Union hat es selbst in der Hand, die Konkurrenz auf Abstand zu halten

Ich finde es durchaus spannend, wie das 1:3 gegen Paderborn im Nachhinein bewertet wird. So fragt sich die Bild/BZ (noch nicht online), ob Union seine erste Krise in dieser Saison hätte. Betrachten wir nur die nackten Ergebnisse, müssen wir das klar verneinen. Wenn nach 2 Niederlagen hintereinander schon das gefragt wird, müssen wir mal kurz die Maßstäbe checken. Schauen wir ein bisschen auf die Spielweise des Teams gerade in Heimspielen, könnte man vielleicht schon auf die Idee kommen. Aber ehrlich gesagt bin ich auch hier entfernt davon, von einer Krise im Sinne des Wortes zu sprechen. Denn Krise ist der Höhepunkt einer gefährlichen Situation. Und die einzige Gefahr, die ich aktuell sehe, ist die, dass Union Gefahr läuft, eine gute Position im Aufstiegskampf zu verspielen und auf ein Herzschlagfinale zusteuert. Aber das ist Sport und gehört dazu.

Grischa Prömel hält seinen Paderborner Gegenspieler beim Freistoß auf Abstand, Foto: union-berlin.com

Tatsächlich problematisch finde ich, dass es kaum möglich war, gegen Paderborn Chancen aus dem Spiel heraus zu kreieren. Dieses Thema diskutieren wir auch in der aktuellen Podcast-Episode sehr intensiv.

Aber zurück zur Bewertung des Spiels. Von “Chancen nicht genutzt” (Kurier), “kam kaum ein Berliner Spieler an seine Leistungsgrenze” (Tagesspiegel) bis hin zu Küchenpsycholgie und der Erinnerung vor 2 Jahren, als Union in Spitzenspielen gegen Hannover, Stuttgart und Braunschweig die ersten drei Tabellenplätze verspielte (Morgenpost), ist alles dabei. Gerade die Erinnerung an die erste Keller-Saison finde ich zwar naheliegend, aber gleichzeitig halte ich sie auch für totalen Quatsch. Weil Union im Kader qualitativ viel breiter aufgestellt ist, die Mannschaft, auch durch die Rotation, auch in dieser Breite eingespielt ist. Damals hatte die Rotsperre gegen Sebastian Polter eine durchaus negative Signalwirkung. In dieser Saison ist Sebastian Polter zwei Mal lange wegen Verletzungen nicht dabei gewesen, ohne dass dies einen Bruch ausgelöst hätte. Und über vielleicht fehlende Mentalität, auch so ein Begriff, der schwer fassbar ist, kann ich bei einer Mannschaft mit Rafal Gikiewicz und Manuel Schmiedebach nun wirklich nicht diskutieren.

Es gibt da andere Ansätze. Aus meiner Sicht stellt sich die Frage, wie stark Winterzugang Carlos Mané in das Spiel tatsächlich eingebunden ist. Mehr als gute Ansätze habe ich bei ihm leider noch nicht gesehen. Christopher Trimmel hat aktuell nicht die stärkste Phase in der Saison. Aber das alles ist keine Krise. Union muss gegen Dresden zeigen, dass sie als Team wieder in der Lage sind, den Gegner zu beschäftigen. Und ansonsten einfach das zeigen, was sie über große Teile der Saison ausgezeichnet hat: Konstanz. Denn eine Schwächephase von der Punkteausbeute her ist das schon, die wir gerade erleben.

Und falls die Mannschaft so etwas wie eine Motivation braucht (ich glaube das nicht), dann kann man vielleicht diesen Tweet an die Kabinentür kleben:

Wenn ich etwas über diese Zweite Liga sagen kann, dann das: Man sollte ihr mit Demut begegnen, denn sie ist verdammt ausgeglichen.

In der Berliner Zeitung können wir nachlesen, was Steffen Baumgart nach dem Spiel beim Italiener gegessen hat und der Kurier löst noch auf, mit wem das heutige Geburtstagskind Sebastian Polter nach der Partie das Trikot getauscht hat.

Aus taktischer Sicht gibt es bei Eiserne Ketten eine genaue Analyse des Spiels, in der Daniel aufzeigt, dass Unions Pressing im Gegensatz zu dem von Paderborn wirkungslos blieb.

Wie die Stimmung aktuell in Paderborn ist? Ganz gut würde ich sagen, denn zumindest medial wird die Option Bundesliga-Jojo in Betracht gezogen. Wir erinnern uns, dass der Klub zuletzt 2013 die Saison in der gleichen Liga beendet hatte. Seitdem stiegen sie auf (Bundesliga), durchgängig ab (in die Zweite Liga, in die 3. Liga, in die Regionalliga), blieben nur wegen der Lizenzverweigerung für 1860 in der 3. Liga, um dann sofort wieder aufzusteigen. Ich würde mal sagen, dass “Hell of a Ride” noch untertrieben für diese Gefühls-Achterbahn ist.

Das Schöne an dieser Situation? Es liegt an Union und der eigenen Punkte-Ausbeute, dass in Paderborn mal etwas Ruhe einkehrt 😎

Auf den anderen Plätzen

Die 2. Frauen haben in der Berlin-Liga gestern 5:2 bei Hertha 03 gewonnen und die Tabellenführung wieder übernommen, da Staaken 3:3 gespielt hat. Beide Teams stehen nun punktgleich oben, doch Union hat eine um 13 Treffer bessere Tordifferenz.

Siegerselfie nach dem 5:2 bei Hertha 03, Foto via Hauptstadtarroganz

4 Gedanken zu „Union hat es selbst in der Hand, die Konkurrenz auf Abstand zu halten

  1. Die “Damen-Zweete” macht Woche für Woche die besten Selfies! :)
    u.n.v.e.u.

  2. Gerade von Carlos Mane hatte ich mir mehr erwartet. In einem solchen Spiel im HZ zwei etwas Überraschendes zu kreieren würden die etwaige Ablöse rechtfertigen. So wird das ganze wohl nur ein Intermezzo bleiben.

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