“Wir bekommen zu einfache Tore”

Update von 11.13 Uhr:

Die Bedienung in der Gaststätte “Kater Alex” an der Bismarckstraße schaute mich gestern Mittag zunächst an, als ob ein Gast etwas vollkommen ungewöhnliches sei und fragte dann nur “Hertha Vorstand?” Okay, dachte ich und ließ mich in das Hinterzimmer führen, wo dann aber nicht Michael Preetz oder Werner Gegenbauer warteten, sondern doch nur der Hertha-Fanclub Axel-Kruse-Jugend tagte, von dem ich einige Mitglieder treffen wollte. Als erstes bekam ich ein Bier in einer Hertha-Tulpe hingestellt. Als ich der Bedienung sagte, dass ich Unioner sei, bekam ich beim zweiten Glas eine korrekte Beschriftung. “Schick mir ruhig mal ein paar Unioner vorbei!” Ob die sich allerdings in einer doch sehr ausgiebig blau-weiß geschmückten Gaststätte wohl fühlen, weiß ich nicht 😎. Aber das Essen war gut und sehr reichhaltig. Also wer sich nicht an Hertha-Interieur stört, kann da gerne vorbeischauen.

Fotos: Sebastian Fiebrig

Warum ich so ausführlich davon schreibe und nicht vom Bochumspiel des 1. FC Union, das mir die Bedienung im Kater Alex sogar noch auf Leinwand angemacht hat? Weil ich eigentlich nicht darüber reden möchte. Weil ich nach einem guten Beginn mit einem schönen Tor durch Sebastian Polter nur noch Krampf und Verunsicherung gespürt und gesehen habe. Erst recht nach dem sehr, sehr unglücklichen Gegentor zum 1:1, als der Ball von Toni Leistner unhaltbar abgefälscht wurde. Im Prinzip ist es jetzt genau das Gegenteil vom ersten Halbjahr 2017, als ich bei jedem Ball das Gefühl hatte, dass die Union-Abwehr ihn klären wird. Nun bekomme ich bei jedem Ball in die Abwehr Angst. Und es sieht so aus, als ob die Angst auch die Spieler im eigenen Strafraum ereilt. Die Sicherheit und Abgestimmtheit in der Defensive ist weg. Und eigentlich hätte den VfL Bochum die Unsicherheit ergreifen müssen nach dem frühen Gegentor. Immerhin ist der Klub seit Mitte September sieglos. Aber dem war nicht so.

“Wir bekommen zu einfache Gegentore”, sagte Jens Keller. Wohl wissend, dass ihm in der Defensive die Optionen fehlen. Gegen Bochum hatte der Trainer keinen Innenverteidiger mehr auf der Bank. Das dürfte dann auch das letzte Zeichen für Christoph Schösswendter sein, dass mit ihm gar nicht mehr geplant wird. Würde mich nicht wundern, wenn der Österreicher im Winter wieder wechselt. Die Alternativen Fabian Schönheim und Michael Parensen fallen für dieses Jahr aus. Das ist aus meiner Sicht das Übel. Wenn es Roberto Puncec vor allem um die fehlende Wertschätzung gegangen ist, wäre das jetzt die Möglichkeit, ihm sie endlich entgegenzubringen. Ich habe mehr als nur das Gefühl, dass Union auf der linken Innenverteidigerposition im Winter auf jeden Fall nachlegen muss. Fabian Schönheim hat die Position für mich überraschend gut ausgefüllt, so lange er nicht verletzt war. Angesichts seiner Krankenakte der vergangen zweieinhalb Jahre würde ich allerdings nicht nur auf ihn für die Rückrunde setzen.

Und sich zusätzlich einmal endgültig Klarheit für die Sechserposition zu verschaffen. Ich verstehe, dass der Trainer da je nach Ausrichtung im offensiven Mittelfeld unterschiedliche Akzente setzen möchte. Aber da sich vorne seit vielen Spieltagen nicht mehr viel ändert (seit Hartel quasi gesetzt ist), würde ich erwarten, dass auch die Sechserposition eher klar ist. Und vielleicht ist sie das auch mit Felix Kroos.

Apropos Kapitän Felix Kroos. Union oder Bochum ist bei der Aufstellung in Bochum auch noch ein kleiner Fehler passiert, der das Zeug hatte, die Kapitänsdiskussion noch einmal anzuheizen:

Hier die Berichte der Berliner Medien:

Um das Ergebnis der Profis in negativer Hinsicht abzurunden, hier die Ergebnisse der Nachwuchsmannschaften. Die U17 verliert gegen Hertha:

Und die U19 gegen Rasenballsport:

Und sonst so?

Wie ihr der Einleitung heute entnehmen konntet, hatte ich gestern das zweifelhafte Vergnügen zwei Niederlagen hintereinander sehen zu können. Das 1:2 für Bochum sah ich auf dem Telefon, als ich bereits mit meinem großen Kind und unserem französischen Gastkind im Olympiastadion waren. Auch Hertha führte früh 1:0 … Allerdings bin ich bei den Nachbarn, die immer Berliner und Brandenburger und Herthafans zum Spiel begrüßen (sorry, aber der Stadionsprecher ist und bleibt eine Katastrophe) nicht so emotional involviert.

Die letzte Podcast-Episode des Immerhertha-Podcasts kann ich euch allerdings uneingeschränkt empfehlen. Da war Fredi Bobic zu Gast, der nicht nur sehr realistische Einschätzungen zu den Zukunftoptionen von Bundesligaklubs äußerte, die nicht häufiger in der Champions League teilnehmen (erst recht nach der neu geordneten TV-Gelderverteilung ab 2018), sondern sich auch offen über den Videobeweis äußerte. Den größten Erfolg bisher sieht er interessanterweise darin, dass dadurch die persönlichen Unzulänglichkeiten innerhalb des Schiedsrichterwesen zutage getreten sind, die alle intern schon kannten. Und auch er spricht davon, das Schiedsrichterwesen zu professionalisieren, was aber nur ein anderes Wort dafür ist, zumindest den Bundesliga- und Zweitligabereich betreffende Schiedsrichter aus der DFB-Führung herauszulösen und der DFL zu übereignen.

Und zum Thema “Kennzeichnungspflicht für Polizisten” hier noch ein Beitrag des Deutschlandfunks.

5 Gedanken zu „“Wir bekommen zu einfache Tore”

  1. “Wir bekommen zu einfache Tore” ist nicht mal das Hauptproblem, sondern “Wir betteln um einfache Tore”. Jedesmal nach eigener Führung so rumzugurken, rächt sich halt.

    Jetzt hatten wir gerade 3 Gegner, die vorher verunsichert und lange sieglos waren, und die sich an uns wieder aufbauen durften. Ergebnis: 1 Punkt. Nun kommen 2 Gegner, die in den letzten Wochen Selbstvertrauen getankt haben. Keine allzu rosigen Aussichten für einen versöhnlichen Jahresabschluss.

  2. Ui, jetzt wird’s wild. Damit hat wohl keiner gerechnet vor Weihnachten. Zeigt aber, dass der Verein Ambitionen hat und die Aufstiegschance nicht leichtfertig vergeben will. Allzu toll sah es zuletzt einfach nicht mehr aus, selbst während der Siegesserie. Wollen wir hoffen, dass Hofi wieder nen ähnlich guten Draht zur Mannschaft findet wie beim letzten Mal. Und dass er diesmal nicht nur Heimspiele gewinnt ;)

  3. Überrascht bin ich zwar nicht, ich hatte noch zwei Spiele erwartet, aber vielleicht ist das auch die Chance Stevie zu halten. Ich hab meine Augen in den letzten beiden Spielen auf Akaki gerichtet und wirklich nicht sehen können, wo er besser als Skrzybski ist. Ich wünsche Hofi ein glückliches Händchen

  4. denke mal die interne Lösung Hofschneider/Bönig ist die beste Lösung, nun noch Puncec und Eroll Zejnullahu zurückholen, vielleicht klappt ja nun das Zusammenspiel, warscheinlich lief es da nicht rund, schade für Jens Keller aber ist manchmal so

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