Unbesiegbar, unbesiegbar, unbesieeeeegbar FCU

“Du nimmst das mit dem Boykott aber ganz schön ernst!”, sagte der Mann, der neben mir an der alten Anzeigetafel stand. Sebastian Andersson hatte gerade das 1:0 erzielt und ich war in Gedanken vertieft. Ich hatte überlegt, ob Stadionsprecher Christian Arbeit nicht auch hätte boykottieren müssen, statt die gewohnte Liturgie nach einem Torerfolg zu bringen. Er musste natürlich nicht boykottieren, denn es hieß ja, dass es ein Stimmungsboykott der organisierten Fans war und nicht der Stadionsprecher. Doch die Worte waren natürlich darauf ausgerichtet, dass doch so etwas wie Stimmung aufkam. Das waren die Gedanken, die mich beschäftigten, als um mich herum alle jubelten.

Der Stimmungsboykott ließ die sowieso schon sehr zähe erste Halbzeit noch zäher wirken. Dafür war das Stadion von einem Gemurmel erfüllt, dass ich so auch noch nie vernommen hatte. Steffi berichtete mir, dass sie beim Fotografieren wirklich jedes Wort hinter sich verstanden hat, was sonst nie der Fall ist. Ich wünsche mir einfach, dass diese Art des Protestes, so effektiv sie ist, so sparsam wie möglich eingesetzt wird und es hoffentlich zu einer Integration von Fans und Faninteressen in Entscheidungsprozesse kommt.

Spruchband gegen die Ungleichbehandlung von Gäste- und Heimfans an der Alten Försterei, Foto: Union in Englisch

Der Kurier kommentierte das Schweigen an der Alten Försterei und hofft auf Lösungen, damit diese Art des Protestes nicht zum Dauerzustand wird. Ich gehe allerdings nicht mit, wenn es heißt: “Diese Stille muss langsam mal ankommen bei den Oberen und den Klubs, die sich dem Diktat der TV-Anstalten in der Vergangenheit so bereitwillig beugten, weil sie sich davon ein paar Penunzen mehr versprachen.” Denn es ist nicht das Diktat der TV-Anstalten, sondern die Ausschreibung der Rechtepakete ist von den Klubs so verabschiedet worden, um so viel Geld wie möglich einzunehmen. Erst dann bieten die Sender oder Streaming-Anbieter darauf. Egal wie man es dreht, der Schwarze Peter liegt immer bei den Klubs selbst. Und ich möchte nicht verschweigen, dass Union im 10. Jahr Zweite Liga zu den Profiteuren gehört und in der vergangenen Spielzeit über 13 Millionen Euro aus TV-Rechten eingenommen hat. Eine Rückkehr zu allen Spielen zu einer Anstoßzeit wird es auch nicht geben. Dem Protest geht es darum, dass die Anstoßzeiten fanverträglich sind.

Das Spiel

Für Sebastian Andersson habe ich mich wahnsinnig gefreut, dass er beim 3:1 gegen Darmstadt von Beginn an spielen durfte und dann auch noch zweieinhalb Tore gemacht hat. Denn ohne den Atem des Angreifers im Nacken hätte Darmstadts Kapitän Aytac Sulu den Ball wohl kaum ins eigene Netzt gespielt. Ich finde es gut, dass er nicht kampflos Platz macht für Sebastian Polter und auch Trainer Urs Fischer nicht so tut, als würde Sebastian Polter alleine Union Richtung Bundesliga schießen. Das ist im sportlichen Erfolg ein wahnsinnig gutes Zeichen, dass solche Entscheidungen getroffen werden.

Was mich ehrlich gesagt am Spiel unglaublich beeindruckt hat, war die Intensität, mit der Union verlorene Bälle zurückerobert hat und damit Darmstadt jede Chance auf Konter entzogen hat. Zumindest in den ersten 70 Minuten, danach wurde es doch das Flipperspiel, vor dem ich ein bisschen Angst gehabt hatte. Meine Lieblingsszene des Spiels war in der 21. Minute, als Ken Reichel nach einem Angriff von Union mit einem Wahnsinns-Tackle nicht nur dem losstürmenden Marcel Heller den Ball vom Fuß spitzelte, sondern den Ball so mit der Hacke spielte, dass gleich ein weiterer Union Angriff eingeleitet wurde. Felix Kroos habe ich als wirklich guten Organisator des Pressings gesehen, der das tatsächlich so organisierte, dass auch Darmstadt kaum ein kontrollierter Spielaufbau möglich war. Eine Analyse des Spiels aus taktischer Sicht findet ihr bei Eiserne Ketten.

Hier die Spielberichte der Berliner Medien:

Fotos vom Spiel findet ihr hier:

Ich bin wahnsinnig begeistert, wie gut Union die aktuelle Situation annimmt und sich von dem späten 2:2 beim HSV nicht blenden lässt. Sehr euphorisch habe ich am Ende mitgesungen: “Unbesiegbar, unbesiegbar, unbesieeeeegbar FCU”. Das fühlt sich für mich zwar noch unwirklich an, aber wir müssen es uns einfach mal vor Augen halten: Wir haben gerade den 15. Spieltag absolviert und Union ist immer noch ungeschlagen. Das ist wirklich Wahnsinn.

Jubel nach dem Abpfiff, Foto: SF/Matze Koch

Auf den anderen Plätzen

Die A-Junioren haben schon wieder verloren. Gegen Wolfsburg gab es eine 0:2-Heimniederlage und bleibt auf Platz 10. Langsam muss das Team darauf hoffen, dass die anderen Teams für sie mitspielen, damit sie nicht auf die Abstiegsplätze rutschen. Jena sollte beispielsweise heute nicht beim Vorletzten Havelse gewinnen, damit sie nicht zu nah an Union heranrutschen. Die U17 gewann dagegen 3:0 gegen Tennis Borussia und steht auf Rang 5 in der Bundesliga.

Und sonst so?

So sieht der Protest der Drittligaklubs gegen den DFB und dessen Pläne einer möglichen zweigleisigen dritten Liga aus:

DFB-Präsident Reinhard Grindel kritisiert diesen Protest und sagt: “Wir erleben keinen Aufstand der Drittligisten. Wir erleben ein sehr fragwürdiges Demokratie-Verständnis.” (Sport1) Dazu muss man schon ganz schöne Funktionärs-Scheuklappen aufhaben, um so etwas zu sagen. Erst ist der DFB nicht in der Lage, die Regionalverbände zu einer Regionalligareform zu bewegen, für die die dritte Liga in Vorleistung gegangen ist, in dem sie einen 4 Abstiegsplatz geschaffen haben. Und dann soll diese Liga, die sowieso an einer mangelhaften Vermarktung durch den DFB leidet, auch noch darunter leiden, indem sie in zwei Staffeln gespalten wird. Mitbestimmen dürfen die Klubs auch nicht in dem Maße, wie wir es aus der DFL kennen. Hier geht es um Machterhalt in den Landesverbänden und damit auch um den Machterhalt im DFB und nicht um das bestmögliche Ergebnis im Interesse von Klubs und Ligen.

Karl-Heinz Rummenigges auf der Jahreshauptversammlung des FC Bayern lasse ich hier mal kommentarlos stehen:

Die Union-Theaterstücke gibt es dieses Jahr mit einer neuen Hauptrolle, wie die Bild gestern schrieb (nicht online). Statt Karin Düwel spielt jetzt Friederikke-Maria Hörbe.

Und jetzt wünsche euch allen einen schönen ersten Advent.

3 Gedanken zu „Unbesiegbar, unbesiegbar, unbesieeeeegbar FCU

  1. “Du nimmst das mit dem Boykott aber ganz schön ernst!” – Hahahaha…

    Die Situation kann ich mir so gut vorstellen…

    Schönen 1. Advent!

  2. Mal wat anderes. Wenn man sich die Bilder auf der unveu Fotoseite so anschaut, könnte man glauben, die Alte Försterei wäre ein Sitz – Stadion???

  3. Schön bei BTSV – Aalen sowohl Fürstner als auch Lämmel in der Startelf mit der 8 jeweils zu sehen!

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