Flüche besiegen kann Urs Fischer also auch

Ich konnte gestern beim 2:1 in Ingolstadt gar nicht hinschauen, als Sebastian Andersson zum Elfmeter antrat. Irgendwie hatte ich kein gutes Gefühl. Und dann dauerte die Ausführung noch so ewig. Fast so, als wollte der Stürmer noch bis zur ominösen 44. Minute warten, in der Union in dieser Saison so häufig traf. Am Ende war es die 43. Minute und irgendwie schummelte Andersson den Ball unter Ingolstadts Keeper Marco Knaller hindurch zum 1:0. Es war die Belohnung für eine unglaublich starke erste Halbzeit, in der Union sich nur vorwerfen lassen musste, die zahlreichen guten Möglichkeiten nicht genutzt zu haben. Ich habe in dieser Saison noch keine perfektere erste Hälfte gesehen. Und ganz nebenbei besiegt Urs Fischers Team damit im 13. Zweitliga-Jahr den Montagsauswärtsfluch. Denn bis gestern konnte Union bei Auswärtspielen am Montag nicht gewinnnen.

Ingolstadt ließ gerade auf Gogias Seite unerklärlich viel Raum, den er gerne nutzte. Felix Kroos zeigte sich mit guten Lösungen auf engen Raum, Marcel Hartel enorm spielfreudig und Sebastian Andersson mit richtig viel Bock auf einen Torabschluss. Es schien ganz so, als wollte die Union-Offensive mal zeigen, was sie alles kann und die Berichte der vergangenen Tage (auch hier im Blog) Lügen strafen, denen etwas Ideenreichtum im Angriff fehlte. Das war geradezu inspirierend.

Andy Gogia jubelt nach seinem Tor zum 0:2, Foto: Matze Koch

Beispielhaft das zweite Tor mit einer tollen Balleroberung von Marcel Hartel, der nach zwei Übersteigern den Ball zu Andersson weiterleitet, von wo der Ball zu Gogia am Strafraum kommt, der den Ball im Fallen unhaltbar einschießt. Ach, das war einfach schön. Zur Wahrheit gehört auch, dass ich Ingolstadt noch nie so schwach gesehen habe wie gestern. Und dass Union mit dem Elfmeter 10 Minuten vor Schluss noch mal richtig Hektik hatte aufkommen lassen. Aber für den Ausgleich waren die Angriffsbemühungen der Ingolstädter zu unstrukturiert.

Meine Lieblingsszene des Spiels hingegen war gar keine Aktion in der Offensive, sondern in der Defensive. In der 35. Minute läuft Otavio im Rücken von Christopher Trimmel davon, der sich im Strafraum gegen ein Foul entscheidet und den Ingolstädter seiner Seite auf das Tor zulaufen lässt. Vielleicht war Otavio etwas irritiert vom vielen Platz, den er hatte. Aber der Ingolstädter suchte den Abschluss erst, als er schon relativ nah vor dem Tor von Rafal Gikiewicz stand. Er holte aus mit dem linken Bein, doch der Ball bewegte sich nicht nach dem Schuss, denn auf einmal stand da humorlos wie ein plötzlich aufgetauchter Fels Marvin Friedrich, der den Schuss blockte und gemeinsam mit Christopher Trimmel kontrolliert aus der Abwehr herausspielte.

Falls jemand übrigens auf absurde Serien steht. Das hier ist eine, auf die ich im Traum nicht gekommen wäre:

Das hier sind die Spielberichte der Berliner Medien:

„Wir schauen aber erst mal nicht auf die Tabelle”, hatte Andy Gogia nach dem Spiel bei Sky gesagt. Ich kann dem Torschützen da nicht so sehr folgen. Denn die Tabelle sieht ganz hübsch aus. Die kann man sich ruhig mal anschauen. Gewonnen ist damit natürlich nichts und die Abstände sind noch sehr eng. Aber einfach mal genießen. Das ist drin.

Screenshot: Kicker

Mit dem ersten Auswärtssieg in der Liga fuhr es sich auf jeden Fall besser auf der A9 nach Hause. Egal, ob sich die Spieler die Tabelle angeschaut haben oder nicht.