Don’t call it Unentschieden

Als gestern Abend die Meldung erschien, Sebastian Polter liege im Krankenhaus, ohne Details warum, ließ das Raum für Spekulationen über Szenarien, die dem 1-1 gegen Bielefeld entweder einen noch unangenehmeren Beigeschmack geben, oder es gänzlich Überschatten würden. Heute morgen melden Bild/B.Z. und Kurier nun, Polter habe bei einem (falsch herum gepfiffenen) Foul nach knapp einer Stunde eine Nierenquetschung erlitten und sei deshalb in Behandlung. Das klingt sehr unangenehm, aber hoffentlich nicht langfristig folgenreich. Zumindest hofft man so.

Update von 12:35: Der Verein meldet, Polter habe doch nur eine Rücken- und keine Nierenverletzung, und habe das Krankenhaus wieder verlassen.


Was soll man also aus dem Spiel selbst machen? Der Begriff ‘Unentschieden’ beschreibt es jedenfalls nur sehr unzureichend, wie schon die Reaktionen der Spieler beider Mannschaften nach dem Schlusspfiff zeigten, als die Bielefeld sich gegenseitig abklatschten und die meisten Union Spieler auf dem Boden zusammensackten.

kellermad

Jens Keller ist nicht sehr beeindruckt von Unions Schlussphase, Photo: Felix/union-berlin.com

Ein Spiel wie dieses, in dem Union über die gesamten 90 Minuten spielbestimmend war, und aus der Dominanz auch Torchancen generierte, ist auch psychisch ermüdend. Unter anderem daran lag es vielleicht auch, dass die Mannschaft in der Schlussphase etwas den Kopf verlor und Angriffe mit langen Bällen aus der Abwehr heraus abkürzte, statt sie ruhig aufzubauen.

Trotzdem folgt aus diesem Spiel nicht, dass Union grundsätzlich gegen Gegner, die passiv und zurückgezogen spielen, die Mittel fehlen. Schließlich erspielte sich die Mannschaft trotz der letzten Viertelstunde ausreichend Chancen, das Spiel zu gewinnen. (Den expected goals Statistiken von 538 zu Folge waren Unions Abschlüsse 1,5 Tore wert – zu Bielefelds 0,4 -, Angriffe unter Einbeziehung von Pässen in gefährliche Zonen 2,2-1,2.)

Hervortun konnten sich dabei vor allem Simon Hedlund und Marcel Hartel. Beide waren in Unions Angriffsspiel sehr präsent. Hartel bewegte sich nicht nur gut ‘zwischen den Linien’ und Bielefelds defensiven Mittelfeldspielern, sondern spielte auch mit viel produktivem Chaos. Mehr zur Rolle von Simon Hedlund habe ich in der Spielanalyse auf Eiserne Ketten geschrieben.

Einen Bericht zum Spiel mit guten Photos (und einer kurzen recap der Uchida-Woche bei Union) hat Union in Englisch im Angebot.

Die Medienberichte zum Spiel:

  • Der 1. FC Union spielt 1:1 gegen Bielefeld ( Tagesspiegel)
  • Hartelfall Marcel rettet Union gegen Bielefeld ( Kurier)
  • Union-Bielefeld Ein Abstauber, ein Fehler, ein verschenkter Sieg ( Berliner Zeitung)
  • 1:1! Union verpasst Sieg gegen kampfstarke Bielefelder ( B.Z.)
  • „So wird es schwer mit dem Aufstieg“ ( B.Z.)
  • Union verpasst Heimsieg gegen Bielefeld ( RBB)

Photos gibt es bei unveu.de

Dass Steven Skrzybski nachdem er als Unioner des Jahres ausgezeichnet wurde angeschlagen ins Spiel ging und nicht in Bestform kam, war etwas unglücklich – so wie vielleicht auch die Auswechslungen, nach denen er auf dem Platz blieb und die viele nicht ganz nachvollziehen konnten.

Immerhin hatte Marc Torrejón scheinbar noch einen schönen Sonntagnachmittag

Und sonst so:

Sebastian Stier – unter anderem Union-Reporter des Tagesspiegel – hat eine interessante Funktion in seinem eigenen Fußballverein: Spielerpräsident

Jens Keller beschwerte sich nach dem Spiel etwas über die Schiedsrichterleistung. So stand Voglsammer vor dem Tor zur Führung (in einer unorthodoxen Situation) im Abseits. Und auch ein Elfmeter für ein Foul an Hartel war etwas zwischen gut möglich und klar.

11 Gedanken zu „Don’t call it Unentschieden

  1. Ich hab in der Halbzeit nicht aufgepasst. Hat die Mannschaft diesmal das vorgezogene Adrenalin-Aufwärmen vergessen? So sah zumindest das Verhalten vor dem Gegentor aus… wie in alten Zeiten.
    Das planlose Gebolze der letzten 15 Minuten stört mich auch. So ähnlich lief es ja auch schon in Nürnberg, nur da, um die Führung über die Zeit zu bringen. Funktioniert offenbar weder in der defensiven wie offensiven Variante. Also Zeit, sich mal was anderes auszudenken.

  2. Zum Thema Videobeweis und dem zuletzt zitierten Tweet: Zum Kotzen auch jene, die nicht verstehen, dass das Meckern über den Schieri irgendwie zur Fußballkultur gehört.

  3. Das der Bielefelder vor seinem Tor 5 Meter im Abseits steht, kann man aber auch ohne Videobeweis sehen…

  4. Man ey! Der Polter ist so ein Schrank. Wenn der normal zum Kopfball hochgehen würde, würde nichts passieren. So unterläuft er ständig seine Gegner und wundert sich, dass die von oben auf ihn runterkommen. Absolut keine Fehlentscheidung vom SR. Mit tut das leid das zu sagen, aber da ist er selber dran Schuld dieses mal. Ich hoffe er liest das mal zufällig. Trotzdem die besten Genesungswünsche! Unveu!

  5. @tim Ich habe mir die Polter-Szene gerade noch einmal angesehen: Der Ball kam durchaus so, dass nicht hochzugehen die bessere Option in Hinblick auf Ballkontrolle war, da der Ball vor ihm gelandet wäre bzw. dann auch ist. Zudem hatte er Salger nicht im Blick. Dieser wiederum hatte keine Chance, an den Ball zu kommen, ohne Polter abzuräumen, und sprang ihm ungesehen mit dem Becken in die Lendenwirbelsäule. Für mich ein klares Foul. Kurioserweise wurde ja kurz vorher in ähnlicher Situation anders entschieden, allerdings hatte da Voglsammer nur seinen Gegenspieler Schönheim im Blick (und seine Schulter in dessen Richtung rausgereckt), während der zum Ball hochging.

    @Cire Im Stadion hat um mich herum beim 0:1 niemand an Abseits gedacht, vermutlich, weil alle davon ausgingen, dass der Ball auf Voglsammer verunglückt von Kreilach kam und nicht vom hereingrätschenden Prietl. Ich habe es auch erst nach Kellers Aussagen in der PK im AFTV-Relive erkannt.

  6. mal was ganz anderes…kam es mir nur so vor oder hat man zum Ende der Halbzeit die Melodie von “I`m gonna be” für einen Fangesang übernommen? Oder ist das ganze schon älter und ich war einfach nur ewig nicht mehr im Stadion?

  7. den Song* gibt es schon eine Weile, zum Beispiel in Braunschweig und Stuttgart letzte Saison. Die Leute haben also die Anregung von Wumme in dem Moment nur aufgegriffen.

    *Wir fahren weit,
    wir fahren viel,
    und haben nur das eine Ziel:
    den Sieg zu holen für Weiß und Rot,
    denn eines sind wir bis zum Tod
    Unioner (eine Kurve),
    Unioner (die andere)…

  8. @Damhirplex
    Die Melodie von (mit Verlaub) “500 miles” von den Proclaimers wurde in der Tat übernommen. Diesen Gesang hört man allerdings sonst nur Auswärts.
    Macht auch Sinn bei “Wir fahren weit , wir fahren viel…”
    Hier ab 1:54 zu hören/sehen:

  9. @Hans-Martin: Nur das ihr wie ich auch nicht vom Verband dafür bezahlt werdet, euch nur auf exakt solche Dinge zu konzentrieren. Abgesehen davon neigt man ja auch dazu, mit seinen Kumpels zu quatschen oder mal ne Sekunde woanders hinzuschauen.
    Und tut mir leid, das muss der Schiedsrichter sehen. Exakt das ist sein Job. Und es gibt nen Assistenten, der auch genau da hinzuschauen hat.

  10. @Hans-Martin:
    Gut, nach einer Wiederholung sehe ich es auch ein. Es war ein Foul und sogar ein gelbeürdiges. Nichtsdestotrotz hat Polter sehr oft den Gegner unterlaufen lassen und damit einen Freistoß gegen uns erzeugt/einen Ballverlust. Ich kann mich da an eine Szene in der ersten Halbzeit erinnern, wo er das sogar am SR angeprangert hat. Finde ich nicht sooo gut. Wie ich schon geschrieben habe, er ist so eine Kante, er brauch sich nicht klein machen, auch wenn er mit dem Rücken zum Gegner steht. Aber okay. Ist vielleicht meckern auf hohem Niveau.
    Schöne Woche euch noch!
    Und mal nebenbei mein vollsten Respekt für deine Arbeit, die du hier leistest. Sehr gute Texte, weitgreifende Infos zu Union und das dann alles schön zusammengefasst. Top!

  11. @Cire Da hast Du natürlich recht.

    @tim Vielen Dank, aber ich bin der falsche Adressat für Dein Lob. Ich reiche es aber gern an Daniel und Sebastian weiter. ;-)

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