Warum Urs Fischer im Pokalspiel gegen Jena sehr wahrscheinlich nicht rotieren lässt

Vielleicht haben sie bei union gestern genau zugeschaut, wie es am Abend für den FC St. Pauli beim Pokalspiel beim SV Wehen Wiesbaden lief. Erst kamen die Hamburger trotz großer Chancen vor Schluss nur zu einem 1:1. Dann gab es ein Elfmetertor für Wiesbaden und kurz danach gleich das 3:1, bei dem ich an Urs Fischer denken musste, wie er nach dem ersten Spieltag sagte, dass die größte Unordnung nach einem Tor herrscht. Egal, ob die eigene Mannschaft es erzielt oder kassiert hat. Am Ende schied St. Pauli mit 3:2 aus. Mehr Vorwarnung geht nicht.

Trainer Urs Fischer in der Pressekonferenz vor dem Spiel gegen Jena; Screenshot: AFTV

Das große Thema in der Pressekonferenz (hier bei AFTV und hier bei Facebook) war, ob Urs Fischer rotieren lasse (vor allem im Tor) oder nicht. Der Trainer wollte sich da nicht festlegen. Ich werfe mal kurz ein: Urs Fischer ist neu. Ein großer Teil des Teams ist neu. Das Pokalspiel passt genau in den Liga-Rhythmus, weil es nicht unter der Woche stattfindet. Es wird sicher wenig rotiert werden. Und weil als Beispiel gerne Jens Keller mit seiner Torwart-Rotation gebracht wird. Ja, er ließ im Pokal den zweiten Keeper ran. Aber im ersten Pokalspiel in seinem ersten Jahr bei Union spielte mit Jakob Busk der erste Keeper (es war der 2:1-Sieg beim MSV Duisburg). Weil die Mannschaft sich einspielen sollte.

Über eine mögliche Rotation im Pokal schreiben die Berliner Medien:

Jakob Busk zieht jedenfalls alle Register und macht es seinem Trainer schwer, indem er sich mit zwei süßen Möpsen zeigt:

Wer ein bisschen Lust auf die Jenaer Perspektive auf das Pokalspiel hat, kann sich die hier holen im FCC-Fanmagazin von Jena-TV (wer hier neutrale Berichterstattung erwartet, ist falsch, denn die Sendung wird vom Jenaer Pressesprecher moderiert):

Ich fand ganz witzig, dass im Video bei der Gegnervorschau das Mannschaftsfoto des Halleschen FC eingeblendet wurde:

Screenshot: JenaTV

Ein paar Hinweise zur Anreise gibt es hier. Wichtig ist, dass der Gäste-Eingang komplett separat vom Heim-Eingang ist. Und es ist vielleicht nicht so empfehlenswert, sich vor dem Spiel in der Johannis-Straße aufzuhalten, wenn man Jena eher nicht so dufte findet. Dort sammeln sich die FCC-Fans für ihren Fanmarsch.

Und sonst so?

Als Nachbereitung zum Angriff von Kölner Fans auf Busse mit Union-Fans gibt es eine Recherche des ND, in dem sich vor allem die Polizei Köln in Widersprüche verstrickt. Klar scheint demnach zu sein, dass mit der (zumindest kurzfristigen) Darstellung einer Drittortauseinandersetzung die Polizei erst die rechtliche Möglichkeit hatte, die umfangreichen Durchsuchungen der Busse und die Beschlagnahme der Mobiltelefone der Unionfans durchzuführen. Das wäre mit dem reinen Zeugenstatus nicht möglich gewesen. Und das erklärt auch die Stellungnahme von Union ziemlich gut. Dass sich auf beschlagnahmten Handys durchaus nach Rückgabe Überwachungssoftware befindet, ist ein weiterer Punkt. Für den Fall der Beschlagnahme des Handy gibt es beispielsweise von der Eisernen Hilfe eine klare Handlungsanweisung:

Für diejenigen Menschen, deren Handy beschlagnahmt wurde: Besorgt euch ein neues. Es wird eine lange Zeit dauern, bis ihr dieses zurückbekommt und dann empfehlen wir dringend, dies nicht abzuholen (wenn überhaupt nur durch Dritte) und zu nutzen! Ebay kann hier eine Alternative zur Finanzierung eines neuen sein.

Ich selbst bin seit einiger Zeit Mitglied der Eisernen Hilfe (kostet 36 Euro/Jahr) und kann allen Union-Anhängern, die das nötige Geld aufbringen können, nur empfehlen dort auch Mitglied zu werden. Und zwar unabhängig davon, ob ihr glaubt, die Hilfe in Anspruch nehmen zu müssen oder nicht. Es ist für mich eine Form von Solidarität. Und das Recht auf diese Solidarität haben für mich alle Unioner, auch wenn ich beispielsweise die Beziehungen zwischen Teilen der Union-Fanszene und der Gladbacher Gruppe Sottocultura (deren Nähe zu offen rechtsextremen Gruppen bekannt ist, Beispiel aus Faszination Fankurve) sehr kritisch sehe und nicht einmal ansatzweise teile. Ganz im Gegenteil. Aber das Recht auf eine normale rechtsstaatliche Behandlung haben alle. Und die Eiserne Hilfe ist eine Möglichkeit, einen Beitrag dazu zu leisten.

Der 1. FC Köln zeigt sich schnell mit Stadionverboten. Das dürfte aber nicht nur mit dem konkreten Fall zu tun haben, sondern auch mit der Gesamtgemengelage im Verein, in dem sich aktive Fanszene und Klubführung schon länger nicht mehr grün sind (Der Westen).

Eine Zusammenfassung zum Nachwuchsturnier Baltic Sea Cup gibt es beim Kurier.

Torwart-Trainer Michael Gspurning ließ das Training aus Drohnenperspektive aufnehmen:

Und zum Thema Jungunioner gibt es dieses wunderbare Video:

Ich danke Daniel für die Urlaubsvertretung hier und freue mich sehr, morgen nach Jena zu fahren. Vielleicht sehen wir uns dort im Gästeblock.

4 thoughts on “Warum Urs Fischer im Pokalspiel gegen Jena sehr wahrscheinlich nicht rotieren lässt

  1. auch wenn ich manchmal Berichte von dir, Sebastian kritisiert habe bin ich froh dass du wieder da bist, danke für die sachliche und objektive Einordnung der Ereignisse in Köln, so gut die Vetretung auch war, Daniel ist dazu anscheinend nicht in der Lage. Was die Polizei da in Köln gemacht hat zeigt worauf wir uns hier in Deutschland einstellen müssen: Rechtsbeugung im Amt nach dem Motto: der Zweck heiligt die Mittel, dein Hinweis mit der Eisernen Hilfe ist richtig und wichtig! Deine Stellungnahme zu den Kontakten zu Sottocultura auch! Danke!

  2. @Jens Ich sehe inhaltlich eigentlich keine großen Differenzen zwischen Daniels Texten in dieser Woche und dem einen heute von mir. Unser Schreibstil ist sicher unterschiedlich. Aber das finde ich gut, dass die Persönlichkeit der Autoren klar erkennbar ist. Aber wenn ich mir anschaue, was zum jeweiligen Zeitpunkt zu dem Vorfall in Köln bekannt war, sehe ich da klar eine Konstanz. Und das mit der Eisernen Hilfe ist mir ein persönliches Anliegen und das habe ich auch so formuliert. Wenn dir meine Texte zusagen, nehme ich das Kompliment gerne an. Aber ich möchte mich da ungern gegen Daniel ausspielen lassen, dem ich für seinen Einsatz hier bei Textilvergehen sehr dankbar bin.

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