Von wegen Rivalität: Nicht mal eine richtige Provokation schafft Hertha

Heute ist der 1. März und damit beginnt für das Team von Union der Monat der Wahrheit. Und die Partie heute Abend bei der KSV Holstein um 18.30 Uhr ist das erste dieser Wahrsager-Spiele. Der Trainer betonte aber, dass noch 11 Spiele zu absolvieren seien, auch wenn er um die Brisanz der Duelle gegen die direkten Tabellenkonkurrenten weiß. Will heißen: Im März ist noch kein Team aufgestiegen. Wichtig für heute Abend ist, dass Carlos Mané vollständig mitmachen kann (Bild/BZ, noch nicht online, oder die Pressekonferenz bei AFTV). Michael Parensen hingegen ist erkrankt. Das ist die Chance für einen weiteren Innenverteidiger, sich in den Kader zu spielen. Ich denke, dass Nicolai Rapp dort Platz nehmen wird.

Urs Fischer auf der Pressekonferenz vor dem Spiel in Kiel, Screenshot: AFTV

Hier die Taktik-Vorschau von Daniel auf das Spiel heute Abend:

Spiel-Plan

Dass die Art, in der Kiel seine Innenverteidiger nutzt, besonders ist, hat die Bild/BZ gestern schon angesprochen. Sehr schön und genau hat das Aufbauspiel von Tim Walters Mannschaft das Paderborner Taktik-Blog Paderball von Jan-Gabriel Hartel analysiert.

Dort kann man nachlesen, auf welche Weise darin die Innenverteidiger-Position quasi aufgelöst wird, weil das Mittelfeld sich (fast) komplett in eine Zone weiter vorn auf dem Feld verschiebt. Damit öffnet es den eigenen Sechserraum, den dann die Innenverteidiger im Spielaufbau dynamisch besetzen. Darin liegt übrigens der Unterschied zu Kiel unter Markus Anfang in der letzten Saison: das Mittelfeld schob damals ähnlich hoch, der dadurch geöffnete Raum wurde aber von den Außenverteidigern, die sich in die Spielfeldmitte bewegten, besetzt.

Das ist auch, was Patrick Kohlmann meint, wenn er sagt, dass Kiel im Ballbesitz keine festen Positionen hat. Das scheint auf den ersten Blick den Ideen des Positionsspiel, in dem bestimmte Räume immer besetzt sein müssen, zu widersprechen. Aber dabei geht es eben vor allem darum, in den richtigen Momenten die richtigen Räume zu besetzen. Das heißt eben zum Beispiel, dass wenn der Gegner mit seinen Stürmern den Torwart presst, ein Innenverteidiger sich in deren Rücken in den freien Raum bewegt, den die Angreifer mit ihrem Anlaufen hinterlassen. Das macht vor allem Hauke Wahl phantastisch.

Natürlich geht mit diesem sehr produktiven Aufbauspiel auch ein hohes Risiko bei Ballverlusten einher. Es wird spannend sein zu sehen, ob Union einen Raum findet, in dem es Kiel effektiv pressen und diese Ballverluste forcieren kann.

Auch darüber schreibt Jan-Gabriel in seiner bereits erwähnten Analyse, die man unbedingt lesen sollte. Eine starke Empfehlung gibt es auch für den Vorschau-Podcast vom Millernton auf St. Paulis Spiel gegen Paderborn, für den er bei einem weiteren Taktik-Blogger-Kollegen, Tim Eckstein vom Millernton, zu Gast war.

Das sind die weiteren Vorberichte zum Spiel:

Der Tagesspiegel wartete mit einem besonderen Schmankerl auf, in dem er mit Wolfgang Kubicki einen Politiker aus Schleswig-Holstein interviewt, der auch mal zu Union geht. Hier wird auch wieder die Erzählung von Union als angeblich unkommerziellen Verein weitererzählt, indem der FDP-Politiker sagt: “Bei Union Berlin geht es in erster Linie um Fußball und nicht um Kommerz.” Ich sehe darin nicht zwangsläufig einen Widerspruch. Es ist lediglich so, dass das Stadionerlebnis nicht den Regeln des Sponsoring folgt, sondern im Vordergrund steht. Aber auch Union hat wahrlich ein Interesse gut zahlende Sponsoren zu verpflichten und ihnen Werbewert zu verkaufen.

Aktuell steht ja die Frage des zukünftigen Hauptsponsoren im Raum, nachdem Layenberger sehr wahrscheinlich nicht erneut zur Verfügung stehen wird. Einerseits wegen der Verpflichtung in Kaiserslautern und andererseits weil Union vielleicht auch dort einen finanziellen Sprung machen möchte, wie der Kurier unter der Woche schrieb. Denn eins ist klar und das beweist das Interview mit Kubicki im Tagesspiegel: Union hat eine Geschichte voller Emotionen zu erzählen. Und das ist Gold, wenn es um die Suche nach Sponsoren geht.

Und sonst so?

Wir werden ja immer mal wieder mit einem Fashion-Blog verwechselt, weil wir Textilvergehen heißen. Heute möchte ich das dem nie eingelösten Versprechen mit dem Namen doch ein wenig gerecht werden, der Standard aus Österreich hat geschrieben, warum der Fischerhut als Acccessoire (oder eben Bucket Hat) auch bei Leuten, die etwas von Mode verstehen, im Kommen ist. Mal sehen, wann der Wende-Fischerhut, den Union im Angebot hat, auch im Fashion-Mainstream ankommt.

Florian Bruns (immerunioner.de) hat auf meine-traumelf.de seine Wunschteam zusammengestellt und dabei auch Michael Molata (immerunioner.de) berücksichtigt, über den er sagt:

Während unserer Zeit bei Union Berlin wurden wir zu Freunden und das passiert im Profi-Fußball nun wirklich nicht so häufig. In Berlin war er damals Kapitän, ein absoluter Führungsspieler, der immer vorneweg marschiert ist. Und zwar egal in welcher Situation. Ob auf dem Rasen, wenn der Rückstand noch umgebogen werden musste oder nach Niederlagen, wenn er sich vor die Presse stellte und die Schuld für die Pleite einfach auf sich nahm oder sehr klare Worte für unsere Leistung fand. Jeder Trainer will so einen Spieler in seiner Mannschaft haben, weil er weiß, dass so ein Mann genügend Rückgrat hat, immer offen und ehrlich seine Meinung zu sagen.

Und wenn ich schon bei früheren Unionern bin: David Bergner (immerunioner.de) und Sreto Ristic (immerunioner.de) haben bei Chemnitz verlängert:

Und dann noch etwas, was mich etwas ratlos zurücklässt. Bei Hertha haben sie Bezirksspieltage eingeführt, bei denen ein Heimspiel immer einem Berliner Bezirk gewidmet ist. Das lässt mich zwar auch etwas ratlos zurück, denn es geht ja um ein Fußballspiel und nicht darum Steglitz zu promoten. Aber das meine ich nicht. Dieses Mal ist wohl der Bezirksspieltag Köpenick. Keine Ahnung, ob das irgendwen provoziert. Aber dann brachte Hertha gestern diesen Film heraus, bei dem ich die ganzen 2 Minuten auf irgendeine Provokation wartete. Aber um es schon mal zu spoilern: Sie kam nicht. Stattdessen schreibt Hertha, dass sie union viel Erfolg beim Aufstieg wünschen. Ich verstehe das Ganze nicht. Union ist zwar Köpenick, aber Köpenick selbst ist schon mehr als Union. Wie gesagt, es lässt mich ratlos zurück. Aber vielleicht ist das Video auch nur Teil der Fußballökumene Berlin.

Bitte nicht falsch verstehen: Ich will keinen Hass zwischen beiden Klubs. Ganz im Gegenteil. Aber das ist anbiedernd und langweilig.

18 thoughts on “Von wegen Rivalität: Nicht mal eine richtige Provokation schafft Hertha

  1. Wird wohl wieder mal Zeit Tusches Tor nach Charlottenburg zu schicken per mail :-)

    Ein Verein der immer von Europa träumt rühmt sich mit der Meisterschale der 2.Liga. Haha.

  2. Die Provokation ist doch drin. Das Freistoß Tor von dem Spieler dessen Namen ich verdrängt habe. Aber Hertha hat auch letzte Saison Union die Daumen gedrückt und so ziemlich jeden Herthaner den ich kenne hofft, dass Union aufsteigt und es endlich wieder ein Derby zwischen beiden Vereinen gibt. Da Hertha nicht runter will, sollen wir eben noch zu denen. Passt mir auch ganz recht.

  3. Anbiederung? Ich denke hier eher an ein Stückchen Normalität! Berlin ist groß genug für zwei Erstligisten, vor allem, wenn sie in allen Bereichen (räumlich, einstellungstechnisch, kommerziell,…) derart diametral auseinander liegen.
    Die Blauen sehnen sich genauso nach echten Derbys wie große Teile unserer Fanszene – von daher freut mich das Filmchen einfach nur!

  4. Die Kampagne von der alten Dame verwundert mich auch! 😁
    Warum fährt die alte Tante nicht modern, zukunftsorientiert und werbeträchtig mit ihrer Sbahn??? 🤔😎
    PS: sie hätten wahrscheinlich keine zeit zuwarten?! 😉

  5. Das ist wirklich billig und schlecht. Hoffentlich hatten sie eine preiswerte Drohne statt eines Hubschrauber(einstz(es)), um die Kosten zugunsten der Dramatig *gähn* zu senken. Sebastian hat alles mit seiner heutigen Überschrift gesagt.
    Und natürlich prifitieren die Charlottenburger enorm von einem möglichen Aufstieg der unseren, ist doch klar.
    UNVEU

  6. Hertha: dabei gäbe es so viel zu erzählen, die Fanfreundschaft VOR dem Mauerfall, dann nach dem Mauerfall das historische Spiel im Olympiastadion, die bis heute bestehende Freundschaft zwischen Unionern und Herthanern trotz aller Entäuschungen nach dem Mauerfall, bis hin zu der Anteilnahme von vielen Herthanern nach dem Mord an Karl… nun ja so ein Filmchen kommt dabei raus wenn man bestimmten Medienagenturen so etwas überlässt, jenen die Berlin mit “hippe Berliner Szene” bewerben ….

  7. Was mir dazu einfällt: Letztlich ist es nur eine Hyundai-Werbung…und ansonsten würde sich wohl jeder Herthaner wünschen, Heimtore in einem solchen Stadion zu bejubeln!

  8. Auch die dritte Person auf dem Bild der Chemnitzer hat eine Unionvergangenheit. Der Vollständigkeit halber.

  9. wer sich taktik-blogs durchliest der hört sich auch das gelaber vom hoffenheimer trainer an. wie heisst der nochmal?

  10. Ich find´ das Video mit Ingo Schiller eigentlich ganz nett von der Hertha.

  11. evtl sind hier einige noch zu jung , lasst euch mal von Unionern aufklären die 40 jahre und länger zu Union gehen!!!!!

  12. naja, sie wollten bei Hertha witzig sein, hat nicht ganz geklappt… aber geschenkt

  13. Das Filmchen hat sich offensichtlich die selbe Agentur ausgedacht die schon mit dem brillianten Claim “In Berlin kannst Du alles sein..” PR-Geschichte geschrieben hat.

    Ich würde der Hertha ja raten sich ne andere Agentur zu suchen, weil die machen das einfach nicht gut. Das bewegt sich nur in unterschiedlichen Flughöhen von peinlich.

  14. Irgendwo muss ich das mal kurz loswerden: Was für eine abgebrühte Leistung gestern!! Wir steigen auf. Punkt. Huch, jetzt habe ich es gesagt… Diesmal haben sie Recht: Die Früher-hätten-wir-das-Spiel-verloren-Sager. Nach katastrophaler zweiter Halbzeit gegen Bielefeld, auswärts gegen einen direkten Konkurrenten, am Freitag (mit einem Restspielttag wo sich andere gegenseitig die Punkte nehmen). Es war alles vorbereitet, um nach dem Spieltag in Krisenstimmung zu verfallen. Und dann das! Von Anfang an. Kiel sah so viel schlechter aus, als wenn ich sie zuhause gegen andere Teams sehe. P.S.: Ich wette eine heiße Pfanne darauf, dass der HSV am Dienstag noch hinter uns steht!

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