Es ist endlich an der Zeit, Grischa Prömel zu loben

Achselzucken. Das ist ein bisschen meine Reaktion auf das 1:1 in Bielefeld. Nicht, weil mich das Spiel nicht interessieren würde. Sondern weil nicht allzu viel passiert ist. Union hat nicht großartig anders gespielt als in den vergangenen Wochen. Und die Mannschaft hat nicht den Kopf verloren, als sie den Ausgleich kassierte. Wieder einmal hat sich das Team gesagt, es sei besser, den Punkt mitzunehmen, als zu verlieren. Das stimmt. Aber wenn wir die Punktausbeute der vergangenen Partien mit nun drei Unentschieden in Folge betrachten, dann hätten ein Sieg und zwei Niederlagen den gleichen Ertrag gebracht. Wobei ich mir sicher bin, dass dann die Betrachtung deutlich negativer wäre als jetzt. Es waren individuelle Fehler gegen Duisburg, die den sicher geglaubten Sieg gekostet haben. Und es war die Entscheidung von Rafal Gikiewicz, doch nicht die sehr gut geschlagene Flanke abzufangen, die am Ende den Sieg in Bielefeld gekostet hat. Das sind 4 Punkte weniger als von der Leistung her drin waren.

Doch das Spiel war mehr als diese eine Szene. Union beeindruckte mich damit, wie sie es als Mannschaft geschafft haben, Bielefeld den offensiven Schwung und damit die Stärke zu nehmen. Es kam im Prinzip kaum zu gefährlichen Abschlüssen der gegnerischen Angriffsreihe. So gibt es dann zwar kein spektakuläres 4:4 am Ende wie vor zwei Jahren. Weil der eigene Angriff gar nicht so zur Geltung kommt. Aber man muss dann auch nicht 4 Tore schießen, um doch nur ein Unentschieden mitzunehmen. Wie es Union unter Urs Fischer schafft, so gut zu verteidigen, beschreibt Daniel von Eiserne Ketten gut verständlich in seiner Taktik-Analyse des Spiels.

Ich würde auf jeden Fall sagen, dass es Zeit ist, ein Loblied auf Grischa Prömel zu singen, der seit Wochen eine riesige Laufleistung abspult und sich gleichzeitig auch in die Offensive einschaltet. Dieses Duo, das Prömel mit Manuel Schmiedebach im Zentrum bildet, gehört mit zu dem Besten, was ich seit vielen Jahren dort bei Union gesehen habe.

Grischa Prömel nach seinem Treffer zum zwischenzeitlichen 1:0 in Bielefeld, Foto: Matze Koch

Das Thema mit der Offensive bleibt bestehen. Union hätte einige Konter in der zweiten Halbzeit viel besser ausspielen können. Es ist die ewige Frage nach dem Gleichgewicht im Spiel. Wenn ich meinen Spielern mitgebe, auf Ballverluste im Spiel nach vorne zu verzichten (das gilt unter Fischer für die ersten zwei Spielfelddrittel), fehlt vielleicht etwas Schwung. Aber dafür steht die Mannschaft nicht so offen, wenn das doch passiert. Ich bin gespannt, wie variabel Unions Offensive in Zukunft auftreten wird, wenn Sebastian Polter und Suleiman Abdullahi einsatzfähig sind. Das würde dem Trainer noch mehr Optionen geben.

Hier findet ihr alle Spielberichte der Berliner Medien:

Wenn ihr auswärts nach Bielefeld gefahren seid, dann könnt ihr wieder auf der Union-Website an der Umfrage zum Stadionerlebnis mitmachen. Die Umfrage hat das Ziel, ein vielfältiges Bild von Spieltagen zu zeichnen, zu dem auch die Anreise und das Verhalten von Unionfans gehört. So soll klar werden, ob bestimmte Einzelfälle auf ein allgemeines Problem hinweisen oder aber eben Einzelfälle sind, wie vielleicht das hier in diesem Tweet geschilderte Erlebnis (das nicht verifiziert ist). Je mehr Leute sich an diesen Umfragen beteiligen, desto besser.

Gestern waren nach Bielefeld zwei Handicap-Shuttle-Busse der Union-Stiftung unterwegs (mehr hier). Eine große Handicap-Fahrt gibt es zum Auswärtsspiel beim HSV. Anmeldungen dazu hier.

Und sonst so?

“United by Football”. Der ganze Spieltag steht im Zeichen der EM-Bewerbung des DFB. In Dresden hing als Banner “United by Money. Wir brauchen keine gekaufte  EM, sondern Veränderungen”. In Bielefeld hing “United by Money: Korrupt im Herzen Europas” (in der Fotostrecke des Westfalenblatts).

In der Evaluation der Bewerbung moniert die Uefa, dass in Deutschland die Steuerbefreiung (im Gegensatz zur WM 2006) für den Veranstalter Uefa gestrichen wurde und die Uefa zudem für die Stadien Miete zahlen müsse. Erstaunlich, dass eigentlich für alle gleich geltende Regeln als negativ ausgelegt werden. Das wirtschaftliche Risiko in der Türkei (einziger Mitbewerber) ist höher (mal von der Menschenrechtssituation abgesehen, die moniert wurde), aber dafür dürften auch die potentiellen Gewinne höher sein. Entschieden wird am 27. September in Nyon.

Entscheiden wird das Exekutivkomitee der Uefa, das aus 19 Männern und einer Frau besteht (falls die Uefa mal wieder Werbung für mehr Vielfalt machen sollte, kann sie gerne bei sich anfangen). Infos über das Netzwerk in der Türkei, das sich für die EM-Bewerbung gefunden hat, gibt es bei Deutschlandradio Sport. Außerdem gibt es dort noch einen Beitrag darüber, wie es Fußballfans im von Erdogan autokratisch geführten Staat geht. Vor allem, wenn sie nicht der Regierungspartei AKP nahe stehen. Und dass das auch Auswirkungen auf die Auswahl der möglichen EM-Spielorte hatte.

Aktualisierung 23.9. um 22.49 Uhr: Weil der Tweet über Unionfans in einem Zug missverständlich sein kann, habe ich noch etwas Kontext ergänzt.

5 Gedanken zu „Es ist endlich an der Zeit, Grischa Prömel zu loben

  1. Lieber Sebastian,
    hat mich da nicht letzte Woche jemand kritisiert, als ich geschrieben habe
    “das war Sandhausen 2.0”

    “Union hat nicht großartig anders gespielt als in den vergangenen Wochen”

    Danke für die Bestätigung ;-)

  2. Apropos Zugfahrt…
    Die Mannschaft ist gestern mit dem Zug zurück gefahren!? Ich saß zwei Reihen hinter Urs Fischer. Ein toller Moment, die Jungs mal ganz aus der Nähe zu sehen.
    Allerdings sahen diese nicht genauso glücklich aus wie ihre Fans.
    Das lag aber bestimmt am Unentschieden ;-)

  3. Achselzucken? mhh es kommt sicher darauf an was man erwartet, ich muss sagen dass ich mir genau anghört habe was Urs Fischer aber auch Oliver Ruhnert so zu Saisonbeginn gesagt haben und ich versuche es mit Gelassenheit, noch befindet sich die Mannschaft im Aufbau, das Zusammenspiel muss sich noch entwickeln. Klar ist das nicht einfach da ja die anderen Mannschaften sich auch was vorgenommen haben bzw. teiwleise schon unter Druck stehen und es gibt keine leichten Gegner, schon gar nicht diese Saison. Klar bin ich begeistert gewesen wie die ersten Spiele gelaufen sind, ich beobachte aber auch bei Spielen wie diesem gestern als auch dem letzten Heimspiel gegen Duisburg positive Dinge, generell eine positive Weiterentwicklung. Lasst uns (um die Platitüde zu gebrauchen) den Ball flach halten. Und: wenn erst die verletzten Spieler wieder (oder erstmals wie Suleiman Abdullahi) dabei sind werden die Karten nochmals neu gemischt.

  4. Nur als kleine mathematische Randnotiz: Drei Unentschieden sind insofern eine kleine Terz besser als ein Sieg und zwei Niederlagen, weil im Vergleich dann zwei Gegner zwei Punkte weniger, aber nur ein Gegner einen Punkt mehr hat. Ergo ein Unterschied von drei Punkten bei der Konkurrenz! Ändert aber nichts an der richtigen Argumentation!

  5. Pingback: Das Tor von Sebastian Polter war fast schon kitschig, so geil war es | ***textilvergehen***

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