Fanproteste beim Spiel gegen Kiel und außerdem die Frage, wann die Glühweinsaison im Stadion eröffnet wird

“Es liegt an uns, dass wir versuchen, dass die Fans diese zwanzig Minuten nicht hinbekommen”, sagte Trainer Urs Fischer mit einem lausbübischen Lächeln in der Pressekonferenz (auf AFTV oder auf Facebook zum Nachschauen) auf die Frage nach dem Stimmungsboykott, der heute und morgen die ersten 20 Minuten in den obersten drei Ligen bestimmen soll. Dabei respektiert der Coach aber die Haltung der Fanszene und gab an, dass die Mannschaft darüber auch informiert worden sei. “Die Fans haben ihre Message”, sagte Fischer.

Hier sind noch einmal die Forderungen, um die es heute in der bundesweiten Aktion geht.

Den kompletten Aufruf hat zum Beispiel das Wuhlesyndikat auf seiner Website veröffentlicht.

Ich teile nicht jeden einzelnen Punkt der Forderungen (ich verstehe zum Beispiel die Fundamentalopposition gegen den Videoassistenten nicht, hier wäre eine erhöhte Transparenz im Stadion aus meiner Sicht die plausiblere Forderung) und finde auch, dass sich mancher Punkt eher an die Vereine als an die Verbände richtet (der nach sozialverträglichen Eintrittspreisen beispielsweise). Aber im Großen und Ganzen sind das Forderungen, die absolut mehrheitsfähig sein können und die ich für unterstützenswert halte. Es ist ja auch so ein Missverständnis, dass man eine politische Bewegung wie diese Fanproteste nicht unterstützen könne, nur weil man in einigen Punkten nicht einer Meinung ist. Dabei geht es doch immer darum, ob man in den Punkten übereinstimmt, die einem wichtig sind. Und ob die Punkte, in denen man nicht übereinstimmt, für einen persönlich wichtig sind. Es ist eine Abwägungssache. Wie so vieles im Leben.

Nachdem ich gestern bereits mit Winterschuhen und Schal unterwegs war, können wir die Glühweinsaison im Stadion an der Alten Försterei ausrufen. Mal sehen, ob die Stadiongesellschaft das auch so sieht …

Update: Wahrscheinlich ist es noch zu früh für Glühwein:

Twitter: @ExWuschel

Wer es heute im Gegensatz zu mir ins Stadion an der Alten Försterei schafft, kann vielleicht Dominic Peitz abpassen, der trotz Nichtberücksichtigung im Kader nach Berlin kommt. Der Tagesspiegel hat ein lesenwertes Interview mit dem defensiven Mittelfeldspieler geführt, der nach dieser Saison sehr wahrscheinlich seine Karriere beenden wird. Allein menschlich ist der Peitzer für jedes Team ein Gewinn. Weil er sich für Überzeugungen gerade macht. Und weil ihm in seiner Fußball-Karriere sicher nichts einfach so in den Schoß gefallen ist. Er hat dadurch eine Demut und weiß um seine privilegierte Stellung als Profifußballer, die es wirklich leicht macht, ihn zu mögen. Und weil er auch immer weit über den Tellerrand des Profifußballs schaute, kann man sich ohne Probleme viele Stunden mit ihm unterhalten und diskutieren. Ich wünsche ihm für die zweite Karriere, die vielleicht im Sportmanagement startet, alles Gute. Es wäre nämlich ganz gut, mehr solche Leute im Business zu haben, die zwar um den Wert von Zahlen wissen, aber auch Werte zu schätzen wissen.

Medial wird etwas Druck auf Sebastian Andersson aufgebaut (Morgenpost und Bild/BZ). Das ist oberflächlich gesehen sicher nachvollziehbar, weil er gerade 3 Spiele nicht getroffen hat und mit Sebastian Polter sich langsam eine Alternative bereit macht. Aber ich gebe zu bedenken, dass auch Sebastian Polter nach seiner langen Verletzungspause etwas Zeit benötigt, um in Form zu kommen und sich an die Wettkampfpraxis zu gewöhnen. Das heißt, dass er höchstwahrscheinlich in den nächsten Partien eher von der Bank kommt. Und außerdem ist es wichtig, dass die Mannschaft von Urs Fischer ihr Heil nicht nur in langen Bällen nach vorne sucht, die sowieso schwer von Offensivspielern (egal wie sie heißen) festzumachen sind. Das sind in der Regel Spielzüge, für die sich nur gegnerische Abwehrspieler bedanken.

Das sind die Vorberichte der anderen Berliner Medien:

Der Fanklub Ziegenunioner ruft heute zu einer kleinen Sammelaktion auf. Es geht darum, 700 Euro für eine Union-Bank zu sammeln, die zu den anderen drei von der Union-Stiftung beim Wuhle-Subbotnik gespendeten Bänken gestellt werden soll. Denn dort an der Wuhle ist Platz für vier Bänke vorgesehen. Das gesammelte Geld wird an die Unionstiftung übergeben, die wiederum sich um die vierte Bank kümmern wird. Diese Aktion ist wieder ein Beleg dafür, dass man Dinge  einfach mal selbst in die Hand nehmen kann. Finde ich gut. Hier der komplette Aufruf der Ziegenunioner, die heute am Bahnhof Köpenick und im Stadion stehen werden. Ich halte euch über den Verlauf der Aktion hier im Blog auf dem Laufenden.

Aufruf der Ziegenunioner

Und sonst so?

Ich hatte schon ein paar Mal überlegt, ob ich zum Konflikt zwischen einem Teil der BVB-Fans und Dietmar Hopp, dem Mehrheitseigner der TSG Hoffenheim, etwas schreibe. Das Klima zwischen beiden Seiten ist seit dem Aufstieg des Hopp-Klubs in die Bundesliga vergiftet, ist aber in den vergangenen Wochen eskaliert. Hopp stellte Strafanzeigen wegen Beleidigungen, die tatsächlich zu Strafverfahren führen, Stadionverbote für das Stadion in Sinsheim gegen die Personen, die ermittelt wird und als Reaktion darauf beim letzten Spiel des BVB in Sinsheim eine übergroße Wiederholung der Beleidigung und das Zeigen eines Bildes von Hopp in einem Fadenkreuz, das wiederum die TSG Hoffenheim als “Mordaufruf” bezeichnet. Das wirklich immer empfehlenswerte Dortmund-Blog Schwatzgelb hat einen sehr ausgewogenen Kommentar dazu veröffentlicht, der alle Seiten mal daran erinnert, dass sie sich in einer Eskalationsspirale befinden, die zu nichts führen wird. Und vor allem, dass diese Dauer-Empörung drumherum nicht dazu beiträgt, die Situation herunterzukochen.

Hier wird aus meiner Sicht aus einer exzessiv ausgelebten gegenseitigen Abneigung eine Art Systemkonflikt aufgebaut. Dabei entspricht der Anlass (Beleidigungen und die Unterdrückung von unliebsamen BVB-Gesängen mit einer Lärmmaschine in Hoffenheim) nicht einmal ansatzweise der Tragweite, die das mittlerweile bekommen hat.

Auf liga-zwei.de gibt es ein kurzes Interview mit Toni Leistner über seinen Start in England.

10 Gedanken zu „Fanproteste beim Spiel gegen Kiel und außerdem die Frage, wann die Glühweinsaison im Stadion eröffnet wird

  1. Hätte leider noch ein paar Karten für Sektor 3 abzugeben, gern auch endgeldlos wenn für den guten Zweck. Hauptsache ihr seid laut. Eisern!

  2. Beim Lesen von Rochen-Paul’s Kommentar habe ich mir gerade die Frage gestellt, ob es eine Möglichkeit gibt, über den Verein Karten für einen Spieltag zu spenden …
    Hintergrund: Nicht immer steht der Ticket-Zweitmarkt zur Verfügung; man ist bspw. kurzfristig verhindert und findet für seine (Dauer-)Karte im Freundes- bzw. Bekanntenkreis keinen Abnehmer. Warum in diesem Fall nicht anderen Unionern oder Interessierten die Möglichkeit für einen Stadionbesuch ermöglichen?

  3. Hey TeVeTeam,

    Könnt ihr erklären, was es mit dem Banner heute, welches scheinbar an euch gerichtet war, auf sich hat?

  4. Ich stand dahinter, aber nicht Dahinter!!!
    Textilvergehen, JA mehr davon.
    Union ist die Liebe zu unserem Verein mit Vielfalt und Toleranz.
    Dazu zählt auch sich mit vielen Themen kritisch auseinanderzusetzen, aber nicht einen Block in Sippenhaft zu nehmen und Teile der Fangemeinschaft für Botschaften zu missbrauchen. Klare Haltung zuzeigen, davon gerne mehr.
    Macht weiter so.
    Das ist unser Verein – EISERN UNION

  5. Was jetzt Krischan? Auch Dein Kommentar finde ich doppeldeutig.

    Ganz ehrlich: wenn der Adressat nicht weiß, warum es den Banner gibt dann frage ich mich, was für eine Kommunikationskultur bei uns herrscht???

    Der “State of the Union” Text mit dem zitierten Tweet von Fischer-Steak fand ich ohne weiteren Kontext zwar auch etwas befremdlich (wenn man mal in die Tweet-Chronologie dieser Nutzerin reinschaut umso mehr), aber ein Banner im Stadion gegen Teve rechtfertigt das noch lange nicht.

    Bitte lasst Euch von diesem Banner nicht beeinflussen oder verunsichern. Macht weiter so!!!

  6. Dieses Banner hat mich heute ehrlich gesagt zu tiefst erschüttert. Bleibt genau so wie ihr seid, mehr von euch und weniger von solchen Bannern. Lasst euch nicht beeinflussen!

  7. @ Sebastian, für den Tickettausch gibt es auch eine etablierte Facebook-Gruppe “Tickettausch für die Fans des 1.FC Union” oder insbesondere vielleicht auch über die Fb-Gruppe mal Olaf Forner ansprechen. Er organisiert Tickettausch für Unioner. Danke für das Engagement.

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