Es gibt keine einfachen Lösungen, das ist meist dummes Gequatsche

Würde ich auf ein Wort von Nico Patschinski irgendetwas geben, dann müsste ich mich aufregen. Die Kolumne (oder Einzelstatements zu Klubs), die er für liga-zwei.de schreibt, habe ich nach dem ersten Lesen liegen lassen, weil inhaltlich nichts bei herum kommt. Die aktuelle Kolumne wurde mir gestern zugeschickt und ich kann jeden verstehen, der sich über diese Einschätzung aufregt:

Jedes Jahr werden von Präsident Dirk Zingler große Ziele verkündet, aber der Kader wird überschätzt. Die Union-Fans sollen mir nicht böse sein. Ein geiles Stadion mit toller Stimmung reicht nicht, da wird sich zu sehr drauf ausgeruht. Die Gegner lassen sich davon allein nicht beeindrucken.

Nico Patschinski am 31.08.2013 bei Sky anlässlich des Spiels von Union gegen St. Pauli, Foto: Matze Koch

Das mit dem überschätzten Kader würde ich vielleicht für die Zeit vor ein paar Jahren noch gelten lassen, aber wir haben 2017 und für Zweitligaverhältnisse ist der Kader von Union auf jeder einzelnen Position individuell überdurchschnittlich besetzt. Das mag nicht durchgängig für die Doppeltbesetzung gelten, aber selbst die genügt meist oberen Zweitligaverhältnissen oder mehr. Ob alle aktuell ihr Leistungspotential abrufen können, steht auf einem anderen Blatt.

Und alles, was Patschinski über den Union-Präsidenten sagt, dürfte wohl eher persönlich motiviert sein (erinnert sei hier an seine Entlassung bei Union und den Vergleich vor dem Arbeitsgericht danach). Letzten Endes sind die 3 Sätze nichts weiter als allgemeine Sätze, die einer Faktenprüfung nicht ernsthaft standhalten. Wie auch im Wahlkampf gilt hier: Man muss nicht über jedes hingehaltene Stöckchen springen. Manche können wir getrost links liegen lassen. Ich hoffe, dass ich das auch für den Rest der Saison mit Patschinski machen kann.

Kurzzeitig offenes nichtöffentliches Training

Union selbst hatte gestern nichtöffentlich trainiert, aber nicht alle hatten das Memo erhalten (Kurier), was Jens Keller logischerweise nicht davon abhielt, trotzdem die Schotten dicht zu machen. Mal sehen, ob heute zur Pressekonferenz um 13 Uhr (live auf AFTV) die Türen offen sind 😎

Nichtöffentliches Training am Freitag; Foto: Matze Koch

Es ist ganz interessant zu sehen, wie unterschiedlich Medien aktuell mit der sieglosen Serie von 5 Spielen umgehen. Der Kurier füllt weiter seine Rolle als erweitertes Stadionheft für Unionfans jenseits der Spieltage aus und sieht das Glas halbvoll, indem er sich zurecht an Marcel Hartel erfreut. Bild/BZ sind eher beim Glas halbleer und nehmen den gefühlten Trend auf. Deshalb passt auch Philipp Hosiners Frust über seine Auswechslung am Dienstag gut ins Programm. Und alle anderen Berliner Medien stellen sich wie immer zwischen Unionspielen tot.

Das ist schade, gibt es doch gerade im Moment zurecht das Bedürfnis, zu verstehen, was bei Union im Team gut läuft und was nicht. Sind es die berühmten Stellschrauben an denen Jens Keller drehen muss oder gibt es ein grundsätzliches Problem (Gegner mit 5-er Abwehrketten vielleicht)? Ich würde dazu gerne mehr lesen.

Und sonst so?

  • Bei Union in English gibt es mal wieder eine Mein-erstes-Mal-bei-Union-Geschichte zu lesen. Dieses Mal aus britischer Perspektive zum vergangenen Heimspiel gegen Braunschweig.
  • Sowohl im Bayern-Blog texterstexte.de als auch im Schalke-Blog koenigsblog.de gibt es vor der Bundestagswahl Aufrufe, nicht AfD zu wählen, da das mit der Identität als Fan des jeweiligen Vereins nicht vereinbar sei (wir alle kennen die jüdischen Wurzeln des FC Bayern oder die Migrationsgeschichte des Ruhrgebiets). Das dürfte auch für Union genau so gelten. Ich erinnere nur daran, wie Union auf dem Höhepunkt der Verwaltungskrise angesichts steigender Flüchtlingszahlen gehandelt und nicht gemeckert hat und kann dazu nur sagen: Es gibt keine einfachen Lösungen für komplexe Themen. Weder im Fußball noch sonst irgendwo.

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