Leistner bleibt. Erst einmal jedenfalls.

Das Trainingslager in Kärnten ist vorbei und die Spieler haben nach der individuellen Abreise heute noch die nächsten zwei Tag frei. Das gibt uns die Zeit, uns noch einmal mit der Leistner-Frage “Geht er oder geht er nicht?” zu beschäftigen. Die Berliner Zeitung/Kurier denken noch über das Norwich-City-Angebot nach. Außerdem kommentiert die Berliner Zeitung, dass es auf den Rest der Mannschaft komisch wirken würde, wenn Leistner ginge, während alle anderen keine Freigabe bekommen hätten. Bild/BZ hingegen sagen, dass das Angebot von Norwich schon längst abgehakt und nicht mehr aktuell sei. Ich kann mir kaum vorstellen, dass jemand für einen sehr guten Zweitliga-Innenverteidiger mit nur noch einem Jahr Vertragslaufzeit mehr als diese kolportierte Summe von 3,5 Millionen Euro Ablöse auf den Tisch legen würde.

Nach dem Spiel gegen Birmingham: Toni Leistner in der Eistonne, Foto: Matze Koch

Damit dürfte die Causa Leistner eigentlich abgeschlossen sein und er im nächsten Sommer vertragsfrei sein. So weit so gut. Wirklich? Oder vielleicht kommt alles ganz anders. Erstens dreht der Transfermarkt bei den Ablösesummen gerade durch und wird sich über kurz oder lang auch auf die Zweite Liga auswirken. Diese Option hat auch Trainer Jens Keller auf dem Schirm, wenn er wie in der Berliner Zeitung sagt: “Wenn jetzt plötzlich ein unmoralisches Angebot kommt, ist das eine Geschichte des Vereins, die ich akzeptieren muss.”

Und vielleicht gibt es auch eine andere Option: Nämlich die des großen Vertrags bei Union. Kommt ganz darauf an, wie stark es Leistner getroffen hat, dass Union ihm seinen Traum von England jetzt (und damit vielleicht für immer) verwehrt hat. Die Argumentation und Haltung von Union ist klar: Wir haben eine eingespielte Mannschaft auf dem Zenit, die jetzt beste Chancen hat, in die Bundesliga aufzusteigen. Und da wollen wir als Verein kein sportliches Risiko eingehen.

Es scheint ja auch kein leichtes Ding zu sein, einen Innenverteidiger zu verpflichten (hätten sie halt Roberto Puncec ein Angebot machen und eine Perspektive geben müssen, die er nicht ablehnen kann, aber ich glaube, dass da beidseitig der Ofen aus war). In diesem langen Text aus Österreich können wir nachlesen, wie Helmut Schulte in Österreich unterwegs ist und wen er vielleicht am Radar hat (wie die Österreicher sagen). In dem Text wird der Rapid-Spieler Christoph Schösswendter genannt.

 

Der Testkick gegen Birmingham

Kommen wir zum Testspiel gegen Birmingham, das Union gestern 1:0 durch ein Tor von Damir Kreilach gewann. Daniel von Eiserne Ketten hat sich die Partie im Livestream angesehen und gibt uns hier eine kurze Analyse:

Das Testspiel gestern gegen Birmingham City, das unter den 24 Mannschaften in der englischen zweiten Liga in der vergangenen Saison auf chaotische Weise 19. wurde, war das zweite Spiel in Unions Vorbereitung ungefähr auf Augenhöhe, und damit vielleicht nicht ganz ohne Aussagekraft für die Ausrichtung in der kommenden Saison. Immerhin war Union den Engländern, die etwas früher in der Vorbereitung sind, einigermaßen deutlich überlegen.

Jens Kellers Mannschaft verfolgte eine ähnliche Strategie wie in der letzten Spielzeit, mit viel (Gegen)pressing und bekannten gruppen- und mannschaftstaktischen Mechanismen. Begann Union seine Angriffe mal im geordneten Ballbesitz, ließ sich wieder ein Sechser (meist Dennis Daube) zwischen die Innenverteidiger fallen, während die Außenverteidiger recht hoch standen. Noch immer nimmt Union im Spielaufbau des Gegners Pässe auf die Außenverteidiger als Startsignal zum Pressing. Und unverändert ist die Devise zum Gegenpressing nach Ballverlusten gültig.

Obwohl es in der Umsetzung hin und wieder vorbereitungstypische Verzögerungen und Abstimmungsfehler gab, war Union damit durchaus erfolgreich und kam gerade aus dem Gegenpressing zu einigen Chancen. So etwa bei einer Chance von Grischa Prömel in der ersten Halbzeit, der später auch beim Tor von Damir Kreilach mit einem Steilpass beteiligt war. Überhaupt war ein Fokus auf vertikales Ballbesitzspiel bei Union unverkennbar, während die Außen im Angriffsdrittel etwas seltener gesucht wurden als gegen Ende der letzten Saison.

Die personelle Besetzung lässt zu diesem Zeitpunkt zwar wohl wenige Rückschlüsse auf das zu, was uns in Ingolstadt erwartet. Einige interessante Dinge ließen sich aber beobachten: Lukas Lämmel, der als Rechtsverteidiger begann, könnte eine ordentliche Option für die vakante Planstelle auf dieser Position sein, falls der Transfermarkt nichts besseres hergibt. Marc Torrejón kann schöne spieleröffnende Pässe spielen, aber mit allzu euphorischen Hymnen sollten wir vielleicht warten, bis Union gegen eine Mannschaft spielt, die ‘gegen den Ball’ etwas aktiver auftritt. Die jungen Berkan Taz und Cihan Kahraman könnten ein paar Minuten Einsatzzeit bekommen, wenn sie sich weiter positiv entwickeln und etwas an Handlungsschnelligkeit gewinnen. Und Akaki Gogia hebt sich die guten Schüsse für den Wettkampf auf.

Und wer sich fragt, wie das eigentlich so aussah, als wir die Episode mit dem Hertha-Podcast aufgenommen haben, hier gibt es ein Bild davon:

 

4 Gedanken zu „Leistner bleibt. Erst einmal jedenfalls.

  1. Die Oper ist immer erst vobei, wenn die dicke Frau nicht mehr singt. In Norwich machen sie grade so etwas wie Kassensturz. Und ja, es stimmt, dass Union das erste Angbeot abgelehnt hat. Vom Tishc ist dmait aber gar nix.

  2. Ich hab auch meine Zweifel, ob Leistner wirklich die Saison bei Union beendet. Am 31.8. ist Transfer Deadline Day in England, da tillen die Clubs routinemäßig nochmal aus und kaufen alles, was sich nicht bei 3 in der Vereinskabine eingeschlossen hat…und 3-4mio mögen für Union viel Geld sein, für Championship-Clubs mit Milliardären-Besitzern ist das aber maximal glorifiziertes Wechselgeld.

    Hoffen wir mal, dass Schulte weiterhin seinen Job so gut macht und einen Plan B in der Tasche hat.

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