Post von Dirk und Stevies Ehrlichkeit

Der 2:1-Sieg von Aue gegen Fürth gestern Abend hat für die engste Zweite Liga aller Zeiten gesorgt. Oder eben für so etwas wie den spannendsten Kampf gegen den Relegationsplatz 16. Ich kann darauf verzichten, und ich glaube, dass alle bei Union auch keinen Bock darauf haben, jetzt die Saison noch in die andere Richtung spannend zu machen. Fakt ist, dass Union jetzt 3 Punkte von Platz 16 trennen und nur Siege und keine Unentschieden dabei helfen, sich nicht ins Schlamassel hineinziehen zu lassen.

Natürlich kann man einwenden, dass der Trend eindeutig nicht für Union spricht. Aber hier ist natürlich wie immer die Frage, welchen Trend man betrachtet. Den, dass die Mannschaft seit dem Wechsel zu André Hofschneider nur 10 Punkte aus 11 Spielen geholt hat? Oder den, dass die Mannschaft seit einigen Spieltagen zumindest durchschnittlich Punkte holt, mit 8 Zählern aus den letzten 6 Partien? Oder dass man sagt, dass Dinge in der Vergangenheit nicht geändert werden können? Dass nur das zählt, was man selbst noch ändern kann? Ich jedenfalls habe beim Spiel von Aue gestern richtig Lust auf das Auswärtsspiel in Fürth bekommen. Andererseits hatte ich genau zu dem Zeitpunkt, als die Tore für Aue fielen, meine Mutter am Telefon, die all ihre Kinder und Enkelkinder am Ostersonntag sehen will. Habt ihr schon mal versucht einer gelernten Krankenschwester zu widersprechen? Das dürfte für mich schwer werden.

Was für ein krasser Gegensatz diese Gedanken zur Gefühlswelt exakt vor einem Jahr sind:

Post vom Präsidenten

Gestern bekamen alle Mitglieder (das waren mit Stand 2.1.2018 exakt 18.939) eine E-Mail von Präsident Dirk Zingler. Darin kam die erwartete Stellungnahme von Union zu 50+1. Union stellt sich dabei nicht nur hinter die 50+1-Regel, sondern möchte daran mitarbeiten, die Ausnahmetatbestände weiter zu begrenzen. Außerdem machte der Präsident klar, dass die Profiabteilung nicht aus dem eingetragenen Verein ausgegliedert wird. Das heißt nicht, dass das niemals passieren wird. Aber aktuell ist das kein Thema.

Der Satz “Wir halten es für falsch, den Fußball immer weiter von den Menschen und ihrer Mitgestaltung zu entfernen”, geht natürlich runter wie Öl. Aber muss man auch anerkennen, dass der Einfluss für Mitglieder bei Union durchaus begrenzt ist. Den gibt es nur indirekt, indem die Mitglieder den Aufsichtsrat wählen, der wiederum das Präsidium beruft, das dann die Geschäftsführer beruft.

Aber in der Sache hat Zingler aus meiner Sicht recht. Was nützt eine Mitgliedschaft, wenn sie nur Rabatte im Fanshop einbringt? Die Stärke von Union macht die Unterstützung der Mitglieder aus, und diese Mitgliedschaft zu stärken, ist ein Punkt, der konsequent verfolgt werden muss. Rabatte im Fanshop und Vorkaufsrecht für Eintrittskarten sind dabei nicht unwichtig. Aber ich finde, dass der Wert der Mitgliedschaft, nämlich eine dauerhafte finanzielle Unterstützung für Union und das Recht auf Mitbestimmung zu sichern, immer im Vordergrund stehen muss. Also nicht: Was kriege ich für meine Mitgliedschaft vom Verein? Sondern wie unterstütze ich mit meiner Mitgliedschaft den Verein? Union kommuniziert das auch so:

Je mehr Mitglieder Union hat, umso größer auch das Gewicht, mit dem der Verein in solche Diskussionen wie am Donnerstag bei der Generalversammlung der Deutschen Fußball-Liga gehen kann. Denn die Mitglieder zeigen auch, für welche Art von Fußball-Kultur sie sich entscheiden.

Ebenfalls wichtig ist, dass Union die Lizenz für alle drei möglichen Ligen beantragt hat, um alle rechnerisch möglichen Wege (siehe die aktuelle Zweitliga-Tabelle) abzusichern.

Ich interpretiere das auch als Aufruf, und Dirk Zingler mag mir diese freie Übersetzung seiner Worte verzeihen, für die letzten sieben Spiele bitte die Arschbacken zusammenzukneifen und verdammt noch einmal alles dafür zu geben, dass erfolgreich gearbeitet werden kann. Das gilt für Mannschaft, Mitarbeiter und uns Fans. Und das ist es eben, worauf ich gerade viel Bock habe. Und wenn meine Mutter dann nur ihre Enkel am Ostersonntag sieht und mich erst Ostermontag, dann ist das vielleicht so.

Die Morgenpost zitiert auch aus dem Brief des Präsidenten.

Und sonst so?

Aus meiner Sicht hat Steven Skrzybski (vor dem Regensburg-Spiel) dem Kicker ein bemerkenswertes Interview gegeben, das gestern in der Montagsausgabe erschien. Ich finde, dass es komplett lesenswert ist und hätte mir wie immer gewünscht, dass es noch viel länger ist. Aber zwei Punkte will ich euch nicht vorenthalten.

Hier sagt er, wie er sein mediales Aufmucken gegen die Nichtberücksichtigung durch Jens Keller im November sieht:

Als Mensch bringt es einen weiter, wenn man seine Meinung vertritt und nicht nur nach der Pfeife anderer tanzt. Das zeigt sicher auch Wirkung auf andere. Mir war wichtig, dass ich damals niemanden kritisiert habe, weder Mitspieler noch den Trainer. Ich habe es lediglich nicht verstanden, warum ich nicht gespielt habe.

Für Union-Verhältnisse war die Offenheit in so einer Situation vielleicht ungewöhnlich. In anderen Vereinen ist so was relativ normal. Hier war es vielleicht wie ein Paukenschlag, aber jeder, der mich kennt, weiß, dass ich ein Teamplayer bin. Ich wurde gefragt und habe meinen Standpunkt dargelegt. Und zwar ohne, dass ich irgend-jemanden attackiert hätte.

Ich fand das damals bemerkenswert, aber nicht schlimm. Andererseits weiß ich, dass viele in meiner Bezugsgruppe das negativ bewerten, weil er damit gezeigt habe, dass ihm sein eigenes Wohl wichtiger als das Team-Wohl sei. Ich schneide da mal Damir Kreilach dagegen, der persönlich ein super Typ ist und in der gleichen Zeit ebenfalls nicht aufgestellt wurde. Das mag honorig sein, bringt aber einen Spieler in der sportlichen Karriere nicht unbedingt voran. Wie heißt es so schön: Bescheidenheit ist eine Zier, doch weiter kommt man ohne ihr. Sonst bleibt man eben immer “unser Stevie aus dem Nachwuchs”. Und das finde ich stark, dass Skrzybski diesen Schritt in seiner gesamten Entwicklung gemacht hat.

Ich erinnere mich noch, wie ich beim Foto des Pressgespräches mit Steven Skrzybski und Collin Quaner im September 2016 gedacht habe: Der ist jetzt Voll-Profi und braucht keinen Welpenschutz mehr.

Im gesamten Kicker-Interview geht er auch ehrlich mit der Frage nach seiner Zukunft um, sagt, dass seine Wünsche und die von Union vor dieser Saison gleich waren (Spoiler: Bundesliga-Aufstieg). Aber diese Klarheit, die seine Aktionen auf dem Platz auszeichnen, hat er auch in seinen Aussagen. Steven Skrzybski gibt keine Versprechungen, die er nicht halten könnte. Ich persönlich mag das sehr. Es erinnert mich an das Verhalten und die Aussagen von Sebastian Polter.Vielleicht sind es diese Ehrlichkeit und Klarheit, die auch dazu führen, dass beide Angreifer von vielen mehr als nur geschätzt werden:

Ich würde nichts ausschließen. Ich hatte mal ein relativ gutes halbes Jahr, fand ich, und dann wurde mir nahegelegt, den Verein mal für ein halbes Jahr auf Leihbasis zu verlassen. Deshalb sage ich weder, dass ich Union im Sommer definitiv verlasse, noch verspreche ich, auf jeden Fall zu bleiben. Dann wäre ich nicht ehrlich. Im Profigeschäft werden viel zu oft Versprechen abgegeben, die dann nicht gehalten werden.

Auch der Kurier thematisiert das Kicker-Interview von Steven Skrzybski.

Bild/BZ schreiben über Marcel Hartels “Urlaub” bei der U21. Der Mittelfeldspieler kam unter André Hofschneider bisher nicht so zur Geltung wie zuvor bei Jens Keller. Es ist müßig zu diskutieren, ob er lieber in Berlin für das Testspiel gegen Wolfsburg geblieben wäre. Er wurde nominiert und wenn der Trainer was dagegen gehabt hätte, wäre das sicher vor der Nominierung auf dem kurzen Dienstweg mit U21-Trainer Stefan Kuntz erledigt worden. Ich hoffe, dass Hartel auch zu Einsätzen kommt und sich Spielpraxis und Selbstvertrauen holt.

 

Zum Schluss noch was zum Nachdenken aus dem Prozess um den Bombenanschlag auf den BVB-Bus. Auch das ist ein Thema, das wir im Umgang mit der Mannschaft in den nächsten Wochen nicht vergessen sollten:

Twitter: @wplus09

2 thoughts on “Post von Dirk und Stevies Ehrlichkeit

  1. Habe gestern mal “spaßeshalber” den Tabellenrechner bemüht. Mit Hofis 1-Punkte-Schnitt sollte der Abstieg kein Thema sein. Aber wenn’s gegen uns läuft, ist sogar der direkte Abstieg noch denkbar. Ich hoffe, die Mannschaft wird durch solche Aussichten nicht gelähmt. Guter Zeitpunkt für den Start einer Siegesserie ;)

  2. Pingback: Kommt der Videoassistent schon in der nächsten Zweitliga-Saison? | ***textilvergehen***

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