Das Stadion steht noch, Unions Startelf gegen St. Pauli noch nicht

Nachdem die ersten Meldungen über den Brand im Stadion am Donnerstagabend betonten, wie schnell die Feuerwehr es gelöscht hatte, vermittelten Bilder davon gestern doch einen dramatischeren Eindruck. Auf der Pressekonferenz vor dem Spiel versicherte Union jedoch, dass das Stadion in voller Kapazität, wenn auch nicht ganz unbeeinträchtigt, bereit für das Spiel am Sonntag sei.

Die Vorschauen der Berliner Medien auf das Spiel befassen sich unter anderem mit der Frage, ob Robert Zulj von Beginn an spielt. Matze Koch schreibt in der Bild (nicht online), dass der Zugang aus Hoffenheim vor seinem Startelf-Debüt stehe. Damit könnte er Marcel Hartel verdrängen. Damit aber auch Felix Kroos und das defensive Mittelfeld-Duo Schmiedebach/Prömel von Beginn an auflaufen, müsste entweder Union von der 433-Ordnung der bisherigen Spiele oder Zulj von seiner Idealposition etwas abrücken. Urs Fischer wollte sich (öffentlich) natürlich auf nichts festlegen.

Spiel-Plan

In St. Pauli ist morgen die einzige Mannschaft zu Gast im Stadion an der Alten Försterei, die ihre ersten beiden Spiele gewonnen hat. Dass das nur einem Team gelang, deutet vielleicht schon darauf hin, dass die Tabellensituation ähnlich klumpig werden könnte wie in der vergangenen Saison.

Aber womit genau muss Union rechnen? St Pauli spielt unter Trainer Kauczniski in einem 4141, in dem im Aufbau die Außenverteidiger neben den Sechser nach vorne schieben. Das ist also grundsätzlich ziemlich ähnlich zur Spielanlage von Köln. Wie Köln hat auch St. Pauli gute Spieler für die 8er/10er Positionen in dieser Ordnung, allen voran glänzt Mats Møller Dæhli dort mit Nadelspieler-Aktionen.

Allerdings fehlt St. Pauli gegen Union Sami Allagui, dessen Ablagen oder Tiefenläufe bisher dabei halfen, die nachrückenden Sprints der Zehner zu nutzen. Ebenfalls aus Verletzungsgründen könnte St. Pauli auch die Idealbesetzung des defensiven Mittelfelds in Person von Marvin Knoll abhanden kommen. Denn Knoll ist eine Option, um den Ausfall von Christoph Avevor in der Innenverteidigung zu kompensieren.

Im Pressing greift St. Pauli im 4132 recht weit vorn an. Wie sich St. Pauli während des gegnerischen Spielaufbaus verhält, konnte man im letzten Ligaspiel der Hamburger aber nicht beobachten, weil sie gegen Darmstadt spielten.

Zum Spiel gibt es noch diesen Hinweis auf fehlende Parkplätze:

Wie der Transfer von Suleiman Abdullahi von Einwanderungs-Regularien abhängt

Dazu, dass Suleiman Abdullahi zu Union gewechselt ist, hat auch entscheidend beigetragen, dass er für Braunschweig in dieser Saison, in der dritten Liga, nicht spielberechtigt gewesen wäre, weil er als nicht-EU Ausländer nur in den Bundesligen eine Arbeitserlaubnis hat.

Denn diese Arbeitserlaubnis stützt sich auf eine Ausnahmeregelung für „hochqualifizierte Arbeitskräfte“ – für den Profifußball wird das als ‘Spieler in der ersten oder zweiten Bundesliga’ definiert, wie die Osnabrücker Zeitung in einer Recherche ausführt und hinterfragt. Die 3. Liga ist demnach nicht Teil der globalen Fußball-Welt und ihres Arbeitsmarktes.

Der Artikel deutet dabei auch an, dass es gerechter sein könnte, statt dieser pauschalen Kategorisierung individuell einzuschätzen, wer als hochqualifiziert gilt. Da stellt sich natürlich die Frage, wie man das vergleichbar bewerkstelligen könnte. Vielleicht wäre ja der GoalImpact eine Option. Der schätzt zumindest die dritte Liga nicht zu gering:

Apropos GoalImpact: Hertha steht dessen Einschätzung nach eine schwere Saison bevor.

In der eigentlichen Sache ist nun fraglich, ob Profifußball das beste Beispiel ist, Fragen darüber zu stellen, wie integrationsfördernd solche Regelungen sind. Nicht zuletzt, weil sich vielen anderen Migranten viel existenziellere Probleme stellen. Es ist aber auch unfair und weltfremd, Profifußballern jegliche menschlichen Probleme und Ansprüche abzusprechen, wie es die Behörden zu tun scheinen, wenn sie sagen, dass “Integrationsaspekte in diesem Kontext keine Rolle spielen.”

Unioner des Jahres

… ist Steven Skrzybski

Magdeburger Probleme

Die Probleme, die Auswärtsfans aus St. Pauli und Darmstadt in dieser Saison in Magdeburg hatten, haben wir hier in den vergangen Wochen schon erwähnt. Der MDR hat nun einmal gut zusammengefasst und recherchiert, welche infrastrukturellen und institutionellen Bedingungen dazu führen, dass es solche Probleme in Magdeburg immer wieder gibt.

Und sonst so

Ach, der DFB macht es sich auch nicht leicht. Da gibt es zum Beispiel diese PR-Glanzleistung:

Schließlich sagt nichts ‘Wir distanzieren uns von diesem so wenig reflektiertem wie elegantem Slogan’ so sehr wie ein Mannschatsbus – sorry: Die Mannschaftsbus mit diesem Slogan. Also, nichts außer einem Mittelkreis- Banner in schwarz-rot-gold mit den Logos des Sponsors und des Verbands.

Und dann beginnt die neue Bundesliga-Saison gleich wieder mit einem vollständigen VAR-Fiasko, nachdem man bei der WM doch scheinbar gesehen zu haben schien, dass es durchaus geht. Da könnte man nun sagen ‘gut, dass es das in der zweiten Liga noch nicht gibt.’ Aber der Optimismus, dass es noch besser wird, verbietet sich eigentlich, mindestens bis auf weiteres.

Zum Schluss noch eine Empfehlung für alle, die heute Mittag noch nichts vor haben:

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