Von Bockwurst bis Altglienicke

Gestern haben Matthias Koch und Torsten Mattuschka im Filmtheater Union zusammen mit Jan Glinker, Steven Skrzybski und anderen Wegbegleitern Kochs Mattuschka Biographie vorgestellt.


Wie das Buch bot der Abend eine gute Version dessen, was man sich darunter vorstellen kann: ein paar witzige Sprüche, interessante Anekdoten und ‘interessante’ Bilder, in denen der kurvenreiche Weg Mattuschkas aus Merzdorf in den professionellen Fußball nachgezeichnet wird. Dass es dem ehemaligen Malerlehrling, der auf Montage in Berlin Bockwurst aß und nur zufällig in einem Freizeitkick gegen Christian Stuff spielte, doch noch gelang, diesen Weg zu gehen, ist und bleibt erstaunlich – und in der Zwischenzeit ist es nicht wahrscheinlicher geworden, dass sich solche Geschichten wiederholen. Welchen Status ‘Tusche’ bei Union erreicht hat, muss man hier niemandem erklären und war auch bei den gut 200 Besuchern, die den alten Saal des Kinos füllten, offensichtlich.

Matthias Koch: Torsten Mattuschka. Kultkicker mit Herz und Plauze; Verlag Die Werkstatt, 208 Seiten, 14,95 Eur

Wie (gut) war Union in der abgelaufenen Saison?

Auf dem Podium in Friedrichshagen lobte Mattuschka, im Gespräch mit Steven Skrzybski, noch einmal die Saison, die Union gerade gespielt und mit seiner besten Platzierung und Punkteausbeute abgeschlossen hat. Dieses Lob ist offenkundig gerechtfertigt. Trotzdem ist es interessant, sich anzuschauen, wie diese Leistung in den Spielstatistiken der Saison aussieht. (In einer ausführlicheren Analyse dieser Art haben die Kollegen von Niemals Allein Hannovers Saison und deren Trainerwechsel untersucht.)

Auffällig ist dabei zuerst, dass Union pro Spiel knapp einen Schuss mehr auf das eigene Tor bekam als es selbst abgab (13,8 – 13). Das ist für gute Mannschaften ungewöhnlich und trifft auch nicht auf die Konkurrenten um den Aufstieg zu. Natürlich ist die bloße Zahl der Schüsse aber nur eingeschränkt aussagekräftig, und wenn man mit Hilfe des expected Goals (xG) Modells [Erklärung] darauf schaut, wie gefährlich diese Schüsse waren, sieht das Bild etwas besser aus: über die 24 Spiele, für die diese Daten vorliegen, hatte Union leichte Vorteile (0,23 Tore pro Spiel). Allerdings hatte die Mannschaft von Jens Keller in genau der Hälfte dieser 24 Spiele die bessere xG-Bilanz, in den anderen 12 in diesem Aspekt das nachsehen.

Vielleicht noch etwas handfester sind ein paar Werte, die den Stil der Mannschaft beschreiben: Keine Mannschaft in der Liga hat mehr Bälle abgefangen als Union, keine mehr Tacklings versucht, und an den Spielern keiner Mannschaft wurde so oft vorbeigedribbelt wie Union. All diese Statistiken ergeben sich aus dem Fokus auf Gegenpressing und aktives Verteidigen, der im Kern der Strategie Jens Kellers und seines Trainerstabs stand.

In dem direkten Umschaltspiel in der Folge der Ballgewinne, die Union so erzielt hat, kamen viele kurze Pässe nicht an – Unions Spiel mit dem Ball ähnelt dem der Umschaltmannschaften Heidenheim, Hannover und Braunschweig mehr als den Ballbesitz-orientierteren Aue, Dresden und Stuttgart.

Einer der vielen Kopfbälle von Toni Leistner; Foto: Matthias Koch

Spitzenwerte hat Union übrigens noch in der Kategorie ‘Gewonnene Kopfballduelle’. Das liegt einerseits daran, dass das Pressing hin und wieder viele lange Bälle des Gegners und damit Kopfballduelle provoziert hat. Andererseits liegt es an Toni Leistner. Weil noch nicht sicher ist, ob er bei Union bleibt, und ohnehin Bedarf an Innenverteidigern besteht, gibt es Gerüchte über Interesse an Marcel Franke von Fürth (Kicker, Kurier). Bestätigt ist dagegen der Wechsel von Benni Kessel zu Kaiserslautern, in der B.Z. gibt es ein Interview mit dem Rechtsverteidiger.

EUIU

In der Rubrik Einmal Unioner, immer Unioner heute: Björn Kopplin. Er ist seit seinem Wechsel in die zweite dänische Liga Stammspieler bei Hobro IK und hat heute die Chance, in die erste Liga aufzusteigen. Um 15 Uhr spielt Tabellenführer Hobro zuhause gegen den punktgleichen Zweiten Vendsyssel FF. Ein Unentschieden würde also reichen.

Björn Kopplin,  Matthias Koch

Björn Kopplin bei seiner Verabschiedung von Union; Foto: Matthias Koch

Etwas näher an zuhause: Die Sandvölkerschlacht (Beach-Völkerball) im Jugendclub Haus am See Askania Köpenick / Arena.

2 Gedanken zu „Von Bockwurst bis Altglienicke

  1. Danke Daniel für diese guten Einwürfe aus der Fussballstatistik. Gefällt mir sehr gut und es hilft die Saisonleistung greifbarer zu machen.

    Interessant wäre auch ein Vergleich, der die Sekunden/Minuten mit Union-Ballbesitz über die Saison vergleicht. Die letzten Spiele haben da sicher einen starken Abfall zu verzeichnen, da oft schnell schnell nach vorne gespielt wurde und der Ball verloren ging.

    Tor-rodde bleibt wohl in Stuttgart und es bleibt abzuwarten, wie sehr er sich an die erste Liga anpassen kann. Auch Bobby verlängert gerade seinen Vertrag ohne Ausstiegsklausel – wobei die geschätzten 3Mio Jahresgehalt etwas zu viel mMn sind. Dank Fussball Leaks wissen wir aber, dass der HSV gerne 200k pro Monat zahlt und damit erfolgreich wirtschaftet. Auch er muss sich nachweislich beweisen.

    Schönes WE an’s teve kollektiv

  2. Das Völkerballturnier findet in der Askania Köpenick / Arena, An der Wuhlheide 161, 12459 Berlin statt!!

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