Ohne Schüsse aufs Tor fallen auch keine Tore

Ich gebe zu, dass die Überschrift etwas zugespitzt ist, denn Union hatte am Anfang des 0:0 gegen Dynamo Dresden zwei Schüsse Richtung Tor und am Ende der Partie zwei Mal Aluminium getroffen. Zudem hielt Dresdens Keeper den Kopfball von Suleiman Abdullahi nach Prömels Pfostentreffer mit einem hervorragenden Reflex. Aber sonst so? Union scheiterte an den Verteidigungslinien der Dresdner, die spätestens seit dem Platzverweis mehrere Busse am Strafraum parkten. Denn über die 16-Meter-Linie kamen die Unionspieler dann bis Spielende praktisch gar nicht. Die Außen waren nach der Gelb-Roten-Karte zugestellt, so dass sich der agile Andy Gogia immer mehreren Dresdnern gegenübersah. Von schnellen Zuspielen auf Grischa Prömel oder andere Spieler im Mittelfeld, wie sie auch Daniel in der Taktik-Analyse bei Eiserne Ketten vermisste, war nichts zu sehen.

Dynamo versuchte wirklich alles, um Tempo aus der Partie zu nehmen. Und Urs Fischers Team muss sich vorwerfen lassen, dieses Spiel auch noch mitgemacht zu haben, indem der Spielaufbau doch eher langsam vonstatten ging. Ab und zu mal ein diagonaler Ball hätte vielleicht das Dresdner Bollwerk aufreißen können. Oder ein Fernschuss. Ich weiß nicht, wie oft ich am Ende “Schieß doch!” gerufen habe, weil ich dachte, dass es ja auch egal ist. Denn ohne Schüsse aufs Tor braucht man nicht erwarten, dass man trifft.

Es war alles in allem eine frustrierende Angelegenheit und wir erleben eine Mannschaft, die zwar selbst relativ wenig zulässt, die aber zugunsten der Null auf der eigenen Seite jegliche Kreativität und Spielwitz verloren zu haben schein. Darin sind sich auch die Berliner Medien in ihren Spielberichten einig:

Weil das jetzt alles so negativ klingt, auch noch etwas Positives: In der Defensivarbeit mit einem sagenhaftem Timing agierte aber die Innenverteidigung. Allen voran Florian Hübner, der so manche Situation gut und fast immer ohne Foul klärte, so dass Rafal Gikiewicz wenig aufs Tor bekam.

Fotos vom Spiel gibt es hier:

Was am Spiel schön war, fand dann eher außerhalb des Spiels statt. Zum Beispiel die Verabschiedung von Toni Leistner.

Oder die Ehrung Sebastian Polters für das Tor des Monats. Die Medaille überreichte Toni Leistner.

Es gab noch ein Detail im Spiel für die Freunde der Regelkunde. Als nämlich Patrick Ebert einen zweiten Ball auf dem Platz spielte und nicht abgepfiffen wurde.

Auf den anderen Plätzen

Unions U17 gewinnt beim FC St. Pauli mit 1:0 (Spielbericht) und steht nun auf Platz 6 in der Bundesliga. Die U19 hatte dagegen 1:3 gegen Bremen verloren (Spielbericht) und steht auf Platz 9 der Bundesliga.

Das erste Frauen-Team gewann mit 3:0 bei USV Jena (durch einen Hattrick in 15 Minuten von Elisa Emini, Spielbericht) und steht weiter auf Rang 3 in der Regionalliga.

Und sonst so?

Der Förderkreis Ostkurve gibt ein Statement zu den Zusammenstößen zwischen Polizei und Hertha-Fans in Dortmund ab. Gerade der Punkt 10, der das Gedränge im Dortmunder Hauptbahnhof zum Thema hat, dürfte uns, die wir am Mittwoch zum Pokalspiel ins Westfalenstadion fahren, aufhorchen lassen. Schade finde ich, dass im Statement nicht auch über die zerstörten Toiletten im Gästebereich geschrieben wird. Das gehörte schließlich auch zum Auswärtsspiel von Hertha in Dortmund.

Die Fan- und Mitgliederabteilung ruft zum Spiel gegen Fürth auf, warme Kleidung zu spenden (bitte nicht mit einer Altkleidersammlung verwechseln, sondern nur Sachen spenden, die einwandfrei in Ordnung sind, weil es keine Ressourcen gibt, Sachen zu reparieren). Hier die Ergebnisse der Sammlung aus dem letzten Winter.

9 Gedanken zu „Ohne Schüsse aufs Tor fallen auch keine Tore

  1. zu Dortmund: https://www.fanhilfe-dortmund.de/gemeinsame-stellungnahme-der-fanhilfe-dortmund-der-fanhilfe-hertha-b-s-c/ und auch hier: https://www.berliner-kurier.de/sport/hertha-bsc/hertha-fan-erzaehlt-im-kurier-das-passierte-wirklich-bei-den-krawallen-im-block-31505118 – die Polizei-“Taktik” erinnert etwas an die bewusste Eskalation 2016 als wir das “Vergnügen” hatten, also Mittwoch nicht provozieren lassen und auch wenn es schwer fällt keine Pyro – zur Einschätzung des Spiels: danke für die gute Analyse an euch, ich versuche mir zu sagen dass es gerade nach so einem großen Umbruch; viele neue Spieler, neuer Trainer bisher doch eher “zu” gut lief, nun heißt es weiter kämpfen und sich nicht von so manchen Medien kirre machen lassen!

  2. Rein statistisch gesehen waren es ja nicht mal sooo wenig Torschüsse. Gefühlt kamen aber 80 min lang gar keine. Da muss sich die Mannschaft den Vorwurf gefallen lassen, zu lange zu passiv gewesen zu sein. Auch wurde kaum mal der Weg zur Grundlinie gesucht, stattdessen viele Halbfeldflanken ohne Gefahrenpotenzial. Und über links ging besonders wenig, trotz wechselnder Besetzungen. Das finde ich erschreckend, zumal wenn man Leute wie Hedlund und Redondo auf der Tribüne hat, die hier zumindest in guter Form echte Waffen könnten. Nun ist die Offensive schon personell weit überbesetzt, aber nichts kommt dabei rum.

  3. Wäre echt klasse, wenn wir es hinbekämen, den Gesang mal der Dramatik des Spielgeschehens anzupassen. Gerade in den letzten 20 Minuten fand ich das Einerlei und Oh-o-o nur schwer erträglich. Das hat auch bei den Spielern nicht gezündet. Dafür musste die Anzeige mit der Nachspielzeit sorgen, und das war dann etwas spät. Ich bin hinterher mit meiner Tochter nachhause gegangen, und wir waren bedient. Paar Stunden später, mit Blick auf die Tabelle ging’s dann schon wieder.

  4. Seit wann hängt eigentlich die “crimark” Fahne wieder so prominent im Stadion? Dachte als Gruppe wären sie immernoch “unerwünscht” im Stadion oder gibt es dazu Neuigkeiten. Oder ist sie mir vorher einfach nie aufgefallen?

  5. Zu Crimark hatte ich schon was im Forum geschrieben, da mir die Fahne in
    Jena aufgefallen ist.
    Gelinde gesagt halten viele Unioner im Forum unter “unsere Ultras” die Jungs für harmlos bzw. ganz nett.
    Ich bekomme jedesmal das kotzen wenn ich die Fahne von den kleinen
    Nazispinnern sehe (bisher nur Auswärts) und jetzt auch noch zu Hause?

    @Sebastian
    weil das jetzt alles so negativ klingt…
    Es war einfach nur schlecht. Die einzigen in “Normalform” waren Hübner und Gorgia. Gegen den BVB kann es eigentlich nur besser werden.

  6. @silberhacke daran dachte ich im stadion gestern zwischendurch, aber von “eisern — union” wechseln und “gib niemals auf” abgesehen fiel mir gar nicht so viel wirklich anpeitschendes im repertoire ein.

  7. @daniel Ja, abgesehen vom EISERN – UNION Wechsel, der in Halbzeit 1 richtig stark war, haben wir wenig Aufpeitschendes im Repertoire. Wenn jetzt noch OH CHAMPS ÉLYSÉE dazu kommt, singen wir die Jungs auf dem Rasen in den Schlaf.

  8. Unser Hauptproblem im Aufbauspiel ist im Moment die mangelnde Geschwindigkeit.
    An den Fähigkeiten von Schmiedebach und Prömel gibt es wohl keinen Zweifel. Der Einsatz von Kroos und Zulj macht unser Spiel jedoch unnötig langsam, da beide Spieler eine zu lange Zündschnur haben. Bis der Befehl vom Gehirn zu den Beinen vorgedrungen ist, ist die Situation meist schon vorbei.
    Hartel ist zu Ballverliebt und verliert sich lieber in wunderschönen Dribblings, die er zwar oft erfolgreich beendet jedoch dem Gegner auch die Zeit gibt, sich neu zu stellen.
    Darüber hinaus ist es nicht unbedingt positiv, dass wir die Bayernvariante mit den spiegelverkehrten Außen (Robben/Ribery) spielen. Gogia als Linksfuß spielt auf der rechten Seite und Mees als Rechtsfuß auf links. Das führt dazu, dass die Außenspieler immer wieder an der Strafraumgrenze nach innen ziehen. Darauf folgt dann meist eine Flanke aus dem Halbfeld, die für die gegnerische Verteidigung leicht zu verteidigen ist.
    Wenn unsere Außenspieler tatsächlich bis zur Grundlinie durchbrechen müssen sie entweder mit dem schlechteren Fuß flanken oder wiederum abbrechen und den Ball auf den anderen Fuß legen.
    Mein Lösungsvorschlag währe dieser: Tausch der beiden offensiven Außenbahnen, damit unsere kopfballstarken Stürmer endlich wieder mit genügend Flanken versorgt werden. Ersatz der langsamen und unbeweglichen Mittelfeldspieler durch bewegliche Spieler. Wir hätten sogar eine hausinterne Lösung, die noch keine wirkliche Chance erhalten hat. Diese heißt Eroll Zejnullahu. Ein Spieler der dank jugendlicher Leichtigkeit keine Angst davor hat, einen Ball in eine sehr kleine Lücke zu spielen, der das Spiel versteht und auch sehr beweglich ist. Leider hängt ihm das Image des Spielers aus dem eigenen Verein an. Dieses Image mussten auch Quiring oder Skrybski über Jahre hinweg ablegen. Wie wir wissen erfolgte dies mit unterschiedlichen Erfolg.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.