In der überfluteten Gerüchteküche wird der Stöpsel gezogen

Bevor wir zum sportlichen Geschehen und den Drumherum-Geschichten dieser Woche kommen, müssen wir über etwas reden, was am Sonntag im Programmheft stehen wird: In Kaiserslautern haben offenbar Unioner einen Lauterer Mitarbeiter rassistisch beleidigt. Es ist nicht das erste Mal in dieser Saison, dass es zu solchen Vorfällen kommt (erinnert sei an das Hitler-Gruß zeigen auf der Waldseite, das wir hier vor einigen Wochen erwähnt haben). Solchem Verhalten muss – so gut es irgend geht – entgegen getreten werden, und jeder hat Verantwortung das zu tun. Und das unter Unionern noch mehr als ohnehin schon immer und überall.

Aus dem Programmheft zum Spiel gegen Aue

Damit zum Sport. Die Berliner Zeitungen heben unterschiedliche Aspekte aus der Pressekonferenz gestern hervor:

Ich fand diesen Informationsschnipsel interessant: Union trainiert regelmäßig im Stadion, weil die Trainingsplätze nicht groß genug sind, die Abstände richtig wiederzugeben und trainieren zu können.

Gerüchteküche

Die letzten Wasserstandsmeldungen aus der Gerüchteküche, in der in den letzten Tagen viel Dampf produziert wurde, ist, dass jemand den Stöpsel gezogen hat – und vor allem Sport1 dabei nass geworden ist. Denn gestern veröffentlichte der Sender vier (!) Gegendarstellungen und Richtigstellungen in Sachen Union und Torsten Lieberknecht. Unter anderem liest man dort:

“Wir haben unter www.sport1.de am 06.03.2018 unter der Überschrift ‘Hofschneider bei Union vor dem Aus’ geschrieben: ‘Die Bosse sollen sich schon mit Braunschweigs Coach Torsten Lieberknecht getroffen haben.’

Hierzu stellen wir richtig: Es hat kein Treffen mit Torsten Lieberknecht gegeben.

Die Redaktion”

Echte Informationen gibt es dagegen aus Schweden über die Situation von Simon Hedlund. Der hat noch einen Vertrag bei Union bis 2020, dürfte aber zu den ambitionierteren und interessanteren Union-Spielern gehören. Hedlunds Berater, Per Jonsson, bestätigt das gegenüber den schwedischen Futbolskanalen. Im Winter haben demnach zwei Vereine offiziell Interesse an Hedlund bekundet, sich damit aber bei Union Absagen abgeholt. Hedlund sei – zu diesem Zeitpunkt – nicht zu verkaufen. Gerade im Winter einer Saison, in der man noch Ambitionen verfolgt ist das angesichts der Vertragslaufzeit allerdings auch ziemlich selbstverständlich.

Nichts passieren wird mit Simon Hedlund wohl am Wochenende – der Offensivspieler ist angeschlagen und André Hofschneider will keine schwere Verletzung riskieren.

Spiel-Plan

Hofschneider bekräftigte im Zusammenhang damit, wie gut Unions Spiel im Moment auf einen Stürmer wie Philipp Hosiner zugeschnitten ist noch einmal, dass man sich in den vergangenen Spielen genügend Chancen erspielt habe. Ein Grund, an dieser Bestandsaufnahme zu zweifeln, ist, wie zufällig/glücklich die Tore waren, die Union in Kaiserslautern geschossen hat. Und überhaupt schien Unions Spiel davon geprägt, zu oft die Spielerischen Lösungen nicht zu finden, die André Hofschneider seine Mannschaft suchen lassen will. Wenn das fehlschlägt, schlagen die Innenverteidiger lange Bälle, weil sie niemanden flach anspielen können.

Ein gutes Beispiel für Union Angriffe: Parensen nutzt aus, dass er nicht gepresst wird, und bringt Kroos ins Spiel (8. Minute gegen Kaiserslautern)

Es wäre aber falsch, dieses Muster hervorzuheben ohne zu sagen, dass es vor allem in den ersten 20 Minuten gegen Kaiserslautern auch Szenen gab, die anders liefen – vor allem die beiden Angriffe, die den Fernschüssen von Felix Kroos vorausgingen. Nach sieben und zehn Spielminuten gelang es Union jeweils, aus der Dreierkette eine andere Spieleröffnung als einen Pass auf die Außenverteidiger zu finden: In der ersten Szene dribbelte Micha Parensen an den pressenden Stürmern Lauterns vorbei und gab Kroos den Ball, der ihn ins offensive Mittelfeld weiterleitete. In der zweiten, vor Kroos Pfostenschuss, übernahm Friedrich den ersten Teil und bot sich Steven Skrzybski im rechten Halbraum an, um den Ball auf
Trimmel weiterzuleiten, der nun einmal mit Tempo dynamisch ins letzte Drittel gehen konnte.

Halbraum? Diese Zone ist der offensive rechte Halbraum, in dem sich Skrzybski angeboten hat. Original-Photo: Matze Koch

Diese Situationen sind erwähnenswert, weil sie die Erklärung plausibler machen, die André Hofschneider auf der Pressekonferenz gestern für das Fehlen Toni Leistners in der Startaufstellung gegen Lautern gab. Denn der Trainer ergänzte seine Bemerkungen vom Spieltag darum, dass man auf beiden Seiten der Dreierkette Spieler habe einsetzen wollen, die so ‘andribbeln’ können, wie Parensen und Friedrich in diesen Situationen. Zumindest, dass die Trainer das sehen wollten und dass Friedrich und Parensen diese Vorgabe gelegentlich umsetzten ist nachvollziehbar. Dass Toni Leistner dazu grundsätzlich nicht in der Lage wäre, muss man aber nicht unbedingt unterschreiben.

Erkenntnisse darüber könnte schon das Spiel gegen Aue liefern. Denn die Erzgebirgler spielen ebenfalls mit Dreierkette und zwei Spitzen und stellen Union im Aufbau also vor ähnliche Aufgaben. Selbst sind sie im Spielaufbau aber noch sicherer (André Hofschneider nannte Martin Männel den fußballerisch besten Torhüter der Liga). Insgesamt verfolgt ‘Wismut’ noch immer wesentliche Teile des Plans von Domenico Tedesco, der vor einem Jahr in Aue Trainer wurde.

Marc Torrejón

Im AFTV Vereinsfernsehen gibt es ein Interview mit Marc Torrejón, in dem der Verteidiger darüber spricht, wie er sich in Berlin einlebt, auf welcher Postion und in welchem System er lieber spielt und warum es bei Union defensiv nicht unbedingt überragend läuft. Zu allzu steilen Thesen lässt er sich dabei nicht hinreißen. Eine schöne Idee ist, die Mannschaft von Marta Torrejón, Marcs Schwester, zu einem Spiel gegen Unions Frauen einzuladen. Sportlich würde man sich dabei aber nicht auf Augenhöhe begegnen: Die vielfache Nationalspielerin liegt mit dem FC Barcelona aktuell auf dem zweiten Platz in der spanischen Liga.

8 Gedanken zu „In der überfluteten Gerüchteküche wird der Stöpsel gezogen

  1. Hi-Fi sollte sich ggf. mal ein Training von Barca anschauen…

  2. Bei der Aussage von Hofi auf der PK, dass unser Spiel auf Hosiner zugeschnitten wäre musste ich doch ziemlich laut mit dem Kopf schütteln. ^^ In Lautern sah das definitiv nicht so aus. Vielleicht sehen wir dann morgen gegen Aue etwas davon. Wäre schön.

  3. es ist wohl Ho-fi gemeint, und dass Barça auf kleinen Räumen Kombinationen in Spielformen und ‘Rondos’ trainiert. Wobei man da schon sagen muss, dass es auch und grade gegen den Ball schon Dinge gibt, die man auf 1-1 Skala trainieren will

  4. Ich finde es sehr gut, dass Rassismus bei uns auf der Waldseite thematisiert wird. Ich habe zuletzt mehrfach rassistische und faschistische Sprüche bzw. Hitlergrüße erlebt. Einschreiten hat oft ebenso wenig gebracht wie dem Ordner Bescheid zu sagen. Ich bin der Meinung, dass wir uns damit auseinandersetzen müssen. Ich hab nämlich keinen Bock auf einen Rückfall in die 90er, wo das teilweise an der Tagesordnung war.

  5. Ganz abgesehen vom Thema: in Kaiserslautern waren sowohl Pommes als auch Wurst ne Frechheit! Wurde nur noch vom Bier mit Cola auf 1 Meter verteilt übertroffen!

  6. Mehrfach faschistische Sprüche und Hitlergrüße? Das müssen doch noch mehr mitbekommen… sind das immer Leute aus eine Gruppe?

  7. Weiß jmd. wo man Union gegen rechts oder Rassismus Aufkleber beziehen kann???

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