Es wird mal wieder Zeit, an die Boone’schen Regeln zu erinnern

Nach dem 2:2 gegen Duisburg kam die interessante Frage auf, welche Rolle Felix Kroos und Marcel Hartel eigentlich im Spiel eingenommen hatten. Denn war es schon so etwas wie ein unausgesprochener Konsens, dass entweder Kroos oder Hartel oder Robert Zulj die Position hinter der Spitze spielen würden. Es also ausgeschlossen wäre, alle gleichzeitig auf dem Platz zu sehen. Wie Daniel bei Eiserne Ketten verdeutlicht, spielte Felix Kroos auf der Position im Zentrum und Marcel Hartel auf links. Allerdings war er nicht der typische Außenbahnspieler, sondern zog viel ins Zentrum. Und nach Kroos’ Auswechslung übernahm er dessen Position im Zentrum.

Foto: Stefanie Fiebrig

Nun kann man sich nach dem Spiel und der frühen Auswechslung von Kroos hinstellen und ihn kritisieren, dass er nicht für genug Torgefahr gesorgt habe. Das macht beispielsweise die  Morgenpost, die ihm noch mitgibt, er könnte auf dem Feld auch mal so schlagfertig sein wie auf Twitter oder Insta. Nun hat das eine nicht zwangsläufig was mit dem anderen zu tun. Und selbst wenn, dann möchte ich einfach mal an den direkt verwandelten Freistoß nach Einwechslung am ersten Spieltag erinnern. Wenn das nicht schlagfertig ist, dann weiß ich auch nicht. Einen direkten Pass in den Strafraum auf einen Mitspieler ist Kroos allerdings auch nicht gelungen. Dafür hat er die Führung mit seinem Pass auf Gogia vorbereitet, auch wenn dieses Zuspiel nicht so genau kam, wie manche das im Nachhinein verklären. Felix Kroos wirkt aus meiner Sicht häufig unsichtbar. Seine Spielweise ist nicht spektakulär (außer seine Freistöße), weshalb seine Leistung leicht unterschätzt wird. Es gibt umgekehrt Spieler, bei denen die außergewöhnlichen Szenen eher im Gedächtnis bleiben als die kleinen Unachtsamkeiten.

Foto: Stefanie Fiebrig

Mit Blick auf die ständigen Diskussionen um Felix Kroos oder wahlweise Andy Gogia oder Kenny Prince Redondo möchte ich gerne wieder an Nummer 1 der Boone’schen Regeln (oder das Boone’sche Gesetz) erinnern: “Mache nie einen Spieler zum Sündenbock!”

Hier das vollständige inoffizielle Union-Grundgesetz:

  1. Mache nie einen Spieler zum Sündenbock
  2. Pfeife nie die Mannschaft aus
  3. Verlasse nicht vor dem Schlusspfiff das Stadion
  4. Heiserkeit ist der Muskelkater des Unioners

Der Tagesspiegel hat unterdessen einen neuen Fluch entdeckt: Union kann keine Freitagabendspiele gewinnen. Bei den vergangenen sechs Spielen am Freitagabend sei kein Sieg gelungen. Wenn das der einzige “Fluch” ist, bin ich ganz entspannt. Besser als ein “Kapitänsfluch” oder der “Wir-können-in-Bayern-nicht-gewinnen-Fluch”.

Der Kurier arbeitet sich noch an den Nickeligkeiten aus dem Duisburgspiel ab. Für mich war das Thema mit Florian Hübners Tor eigentlich abgehakt. Aber immerhin werden wir darüber aufgeklärt, warum Torhüter Rafal Gikiewicz nach Abpfiff so ausgeflippt ist. Er wurde nach eigener Aussage von Borys Tashchy beleidigt.

Um einen Haken an dieses Spiel zu machen, habe ich noch eine letzte Bitte: Macht doch bitte bei dieser Umfrage zur Partie mit, die Union jetzt zu jedem Spiel anbietet. Dabei geht es um Feedback zu organisatorischen Fragen beim Spiel. Und vor allem schreibt auch hin, wenn ihr Erlebnisse hattet, die wir so nicht in unserem Stadion sehen wollen (wir hatten gestern Kommentare über rassistische Beschimpfungen gegen Richard Sukuta-Pasu im Blog. Oder Gewaltandrohungen, als jemand Unionfans auf ihr inakzeptables Verhalten hingewiesen hat). Diese Umfragen bieten die Möglichkeit, aus vielen Einzelfällen ein größeres Bild zu zeichnen und entsprechende Maßnahmen zu ergreifen. Das gleiche gilt für Einlasskontrollen oder Polizeieinsätze. Ich werde die Umfrage ab jetzt nach jedem Spiel verlinken.

Und sonst so?

Die U19 hat im Derby gegen Hertha in letzter Minute noch einen Punkt geholt. Das mit dem Ausgleich in letzter Sekunde kennen wir ja schon vom Freitagabend. Ebenso das mit dem Rückstand nach eigener Führung:

Screenshot: fussball.de

Auch die U17 spielte Unentschieden. Es gab ein 0:0 gegen Rasenballsport.

Wer noch nicht genug von Union hat: Heute um 14 Uhr spielt das 1. Frauen-Team gegen den BSC Marzahn auf dem Fritz-Lesch-Sportplatz.

Und zum Abschluss noch das hier. Zlatan Ibrahimovic hat sein 500. Profitor geschossen. Ein ganz normaler Treffer war da natürlich nicht möglich:

Und zum Schluss viel Erfolg allen, die heute beim Berlin-Marathon starten und viel Spaß allen, die zur Unterstützung vor Ort sind:

12 Gedanken zu „Es wird mal wieder Zeit, an die Boone’schen Regeln zu erinnern

  1. Ich fand es bemerkenswert wie in der Pause plötzlich die ganze Waldseite “Kling, klang” von Keimzeit mitsang. Ich kann mich nicht erinnern, diesen Ohrwurm an der AF schon mal gehört zu haben. Aber damit hat Wumme absolut einen Nerv getroffen. Und der Gesang ging dann auch noch voll weiter. Großartig!

  2. Da ich mich angesprochen fühle zwecks Sündenbock.

    Redondo hat in den letzten Wochen 2x öffentlich von der ersten Liga gesprochen. Ok das mag eine Ambition sein, aber dann müssen die Leistungen auch halbwegs stimmen. In Sandhausen war er unterirdisch und gegen Duisburg nicht viel besser. Und da geht mir der Hut hoch wenn dann von höherem gequatscht wird.
    Dann lieber mal einen Berkan Taz reinwerfen.

  3. @Michael So wie du hier die Kritik äußerst, ist es völlig in Ordnung.
    Die Regeln sind aber gerade dann wichtig, wenn einem im Stadion oder unmittelbar nach dem Spiel “der Hut hoch geht”.

  4. @michael Es geht nach meinem Verständnis nicht darum, einen Spieler nicht kritisieren zu dürfen. Sondern es geht darum, dass nicht ein einziger Spieler schuld an einem Spielausgang ist. Außer Steffen Menze natürlich.

    Zu Redondos O-Tönen aus dieser Woche. Die habe ich nicht so wahrgenommen wie du. Mir kam es eher so vor, als würde er von sich selbst mehr erwarten, als er zur Zeit zeigt. Und da kann ich ihm nur recht geben. Ich erwarte auch mehr von ihm. Aber vielleicht sollte er sich nach der langen Verletzungszeit etwas entspannen. Wird sicher noch etwas dauern, bis er wieder richtig in Form ist.

  5. “ganze Waldseite” und die GG hat mit gesungen! Möchte ich hiermit betonen!
    Schöne Woche!
    jöhei

  6. Bei Oasis’ “Wonderwall” wurde auch schön mitgeträllert. Das hat mich dann wieder sehr glücklich gemacht. Und irgendwann schreibt Noel wieder Songs für Liam… :-)

  7. Und ick fand “Auf die Fresse” nach dem 2:2-Torpogo geil. Hatten wa auch noch nie. Allerdings habe ich den Grund gar nicht mitbekommen – wegen “übertriebener” Jubelei. Gabs da noch Reibereien dem Weg zur Mittellinie?

  8. Ich kann mich ja täuschen. Aber mir war als hätte ich einige Spieler auf dem Feld gesehen, die es für einen kuriosen Irrtum halten, dass sie selbst in der zweiten und nicht in der ersten Liga spielen. In der 2. Liga werden wir immer wieder auf Mannschaften treffen, die eher Rugby als Fußball spielen wollen. Kann ja sein, dass es für begnadete Fußballer ein Unding ist, 1 1/2 Stunden lang von vorn und von hinten angesprungen zu werden. Aber so ist 2. Liga. Duisburg hatte sich vorgenommen, bei uns etwas zu erKÄMPFEN. Und wenn dann nicht alle 11 diesen Kampf annehmen, werden wir immer wieder in diese Situationen kommen, in der wir bis in die Nachspielzeit hinein waren. Den Freitag werden andere Vereine aufmerksam beobachtet haben…

  9. @Hajo Obuchoff: “Ich fand es bemerkenswert wie in der Pause plötzlich die ganze Waldseite “Kling, klang” von Keimzeit mitsang”

    Ist ganz sicher nur ein völlig unwichtiger Aspekt dieses Abends.

    Aber ich hab diesem Moment zufällig aus der Mitte des MSV-Auswärtsblocks heraus erlebt. Und ich fand es ziemlich niedlich, wie das aus allen vier Ecken des Stadions heraus mitgesungen wurde.Inklusive der hier unbekannt gegrüßten Damen im Auswärtsblock.

    Völlig unspektakulär ein Beispiel dafür, warum ich mich an dem Abend in diesem Stadion so wohlgefühlt habe.

  10. @Karl Kreuzberger: “Auf die Fresse” ist natürlich genauso dumm wie das kurz vorher wütend gebrüllte Scheiß Union.

    Als außenstehender Gast – ich bin weder Union-, noch MSV-Fan – hatte ich trotz dieses Furors niemals das Gefühl, ernsthaftem Hass beizuwohnen.

    Ich mag die Herangehensweise, sich gegenseitig bis aufs Blut zu beleidigen, aber dann trotzdem ein Bier miteinander trinken zu können (bei dem man sich weiter beleidigt, aber ein Bier… Du verstehst, was ich meine).

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