Warum Jakob Busks Verletzung gleich für 3 Personen unglücklich ist

Jakob Busk hatte als einer der wenigen Spieler die Partie in Hamburg vor dem Fernseher zu Hause mit ansehen müssen. Im Gegensatz zu den anderen Spielern, die nicht im Kader standen, konnte er nicht mit dem Zug nach Hamburg zum Spiel hinterher reisen. Seine frische Verletzung machte das unmöglich. Am Sonntag gab Union dann auf der Website bekannt: “Der 24-Jährige wird Trainer André Hofschneider mehrere Wochen lang nicht zur Verfügung stehen, sein erneuter Einsatz in dieser Saison ist fraglich.”

Twitter @JakobBusk12

Diese Verletzung aus dem Abschlusstraining am Freitag ist auf vielen Ebenen unglücklich. Zuallererst ist sie für Jakob Busk unglücklich, der gerade erst wieder ins Tor rotiert ist. Wir erinnern uns: Trainer André Hofschneider nahm nach der Winterpause einen Wechsel im Tor vor und gab Daniel Mesenhöler den Vorzug. Meine Interpretation war, dass der neue Coach etwas ändern wollte, aber die anderen Mannschaftsteile ihm nicht die Optionen dafür gaben. Teils weil Transfers im Raum standen (Damir Kreilach im Mittelfeld), teils weil der Konkurrenzkampf nicht stark genug war (im Angriff waren Sebastian Polter, Simon Hedlund und Steven Skrzybski gesetzt) oder weil der Mannschaftsteil personell ausgedünnt war und die Optionen nicht stark genug (Abwehr mit dem in der Liga nie eingesetzten Christoph Schösswendter).

Nach 9 Partien, vor der Partie auswärts gegen Fürth, kam der Wechsel zurück zu Jakob Busk. Begründet hat der Trainer das mit der Reaktion im Training, die Busk gezeigt habe. Aus meiner Sicht dürfte ausschlaggebend gewesen sein, dass der Däne schlicht lauter ist als der stillere Mesenhöler. Im Spiel gegen Regensburg hatte ein Missverständnis zwischen Mesenhöler und Toni Leistner beim Klären eines Balles letztlich zur Situation geführt, dass Kristian Pedersen ungewollt einen Elfmeter verursachte und Union den sicher geglaubten Sieg aus der Hand gab.

Es ist anzunehmen, dass dieser Dauerwettbewerb zwischen Jakob Busk und Daniel Mesenhöler nach dieser Saison beendet sein wird. Beide Keeper haben sich dabei wenig geschenkt und werden gemeinhin als gleich stark eingeschätzt. Das dürfte dazu führen, dass einer der beiden sich einen Verein suchen wird, in dem er dauerhaft spielen kann. Und die Vermutung liegt nahe, dass dies derjenige Torwart sein wird, der am Ende in der Entscheidung des Trainers das Nachsehen hatte. Trotz der erneuten Rückkehr zu Mesenhöler wegen Busks Verletzung sehe ich ihn ein wenig als Verlierer dieser Situation, weil er am Ende zwar bis zum letzten Spiel im Tor stehen und trotzdem danach Union verlassen könnte. Dazu gehört auch, dass sein Vertrag in diesem Sommer endet. Der Vertrag von Jakob Busk geht noch 2 Jahre. Doch so einfach ist das alles nicht. Denn die erste Frage, die beantwortet werden muss, lautet: In welcher Liga spielt eigentlich Union in der nächsten Saison?

Ebenfalls unglücklich war die Verletzung von Jakob Busk auch für Trainer André Hofschneider. Symbolisiert sie doch auch etwas das Pech, das den Coach seit seiner Amtsübernahme von Jens Keller verfolgt. Ich meine, da ringt er sich zum zweiten Mal in der Spielzeit zu einem Torwartwechsel durch und dann passiert das. Das ist schon sehr unglücklich.

Die Berliner Medien arbeiten sich vollkommen zurecht an der Erleichterung nach dem Sieg in Hamburg ab:

Gratulation an Toni Leistner für eine starke Leistung in Hamburg, die mit der Nominierung für die Kicker-Elf-des-Tages belohnt wurde:

Die taktische Analyse des 1:0 beim FC St. Pauli gibt es wie gewohnt bei Eiserne Ketten. Und unsere Podcast-Episode zum Spiel findet ihr hier: Teve327 – Die gelb-roten Trikots wären beinahe zum Motto-Shirt geworden

Die Tabellensituation nach dem Spieltag macht klar, dass Union mit den aktuell 40 Punkten immer noch nicht gerettet ist. Dank des Sieges von Heidenheim gegen Düsseldorf stehen zwischen Union und dem Relegationsplatz immer noch nur 3 Punkte. Was einerseits noch einmal die Wichtigkeit des Sieges in Hamburg demonstriert. Andererseits auch die Unberechenbarkeit der Liga in diesem Jahr, die zeigt, dass keine Mannschaft konstant ist. Das gute Torverhältnis von Union im Vergleich zu den anderen Teams, die gefährdet sind (gefühlt sind das fast alle in der Liga), ist ein Plus.

Und sonst so?

Die U19 hat gestern ihre Bundesliga-Partie gegen Dynamo Dresden mit 1:4 verloren. Unter den 850 Zuschauern im Stadion war auch der Kapitän der Profis, Felix Kroos.

Und es gab Capo-Nachwuchs zu beobachten 😎

In der Tipprunde Twitterförsterei habe ich zwar viele Punkte geholt, aber kaum Plätze gut gemacht. Gratulation an die, die viel besser als ich waren.

Und noch eine kleine Empfehlung meinerseits für das Sportgespräch im Deutschlandfunk mit Frank Wormuth (Noch-Leiter der DFB-Trainerausbildung) und Tobias Escher (Spielverlagerung.de), weil da ein paar Aspekte des aktuell raschen Wandels des Trainerberufs sehr klar werden. Leider sind das nur Anrisse. Ich würde das gerne etwas intensiver lesen oder hören. Falls jemand von euch dafür Empfehlungen für mich hat, schreibt sie gerne in die Kommentare. Hier noch einmal der Link zum Sportgespräch: Dlf-Sportgespräch “Unbekannte Trainer sind fast schon Standard”

21 Gedanken zu „Warum Jakob Busks Verletzung gleich für 3 Personen unglücklich ist

  1. Fehlt da die dritte unglückliche Person? Ich denke es ist Lennart Moser, wie ja im Podcast rauszuhören war. Weil er jetzt nicht mehr in der U19 spielen darf

  2. “Union lässt Druck ab auf St. Pauli (Bild)” – Wenn Redakteure sich nicht zwischen dem Sport- und Porno-Kanal entscheiden können.

  3. Ich finde, dass das auf deine Fantasie schließen lässt, werter Herr @Sepp. Druck ist nun einmal eine ganz normale physikalische Einheit, zu der als Spezialfall auch der Luftdruck gehört. Wenn du jetzt die unterschwellige sexuelle Konotation als Erstes in den Raum stellst, ist das weniger der Redakteur.

  4. @Jan Grobi Die drei unglücklichen Personen sind aus meiner Sicht Jakob Busk, Daniel Mesenhöler und André Hofschneider. Und ja, Lennart Moser habe ich vergessen. Das ist der Vierte. Da hast du recht.

  5. Vielleicht kann ja Daniel noch etwas näher ausführen, wie er auf die Aussage mit den “entledigten Abstiegssorgen” kommt. Bei noch 4 ausstehenden Spieltagen und nur 3 Punkten Vorsprung vor dem Relegationsplatz scheint mir das eine gewagte These, die rechnerisch nicht zu halten ist. Und was meint er mit gegnerischer Spielerin? War er da gedanklich in Lichterfelde?

  6. @Musiclover first things first: Kommentare zu Eiserne Ketten dürfen sehr gerne auch gleich da abgegeben werden;)

    Das mit den Sorgen ist ja erstmal eine emotionale Geschichte. Und in dem Bereich hat das Spiel auf jeden Fall für eine große Veränderung gesorgt. Aber auch faktisch macht es einen sehr großen Unterschied, ob man auf eine Mannschaft auf einem möglichen Abstiegsplatz drei Punkte Vorsprung hat, oder auf sieben Mannschaften bis zu den Abstiegsplätzen 1-3 Punkte. Da darf man ein paar Sorgen fahren lassen.

    Und zu der Spielerin: In dem Absatz geht es ja um Fußball im Allgemeinen, also kommt da angemessen oft das generische Femininum zum Einsatz

  7. Erstmal danke für den podcast! Ich will nur sagen, dass Skrzybski meiner Meinung nach den erwähnten Distanzschuss machen muss!!! Warum? Weil er über die technischen Voraussetzungen und die Spielerintelligenz verfügt. Und er macht das brillant. Er zieht den Torwart in seine Laufrichtung und schließt gegen dessen Laufrichtung ab. Das ist wirklich toll! Die Variante, die Daniel vorschlägt, endet meist so, dass mit dem direkten Gegenspieler auch der parallel laufende Mitspieler verladen wird, und das Anspiel dann in dessen Rücken erfolgt – zigtausendmal gesehen und immer wieder ärgerlich. Um sowas zu machen, müssen die Jungs wirklich top auf einander eingespielt sein, und diesen Satz führe ich jetzt einfach mal nicht weiter. Ich liebe den Distanzschuss und finde, er wird komplett missverstanden, weil es natürlich geil aussieht, wenn er reingeht, aber wesentlich wertvoller ist er als Eröffnung einer komplett neuen, vom Gegner nicht zu kalkulierenden Spielsituation, wenn du als Angreifer wach bleibst und auf den zweiten Ball spekulierst – der Torwart, der den Ball nicht kontrollieren kann, der missglückte Versuch zu klären durch einen der Verteidiger oder, wie vorgestern, der Abpraller vom Pfosten. Das macht der Distanzschuss. Und deshalb ist auch das Aufrechnen von Schüssen aus größerer Distanz gegen welche aus kürzerer und wieviele Schüsse beider Varianten zum Torerfolg geführt haben irreführend. In solch einer Situation würde ich immer drauf halten lassen. Dem Ganzen wohnt natürlich auch noch eine selbstbewusste Verwegenheit inne, die den Spieler zusätzlich Vertrauen fassen lässt. Das ist eine Aktion, die eine Mannschaft mitreißen kann, und das hat sie auch getan. Danke, Steven!!!
    unveu

  8. Warum die Verletzung von Busk für Mesenhöler unglücklich sein soll, muss bitte nochmal erläutert werden: Ohne diese hätte er die restlichen Spiele auf der Bank gesessen. Mit dieser kann er sich für andere Vereine bzw. eine Weiterbeschäftigung empfehlen…

  9. @Christoph würde dir da ja bei einigem zustimmen. nur den chaotischen effekt des distanzschusses als plan zu ergreifen, halte ich für eine nicht ausreichend erfolgsstabile variante. und in der (etwas fortgeschrittenen) statistischen Analyse werden diese Situation ja mit einbezogen. Suche ich vielleicht wenn ich Zeit hab für Stevie nachher nochmal raus

  10. Ich würde ja gerne bei Eiserne Ketten kommentieren, aber leider ist dort die Kommentarmöglichkeit ein wenig kastriert. ;) Daher muss ich diese Diskussion hierher verlegen.

    So allgemein finde ich den Absatz mit der Spielerin jetzt nicht unbedingt, denn die Begriffe Union und Pauli werden doch recht häufig erwähnt, aber vielleicht fehlt da auch ein Teil des Textes!? Liest sich jedenfalls etwas komisch. ^^

  11. @Y. Absolut d’accord, dass der positive Aspekt für Mesi ist, dass er sich empfehlen kann. Finde es persönlich einfach für ihn unglücklich, dass die Möglichkeit besteht, dass er mithilft, Union in der Zweiten Liga zu halten, um dann keinen Job mehr zu haben.

  12. @Daniel,

    man kann dort nur mit einem externen Account kommentieren. Das ist für mich nicht praktikabel.

  13. @Sebastian,
    da auf der Union-Homepage noch nichts von gescheiterten Verhandlungen in Bezug auf Mesenhöler geschrieben steht, ist das mit ohne Job noch nicht sicher. ;) Aber vielleicht wartet man da einfach die nächste Niederlage ab… ^^ ;)

  14. das ist momentan so, weil beim letzten relaunch nur disqus funktioniert hat. aber ich schau mir eine alternative nochmal an, die das problem nicht hat

  15. @Daniel Von einer erfolgsstabilen Variante habe ich auch nicht gesprochen, sowas gibts überhaupt nicht. Die einzige erfolgsstabile Variante ist, beim Aussteigen aus dem Mannschaftsbus nicht umzuknicken. Was es aber gibt, ist ein erfolgversprechendes Instrumentarium, das um so erffektiver ist, je mehr du es variierst. Nur ein Idiot würde seiner Mannschaft raten, das Passspiel zugunsten von Distanzschüssen zu vernachlässigen. Aber es ist doch so, dass bei aller Rechnerei die Kategorie ABSTAUBER ohne die Kategorie VORBEREITENDER DISTANZSCHUSS überhaupt nicht exitieren würde oder zumindest nicht der Erwähnung wert wäre. In der Torstatistik findest du den Vorbereiter natürlich nicht. Da findest du dann den sogenannte Knipser mit dem tödlichen Instinkt.

  16. @Christoph ich hab mal kurz rausgesucht, was in solchen Momenten passiert – nämlich denen, die in den statistiken als Schüsse geführt werden, deren Entstehung als ‘Shot (Opposition Rebound)’ angegeben wird. Die Tore sind hier in den anderen Einteilungen nicht mitgezählt

    goal: 14 owngoal: 2 fairlygoodchance: 4 goodchance: 6 greatchance: 3 penawarded: 0 penmissed: 0 poorchance: 5 superbchance: 0 verygoodchance: 4

    Und hier noch, wie die Chancen, aus denen Tore gefallen sind, bewertet werden
    Fairly Good: 0 Good: 0 Great: 11 Penalty: 0 Poor: 0 Superb: 2 Very Good: 1

    Von Steven Skrzybski stammt übrigens keiner der Schüsse, die zu so einer Situation geführt haben.

  17. @Daniel Sieht amtlich aus, danke für die Mühen, allein … was ist das?!

  18. ich wollte nur einen Eindruck geben, wie vielversprechend die Situationen sind, die du beschreibst – Antwort: ziemlich. Dummerweise hatte ich den Kontext vergessen, nämlich dass diese ~30 Situation ein subset der 3700 aufgezeichneten Chancen in dieser Saison sind. Und zu isolieren, welche der Abpraller nach Distanzschüssen kamen, und wie viele der Distanzschüsse insgesamt Abstaube Situationen vorbereitet haben…

  19. @Daniel Danke nochmals. Also, Fußball ist schon eine geile Sache. In der jetzt so häufig zitierten Situation mit unserem herrlichen Stevie, stehen die Verteidiger ja prinzipiell gar nicht mal so schlecht. Die Jungs erwarten quasi den Querpass; dann seine Laufrichtung, die die Distanz zum Mitspieler vergrößert, also da kann man schon mal abziehen. Im Spiel gegen Duisburg hat er auch so ein Distanzding gemacht. Der war aber Scheiße, weil er den volles Rohr gedroschen hat (zwei Meter über den Kasten und drei daneben), statt das Ding mit halb so viel Kraft zu platzieren. Wie gesagt, das Ding muss nicht rein gehen. Es reicht vollkommen, wenn der Torwart den nicht fangen kann oder auch eine Ecke dabei heraus kommt. Hauptsache, die Mitspieler und natürlich auch er selbst antizipieren das. Ich muss jetzt Essen kochen. Auf bald und
    EISERN!

  20. Lieber Bunki,es ist ehrenhaft, dass du deinen Kollegen zur Seite springst. Und möglicherweise lässt der Fakt, dass mir das aufgefallen ist, wohl auch Rückschlüsse auf mein Assoziationsvermögen zu. Trotzdem gehe ich insbesondere bei der genannten Zeitung sehr stark davon aus, dass der zweideutige Titel mit der Verknüpfung zum Rotlichtviertel auf St. Pauli bewusst gewählt wurde.

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