In Dortmund brauchen Unioner vor, während und nach dem Spiel Geduld

Heute Abend spielt Union also zum zweiten Mal in zwei Jahren in der zweiten Pokalrunde in Dortmund. Aber den gleichen Stellenwert wie das Spiel 2016 hat die Partie heute Abend nicht: Es wird eine Abendkasse für Auswärts-Block-Tickets geben. Das ist so, weil wir das nun eben schonmal hatten. Weil es schön gewesen wäre, auch mal ein ‘großes’ (oder überhaupt irgendein) Pokal-Spiel zuhause zu haben. Weil das Geschehen im Umfeld und auch die Stimmung im Stadion außerhalb des erweiterten Gästeblocks damals für viele ernüchternd waren. Und schließlich, weil das Spiel damals auch inhaltlich kaum besser hätte laufen können und es nicht direkt wahrscheinlich ist, dass Union noch einmal in der Situation sein wird, spät in der Verlängerung in Führung gehen zu können.

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Das Spiel heute hat nicht die gleiche Fallhöhe wie das vor fast genau 2 Jahren; Photo: Tobi/unveu.de


Und dann ist da noch die Dortmunder Polizei (Motto: “bürgerorientiert • professionell • rechtsstaatlich”). In ihrem “ Fanbrief” steht einmal mehr eine postulierte Null-Toleranz-Haltung für Pyrotechnik im Vordergrund. Außerdem wiederholt die Polizei ihre Aufforderung, mindestens 90 Minuten vor Spielbeginn am Stadion zu sein.

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Die Hinweise der Polizei zur Abreise

Ebenso lange, anderthalb Stunden, soll es nach den Angaben der Dortmunder Polizei auch dauern, bis nach dem Spiel die Sonderzüge wieder vom Bahnhof am Stadion fahren (beziehungsweise bis sie dort ‘bereitgestellt werden’). Ich bin mir nicht ganz sicher, ob sich mir der Zeitpunkt dazu erschließt, aber die Polizei schreibt folgendes: Union Fans müssten sich darauf einstellen, nach Abpfiff “noch eine gewisse Zeit” im Stadion gehalten zu werden, sollten für den (eigentlich doch nur ein paar Hundert Meter langen) Weg zu Fuß zum Bahnhof 30 Minuten einplanen, und sich “40 Minuten vor Abfahrt auf dem Stadionvorplatz einfinden.” Den geplanten Ablauf fasst der Verein hier zusammen.

Das Spiel selbst

Diese Chance hatte damals Eroll Zejnullahu, der für das Spiel morgen eine Position näher an die Mannschaft rückt, weil Felix Kroos mit einer Sprunggelenks-Verletzung aus dem Dresden Spiel ausfällt. (Auch das Zentralorgan des Eroll-Zejnullahu-Fanclub rechnet nicht damit, dass er in Dortmund wie vor zwei Jahren spielen darf.)

Man könnte meinen, dass für eine taktische Analyse des Spiels der Unterschied im aktuellen Niveau der beiden Mannschaften zu groß ist. Und angesichts des Maßes, zu dem Union individuell auf jeder Position unterlegen ist, gibt es Spielverläufe, in denen das auch stimmt. Aber auch in so einem Spiel verschiebt die taktische Einstellung der Mannschaften die Wahrscheinlichkeit jedes Ausgangs, nur eben an einer anderen Stelle des Spektrums. Betrachtet man nun, wie Urs Fischer schon in der Liga gerade keine Risiken eingeht, die defensive Stabilität gefährden würden, ist wirklich nicht damit zu rechnen, dass Union besonders aktiv auftreten wird. Auch wenn der Trainer auf der Pressekonferenz anders klingt, wenn er davon spricht, wie wichtig es sein wird, nach vorn zu verteidigen und auch selbst den Ball zu halten.

Anhaltspunkte aus den bisherigen Spielen gibt es dagegen eigentlich nur dafür, dass Union sich auf verlassen muss, was bisher ohnehin die größte Stärke ist: die Strafraumverteidigung. Wie lange und wie oft die hält, wird sich dann zeigen.

Einen etwas ausführlicheren Ausblick darauf, wie beide Mannschaften in das Spiel gehen, gibt es beim Yellow Wall Pod, einem englisch-sprachigen Podcast über Dortmund, bei dem ich zu Gast sein durfte. Weil es dabei auch darum ging, dem (weltweiten) Dortmunder Publikum Union vorzustellen, sprach ich mit Stefan Buczko von ESPN, der diesen Podcast moderiert, auch ein bisschen darüber, was Union eigentlich ausmacht und wie die strategische Lage des Klubs ist.

In der Pressekonferenz von Dortmund findet sich keine allzu genaue Auseinandersetzung mit Union als Gegner. Auch die Zusammenarbeit mit zwischen Lucien Favre und Urs Fischer beim FC Zürich tun beide eher als non-story ab. Mehr darüber lesen kann man in der Neuen Zürcher Zeitung.

Das schreiben die Berliner Medien vor dem Spiel:

Ziemlich lustig fand ich diesen Artikel beim Kicker: Union seit einem Monat ohne Feldspieler-Tor. Wenn Länderspielpausen auch für sonst nichts gut sind, sie verlängern solche Serien.

Außerdem in der Berliner Zeitung: Sechs Dinge, die im Stadion mehr nerven als Pyrotechnik.

Verrückte Ideen

Angesichts der gerade beschriebenen Ausgangslage ging mir heute noch eine sehr naheliegende Frage durch den Kopf: die nach dem bestmöglichen Gegner in der nächsten Runde. Ich hätte da ja ein Spiel gegen Chemie Leipzig charmant gefunden. Die haben gegen Paderborn aber nur den Choreo-und-Pyro Schönheitswettbewerb knapp für sich entschieden …

… sportlich aber 0-3 verloren. Bilder davon gibt es bei Football & Wildlife Media

Die Ultras vom VfL Wolfsburg haben übrigens offenbar aus den Diskussionen um Pyrotechnik in den letzten Tagen den Entschluss abgeleitet, das Abbrennen von Feuerwerkskörpern zu boykottieren:

Und sonst so

Etwas überrascht war ich gestern von dieser Meldung aus der Rubrik ‘Einmal Unioner, immer Unioner’:

Es würde mich freuen, wenn Kobylanski, der bei Union einige gute Momente hatte, sich aber auch wegen Verletzungen nicht durchsetzen konnte, es zurück in die 2. Liga schafft.

Und es gibt nach dem Wochenende natürlich neue Zwischenstände vom Tippspiel, an dem teilzunehmen ich in dieser Saison vergessen habe:

Ein Gedanke zu „In Dortmund brauchen Unioner vor, während und nach dem Spiel Geduld

  1. Seit 2013 als auf Schalke der erste Block gestürmt wurde ist die Polizei NRW auf Krawall aus. Ich bin gespannt auf die Erfahrungen unserer Auswärtsfahrer heute, aber befürchte nichts gutes.

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