Pokalsieger und Pokal in Köpenick und etwas Russland-Vorbereitung zur WM

Was Union betrifft, können wir es heute etwas kürzer machen. Fast alle Berliner Medien nehmen den BZ-Bericht von gestern auf, wonach Ken Reichel von Braunschweig nach Berlin wechselt:

Und zumindest der Weggang wurde gestern von Braunschweig bestätigt:

Die Bild schreibt, dass nun auch der Doppelwechsel von Manuel Schmiedebach und Florian Hübner aus Hannover kurz bevor stünde.

Passend zum Jubiläum des Pokalsiegs von 1968 könnt ihr heute im Fanshop in der Köpenicker Bahnhofstraße ab 16 Uhr drei Spieler aus der Mannschaft treffen, die vor 50 Jahren den einzigen Titel für Union geholt haben. Und die Trophäe ist auch da.

Чемпионат мира по футболу 2018 в России

Kommen wir zur Weltmeisterschaft, die in dieser Woche in der Russländischen Föderation beginnt. Abseits von den Fragen, die zur Zeit hektisch diskutiert werden (demnächst kommt sicher wieder die Klassiker-Frage, wer denn die Hymne mitsingt und wer nicht), möchte ich euch einige Veröffentlichungen vorstellen, die euch hoffentlich länger im Gedächtnis bleiben werden als die Frage, wer wen gerade warum auspfeift und welche Themen der DFB für beendet erklärt.

“Doppelpass mit Russland. Ein Reiseführer in die russische Fußballkultur”

Dieses feine kleine Buch, an dem auch Unioner und Stadionführer Ingo Petz mitgearbeitet hat, ist der perfekte Begleiter für sonnige Tage am See oder für die halbstündige S-Bahnfahrt auf Arbeit. In kurzen Geschichten erfahren wir einiges über Russland, den russischen Fußball, über sowjetische Spieler in der DDR-Liga und über die Fans in Russland.

Was ich daran besonders charmant fand: Das ganze Buch ist nicht aus der Sicht von Deutschen geschrieben, die jetzt wie die WM einem Raumschiff gleich in Russland landen und sich alles verwundert anschauen. Nein, dieses Buch ist eins auf Augenhöhe. Hier schreiben russische Journalisten und Fans und Deutsche, die schon ewig eine Beziehung zu Russland haben. Hier wird weder unnötig romantisiert, noch das Land verteufelt, weil es immer noch im Kriegszustand mit mehreren seiner Nachbarn ist. Das wird einfach als Fakt thematisiert. So gibt es in der Faktenübersicht eine Liste der anerkannten Staaten, die an Russland grenzen, und eine Liste nicht anerkannter Staaten, die an Russland grenzen.

Das Buch ist schon vergriffen, aber ihr könnt es euch hier einfach als PDF herunterladen.

Futbolpolitika – Fußball und Politik in Russland

Futbolpolitika ist eine Serie im Deutschlandfunk, die aus gut und schnell wegzuhörenden Teilen besteht (bisher veröffentlicht Teil1 und Teil2), die sehr gut die Entwicklung des Fußballs in Russland in den verschiedenen Herrschaftssystemen darstellt, sei es Zarenreich oder Bürgerkrieg, später dann Stalinismus, etc. Das quasi der Crashkurs durch die russische Fußballgeschichte verbunden mit der Geschichte des Landes.

Das Fußball-Länderspiel Sowjetunion gegen die BRD 1955

Im August 1955 kam es zum ersten Länderspiel zwischen der Bundesrepublik und der Sowjetunion in Moskau. Nur wenige Wochen später folgte der Staatsbesuch von Adenauer, die Aufnahme diplomatischer Beziehungen und die Rückkehr der letzten Kriegsgefangenen. Was für eine hektische Betriebsamkeit die Einladung zum Länderspiel bei der Regierung in Bonn auslöste, könnt ihr in dieser Episode des Fußball-Geschichts-Podcasts Rückpass hören.

Da gibt es ein paar interessante Fakten, die mir bisher nicht klar waren. Ich wusste zum Beispiel nicht, dass Wilhelm Pieck, Präsident der DDR, beim Spiel war. Ich wusste nicht, dass die Hälfte der deutschen Zuschauer aus der DDR kamen und die Reise für die Fans aus der Bundesrepublik durch ein DDR-Reisebüro organisiert wurde. Auch war mir nicht klar, dass der FDGB (ja, dieser Gewerkschaftsbund, der vor allem für Ferienunterkünfte und einen Fußballpokal bekannt war) Einladungen an SPD-Mitglieder in der Bundesrepublik aussprach und ihnen die Reise komplett bezahlte. Gesprächspartner im Podcast ist Darmstadt-98-Matthias Kneifl, den ihr vielleicht vom Kickschuh-Blog oder dem Podcast Hoch und Weit kennt. Er hat das Buch “Der Kracher von Moskau” geschrieben, das ihr für wenig Geld bei der Bundeszentrale für politische Bildung kaufen könnt.

Wer gerne den lakonischen Blick auf Russland mag, kann sich dieses Interview mit Wladimir Kaminer in der Morgenpost durchlesen. Kaminer hat übrigens auch einen Text für das Buch  “Doppelpass mit Russland” geschrieben und einen Witz daraus im Morgenpost-Interview recycelt.

Wer in den nächsten Wochen ein bisschen Kontrast zu den klinisch reinen Fifa-Bildern aus Russland braucht, sollte dem Reiseblog “Buterbrod und Spiele” folgen (bin ich der einzige, der dabei an den Russisch-Dialog von Ottokar Domma denkt?).

Wir podcasten während der Weltmeisterschaft wieder wie vor 4 Jahren mit dem Mikrodilettanten.

Und sonst so?

Eventuell kann Köln sein Pokal-Spiel nicht in Berlin durchführen (Kurier):

6 Gedanken zu „Pokalsieger und Pokal in Köpenick und etwas Russland-Vorbereitung zur WM

  1. Ein ganz großes Kompliment. Du bist meines Wissens nach der ERSTE in der deutschen Medienlandschaft, der den Unterschied zwischen Россия und русский verstanden hat.
    Es ist nur ein Buchstabe, aber er erklärt eine Welt. Das zu thematisieren würde aber den Rahmen des textilvergehens sprengen…
    Grüße vom Toto

  2. @Sebastian Dann freue ich mich auf Buch und Film. Besten Dank!

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