Nach dem Spiel in Kiel dürfen sich alle irgendwie in ihrer Meinung bestätigt fühlen

Nach dem 2:2 in Kiel gibt es für alle Fraktionen etwas, was sie aus dem Spiel mitnehmen können. Diejenigen, die sagen, dass die Schwächen bei langen Bällen hinter die Abwehr durch die immer noch nicht schnellen Defensivspieler weiter eine Gefahr darstellen, dürfen sich durch das Tor zum 1:0 für Kiel bestätigt fühlen. Aber auch diejenigen, die sagen, es liegt nicht allein an der Abwehr, denn zumindest die Zuordnung stimmte beim Rausrücken von Marc Torrejon auf den Flügel, es war Mittelfeldspieler Grischa Prömel, der nicht nah genug bei seinem Gegenspieler war.

Es dürfen sich diejenigen bestätigt fühlen, die einen Torwartwechsel herbeisehnten. Denn Daniel Mesenhöler zeigte beispielsweise bei der Parade in der zweiten Hälfte eine überragende Leistung, als er nach einem abgefälschtem Zuspiel den Dropkick gerade noch an den Pfosten lenkte. Aber es dürfen sich auch die bestätigt fühlen, die sagen, dass der Torwartwechsel egal ist, denn an den Gegentoren hatte der Keeper keine Aktie.

Felix Kroos gibt Anweisungen, Foto: Matze Koch

Oder diejenigen, die Felix Kroos sowieso auf den Kieker haben, und den Schritt in die falsche Richtung beim Eckball vor dem 2:0 für Kiel als Verweigerung eines Zweikampfes bemängeln, der Niklas Hoheneder den Platz zum Weiterleiten des Balls gab. Andere sahen lieber die Qualität des Passes auf Simon Hedlund vor dem 2:2.

Was aber alle festhalten können: Eine Initialzündung war das Spiel nicht, sondern es zeigte defensiv noch Schwächen aus dem Jahr 2017, und offensiv fehlte die Überzeugung, die zusammengewürfelte Innenverteidigung des Gegners konstant unter Druck zu setzen. Die Moral ist intakt, aber wirklich viel Selbstsicherheit und Selbstbewusstsein kann das Team aus dieser Partie nicht ziehen. Aber es gibt auch nicht viel Zeit. Schon am Freitag geht es in die nächste Partie gegen die spielstarken Nürnberger. Der Mannschaft bleibt unter Trainer André Hofschneider schlicht nichts anderes übrig, als die neue spieltaktische Ausrichtung mit dem 4-4-2 mit Mittelfeldraute auch in den Ligaspielen einzuüben und dort Automatismen zu entwickeln. Gerade gegen die spielstärksten Teams der Liga mit Kiel und Nürnberg habe ich keine Dominanz von Union erwartet. Aber ich habe gestern auch noch sehr viele Ansätze gesehen, in denen die Grundordnung eher dem eingeübten System unter Jens Keller entsprach und bin gespannt, was Daniel nachher bei Spielverlagerung darüber schreibt.

Das schreiben die Berliner Medien:

Fotos vom Spiel findet ihr hier:

Und sonst so?

Steffi hatte gestern eine Art Saison-Mannschaftsheft aus dem Jahr 1968 in der Hand. Mir gefällt das sparsame Design. Quasi Fußball pur in gedruckter Form.

2 Gedanken zu „Nach dem Spiel in Kiel dürfen sich alle irgendwie in ihrer Meinung bestätigt fühlen

  1. Mir hat der Auftritt gestern nicht wirklich Mut für die kommenden Wochen gemacht. Zugegeben, aus der hinteren Torsicht leicht „über der Grasnarbe“ bei Dauerregen war die Sicht nicht die beste. Hab das Spiel oder die Highlights auch noch nicht am TV sehen können, ich hatte aber über weite Teile des Spiels das Gefühl, dass insbesondere die Außenverteidiger keine Anspielstationen nach vorn hatten, sondern nur in die Mitte wo aber oftmals genügend Gegenspieler waren, sodass sehr häufig wieder hintenrum gespielt wurde. Offensiv müssen sich die Jungs was einfallen lassen und m.E. mehr Bewegung in das Spiel bekommen. Defensiv auch. Da standen wir sehr häufig viel zu weit weg von den Gegenspielern. Deswegen kamen die Kieler wahrscheinlich auch meistens mit 3-4 Pässen nach vorne. Oftmals wenn ein Außenverteidiger mit nach vorne gegangen war und wir dann irgendwo im Mittelfeld den Ball mangels Anspielstation oder nicht erfolgreichem Dribblings verloren haben… die Jungs haben aber gemacht und getan und sich am Ende auch belohnt. Insgesamt aber eher ein glücklicher Punkt. Spielerisch wirkte Kiel weiter. Schön aber, dass die Mannschaft nochmal alles versucht haben und wir Kiel am Ende stark unter Druck gesetzt haben. Ich denke nach dem Spielverlauf können wir mit dem Ergebnis leben.

  2. Bedenklich war, dass wir eine zusammengewürfelte Not-Innenverteidigung des Gegners nur selten in Verlegenheit bringen konnten. Ich meine, das wäre ungefähr so, als wären wir mit Schössi und Micha angetreten… Erst so 20 Minuten vor dem Ende, als Kiel spürbar müder wurde, ging etwas mehr.
    Klar, die Mannschaft hat auch nach dem 0:2 noch gelebt, aber Kiel hätte das Ding mit etwas mehr Konsequenz und Genauigkeit schon früher entscheiden können.
    Insofern keine große Änderung zur bisherigen Saison: Man kann positive Aspekte erkennen, aber es überwiegt die Ernüchterung, weil wir einfach nicht das volle Potenzial abrufen und der Spitze nicht näher kommen.

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