Last-Minute-Sieg, Tor des Monats und Urs Fischer sagt: “Es gibt überhaupt keinen Grund, euphorisch zu werden”

Viereinhalb Monate. So lange ist der letzte Auswärtssieg von Union her. Und gestern sah es eine Halbzeit Zeit lang so aus, als würde die Mannschaft die Chance vertun. Denn alle anderen Teams im Aufstiegskampf hatten Punktverluste hinnehmen müssen. Als Florian Hübner zum Schluss den Ball nicht zu Sebastian Andersson Joshua Mees durchließ und ihn nicht aufs Tor brachte, dachte ich, dass es das gewesen war. Leicht frustriert fuhr ich gerade mit dem Auto auf der Landstraße bei Zossen und hörte dem mäßig aufgeregten Kommentator bei Amazon zu. Ecke geklärt und dann Abpfiff. So dachte ich. Als Andersson dann das Tor machte, weil Zulj noch eine lange Flanke reinbrachte, musste ich mich ganz stark zusammennehmen, um nicht beide Hände vom Steuer zu nehmen.

Wieder einmal muss ich diese wahnsinnigen Ballannahmen von Akaki Gogia loben, denn wie er den Ball herunter holte, den Duisburg hoch aus den Strafraum beförderte, ist einfach phänomenal. Der klebte förmlich an seinem Fuß. ohne diese Ballannahme wäre die Chance wohl kaum möglich gewesen. Denn so rückte Duisburg nicht in Ordnung raus, sondern stand noch im Strafraum. Und für Sebastian Andersson sowieso nur die volle Gönnung.

Das Spiel selbst war nicht besonders toll. Ganz im Gegenteil, es war zerfahren. Es hatte aber wahnsinnig tolle Momente. So wie diesen Lauf von Carlos Mané (der sich hoffentlich nicht ernsthaft verletzt hat im Spiel) vor dem 1:0, das er Robert Zulj auflegte. Oder Marcel Hartels Treffer zum 2:2 in die kurze Ecke.

“Es gibt überhaupt keinen Grund, euphorisch zu werden”, sagte Urs Fischer in der Pressekonferenz. Ich weiß, dass der Trainer das sagen muss. Erst recht, wenn wir uns anschauen, wie eng die ersten 7 Teams beieinander sind. Und dass Köln noch ein Nachholspiel hat. In die Richtung kommentiert auch der Kurier den Sieg, der zusätzlich die 8 Gegentore in den letzten 3 Auswärtsspielen kritisiert.

Aber ich nehme mir schon raus, mich diebisch über solche Big Points zu freuen. Aber auch das ist nur eine Momentaufnahme. Ich werde jetzt nicht bis Freitag Abend zum Spiel gegen Bielefeld (mit Uwe Neuhaus als Trainer) komplett durchdrehen. Dafür sorgt allein schon André Hofschneider, der mich von der Autogrammkarte auf meinem Büro-Schreibtisch immer kritisch anschaut. Andererseits wäre eine Pfanne vielleicht wirklich die Merchandising-Idee der Saison …

Hier sind die Spielberichte zum 3:2 in Duisburg:

Für die Auswärtsfahrer gibt es hier die Möglichkeit, an der Spieltagsumfrage teilzunehmen.

Das Gedenken an den ermordeten Unionfan gehörte auch zu dem Auswärtsspiel. Bisher gibt es weiterhin keine Neuigkeiten von der Polizei, die gestern rund um den Tatort aktiv war, um Hinweise auf den Täter zu suchen.

Tor des Monats für Marcel Hartel

Zusätzlich abgerundet wurde dieser aus sportlicher Sicht hervorragende Samstag dadurch, dass Marcel Hartels Fallrückzieher gegen Köln in der ARD Sportschau zum Tor des Monats gewählt wurde. Damit hat Union erstmals überhaupt zweimal in einer Saison diese Auszeichnung für sich gewinnen können. Die Medaille wird sicher nach dem nächsten Heimspiel überreicht.

Auf den anderen Plätzen

Die U19 verlor gestern 2:4 bei Hannover 96 (Spielbericht) und belegt in der Bundesliga weiter Rang 10 (6 Punkte Vorsprung auf Abstiegsplatz).

Die U17 spielt heute um 11 Uhr beim SV Werder Bremen. Und ein Heimspiel hat das 2. Team der Frauen um 14 Uhr gegen den FC Internationale in der Verbandsliga (Kunstrasenplatz Alte Försterei).

Fassen wir den Samstag noch einmal zusammen:

13 Gedanken zu „Last-Minute-Sieg, Tor des Monats und Urs Fischer sagt: “Es gibt überhaupt keinen Grund, euphorisch zu werden”

  1. Die PK nach dem Spiel war so traurig. Der Lieberknecht kann einem leidtun. Ich habe großen Respekt vor ihm und seiner Erfahrung. Symphatisch ist er auch. Aber nach dem Spiel wirkte er (verständlicherweise) wie ein getretener Hund.

  2. @Mark Ja, das war tatsächlich zum Heulen. Und dann die Frage zum Thema Aufstiegskampf, während er noch die Niederlage verarbeiten muss. Ich weiß, dass man als Journalist, da keine Rücksicht nehmen kann, aber mir tat er da wirklich leid.

  3. Gußeiserne Unionpfanne, genial würde ich auch sofort kaufen.
    Fragen an Lieberknecht wirklich unter der Gürtellinie.
    Marcel Hartels Tor des Monats genial, Glückwunsch.

  4. Auch wenn ich Hartel das Tor des Monats gönne, hätte ich persönlich meine Stimme dem Bremer Tor gegeben. Weil es mal was anderes war als die typischen Kandidaten. Normalerweise gewinnen immer ein Gewaltschuss oder ein Fallrückzieher. Beim Bremer Tor war es mal zur Abwechslung ein gelungenes Dribbling. Sowas gewinnt komischerweise fast nie.

  5. „Ich weiß, dass man als Journalist, da keine Rücksicht nehmen kann“

    Kann man nicht? Wieso eigentlich nicht?

  6. Da musst du knallhart investigativ die ungeschminkte Wahrheit aus dem Leuten heraus holen, oder das, was zwar nicht wahr, aber immerhin möglich und spektakulär genug ist, um es der Öffentlichkeit ins Bewusstsein zu brennen.
    Leider gelingt das nur selten.

  7. Ich fand die Fragen der Kollegen Koch und Bunkus da überhaupt nicht ungebührlich. Es ist ja nicht, als hätten sie zuerst Lieberknecht gefragt, wie er die Aufstiegschancen von Union sieht (ob man sich die Frage am Ende hätte sparen können lass ich mal dahingestellt). Und im Fußball gibt es eben Gewinner und Verlierer. Und eine andere Gelegenheit als diese, um Urs Fischer die Fragen zu stellen, die sich aus diesem Spiel ergeben, haben die Journalisten eben nicht.

  8. Ich bin da vollkommen bei Daniel. Da kann man keine Rücksicht nehmen, wenn es die einzige Chance ist, Fragen an Trainer stellen zu können. Das kommt dann von außen unsensibel rüber, liegt aber in der Logik des Jobs. Könnte man den Trainern jeden Tag Fragen stellen, wäre das etwas anderes. Und eine Pressekonferenz, die mal richtig spektakulär bei Union war, ist schon lange her. Aus dem seit Jahren üblichen Format etwas herauszuholen, ist schon echt eine Kunst.

  9. Ich meinte auch gar nicht, dass die Fragen zu hart waren. Lieberknecht war die ganze PK über bedröppelt, aus seinem Anfangsmonolog sprang die pure Verzweiflung und Hilflosigkeit. Dass man als Sportjournalist da trotzdem eine Nachfrage stellt ist völlig normal. Ihn auf seine Erfahrungen mit dem Aufstiegskampf anzusprechen, während er gerade Letzter ist und ein Last-Minute-Tor kassiert hat erscheint mir aber schon etwas taktlos. Wer hat denn geglaubt, dass er darauf eine Antwort mit journalistischen Mehrwert geben wird? Ich würde das jetzt nicht als Nachtreiten werten. Aber in der Nähe ist es schon.

  10. @Sebastian nur der Fakten wegen: in der Szene, die Du beschreibst, stand der eingewechselte Mees einschussbereit hinter Hübi.

    Würde die Pfanne sofort bestellen und dann bei gutem Ausgang vergolden lassen! :)

    Eisern!

  11. Ich erinnere nur daran, dass Torsten Liebknecht in den letzten Jahren immer eine Meinung hatte zu Union und Aufstiegskampf. Zudem hätte er durchaus aus seinem Erfahrungsschatz berichten können, wie es ist, wenn die Meute der Verfolger auf einmal näher kommt.

    Ich hatte ihn auch lang und breit seine Sicht der Dinge zur Lage des MSV erklärren lassen. Die Fraage kam also bewusst am Ende der PK.

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