Teve296 – Aber die Sichtachsen!

Wir haben es gewagt und zusammen mit dem Hertha-Podcast Damenwahl eine Crossover-Folge aufgenommen. Die hauptsächlichen Themen: Kader für die neue Saison und Stadion. Die einen suchen ein Grundstück, die anderen wollen ausbauen.

Fotos: Hertha BSC, 1. FC Union Berlin

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9 Gedanken zu „Teve296 – Aber die Sichtachsen!

  1. Wenn Hertha nicht mehr im Olympiastadion spielt und damit die Spielplangestalter nicht mehr die ISTAF mit beachten müssen, bekommt Union vielleicht mal zu Saisonbeginn ein Heimspiel.

    Sebastian, “Sport frei” ist der Befiegruß, macht man nicht, erst recht nicht in HSH ;)

  2. Ich bin immer noch “baff” über die Weltsicht des einen Damenwahl-Moderators: Man braucht keine (Klein-) Gärten in Berlin? Das meint ja wohl, dass für ein privates Investment Lauben-Piepern gekündigt oder sie ggf. enteignet werden sollen.
    Ich dachte, dass solche Vorkommnisse wie zur WM in Brasilien, wo für den Stadionbau Hütten und Schulen einfach plattgemacht wurden, sich nie wiederholen sollten. Aber jetzt wird auch in Berlin von solchem Vorgehen geträumt, getreu dem Motto “wenn es gut für den Verein ist, ist es gut für die Stadt”.
    “Fan sein” heißt wohl doch “fanatisch sein”. :-(

  3. da würde ich Henry doch ein wenig verteidigen wollen: sein Punkt war nicht, dass es keine Gleingärten in Berlin geben soll oder braucht. Sondern eher, dass manche Flächen, die gerade so genutzt werden, anders vielleicht (nicht nur wirtschaftlich) noch produktiver wären, während die Kleingärten andere/weniger große Ansprüche an Lage und Infrastruktur stellen als zb ein 55k Sitze Fußballstadion

  4. Interessanter Podcast. Also der zweite Teil, denn die Hertha-Kaderplanung juckt mich ungefähr so, wie der berühmte Sack Reis…

    Spannender war und ist die Diskussion rund um die Entwicklungspläne der jeweiligen Spielstätten. Welche Argumente hier aus Vereinssicht Sinn machen, hat Sebastian sehr gut dargestellt. Als Nicht-Hertha-Fan, Fachnerd und aus Verwaltungsperspektive erlaube ich mir mal ein paar Punkte zur Gegenargumentation anzubringen:

    Kleingärten mal hin oder her, es dürfte verdammt schwierig sein außerhalb des Olympiageländes ein neues Grundstück für einen Stadionneubau im Stadtgebiet zu finden. Auch der Ausbau der AF muss erstmal durchs B-Planverfahren.

    Erstens ist die verkehrliche Erschließung (Öffis, KfZ und Anlieferverkehr) zu nennen, die die An- und Abfahrt der gesamten Stadionkapazität bewältigen muss. Da ist ein S-Bahnanschluss mit erhöhtem Takt am Spiel- und Veranstaltungstag notwendig, der eine entsprechende Nähe aufweist und der von weiteren Verkehrsträgern unterstützt wird. Die umliegende Straßeninfrastruktur muss ebenfalls in der Lage sein, den KfZ-Anteil solide zu bewältigen. Der Standort Olympiastadion ist hier sehr gut ausgestattet (250 m bis zur S-Bahn, ca. 500 m zur U-Bahn). Die Infrastruktur auch nur halbwegs an einen anderen Ort zu errichten ist ein immenser Aufwand, müsste aber zwingend bedacht werden.

    Bei Union (ca. 900 m zur S-Bahn) gibt’s die Diskussion entsprechend bereits jetzt und mit der geplanten Erweiterung wird das ein ernsthaftes Thema im Aufstellungsverfahren des B-Plans werden, das es zu bewältigen gilt. Der Umstand, dass keine weiteren Stellplätze geplant werden (wo wird denn dann noch zusätzlich im Umfeld geparkt? Klassischer Grund zum Start einer Bürgerinitiative), eine Erhöhung des S-Bahntakts nicht geplant ist, der Regionalbhf. nicht in Sicht ist, Köpenick schon jetzt lauter Engstellen für den Autoverkehr bietet, die TVO zwar geplant aber nicht gebaut wird, führt unweigerlich zu der Frage, wie das erhöhte Zuschaueraufkommen denn dann bewältigt werden soll und ob der Standort für den Ausbau überhaupt geeignet ist.

    Zweitens muss zwingend die Lärmproblematik berücksichtigt und gelöst werden, die vom Stadionbetrieb (Heimspiele, Konzerte, Weihnachtssingen, sonstiges) ebenso dem An- und Abreiseverkehr und anderen Emittenten (Waldbühne, Kindl-Bühne Wuhlheide, Mellowpark) regelmäßig ausgeht. Ein Tipp für neue Anwohner, „zieht halt nicht her, ihr wisst doch, dass hier ein Stadion steht…“, mag plausibel erscheinen, verfängt aber rechtlich nicht und nimmt auch keine Rücksicht auf die Bestandsbewohner. Lärmschutz ist dynamisch. Das heißt: Eine legale Wohnnutzung hat immer Anspruch auf die Schutzwerte nach TA-Lärm. Genau deshalb wurden Clubs in Prenzlberg oder die Konzerte auf der Insel der Jugend auch erfolgreich durch „heranrückende Wohnbebauung“ weg geklagt. Denn mit der neuen (lärmsensiblen) Nutzung ändern sich die Schutzwerte in der Umgebung, deren Einhaltung erfolgreich geltend gemacht werden kann. Bzw. muss andersherum eine neue Lärm verursachende Nutzung immer Rücksicht auf den Bestand nehmen, was für einen Neubau (Hertha) relevant ist.

    Drittens mag die brach liegende Gewerbefläche in Marzahn für beide voran genannten Punkte geeignet erscheinen. Doch liegen bspw. eben jene Flächen westlich der S7 Höhe S-Bhf Mehrower Allee im „Entwicklungskonzept für den produktionsgeprägten Bereich“ des Stadtentwicklungsplans Industrie und Gewerbe. Sie werden seitens der Senatsverwaltung und der bezirklichen Bauleitplanung für lärmintensive gewerbliche oder industrielle Nutzungen frei gehalten. Eine andere Nutzung (Stadionneubau) müsste hier erstmal gegen die entsprechenden Interessen, bestehende Entwicklungskonzepte und andere drängende Interessenten (Wohnen ist in Bln gerade der Schwerpunkt) verargumentiert und durchgeboxt werden.

    Viertens und hier verlasse ich die Themen der Bauleitplanung und lasse Zauneidechsen, Fledermäuse und sonstige Belange links liegen, frage ich mich, was der Stadt daran gelegen sein kann, den Ankermieter des Olys ziehen zu lassen, ggf. noch und da sind wir wieder bei den Kleingärten, Flächen zur Verfügung zu stellen (Kleingärten stehen m.W. nahezu ausschließlich auf Grundstücken des Landes Berlin, die verpachtet werden). Das macht ökonomisch keinen Sinn. Entweder man überlässt Hertha das Oly und gibt ihnen Freiheiten beim Umbau oder man bindet sie als Mieter mit der Option sich im Umland was zu suchen und die Infrastruktur dort selbst hinzustellen und den eigenen Anhang zu überzeugen.

    Lange Rede kurzer Sinn: Das bei Hertha die Wege der Machbarkeitsstudie direkt neben das Oly geführt haben, macht Sinn. Es ist einfach der perfekte Standort, die Alternativen sind eher mau. Union auf der anderen Seite wird das eigene Konzept erstmal dem Bezirk Treptow-Köpenick schmackhaft machen müssen. Die eigene Machbarkeitsstudie, die sagt, was aus dem Gelände an der AF rauszuholen ist, ist ein erster Schritt, den man direkt an die Öffentlichkeit getragen hat. Nun wird man Politik und Verwaltung davon überzeugen müssen, dass die Erweiterung auf für das Umfeld vertretbar ist und der jetzige Stand nicht schon das Limit darstellt. Ein B-Planverfahren in 2 Jahren abzuschließen ist sehr sehr unwahrscheinlich, aber ich lass mich gern positiv überraschen.

  5. @André,

    vielen Dank für die ausführliche Erläuterung. Ich werde den Kommentar bei uns auf der Website spiegeln.

    Henry

  6. @ SirHenry: gerne.
    Übrigens gibt es einige Argumente die absolut für Kleingärten im S-Bahnring bzw. der Innenstadt sprechen.
    Einerseits das Stadtklima. Wer in einer warmen Sommernacht mal an einer KgA vorbei gegangen ist und den deutlichen Temperaturunterschied bemerkt hat, wird wissen was ich meine. Andererseits die unversiegelten Böden, die Wasser aufnehmen und Überflutungen wie zuletzt entgegen wirken. Abgesehen davon sind Kleingärtner gut organisiert und leisten zähen Widerstand. ^^

  7. @André

    Klar gibt es gute Argumente für Kleingärten im Stadtbereich. Die von dir hier aufgezählten gehören ja auch dazu. Gibt sicherlich noch viel mehr.
    Anderseits könnte man nicht ohne Berechtigung sagen, dass Kleingärten in urbanen Zentren die Zersiedlung der Metropolregion fördern, weil der Bedarf an Flächen für Wohnen, Gewerbe, Verwaltung und Freizeit, gerade in einer wachsenden Stadt wie Berlin, ja auch gedeckt werden muss. Das führt zu großräumigem Pendelaufkommen, zerfasert Lebensräume und schafft dafür Probleme an anderen Stellen. Hier ist ein Abwägen notwendig, welche Interessen überwiegen. Zumal die Zahl derjenigen, die unmittelbar von Kleingärten profitieren sehr gering ist. Mittelbare Effekte einmal ausgenommen. Sicherlich ein spannendes Thema.
    Nun erwarte ich nicht, dass Hertha sich auf eine Auseinandersetzung mit Kleingärtnern einlässt. Das wäre ein sinnloses Unterfangen. Die Erfolgschancen wären aus meiner Sicht marginal, die negativen Schlagzeilen hingegen maximal.

  8. @Super-Unioner

    In welcher Kleingartenanlage in Berlin gibt es Schulen und Hütten (als Erstwohnung)?

    Nebenbei: Hertha, Berliner Sport-Club e.V. ist Eigentümer einer Kleingartenanlage in Pankow-Rosenthal. Und Hertha hat nicht vor, diese Kleingartenanlage „plattzumachen“. Nicht für ein Stadion und auch nicht für Trainingsplätze.

  9. KgAFlächen machen nur 3,6% des gesamten Stadtgebiets aus. Die Suburbanisierung ist sehr viel stärker auf die Wohnflächeninanspruchnahme je Person, also die hohe Zahl an Einpersonenhaushalten und das klassische Einfamilienhaus zurückzuführen. Beide Faktoren steigen seit Dekaden, verbrauchen Flächen und sorgen für Suburbanisierung und deren Nebeneffekte.
    In Stadionnähe wären KgA eher Vorteilhaft, da dort höhere Grenzwerte beim Lärm zu beachten sind. ☺

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