Union hat den Vorteil, dass es keine übergroße Vergangenheit gibt, die den Verein erdrücken kann

Es gibt zwei Wege, sich dem Pokalspiel heute beim FC Carl Zeiss Jena (Anstoß 18.30 Uhr, Ernst-Abbe-Sportfeld) zu nähern. Über die Geschichte, weil Union vor 50 Jahren mit dem FDGB-Pokal den einzigen großen Titel der Vereinsgeschichte im Finale gegen den FC Carl Zeiss Jena gewann. Und weil sowohl der Klub aus Jena als auch der 1. FC Union Spieler des Pokalfinals von 1968 zur Partie eingeladen haben, liegt das auf der Hand. So hat die Berliner Zeitung mit Peter Ducke telefoniert, den ich als Kind nur daher kannte, dass ich mal Sportunterricht bei ihm hatte, weil er Lehrer an meiner Schule war. Aber natürlich ist er eine der großen Jenaer Spielerfiguren überhaupt, der Name wurde fast ehrfürchtig ausgesprochen und mein Vater bekam einen merkwürdigen Glanz in den Augen, wenn er vom Schwarzen Peter sprach. Für mich war er damals halt nur Sportlehrer.

Was ich interessant finde, ist das Thema Kulturpflege, das kurz im Text eine Rolle spielt, als Peter Ducke sagt: “Ich freue mich, dass sie bei Union den Pokalsiegern von 1968 ein Denkmal gesetzt haben. Ob man das auch einmal für mich und meine Mitspieler von einst in Jena tun wird?“ Wie viel Bedeutung er dem Pokalsiegerdenkmal vor dem Stadion an der Alten Försterei beimisst, lässt ungefähr erahnen, was den Spielern aus der großen Jenaer Zeit fehlt. Andererseits ist es nicht so, dass Jena keine Tradition pflegen würde. Die kleine Straße am Stadion heißt Roland-Ducke-Weg nach dem verstorbenen Bruder von Peter Ducke.

Aber vielleicht ist es für einen Verein wie Union, der sowieso nicht so viele sportliche Erfolge wie Jena vorzuweisen hat, einfacher, sich auf das zurückzubesinnen, was war. Denn die aktuelle Vereins-Entwicklung hat nicht direkt etwas mit der Vergangenheit zu tun. Es gibt keine übergroßen ehemaligen Spieler, die alles dominieren. Seien es die Vereinsgeschicke oder die Medienberichterstattung. Und aus Unions sportlicher Vergangenheit in der DDR lässt sich auch kein Auftrag für die Zukunft ableiten.

So etwas wie beispielsweise im Leitbild von Dynamo Dresden, das sie erst Ende 2017 verabschiedet haben. Darin steht: “Wir haben einen Traum: Das 100. Spiel im Europapokal wird ein Teil unserer Geschichte sein. Unserem Traum wollen wir Tag für Tag einen Schritt näher kommen.” Union hat nie im Europapokal 4:0 gegen AS Rom gewonnen. Union steht nicht wie Jena auf Platz 1 der ewigen Tabelle der DDR-Oberliga. Union hat nicht im Europapokalfinale gestanden. Union muss nicht damit umgehen lernen, dass solche Erfolge wahrscheinlich nie wieder kommen werden. oder um es mit einem beliebten Auto-Vergleich zu sagen: Union muss nicht ständig in den Rückspiegel schauen, sondern kann in Ruhe nach vorne schauen.

Und zuletzt: Union ist selbständig und unabhängig. Der FC Carl Zeiss Jena ist in der Stadionfrage von der Stadt Jena und ansonsten vom belgischen Investor Roland Duchatelet abhängig, der seit 2014 über 49,98 Prozent der Stimmrechte in der FC Carl Zeiss Jena Fußball Spielbetriebs GmbH verfügt. Die Summe, für die er sich eingekauft hat (2 Millionen Euro) klingt aus etablierter Zweitliga-Sicht gar nicht sooooo hoch. Dazu kommt aber noch ein Darlehen über 4 Millionen, das Duchatelet Jena gegeben hat. Aber das muss der Verein nicht mehr komplett zurückzahlen. Der Klub arbeitet jetzt zwar daran, über mehr Sponsoren in der 3. Liga wieder unabhängig zu werden. Aber jeder weiß über die Wirtschaftskraft von lokalen Unternehmen in Ostdeutschland. Sie ist begrenzt. Auch in einer Boom-Stadt wie Jena. Es dürfte noch ein langer Weg werden.

Weitere Medienberichte, die den Weg über die Pokalgeschichte gehen:

Ein zweiter Weg, sich dem Spiel heute zu nähern, ist über Unions jüngere Pokalgeschichte. Und der geht mit einem gedämpften Erwartungs-Management daher. Die Erstrundenspiele in den vergangenen Jahren waren durch die Bank nur schwer zu ertragen und endeten durchaus auch mal mit einem Vorrundenaus. Das sieht dann so aus:

Screenshot: Twitter @sumpfi5

Ich habe diese Angst vor dem Erstrunden-Aus eigentlich durch Jens Kellers Arbeit abgestreift und möchte dem Trainer auf diesem Weg noch einmal dafür danken, so viele negative Serien gekillt zu haben. Das dürfte für Spieler und Verein keine Rolle mehr spielen. Aber der Unterschied zwischen 3. Liga und Zweiter Liga ist gering. Von daher wird das sicher ein enges Spiel.

Hier die weiteren Vorberichte der Berliner Medien:

Wir sehen uns nachher auf der Autobahn. Und wenn alles klappt, nehmen wir auf der Rückfahrt im Auto den Podcast auf.

Und sonst so?

Kristian Pedersen hat endlich die Spielberechtigung für Birmingham erhalten und Toni Leistner mit QPR 1:7 verloren. Das berichtet der Berliner Kurier.

6 Gedanken zu „Union hat den Vorteil, dass es keine übergroße Vergangenheit gibt, die den Verein erdrücken kann

  1. Man kann sich auch ganz einfach mit Fakten dem Spiel nähern. 1. FC Union 2. Bundesliga, 2 Pflichtspiele 4 Punkte, Gesamtetat 17,9 Mio Euro.
    FC Carl Zeiss Jena 3. Liga, 4 Pflichtspiele 7 Punkte, Gesamtetat 5,8 Mio Euro.
    Der Unterschied fällt dem geneigten Betrachter nach einiger Zeit gewiß auf.

    Anmerkung an den Autor, wir befinden uns im Jahr 2018 und nicht 1968 und seit der letzten DDR Meisterschaft sind rund 30 Jahre vergangen.
    Mein Sportlehrer zu DDR-Zeiten hieß übrigens Jahnke, aber der hat mit dem Spiel ebenso wenig zu tun wie Ducke.

  2. Wir sind die Pokalmannschaft Deutschlands. Keine andere Mannschaft hat sowohl im DFB-Pokalfinale als auch im FDGB-Pokalfinale gestanden.

  3. ich glaube was wir aus der Erfahrung 1968 mitnehmen sollten (das gilt immer, auch für die Liga) man kann viele Dinge vorher nicht abschätzen, damals hat keiner geglaubt dass wir den Pokal holen, gerade gegen Jena, und: wenn wir an uns glauben und trotz unterschiedlicher Auffassungen zusammen stehen, passt das was wir singen “…ja dann kann der Sieg nur dir gehörn”

  4. @Jan Grobi: Ein Prost auf deine Sichtweise und allen viel Spaß beim Nägel knabbern, Haare raufen und hoffentlich in den Armen liegen.

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