Unions Antwort auf die sportliche Krise: Weitermachen

Ich würde gerne mal wissen, wie weit das Präsidium von Union die Planungen für die nächste Saison bereits vorangetrieben hat. Denn rational lässt sich für mich die Tatenlosigkeit nur damit erklären, dass intern bereits klar ist, wie die nächste Saison personell angegangen werden soll (wenn die Liga gehalten wird). Die Bilanz des Teams seit der Übernahme des Jobs durch Trainer André Hofschneider ist katastrophal, aber wie immer bei solchen Diskussionen gilt es, nicht nur die Frage zu beantworten, ob man den Trainer wechseln soll, sondern auch, wer den Job danach übernimmt. In die Richtung der fehlenden Alternativen deuten die Berliner Medien:

Trainer André Hofschneider, Foto: Matze Koch

Die andere Erklärung wäre ungeheuerlich und mit einem Kommentar deutet der Kurier das an. Nämlich, dass Herkunft mehr bedeuten würde bei Union als Leistung. Hauptsache Stallgeruch. Präsident Dirk Zingler wehrt sich gegen solch eine Vermutung vehement. Und ich möchte ihm das gerne glauben, dass Herkunft kein entscheidender Faktor ist. Dann frage ich mich allerdings, warum an den Trainer André Hofschneider weniger strenge Kriterien angelegt werden als an den Trainer Jens Keller. Eine rational nachvollziehbare Antwort wäre, und da drehen wir uns im Kreis, weil es keine Alternativen für 5-6 Spiele gibt und man sich vielleicht mit einem neuen Trainer schon einig ist. Die ganze Diskussion führen wir etwas ausführlicher auch im aktuellen Podcast: Teve326 – Der Reigen der Enttäuschten

Auch die Bild/BZ (Bild nicht online) schreiben, dass Trainer André Hofschneider bleibt und sie berichten vom Mannschaftsabend am Samstag (der wievielte eigentlich in diesem Jahr könnte ich fragen, aber das wäre nicht zielführend). Die Berliner Zeitung hat das Toreschießen als Kernproblem ausgemacht. Ausgerechnet eine der Stärken der Hinrunde. Der Kurier nennt die Zahlen: 31 Tore in 16 Spielen unter Keller, 15 Treffer in 13 Partien unter Hofschneider. Dabei erarbeitet sich Union gute und beste Chancen. Wenn auch nicht im Überfluss. Allein die Verwertung stimmt nicht. Und auch hier die beinahe schon traditionelle Frage: Was kann der Trainer dafür, wenn einer der besten Stürmer verletzt, der andere aktuell nicht fit ist und der dritte nicht trifft? Nichts, könnte die Antwort lauten. Ich sage dazu: Es liegt in seiner Verantwortung, Lösungen dafür zu finden.

Wer sich ein bisschen dafür interessiert, wie zufrieden MSV-Fans sind mit dem 0:0 vom Samstag, kann das im Zebrastreifen-Blog nachlesen (Spoiler: Sehr zufrieden).

Ein Thema, das mich momentan null interessiert, sind mögliche Transfers. Der Kurier aber bringt ligenunabhängig Patrick Rakovski als Kandidat für die Torwartposition ins Spiel, sollte Daniel Mesenhöler seinen im Sommer auslaufenden Vertrag nicht verlängern.

View this post on Instagram

Sunday vibes 🌞

A post shared by Daniel Mesenhöler (@danielmesenhoeler) on

Wie liefen die anderen Partien?

Die A-Jugend verspielte in Kiel gleich drei Mal eine Führung und kam zu einem 3:3. Das Team hat aktuell 4 Punkte Vorsprung vor einem Abstiegsplatz.

Die B-Junioren unterlagen dem FC St. Pauli mit 2:5 haben aber gemütliche 13 Punkte Vorsprung vor einem Abstiegsplatz.

Die Frauen haben in der Regionalliga Nordost ihr Heimspiel gegen Aue mit 6:2 gewonnen und stehen weiter punktgleich mit dem erstplatzierten Team von Viktoria auf Rang 2.

Und sonst so?

Maxi Thiels Tor für Heidenheim gegen Dresden steht vollkommen zurecht zur Wahl des Tor des Monats. Hier könnt ihr abstimmen.

Hertha steigt beim eSport ein (RBB) und castet dafür Fifa-Spieler. Wer sich ein bisschen mehr mit dem Thema eSport befassen möchte, dem lege ich die aktuelle Podcast-Episode des Tribünengespräches aus dem Hause Rasenfunk ans Herz, bei der wirklich gut erklärt wird, warum Fifa vielleicht inhaltlich naheliegend ist für eSport-Teams von Bundesligisten, aber vielleicht nicht der Titel ist, mit dem man starten sollte. Dass aber sowohl EA als Produzent von Fifa als auch die DFL das Theam eSport pushen, erklärt aber vielleicht die Wahl von Hertha.

Und zum Schluss noch dieses schöne Bild aus Österreich:

7 Gedanken zu „Unions Antwort auf die sportliche Krise: Weitermachen

  1. Ich wünsche mir, dass ein gesunder Pragmatismus in die Köpfe einzieht. Das funktioniert nur über die Anerkennung der Situation, in der man sich befindet. Nur über diese Anerkennung werden sich Dinge verändern lassen. Ich sehe das so:
    1. Andre Hofschneider ist Trainer des 1. FC Union Berlin.
    2. Ob er bleibt, ob er geht, wie lange er bleibt, wann er geht, wissen wir nicht, hängt auch nicht von unserer Entscheidung ab, brauchen wir uns nicht drum zu kümmern.
    3. Wir stehen auf Tabellenplatz 11.
    4. Klasse halten oder absteigen – beides ist möglich, also brauchen wir uns damit augenblicklich nicht zu befassen. Das ganze Hin- und Hergerechne, etwaige Punktestände und Entscheidungskonstellationen bis zum letzten Spieltag zu konstruieren, mag lebendig anmuten, ist, wenn man es herunter bricht, aber nichts weiter als paranoider Käse, der zusätzlich blockiert. BLOCKIERT führt uns zu
    5. Die Mannschaft spielt nicht. Allenfalls erfüllt sie einen Auftrag. Kreativität findet nicht statt. Das zu ändern, liegt nicht in unserer Hand, also sollten wir auch das ganze kleinkindhafte Beklagen und Jammern lassen. Die Mannschaft ist nicht da, uns einen Gefallen zu tun. Wir finden Gefallen, wenn sich im Spielverhalten Charakter äußert, und diese Äußerung ist ergebnisunabhängig. So ist auch das Herunterbeten von Spielsituationen, aus denen sich Tore hätten ergeben müssen, mehr als müßig und sorgt für zusätzliche Verklemmungen im Spielerhirn. Das muss Hofschneider unbedingt lassen! Das sät Unmut und ist extrem zersetzend, weil er uns hier seine weiße Weste vorführt. Indirekt identifiziert man sich mit seiner Haltung und trägt die Saat weiter, wenn man sagt, Hofschneider hätte doch so viel ausprobiert, umsetzen müssten es schließlich die Spieler. Klar, hat er ausprobiert, aber mit seinen Äußerungen schafft er auch eine gehörige Distanz zu den Spielern. Und diese Distanz ist nicht durch das Einstudieren und Variieren von Spielsituationen auzugleichen.
    6. Wir kommen ins Stadion, weil uns das ein intensives Erlebnis verschafft – mit der Mannschaft, mit den Fans. Auch das hat mit dem Ergebnis überhaupt nichts zu tun. Ich erlebe die Phase, in der wir uns befinden als extrem anregend, denn
    7. befinden wir uns in einer fetten Krise. Jedoch ist die Krise für Trainer und Spieler wesentlich existenzieller. Das mag man kaum glauben, wenn man die Äußerungen einiger Individuen registriert. Bei der Mannschaftsverabschiedung vorgestern im Stadion hat ein weiblicher „Fan“ aus meinem Block einen anderen Fan angeschrien: „Hör‘ uff zu klatschen, du Fotze!!!“ Na ja, wenigtens hat sie nicht gepfiffen oder einen einzelnen Spieler für die Gesamtsituation verantwortlich gemacht. Die Krise ist da. Und sie ist nicht zufällig oder schicksalhaft über uns hergefallen. Sie ist da, weil sie derzeit zum Verein gehört.
    8. Die Krise und ihre Auswirkung auf die eigene Person kann man nur in sich selbst bewältigen. Man kann sich helfen lassen, aber die Arbeit, und das ist es, muss jeder selber machen – Verantwortliche, Ausführende, Trainer, Spieler, Fans.
    9. Die Liste kann jeder selbst weiterführen und ausbauen.
    10. Es heißt EISERN!

  2. Wie man aus der Krise rauskommen kann, hat die Mannschaft übrigens schon selbst gezeigt. Bei den Heimsiegen gegen Sandhausen und Düsseldorf. Die wurden erarbeitet und erzwungen. Zuletzt hatte ich hingegen nicht mehr den Eindruck, dass die Manschaft einen Sieg erzwingen kann. Soll nicht heißen, dass das kämpferische Element fehlte. Aber der unbedingte Wille, sich in jede Situation voll reinzuhauen (vor allem in der Offensive), war zu selten zu erkennen. Gerade in den Schlussphasen der letzten Heimspiele kam so gut wie nichts mehr. Auch die Einwechslungen wirkten hier eher kontraproduktiv.

  3. Top christopher!

    Außer Punkt 5 muss ich widersprechen. Was wir von hofi hören ist meist nur das Gerede nach oder vor dem Spiel. Wie er privat, zusammen mit dem Trainer-Team, mit der Mannschaft redet wissen wir nicht, also
    brauch man nicht in seine Worte soviel hineininterpretieren. ;)

  4. @wuhleblut: ist das blut erstmal in wallung, schieße ich gern mal übers ziel – möglicherweise –

  5. @Basti, das mit dem Willen nehm ich genauso wahr.
    Es heist immer, man könne der Mannschaft nicht absprechen, dass sie gekämpft habe und dass sie allaes gegeben habe.
    Auf mich wirkt das nicht so. Auf mich wirkt das eher wie Alibiaktionismus. Klar rennt jeder und klar werden defensiv Zweikämpfe angenommen und oft gewonnen, aber das ist für mich trotzdem nur „Dienst nach Vorschrift“. Das ist das Mindeste, was man erwarten kann.
    Aber der absolute Wille und die totale Überzeugung, die einen Gegner dann in die Knie zwingen, die „Dominanz“ ausstrahlen und „Wucht“ und was es da sonst so an Wünschenswertem und vor allem Notwendigem git, das seh ich kaum ….

  6. @framlin: Zumal es ja erst ein paar Jahre her ist, dass Union bestenfalls Kandidat für Mittelfeldplätze und oft genug Außenseiter war. Und selbst damals wurden Spiele nicht selten ohne große spielerische Mittel, aber mit umso mehr Einsatzwillen gewonnen. Und wenn man gegen einen stärkeren Gegner verloren hat, dann war das auch okay.
    Im Moment fehlt uns selbst gegen die schwächsten Gegner in Heimspielen der Glauben daran, das Ding gewinnen zu können. Selbst wenn sich der Gegner wie Duisburg fast nur hinten reinstellt, dominiert bei uns die Angst, sich einen Konter einzufangen. Statt zu sagen: Egal, dann schießen wir halt noch eins mehr, hier regiert der FCU! Gegen Düsseldorf war genau diese notwendige Einstellung erkennbar, und schon hat es funktioniert. Warum danach nicht mehr?

  7. @Basti: Ich glaub da ja an die #Zweitligafavoritenverschwörung: Alle anderen Mannschaften und alle Medien haben sich verschworen und darauf geeinigt, dass sie Union stark reden und zum Favoriten machen, weil man schon im letzten Jahr von Uwe Neuhaus und gegen Ende der letzten Saison deutlich erkennen konnte, dass Union damit nicht klar kommt.

    Schon im Liedgut der Fans kommt deutlich zum Ausdruck, dass Union die personifizierte Spezifikation von Underdog ist.
    Und „Serienkiller“ Keller musste gehen, weil er sich dem nicht beugen wollte ;-)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.