Das erste rot-weiße Frauenteam und mehrere glückliche Zufälle.

Wusstet ihr, dass es beim 1.FC Union Berlin schon 1969 erstmals ein Frauenteam gab? Das wissen weltweit so wenige Leute, dass es nicht mal in der Wikipedia steht. Während es in der DFB-Hälfte des Landes bis Ende der 1970er Jahre verboten war, duften in der anderen, der vom Deutschen Turn- und Sportbund regierten Hälfte Frauen durchaus Fußball spielen. Auf einem anderen Blatt steht, wie ernst dieser Fußball genommen wurde, sagen die Frauen rückblickend. Aber immerhin war´s nicht verboten. Und so taten sich eine Handvoll Studentinnen des Instituts für Lehrerbildung in Köpenick zusammen und gründeten ihr Team.

Das Union-Frauenfußballteam von 1969 beim 11mm-Festival 2019

Alle waren sie fußballbegeistert, einige von ihnen hatten einen Schiedsrichterlehrgang absolviert und pfiffen Jugendspiele von Union. Da fanden sie es nur konsequent, selber zu spielen, “weil man von dem, was man da beurteilt, doch was verstehen muss”, sagt Margret Kattner, die ehemalige Kapitänin. “Handball”, erzählt sie weiter, “war uns zu hart, da wurde immer so an den Trikots gezogen. Ich meine, richtig festgehalten.” Sabine Landsberger ergänzt “… und für Volleyball waren wir alle zu klein!”

Und warum Union? Das beantwortet Silvia Trompeteler ganz pragmatisch: “Wir waren ja schon in Köpenick!” Ob ihre Familien davon begeistert waren? Unterschiedlich. “Aber”, sagt Margret Kattner, “man darf den Zeitgeist nicht vergessen, da waren überall Randale.” In einer Zeit des Umbruchs sind manchmal Dinge möglich, die sonst unvorstellbar sind. Sie haben dieses Zeitfenster für sich genutzt. Und sie hatten Glück dabei. Zwei der Spieler der 1. Herrenmannschaft des 1. FC Union Berlin, Bernd Vogel und Bernd Müller, wollten Trainer werden. Sie übernahmen das neue Frauenteam. Außerdem fanden die Frauen mit Unions Klubsekretär Günter Mielis jemanden, der ihr Anliegen ernst nahm. “Er war eine echte Unterstützung”, sagt Margret Kattner und erklärt auch, warum das wichtig war. “Die Zuschauer kamen, weil sie dachten, wir würden nach dem Spiel Trikots tauschen.” Die Anbindung an einen Leistungssportverein war auch wichtig, um überhaupt spielen zu können. Die Mannschaft war erst im November 1969 vollständig besetzt, gespielt wurde häufig gegen Nachwuchsmannschaften des eigenen Vereins. Gegen die zu spielen, war eine echte Herausforderung, erinnern sich die Frauen heute. “Weil die so schnell und wendig waren!”

Wie ein Klassentreffen: Die 69er Fußballfrauen haben sich immer noch viel zu erzählen.

Bis 1971 gehörte ihr Team zu Union, danach mussten sie sich der VSG Kabelwerk Oberspree anschließen. Denn Frauenfußball war zu der Zeit noch nicht olympisch. Die Leistungssportclubs durften nur fördern, was potentiell Medaillen brachte. Noch bis 1972 haben sie zusammengespielt, und wenn man sie heute gemeinsam erlebt, ist es wie ein Klassentreffen. Sie waren jung, gut gelaunt und so wild, wie man eben ist, wenn mit 18 die ganze Welt aus Türen besteht, die man einfach nur öffnen muss.

Gut 20 Jahre später hat der 1.FC Union wieder eine Frauen- und Mädchenabteilung bekommen. Und die bleibt da jetzt auch.

Warum wir diese Geschichte heute kennen und erzählen können? Zufälle, mehrere. Sabine Landsberger hat einen Teeladen im Prenzlauer Berg. Birger Schmidt, einer der drei Festivalleiter des 11mm-Festivals trinkt gerne Tee. In ihrem Laden hat er ein Foto der Fußballfrauen entdeckt und sich eines Tages getraut, sie danach zu fragen. Gut, dass er das gemacht hat! Er hat seinen Kollegen davon erzählt. Die haben mir davon erzählt. Und dann haben wir uns alle bei 11mm getroffen. Gut, dass es 11mm gibt. Ein Ort unwahrscheinlicher Begegnungen. Also geht da mal hin, erwartet das Unerwartete!

3 Gedanken zu „Das erste rot-weiße Frauenteam und mehrere glückliche Zufälle.

  1. Pingback: Eine letzte Gelegenheit zum Luft holen vor dem Endspurt für Union › ***textilvergehen***

  2. Steffi, Deine Fotos sind klasse und sooo herrlich atmosphärisch! Danke!

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