Die Ticketnachfrage sorgt für mehr Mitglieder und deshalb ist das HSV-Spiel schon jetzt ausverkauft

Union meldet das Heimspiel gegen den Hamburger SV ausverkauft. Das ist einerseits verwunderlich und andererseits nicht. Denn für das Heimspiel gegen Magdeburg, das gleichzeitig in den Verkauf ging, gibt es heute noch eine zweite Verkaufsrunde nur für Mitglieder (auch mit Dauerkarte). Verwunderlich ist der hohe Mobilisierungsgrad für die Partie gegen Hamburg, denn auch wenn Union mittlerweile deutlich mehr Mitglieder hat als in den Heimbereich passen, so heißt das ja noch lange nicht, dass auch alle ins Stadion gehen können. Aber das Spiel gegen Hamburg findet das erste Mal überhaupt statt und hat schon deshalb diesen besonderen Reiz.

Ob das denn mit rechten Dingen zugeht, dass schon alle Tickets in der ersten Verkaufsrunde an Mitglieder ohne Dauerkarte weggegangen sind, kam gestern bei Twitter die Frage auf. Ich habe da mal eine Modellrechnung aufgemacht. Die ist natürlich ungenau, weil nur das Ticketing genaue Zahlen dazu hat, aber fürs Verständnis dürfte das reichen:

22.200 Mitglieder
– 11.500 Dauerkarteninhaber
= 10.700 Mitglieder ohne Dauerkarte

22.000 Fassungsvermögen Stadion an der Alten Försterei
– 2.000 Gästeblock
– 11.500 Dauerkarten
= 8.500 mögliche Tickets im Verkauf

Das ist eine Modellrechnung, weil ich der Einfachheit halber alle Dauerkarteninhaber als Mitglieder gerechnet habe. Die überwältigende Mehrheit dürfte das tatsächlich sein. Das starke Mitgliederwachstum der vergangen zwei Jahre (November 2016: 13.828 Mitglieder, Februar 2019 über 22.200 Mitglieder) ist der Fakt auf den ich diese Vermutung stütze. Auch nicht reingerechnet sind Tickets für Fanklubs, Sponsoren etc. (Update von 9.50 Uhr: Fanklubs bekommen schon eine Weile keine Kartenkontingente für Heimspiele mehr)

Union-Mitglieder stehen am Stadion An der Alten Försterei nach Karten für die Spiele gegen HSV und Magdeburg an, Foto: Matze Koch

Bei mir hat das normale Ticketproblem (mittlerweile ist es ja im Prinzip für jedes Spiel notwendig, sofort beim Start des Vorverkaufs Karten zu holen) dazu geführt, dass sich meine Kinder tatsächlich 4 Wochen vorher schon entscheiden müssen, ob sie mitkommen. Und sie sind beide deswegen Vereinsmitglieder geworden (Familienmitgliedschaft macht es möglich), obwohl ich für mich mal die Regel aufgestellt habe, dass sie bei Volljährigkeit selbst entscheiden sollen, wo sie Mitglied werden (Kirche, Fußballverein und was es noch so alles gibt). Denn selbst wenn sich die Kinder entscheiden, heißt das für mich sonst nicht, dass ich im freien Vorverkauf Karten für sie bekomme und setze deswegen auf den Mitgliedervorverkauf.

Die Partie gegen den HSV zeigt das in seiner extremen Form, aber das ist aktuell die Normalität. Die Partie gegen Regensburg in gut anderthalb Wochen ist bereits so ausverkauft, dass der Zweitmarkt geöffnet wurde. Regensburg! Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen. Wobei das ehrlicherweise wohl nicht am Gegner, sondern am Saisonende und dem Verlauf der Spielzeit liegt. Ich glaube, dass jetzt in der Meisterschaft auch Spiele gegen Traktor Mittelherwigsdorf ausverkauft wären.

All das, was wir und Union jetzt erleben mit der hohen Nachfrage nach Tickets und all der Nebenwirkungen (Run auf Vereinsmitgliedschaft, Kartenkauf schon beim Start des Vorverkaufes, etc.) wäre durch den Stadionausbau im Prinzip sofort vorbei. Was für uns als Stadiongänger bequem ist, bedeutet für Union eine Umstellung: Denn der Verein braucht dann eine Strategie, wie der Ticketverkauf angekurbelt wird. Und vielleicht auch eine Dauerkartenkampagne. Aber das ist Zukunftsmusik.

Aktuell steckt Union im Aufstiegskampf. Und wenn einer das Wort Kampf mit all seinen Facetten verkörpert, dann ist das sicherlich Keeper Rafal Gikiewicz, den Bild/BZ und Kurier heute im Fokus haben. Der Torhüter sieht auch bei sich Verbesserungsbedarf, allerdings auch keine Krise bei Union.

Auf den anderen Plätzen

Die B-Junioren haben am Wochenende mit einem 5:1 gegen den Frohnauer SC das Halbfinale des Berliner Pokals erreicht. Dort warten Tennis Borussia, BFC Preußen oder Hertha BSC.

Rund um Union

Ihr erinnert euch, dass es rund um den tödlichen Messer-Angriff auf einen Unioner im Februar eine Welle der Solidarität mit der Familie gab. Eine Spendenaktion hatte damals Florentine Damitz angestoßen. Sie schreibt nun:

Liebe Unioner,

das Spendenkonto für Karl habe ich am Sonntag geschlossen und soeben die stattliche Summe von 8496,25€ an die Stiftung des 1.FC Union Berlin überwiesen…!
Insgesamt sind 8750€ zustande gekommen, wovon 253,75€ Gebühren an leetchi gingen… !

Ich möchte mich von ganzem Herzen bei allen Spendern bedanken… ! Das war eine großartige Geste der Menschlichkeit und Solidarität… ! Weiter so 👆💪

Für Rückfragen stehe ich Euch gern zur Verfügung… !
Schulter an Schulter für Karl 🔴⚪

Und Niemals Vergessen Eisern Union

Vielleicht fragen sich jetzt einige, warum das Geld an die Unionstiftung geht. Diese übergibt das Geld gebündelt an die Familie.

Ich bin immer noch beeindruckt von der vereinsübergreifenden Solidarität, die das Verbrechen ausgelöst hat. Das zeigt, dass wir in Zeiten, in denen es nötig ist, jederzeit die Vereinsgrenzen überschreiten können.

Dann noch eine News zum Schluss: Union ist jetzt Mitglied im Bezirkssportbund Treptow-Köpenick. Das ist einer von 11 Bezirkssportbünden, die zusammen mit anderen Sportverbänden im Landessportbund organisiert sind. Im Landessportbund war Union über den Berliner Fußballverband allerdings schon Mitglied.

Und noch ein schönes Foto aus einem russischen Zug im Winter, das den unbeheizten Teil am Übergang zwischen den Waggons zeigt, mit einem schönen FCU auf der vereisten Scheibe. Ich gehe mal davon aus, dass das nicht für FC Ural steht 🇮🇩

14 Gedanken zu „Die Ticketnachfrage sorgt für mehr Mitglieder und deshalb ist das HSV-Spiel schon jetzt ausverkauft

  1. Ich hatte schon den Eindruck, dass zum Start des VVK weniger Karten verfügbar waren als sonst, zumindest für die “normalen” Haupttribünenplätze (also außerhalb VIP). Die Zahl der Dauerkarten auf der Haupttribüne ändert sich ja nicht von Spiel zu Spiel, aber diesmal waren zum Start wesentlich weniger Plätze überhaupt als buchbar angezeigt. Ich war quasi zum Start des Online-VVK eingeloggt und konnte das somit sehen – abgeschlossen habe ich meinen Ticketkauf 90 Minuten später: Markiertes Ticket 10 Sekunden später nicht mehr verfügbar, Seite lässt sich nicht laden, Fehler beim Bezahlvorgang usw. Und dann immer wieder Neustart.

    Was ich ziemlich nervig finde, ist dass man online keine Vollmachten für andere Mitglieder hinterlegen kann (z.B. für die Kinder…). Das war auch ein Teil des Problems, denn meine Frau musste sich parallel in ihrem Account einloggen und wir mussten versuchen quasi zeitgleich ein Ticket zu buchen . Für einen Stehplatzblock hat’s am Ende ja nach mehreren Versuchen glücklicherweise geklappt. Für die Haupttribüne zwei Sitzplätze nebeneinander zu ergattern, war schlicht unmöglich…

    Aber Hauptsache zwei (Stehplatz-)Karten bekommen (in Block T) :)

  2. der verweis auf die gebühren von leetchi – dass es die überhaupt gibt war mir unbekannt – sollte man zum anlass nehmen, mal die verschiedenen gebührenmodelle für die verschiedenen spendenoptionen zu vergleichen und dann den anbieter kommunizieren, der dabei am wenigsten abgreift.

    dass man etliche wochen im voraus planen muss, wenn man ein Heimspiel besuchen will, ist für exiler übrigens seit jahren der Normalzustand…

  3. ex Wuschel, kann man aber verstehen. Der Herthaner sagt er habe keine Antwort von Union erhalten, wat ick als sehr traurig vom Verein erachte.

  4. Hallo Sebastian, dein Artikel hat mir gut gefallen. Der Ticketverkauf ist schon jetzt spannend und für mich als Auswärtigen ist es schwierig an Karten zu kommen und es bleibt nur die Hoffnung das es nach der Stadion Erweiterung besser wird. Aber das mit Traktor Mittelherwigsdorf war gut, wenn Union hier spielen würde, hätte ich es nur 6 km, denn Die gibt es wirklich.

  5. Gab es nicht noch eine dritte Spendenaktion, bei der auch eine mehr als erkleckliche Summe zusammenkam? Kann mich leider nicht mehr erinnern, an wen ich gespendet habe.

  6. Hah, jetzt hab ich’s mal ins Textilvergehen geschafft 😂 Ja, das FCU steht für unseren schönen Klub und ich sehe, dass mein Plan aufgegangen ist 😎 Grüße, Gregor

  7. Wenn man sieht das es im Unionforum vermehrt Kartenanfragen für HSV gibt, während Regensburgkarten dort gehandelt werden und Magdeburgkarten auch noch für Mitglieder zu haben sind, ahne ich was für Klientel beim HSV-Spiel zugegen sein wird. Schöne neue Welt.
    Nicht.
    Wir betonen immer wieder anders zu sein, aber wenn es ums Geld geht vergessen das viele.

    Ich finde es traurig wenn sich Mitglieder an Kartenverkäufen bereichern, das sollte kein Grund sein Vereinsmitglied zu werden.

  8. @Michael: warte doch bitt erst einmal das Spiel ab. Der Modus, den Union für den Verkauf gewählt hat, war fair, fand´ ich. Irgendwie muss man die Nachfrage schließlich handeln. Ich kann mir nicht vorstellen, dass sich richtige Unioner dieses Spiel wegen ein paar Kröten entgehen lassen…

    @Sebastian: Sag ich doch, #Aufstiegskampfmodus on. ;)

  9. @sportanwalt, mir geht es mehr ums Prinzip. Man verkloppt die Karten und hinterher heißt es dann wieder “scheiß Stimmung im Stadion” oder wie gg. Paderborn, das viele schon vor Abpfiff gehen.

  10. @Michael
    Gegen Paderborn sind nach dem 2:0 bereits viele von der Waldseite gegangen. Ich stehe ja immer nahe des Torhäuschens und habe mich auch gewundert. Leistung hin oder her, aber vor Abpfiff geht man nicht. Das hat mich damals bei Celtic Glasgow schon stark gewundert, dass nach 70 Minuten (3:0 für Celtic) die Leute gehen.

  11. hallo gregor; bei dem bildchen dachte mir schon, dass du das gepostet hast. :-)
    dein bis vor kurzem noch nachbar…

  12. @Eiserner: Gegen Celtic haben wir 3:0 gewonnen, oder meinst du was anderes?
    Anyways, vorher gehen geht nicht bei 3:0 und erst recht nicht bei 0:3. Sowas muss konsequent bepöbelt werden, die Eventies müssen ja merken, dass sie was falsch machen. Wenn man sonst eher zur Hertha geht hält man es viellleicht für normal.

  13. @Delong: Nein, ich war im letzten Jahr in Schottland für 2 Wochen und zufällig lief da im Sommer die CL-Quali, an der Celtic teilnahm. Deren Fans, die durchaus gute Stimmung machten, sind aber weitgehend nach 70 Minuten weg gewesen. Die Ultras waren mit Abpfiff auch auf dem Weg aus dem Stadion. Das war gewöhnungsbedürftig.

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