Nein, bei Union sind die Dauerkarten nicht am teuersten

Das Trainingslager in Marienfeld geht langsam zu Ende, doch zunächst gibt es endlich wieder ein richtiges Testspiel. Um 18 Uhr wird in Delbrück gegen Norwich City getestet. Das und am Samstag der Test gegen Bordeaux werden zeigen, wie weit Union in der Vorbereitung schon gekommen ist. Heute Abend mit dabei ist auch Testspieler Haji Wright (BZ).

Probespieler Haji Amir Wright, Foto: Michael Hundt/Matze Koch

In den Berliner Medien geht es vor allem viel darum, was sich bestimmte Spieler vorgenommen haben:

  • Andy Gogia will weiter die besonderen Sachen probieren und hofft, dass das in der neuen Saison besser klappt als in der vergangenen (Kurier)
  • Joshua Mees will sich endgültig in der Zweiten Liga etablieren und seine Marke von 6 Toren und 3 Assists verbessern (Kurier)
  • Marcel Hartel will endlich mehr Tore schießen. 2 Treffer gab es nur in der vergangenen Saison. (Bild)

Der Tagesspiegeln bestreikt weiter Union und verweigert jegliche Berichterstattung. Aber vielleicht führen sie gerade die Rubrik Schnapsidee ein. Denn anders kann ich mir nicht erklären, dass sie tatsächlich einen Text darüber haben, der ein jährliches Stadtderby in der Vorbereitung fordert. Das ist aktuell schon faktisch schwachsinnig, weil die Zweite Liga zwei drei Wochen vor dem ersten Bundesligaspiel startet und entsprechend die Klubs bei einem Spiel an unterschiedlichen Punkten ihrer Vorbereitung wären. Dann ist es vor allem kein echter Wettbewerb. Das ist Kirmes. Und damit hat dieser Vorschlag soviel Substanz wie früher die Forderungen der Berliner Landespolitik, Union könne doch im Jahnsportpark oder Olympiastadion spielen.

Kommen wir zu etwas anderem. Wie jedes Jahr hat Maik vom Übersteiger die Dauerkartenpreise der Bundesliga und Zweiten Liga analysiert. In der Zweiten Liga kommt Union zwar auf einen Spitzenplatz. Aber das hat vor allem damit zu tun, dass Union die große Ausnahme im Profifußball ist und kaum Sitzplätze hat, was alles etwas verfälscht. Die eigentlich günstigste Ultra-Stehplatzkategorie, die in normalen Stadien nur für einen verschwindend geringen Teil gilt, ist bei Union quasi der Standard im Stadion. Weshalb ich soweit gehen würde, zu sagen: Nirgendwo kommst du günstiger zum Spiel. Aber das schreibt Maik ja auch selbst:

Ligakrösus bleibt Union Berlin, was allerdings die schon in den Vorjahren ausführlich erläuterten Hintergründe hat. Ein fast reines Stehplatzstadion mit hoher Auslastung, wo die Stehplatzkarte durchaus im Durchschnitt liegt – da müssen die wenigen Sitzplätze der Haupttribüne eben den Rest mitfinanzieren. Dies führt in meiner Erfassung gerade bei Union zu einem sehr schiefen Wert. Ist so, kann ich nicht ändern, nur erklären. Hier bleibt abzuwarten, wie sich eben diese Tribüne preislich entwickelt, wenn denn der geplante Umbau abgeschlossen sein wird.

Bei allen angesprochenen Schwächen dieser Übersicht (spiegelt nicht die Anzahl der Plätze in den einzelnen Kategorien wider, zeigt bei Union nicht die mögliche Kopplung von Mitgliedschaft an Kauf einer Dauerkarte, zeigt nicht den Mitgliederrabatt, etc.) gibt sie mir aber einen ungefähren Überblick, was die Preise so in der Liga sind. Oder man sieht es so:

Und sonst so?

Wir haben gestern für den Podcast unsere letzte WM-Episode aufgenommen. Dabei gab es zum Schluss noch eine Auswertung der Hitparade der WM-Songs: #338 [WM-Spezial] – Unsere Lieblings-Laufleistung. Für uns geht es im Podcast ab jetzt wieder nur um Union. Wir werden uns rund um das QPR-Spiel zu einer Saisonvorbereitungsausgabe treffen.

Deutlich analytischer unterwegs ist in Dingen WM natürlich der Rasenfunk, der eine kurze und hörenswerte Episode zum Thema Standards mit Ex-Unioner Florian Bruns veröffentlicht hat, der aktuell Co-Trainer beim SC Freiburg ist. Standards sind auch so ein Thema, bei dem ich bei Union Verbesserungsbedarf sehe. Mit 18 Toren befand sich das Team in der vergangenen Saison im Mittelfeld. Ziehen wir allerdings die 5 Elfmeter ab und sehen auch, dass es kein einziges Tor nach einem direkten Freistoß gab, wird es schon echt mager. Da geht auf jeden Fall mehr.

Hinweisen möchte ich noch auf die Analyse, was die WM in Russland eigentlich auf das Land selbst für Auswirkungen hatte, die Ingo Petz für den Cicero geschrieben hat. Hier ein kleiner Ausschnitt.

Nicht wenige erwarten für die Zeit nach der WM, dass der Staat die Repressionsschraube wieder anzieht um diejenigen zu bestrafen, die sich im unverhofften WM-Freiraum mit ihrer Kritik zu weit aus dem Fenster gewagt haben.

Die zumindest zeitweilige Öffnung der russischen Gesellschaft, ihr kleiner Aufstand im ansonsten als feindlich wahrgenommenen öffentlichen Raum, war das eigentliche Wunder der WM 2018.

Wer mehr von Ingo Petz über Fußball in Russland hören möchte, kann sich unsere Podcast-Episode “Mit der Fanbotschaft bei der WM in Russland” anhören, in der er über eine Stunde über die russische Fußballkultur und die Offenheit der Russen während der WM spricht. Für den von Pussy Riot inszenierten Flitzer-Einsatz wurden die Beteiligten zu 15 Tagen Haft verurteilt (Tagesschau).

Und um mal langsam wieder in den Liga-Modus zu kommen, hier ein Fall, in dem 4 Ultras von Hannover 96 (die Stadionverbot haben) für das Benutzen einer Straßenbahn in Augsburg ohne Fahrschein insgesamt 27.000 Euro zahlen sollen. Und nein, da wurde nicht randaliert oder irgendetwas beschädigt. Hier wird versucht, aus einem Bagatelldelikt (nichts anderes ist das im Normalfall) das höchstmögliche Strafmaß rauszuholen. Mehr zum Fall bei Faszination Fankurve. Das einzig Positive an dem Fall ist, dass das noch nicht rechtskräftig ist.

6 Gedanken zu „Nein, bei Union sind die Dauerkarten nicht am teuersten

  1. vielleicht gebt ihr mal einen tipp an den podcaster vom übersteiger: Excel-tabellenkalkulation macht es eigentlich relativ einfach, eine art gewichteten preis für dauerkarten zu errechnen (der auch die anzahl der in bestimmten kategorien verfügbaren plätze berücksichtigt); zumal man diese Tabelle/Berechnung dann relativ einfach von einem verein auf den nächsten übertragen kann, wenn man sie erst einmal erstellt hat.

  2. PS: natürlich ist das etwas aufwendiger, wenn man z.b. bei einem verein 20-30 verschiedene preiskategorien hat. aber man bekommt am ende ein stimmiges bild und kein erklärungsbedürftiges.

  3. Vielleicht orientiert sich die Idee zum Vorbereitungsstadtderby an den früheren Vorbereitungsbezirksderbys zwischen Union und dem KSC. Diese Spiele gab es ja vor einigen Jahren regelmäßig. ;-)

  4. Hallo :) als stiller Konsument eurer Berichterstattung möchte ich erst mal Danke sagen!

    Habt Ihr Infos zum Stadionausbau? Eigentlich sollte doch schon der 1. Bauabschnitt des Clubhauses beginnen. Sieht man noch nicht so viel von… Vom Verein kommen da offiziell keine Infos.

  5. @Andy Laut Dirk Zingler im Mai soll es im Spätsommer/Frühherbst (also wahrscheinlich September/Oktober) eine Vorstellung geben und dann losgehen. Bauantrag ist jedenfalls gestellt. Mehr konnte/wollte er nach Saisonende aber nicht sagen.

  6. Abgesehen davon ist es natürlich ungerecht, dass Sitzplatzbesucher die Stehplätze “quersubventionieren” ……

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