Endlich! Union hat wieder einen Fluch

Ich habe sehr gegrinst, als ich heute morgen in der Bild las: “Union wartet auf Montags-Auswärtssieg”. Denn spätestens nachdem Jens Keller als Union-Trainer in seiner ersten Saison reihenweise Union-Flüche pulverisierte, weil er sich weigerte an diesen Hokuspokus zu glauben, ist uns der Glaube an ein übergeordnetes Schicksal abhanden gekommen. Eine nicht greifbare Macht, die es einfach schlecht mit Union meint, gab es seitdem nicht mehr. Doch die Bild/BZ (noch nicht online) hat nun herausgefunden, dass Union noch nie in der Zweiten Liga ein Auswärtsspiel am Montag gewonnen hat. In 15 Versuchen in 13 Jahren Zweite Liga gab es 9 Niederlagen und 6 Remis. Da bekommt die Forderung nach der Abschaffung von Montagsspielen noch einmal eine andere Tragweite, denn die sind nicht nur eine Tortur für Fans, sondern wohl auch für Unions Mannschaft.

Union-Fans protestieren gegen Montagsspiele, 20.12. 2010, Foto: Matze Koch

Ich habe keine Ahnung, was Urs Fischer davon hält. Aber da ja niemand von uns bisher ernsthaft was von diesem Fluch gehört hat, ist die Kraft der sich selbst erfüllenden Prophezeiung vielleicht noch nicht stark genug. Was der Trainer dazu sagt, können wir heute in der Pressekonferenz erfahren (live auf AFTV und Facebook).

Der Kurier zählt heute Gründe auf, warum es so gut läuft bei Union.

Termine

Sowohl die U19 als auch die U17 spielen an diesem Wochenende gegen den HSV. Anpfiff ist für die U19 am Sonntag um 11 Uhr im FEZ und kurz danach um 14 Uhr darf die U17 ran. Das erste Frauen-Team spielt erst nächste Woche wieder. Das gleiche gilt für die 2. Frauen-Mannschaft, die bereits am Mittwoch 4:4 gegen Blau-Weiß 90 spielte. Eine Partie, in der Union erst 2:0 führte, dann 3:4 zurücklag und kurz vor Schluss noch der Ausgleich gelang.

Christopher Trimmel und Felix Kroos sind am 2. Oktober ab 17.30 Uhr beim Fest zum Tag der Deutschen Einheit beim Bundesrat und werden nicht nur interviewt, sondern geben auch Autogramme (Vereinsmitteilung). Solch ein Highlight schlägt dann sogar Wellen bis nach Madrid 😃

Twitter: @ToniKroos

Und sonst so?

Keine Ahnung, wer sich noch an die eine oder andere Politikeraussage erinnert, als es für Union darum ging, das baufällige Stadion an der Alten Försterei an die Erfordernisse des Profifußballs anzupassen. Was es da nicht alles für Vorschläge gab. Union solle mit seinen damals 3000 bis 6000 Zuschauern in den Jahnsportpark oder noch besser ins Olympiastadion umziehen. Da kamen Aussagen von Leuten, die die Wirklichkeit an ihre persönlichen Wunschvorstellungen anpassen wollten und vor allem von massiver Ahnungslosigkeit geprägt waren. Union war damals allerdings lange Zeit auch kein seriöser Partner und teilweise war ja sogar die eigene Vereinsführung gewillt, nach Mitte umzuziehen.

Ich brauche diese lange Vorrede, um auf Aussagen aus dem Sportausschuss von gestern zu kommen, in dem Herthas Stadionverantwortlicher Klaus Teichert den Teilzeitabgeordneten des Berliner Parlaments Rede und Antwort stehen musste. Da ging es um relevante Fragen wie den Neubau von Wohnungen für abzureißende Häuser und die Verlegung einer Straße. Aber auch um die Wirtschaftlichkeit des Olympiastadions (für die allerdings nicht Hertha als bisheriger Mieter verantwortlich ist, sondern das Land Berlin als Eigentümer selbst). Das könnt ihr beispielsweise in der Morgenpost nachlesen.

Neben diesen Fragen, gab es aber auch echte Blüten, bei denen ich mir an den Kopf fasse. Hier eine Worst-of-Auswahl aus dem Sportausschuss:

Das sind alles Screenshots vom Protokoll, das im Immerhertha-Blog veröffentlicht wurde. Und mich erinnert das ganz schlimm an früher, als es für Union auch um den Erbbaupachtvertrag ging. Wir erinnern uns, dass dieser kurz vor dem Stadionbau vom Tisch und Union 2008 im Prinzip in der Standortfrage am Ende war. Es ist schwierig, sich gegen solche Widerstände durchzusetzen, aber ich gehe fest davon aus, dass Hertha im Olympiapark bauen wird. Egal wie quer sich beispielsweise ein leichtathletikverliebter ehemaliger Sportstaatssekretär wie Andreas Statzkowski als Abgeordneter für das Westend tut, der eine nicht-repräsentative Umfrage im Ausschuss präsentierte. Wen hat er denn gefragt? Vier Leute, die bei Butter Lindner am Bahnhof Neu-Westend vor ihm in der Schlange standen? Unfassbar.

4 Gedanken zu „Endlich! Union hat wieder einen Fluch

  1. Ja, die rausgesuchten PolitkerInnen-Kommentate sind worst of. Aber halt auch billig. Gibt daneben auch fundierte Kritik an den Hertha-Plänen. Und das ist nicht nur das Eigeninteresse des Landes Berlin, das Olympiastadion vermietet statt eine Konkurrenzarena daneben gesetzt zu bekommen. Das Eigeninteresse des Landes ist ja by the way der Geldbeutel der SteuerzahlerInnen, muss ja nicht immer der eine Verein unterstützt werden. Es ist auch ein völlig unklares Finanzierungskonzept für den Neubau (es gab die Tage nen Presseartikel dazu, dass sich Berliner SportpolitikerInnen zum Bau der Allianzarena in München informiert haben. Die waren danach skeptischer als vorher, was Herthas Pläne angeht), es ist der Eingriff in einen denkmalgeschützten Park, es sind auf Lärmschutz pochende Anwohner, es ist fehlende Infrastruktur, die dann das Land bezahlen muss.
    Ich finde Vergleiche zu Union, in denen das Land als doof und der Verein als Opfer rüberkommt, fehl am Platz. Abgesehen von irren Umzugs- und Neubauplänen früherer Vereinsführungen ging und geht es doch in Köpenick um die solide kalkulierte Weiterentwicklung eines bestehenden Stadions und nicht um einen Neubau in einen denkmalgeschützten Park.
    Wenn Hertha diesen Neubau im Olympiapark bekommen sollte, wird das teuer für Berlin (Einnahmeausfälle im Olympiastadion, Geld für neue Infrastruktur) Das Geld wird an anderen Stellen im Berliner Sport dann fehlen (ÖPNV-Ausbau rund um die AF anyone?).
    Ich glaube nicht, dass Hertha am Ende dort baut. Vielleicht woanders. Soll da ja auch schon Vorschläge aus der Politik geben.

    Aber egal, wann ist eigentlich Baubeginn an der AF?

  2. Ein Neubau ist wirtschaftlicher Schwachsinn und eigentlich weiß das auch jeder. Hertha wird trotzdem noch eine Weile trommeln und versuchen den Senat unter Druck zu setzen. Man kann nur hoffen, dass die Abgeordneten bei Verstand bleiben.

  3. Das ein Neubau für die Tante wirtschaftlicher Schwachsinn ist habe ich nicht gewusst, aber danke für die ausführliche Erklärung.

  4. Das Stadion ist nicht mehr zeitgemäß von der Infrastruktur auch und gerade was Personen mit körperlichen Einschränkungen betrifft ist das Olympiastadion einfach überholt. Es wurde vor knapp 13 Jahren umgebaut, einfach schon ein Weilchen her. Außerdem kann man das Stadion anderweitig nutzen um Großveranstaltungen wie Konzerte im oly ein Zuhause zu bieten um die Kosten zu decken. So viel zahlt Hertha auch nicht um die laufenden Kosten zu decken.

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