der Mittellinie los und keiner verteidigt ihn so wirklich…und gestern nicht nur einmal passiert.
    Ja Schade, diese “Geste” der Mannschaft vor dem Spiel war schon geil, Gänsehaut, aber so richtig dran geglaubt ham se anscheinend nicht…

  7. Was meinst Du mit “kaputten Metaphern”?

    Die IV ist nicht das Problem! Die etwaig fehlende Wendigkeit der Beiden kennt jeder Gegner ab Spieltag 1.

    Was ich nicht verstehe ist, dass schnelle Spieler mit einer großartigen Technik während der gesamten Saison überhaupt keinen einzigen Überraschungsmoment kreiert haben, aus dem was Zählbares hervorging.

    Zuji, Manni, Gogia spielen zwar ma ihre Schnelligkeit aus, aber in Dribblings gehen sie sehr selten. Letzte Woche Zuji 1:3 Situation, er bleibt kläglich am ersten Gegenspieler hängen. Manni gestern, er sprintet, aber es kommt kein “Einfall”, wie er am Gegner vorbeikommt…. etc. etc.

    Und ganz ehrlich: bei dem Aufwand vor dem und rund um das Spiel MUSS man einen Gegner wie Regensburg aus dem Stadion schießen. Egal wie. Wenn man das nicht schafft, kommt halt wieder das Murmeltier aus dem Bau gekrochen… 😩

    Eisern!🔴⚪️

    Btw. Das Video mit den bisherigen Saisonhöhepunkten könnte ich mir den ganzen Tag anschauen. Wie wäre das erst, wenn wir die Saison tatsächlich noch mit dem Aufstieg krönen könnten…

  8. Habe auch das Gefühl, dass Union den Gegnern der letzten Wochen spielerisch bestenfalls ebenbürtig war. Die Ideen in der Offensive (siehe Mannschaften wie Kiel, Paderborn) fehlen und gleichzeitig bekommen viele ihre individuelle Qualität derzeit nicht gezeigt.
    In der Hinrunde hat zudem gerade Manuel Schmiedebach häufig zugepackt, bevor Situationen gefährlich werden konnten. Der ist aus meiner Sicht aktuell ein Schatten eben dieser Hinrunde, läuft neben bzw. hinterher und antizipiert längst nicht mehr so genial. Die offensive Schwäche lässt sich eben auch über defensive Stabilität kaschieren, derzeit gelingt das nicht.

  9. @sportanwalt wenn ich mich nicht verhört habe, war die tür, die eingetreten werden soll, ein bisschen früher in dem satz auch schon auf…

  10. Ich sehe das ähnlich wie Dennis. Das Mittelfeld war gestern wirklich katastrophal. Und ob man aus dieser Leistung jetzt schließen kann, dass sie den Aufstieg zu sehr wollen, weiß ich nicht. Aber alle drei Zentralen in der gestrigen Startelf wirkten auf mich unkonzentriert und nervös. Und es ist auch ihre Aufgabe, Steilpässe zu verhindern, die unsere IVs in Sprintduelle bringen. Klar, dass die dann langsamer sind. Der große Pluspunkt in der Hinrunde war mMn das Stellungsspiel der gesamten Mannschaft. Das fehlt jetzt. Aber woran das liegt weiß ich auch nicht, vielleicht könnt ihr dem ja im Podcast auf den Grund gehen? Bevor ich jetzt hier anfange, mit Begriffen wie “Einstellung”, “Wille” oder Daniels geliebter “Körpersprache” um mich zu werfen.

    So oder so bleibt meine Pfanne maximal erhitzt. Alleine schon deswegen, weil ihr vom Textilvergehen schon längst erstklassig seid. Eisern!

  11. wenn man mich fragt würd ich sagen, es war in der zweiten Halbzeit die Luft raus im Vergleich zur ersten Halbzeit.

    Es ist einfach zu wenig gewesen und man kann mit dem 2:2 dann zufrieden sein, es war nicht mehr drinnen.

  12. Für mich fühlt es sich so an, als ob wir in etwa seit Beginn der Rückrunde durch die Gegner gezwungen werden mehr Ballbesitz zu haben als noch in der Hinrunde. Die Gegner überlassen uns den Ball in bestimmten Räumen oder stehen vielleicht hier und da tiefer/kompakter. Dann haben wir Probleme, so wie fast jede Mannschaft in Liga 2. Genauso haben wir Probleme wenn der Gegner gut presst (wie bspw. Paderborn oder auch gestern Regensburg). Lässt sich das anhand von irgendeiner Statistik belegen @Daniel. Wie gesagt, ist aus meiner Sicht ein schon länger vorhandenes Gefühl.

    Davon abgesehen hat man gestern gesehen, dass jeder Einzelne wollte, das hat Daniel gut dargestellt. In den einzelnen Aktionen fehlt aus meiner Sicht momentan die Präzision, das Quentchen Glück, vielleicht auch die Überzeugung und letzte Konsequenz. Wenn ich mir dir PK so ansehe, dann mag das an der aktuellen Drucksituation liegen; aber auch da gilt: in einer Woche kann man dem “Druck” den Finger zeigen und wieder alles reinwerfen.

    Wir werden am Dienstag immernoch auf Platz 3 stehen und – Union-Brille auf – mit nur noch 2 Punkten Rückstand auf Platz 2. Alles wird gut :-)

  13. @daniel: mich würde mal die zweikampfstatistik interessieren: ich hatte das Gefühl, dass diese sehr miserable war zumindest in den ersten 60 Minuten. Gefühlt: Verteidigung sehr weit weg vom Gegenspieler. Im Mittelfeld so gut die keinen Zweikampf gewonnen.

  14. Kann mich Martin nur anschließen. Ich finde auch das in den letzten Spielen uns der Ball überlassen wird. Dagegen spielt man dann hohes Pressing. Die Abwehr ist dann fast von der restlichen Mannschaft abgeschnitten und kann nur mit langen Bällen agieren.

    Die bekommen wir meistens schlecht verarbeitet und es werden gefährliche Ballverluste provoziert.

    Und im Angriff sind wir zu ungenau in den Zuspielen und vor allem im Abschluß.
    Wobei ich fast befürchte das wir da spielerisch einfach limitiert sind.

    Und auch wenn ich gestern die letzten 20 Minuten geil fand, das war war quasi Harakirifußball. Der Trainer von Regensburg hatte ja die Jubelfaust zum 1:3 schon in der Tasche.

    So genug gemeckert.

    Eisern

  15. Mal ganz theoretisch könnte Union ja noch auf Platz 8 fallen und damit das Saisonziel verpassen. Da würde ich aber auch Fischer entlassen. Er erreicht die Mannschaft ja aktuell auch nicht mehr nach dem Knick oder wie erklärt sich, dass die Jungs angeblich 60 Minuten die Vorgaben nicht umgesetzt haben? Kann das nur an Regensburg liegen, das Unions Schwächen so offengelegt hat?

  16. @Daniel: Dank´ Dir, ist mir in der Aufregung nicht aufgefallen ;)

    Wumme war gestern übrigens nicht im Stadion, deshalb haben wir nicht gewonnen! ;)

    Warum war Mané eigentlich gestern nicht im Kader. Kann es sein, dass seine Verpflichtung in der Winterpause das funktionierende Mannschaftsgefüge beeinträchtigt haben könnte? (Frage für den podcast).

    @Eiserner: Fischer entlassen? Ernsthaft jetzt?

  17. @sportsanwalt: Nein, mit einem zwinkernden Auge, aber mit dem vorsichtigen Hinweis, dass Platz 7+ noch nicht erreicht sind (rechnerisch) und die Mannschaft stagniert seit vielen Spielen.

  18. Mainz hat mal nach dem 29. Spieltag den aufstiegskampf für offiziell beendet erklärt – auf platz 8 (!) liegend und mit 6 punkten rückstand auf den damals noch zum direktaufstieg berechtigenden 3. platz.

    nach dem 34. Spieltag standen sie dann auf platz 3. die richtige verlautbarung zur richtigen zeit…

  19. @Mario Draghi: wieso kennst Du die Verlautbarungen von Mainz05 aus den 2000´er Jahren??? ;)

  20. Kann es sein, dass Schmiedebach seit einigen Spielen von der Rolle ist. Er leistet sich schon einige Böcke. Ich finde, er wirkte in der ersten Halbserie stabiler…

  21. Hört euch mal trimmel Interview bei sky an… Nach dem Spiel… Er sagt, der Druck sei kein Problem, den haben andere Mannschaften, die die aufsteigen müssen. Wir haben keinen Druck. Das sagt alles aus. Irgendwie scheint es mir, als ob einige der Situation, nicht gewachsen sind.

    Mich nervt auch dieser spielaufbau… Lange Bälle ist nicht mehr Mittel der Wahl. Nur auf 2 Re Bälle hoffen ist auf Zeit zu wenig… Schade, dass die Chance liegen gelassen wird.. Was mit Relegationsteams passiert, hat man anhand vom ksc und dem btsv gesehen. Gott bewahre uns davor

  22. @sportanwalt: erstens spielten wir damals in der gleichen liga wie mainz und zweitens hab ich ein gutes gedächtnis :-)

  23. heidenheim hat wohl gerade für 2 mio. das Stadion von der Stadt gekauft und soll dafür eine – nicht börsennotierte – anleihe geräuschlos und erfolgreich platziert haben.

    interessant auch, dass nach dortmund ein zweiter bundesligist seinen börsengang als aktie prüfen soll. in italien (juve) oder dänemark ja schon seit jahrzehnten üblich

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.