Marcel Hartel: Vom Fallrückzieher-Double zur Fallrückzieher-Hauptrolle

Heute morgen habe ich beim Lesen mit dem Tagesspiegel-Text über Marcel Hartel begonnen. Darin wurde die Frage aufgeworfen, wie lange er denn noch in Berlin bleiben würde, denn: “Der 1. FC Köln hat sich beim Wechsel 2017 eine Rückkaufoption gesichert und Tore wie dieses sind sicherlich nicht die schlechteste Eigenwerbung.” Huch, dachte ich. Erstens weil ich die Rückkaufoption nicht mehr im Sinn hatte. Und zweitens, weil Marcel Hartel schon von Jens Keller gesagt bekam, er solle öfter mal den Abschluss suchen. Sprich, er trifft gar nicht so häufig. Im Kurier ging es auch um die Option, die Köln bei Marcel Hartel im Sommer ziehen könnte.

Ich war schon ganz beunruhigt, weil ich dachte, dass mein Gefühl bei Hartel vielleicht völlig falsch liegt. Aber ausgerechnet der Kölner Express hat zur Beruhigung beigetragen. Dort steht nämlich: “Der offensive Mittelfeldspieler war Anfang der letzten Saison in die Hauptstadt gewechselt, im Sommer 2019 hat der 1. FC Köln eine Rückhol-Option. Aber im Hartel-Lager glaubt niemand, dass es angesichts der großen Konkurrenz auf seinen Lieblingspositionen dazu kommt.” Und auch am Donnerstag nach dem Spiel sagte Hartel, dass es aktuell keinen Kontakt zu Köln gebe.

Aber wirklich fantastisch war dieser Fun-Fact, den der Express über Hartels frühere Filmkarriere ausgegraben hat. Denn vor 10 Jahren war der Juniorenspieler Marcel Hartel als Fallrückzieher-Double bei den Aufnahmen zum Film “Teufelskicker” dabei. Mit meinem großen Kind habe ich in der Zeit die Hörspiel-Episoden der Serie gehört.

Bilder: Europa Hörspiele via Amazon, Michael Hundt/Matze Koch

Auch die anderen Texte der Berliner Medien widmen sich noch einmal vollkommen zurecht dem wunderbaren Erlebnis des 2:0 über den 1. FC Köln. Dabei geht es wahlweise um den fantastisch aufgelegten Rafal Gikiewicz (Kurier/Berliner Zeitung), den allerdings persönlich eine anstehende Operation bei seiner Frau sehr beschäftigt. Von unserer Stelle wünsche ich alles Gute! Andererseits geht es wahlweise um Armin Veh, der sich beklagt (Bild online), oder um Florian Hübner, der nicht nur getroffen hat, sondern auch eine hervorragende Zweikampfquote von 70% gewonnenen Duellen aufweisen kann (Bild im Print/BZ). Sowohl Rafal Gikiewicz und Florian Hübner haben es damit in die Kicker-Elf des Tages geschafft.

Daniel hat bei Spielverlagerung eine Taktik-Analyse des Spiels gegen Köln geschrieben. Und wir haben gestern im Podcast das erste Ligaspiel des Jahres besprochen:

Ich finde es übrigens immer witzig, was für ein Bohei um Ziele gemacht wird. Das neueste Beispiel ist in der Morgenpost zu finden, in der Simon Terodde damit zitiert wird, dass sich manche Vereine dahinter verstecken würden, das Ziel Aufstieg nicht auszusprechen. Und Grischa Prömel die Wir-denken-von-Spiel-zu-Spiel-Rolle einnimmt. Dabei ist es doch seit mindestens 5 Jahren klar, dass das gesamte Streben des Vereins auf den Aufstieg ausgerichtet ist. Weil es sportlich aktuell kein höheres Ziel gibt. Das wird an Sponsoren kommuniziert (oder ist Adidas eingestiegen, weil Union in der ewigen Zweitligatabelle nach ganz oben will?). Mit dieser Perspektive kommen Spieler, die hoffen, über Union in die Bundesliga zu kommen oder im Zweifelsfall sich für Bundesligisten interessant zu machen. Und für diesen sportlichen Wettkampf gehen wir ins Stadion. Es ist also allen klar, dass Union aufsteigen will.

Wie realistisch das in Einschätzung der eigenen Mannschaft und der anderen Teams in der Liga ist, steht auf einem anderen Blatt. Aber nur weil Köln und Hamburg in der Liga spielen, müssen die anderen Klubs doch nicht sagen: “Nee, macht ihr das dieses Jahr. Wir schauen mal, was in der nächsten Saison geht. Aber nur falls dann nicht schon wieder irgendwelche Bundesliga-Dickschiffe absteigen.” Dieses ganze Ist-der-Aufstieg-das-Ziel-oder-nicht-Getue ist vor allem ein mediales Spiel, dass Klubs aufziehen, um sich nicht jede Woche damit auseinandersetzen zu müssen, ob der Aufstieg jetzt abgehakt ist oder nicht.

Der Tagesspiegel macht es gerne antizyklisch und erklärt deshalb in einem Kommentar, warum Union keine Chance auf Platz 1 oder 2 hat. Das ist ganz schön großer Quatsch, auch wenn sich natürlich über den langen Zeitraum Geld irgendwann schon einmal durchsetzen wird, weil es ja auch Qualität kaufen kann. Allerdings wird hier ein bisschen etwas durcheinander gebracht. Nur weil Jhon Cordoba schnell ist, wird er noch lange kein Top-Stürmer, der 17 Millionen Euro wert ist. Und dazu der Irrglaube, dass viel Ballbesitz oder viele Flanken Überlegenheit ausdrücken würden.

Es kommt im Fußball darauf an, den Gegner vom eigenen Tor wegzuhalten und ihn nicht in gute Schusspositionen kommen zu lassen und umgekehrt selbst nur aus guten Positionen den Abschluss zu suchen. Ob man dazwischen 80 oder 20 Prozent Ballbesitz hat, ist eine Frage für Ästheten. Und ich finde es schon eigenartig, das wohl beste Innenverteidiger-Duo der Zweiten Liga als zweitklassige Verteidiger zu bezeichnen. Ich sage mal: Oben werden wie immer die Teams stehen, die konstant Punkte holen. Das sind sehr wahrscheinlich Köln und Hamburg. Aber das heißt nicht, dass andere Teams keine Chance haben.

Vor der Partie gegen den FC St. Pauli

Um 12.20 Uhr gibt es die Pressekonferenz mit Urs Fischer (AFTV). Mal sehen, ob wir darin erfahren, als was sich Sebastian Polters Verletzung aus dem Spiel gegen Köln herausgestellt hat. Ein Einsatz in Hamburg scheint eher unwahrscheinlich.

Wer sich ein bisschen vorbereiten möchte, kann sich den St.-Pauli-Podcast Millernton Vor dem Spiel anhören, in dem von unserer Seite Tim zu Gast war. Sehr schön, wie er mit vom Köln-Spiel heiserer Stimme die Aufnahme bewältigt hat.

Und sonst so?

Die Frauen des 1. FC Union machen gerade ein Kurz-Trainingslager an der Alten Försterei. Diese und andere News gibt es hier.

An der Uniontanke wurde am Donnerstag der Feuerkorb gestohlen. Mögen der Person, die dafür verantwortlich ist, die Hände abfaulen. Aber erst nachdem das gute Stück zurückgegeben wurde.

Feuerkorb der Uniontanke, Bild via Uniontanke Facebook

Feuerkorb der Uniontanke, Bild via Uniontanke Facebook

Und zum Schluss noch dieser Leser-Aufruf zum Kartentausch für das Spiel beim FC St. Pauli:

Liebes Textilvergehen,

ich habe aktuell eine Stehplatzkarte und zwei Sitzplatzkarten für das Pauli-Spiel. Wir sind zu zweit im Sitzplatzblock N untergekommen, die dritte Person wäre als Union-Neuling inmitten der Szene wohl etwas verloren. Daher die Frage: Ist jemand von euch durch unglückliche Umstände in den Besitz eines Sitzplatzes in Block N gekommen und würde diesen gerne mit etwas Magie in eine Stehplatzkarte verwandeln? Mit einem Kartentausch könnten mehrere Menschen glücklich werden. Die Preisdifferenz lege ich natürlich drauf.

 

Liebe Grüße!

Kai aka “Pierre”

Wenn ihr Kai helfen könnt, schreibt einfach an redaktion@textilvergehen.de und wir verbinden euch.

Update: Der Aufruf hat sich erledigt, wie ihr unten in den Kommentaren sehen könnt. Wir haben ein Match 😀

5 thoughts on “Marcel Hartel: Vom Fallrückzieher-Double zur Fallrückzieher-Hauptrolle

  1. Sehr guter Kommentar zum Tagesspiegel-Kommentar. Fand den auch arrogant und von Antipathie geprägt, dazu die von Dir erwähnte Faktenverdrehung und falsche Behauptungen.
    Wie Hartel in Köln wertgeschätzt wird, zeigt auch die Zwischenüberschrift vom Kölner Express, in dem er als Marcel Hertel bezeichnet wird. Lustig. Der soll mal schön bei uns bleiben!

  2. Es gibt ja leider noch eine Rückkaufoption. Friedrich und Augsburg. Und der Rückkauf ob der starken Leistungen könnte mindestens genauso wehtun. Ich hoffe mal, dass uns beide Spieler erhalten bleiben.
    Die Kommentierung des Tagesspiegel-Kommentars finde ich genauso wie Iron Fist sehr gelungen.
    Insgesamt finde ich es auch richtig, dass die Spieler von Spiel zu Spiel denken und sich nicht mit der Tabelle auseinandersetzen. Es bringt keine Punkte, sich über andere Dinge den Kopf zu zerbrechen und was kann es als Spieler Schöneres geben, als wenn du solche Spiele wie am Donnerstag gewinnst, weil du dich gut vorbereitest und das Geforderte (fast) immer umsetzt (siehe Konter nach Ecke, wo es mal nicht gemacht wurde).

  3. Was will denn Terodde hören?
    Es gibt 18 Zweitligisten die sicher alle gerne erste Liga spielen wollen.
    Warum sollen wir uns unnötig Druck machen und den Aufstieg fordern/formulieren? Andere Vereine müssen aufsteigen. Es wäre aber auch interessant zu sehen was beim HSV passiert wenn sie nicht aufsteigen ;-)

    Das die Hamburger und Kölner Ambitionen haben sieht man am Etat und den Transfersummen. Sollen die sich streiten und Unruhe aufkommen lassen bei Niederlagen. Wir bewahren Ruhe und sind hoffentlich da wenn es nötig ist.
    Wobei hier sicher keine Ruhe herrscht wenn wir auch gegen Pauli und Sandhausen gewinnen. Euphorie ole ;-)

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