Union steht am gleichen Punkt wie vor einem Jahr und doch ist vieles anders

Als Steven Skrzybski gestern beim 4:4 in Bielefeld die zwischenzeitliche Führung zum 4:3 schoss, war ich schon völlig durch mit dem Spiel. Selbst ein anderer Unioner hatte sich mittlerweile ein Herz gefasst und mit uns auf das kleine iPad geschaut, dass ein Meter vom See-Ufer in Mecklenburg stand. Ich allerdings wollte nur noch weg. Das war nicht mehr zum Aushalten. Und genau wie ich hätte auch die Mannschaft in dem Moment eine Abkühlung gebrauchen können.

Jakob Busk nach dem Gegentor zum 4:4; Foto: Matze Koch

Was nehmen wir aus dem Spiel mit? Union kann Tore schießen. Union kann Tore kassieren. Ich habe das Gefühl, dass die Balance im Team nicht stimmt und dass deshalb die Defensive häufig etwas allein gelassen aussieht. Und vor allem kommt mir das alles genau so vor wie im vergangenen Jahr zum gleichen Zeitpunkt.

Tabelle via kicker.de

Aber trotzdem ist einiges anders. Es gibt keine großartigen Baustellen im Kader (vor einem Jahr stand Union ohne Linksverteidiger da). Nur auf manchen Positionen könnte mehr Qualität vorhanden sein (die offensiven Außenpositionen). Die Mannschaft ist eingespielt (es gab keinen Umbruch wie vor einem Jahr). Was gleich geblieben ist: Die Mannschaft muss sich erneut an ein Spielsystem eines neuen Trainers gewöhnen.

Aber zurück zur Balance. Ich würde definitiv keine Abwehrdiskussion aufmachen, denn die jeweiligen Fehler entstanden an anderer Stelle. Im zentralen Mittelfeld waren Abspielfehler die häufigsten Ursachen für die Gegentore. Jens Keller sagte nach der Partie in der Pressekonferenz (AFTV): “Das große Problem bei uns: Wir haben 4 Tore gekriegt und keins der 4 war so richtig rausgespielt. Das zweite, den Ball hinter die Abwehr kann man aber auch besser verteidigen. Und das ist das Ärgerliche: Wir waren bei 4 Toren dreimal in Ballbesitz und verlieren den Ball in der Vorwärtsbewegung.”

Ich blicke bei den Ballverlusten, die in diesem Spiel zu Gegentoren geführt haben vor allem Richtung Felix Kroos, der sicher schon mal bessere Tage hatte als gestern. Andererseits hatte er einen tollen Blick für Steven Skrzybski gehabt beim Freistoß vor dem 2:3. Ist ja nicht alles schwarz und weiß in solchen Spielen. Und ich bin sehr bei Jens Keller, der nach seinem Gefühl nach diesem Spiel gefragt wurde und folgendes sagte: “Ist eine gute Frage, das weiß ich selbst noch nicht. Ich muss mit meinen Gefühlen erst selbst ins Reine kommen.”

Enttäuschung nach dem 4:4 bei Kenny Prince Redondo und Toni Leistner; Foto: Matze Koch

Positiv sollte auf jeden Fall gesehen werden, dass die Mannschaft sich viele, viele Chancen herausarbeitet und auch verwertet. Das ist nicht selbstverständlich und stimmt mich durchaus optimistisch. Genauso stimmt mich optimistisch, dass Bielefeld sich nicht einfach munter durch die Union-Reihen kombinierte.

Aber im Prinzip steht Union so offen in der Vorwärtsbewegung, dass jeder Fehlpass dort gleich zu hochkarätigen Chancen für den Gegner führt. Aber stärkt man die Defensive im zentralen Mittelfeld noch mehr, ist das Team vorne in Unterzahl. Das machen die Uniongegner schon ganz gut, dass sie den Spielaufbau im Zentrum komplett zu unterbinden versuchen, weshalb Union dann (wie vor allem in der ersten Halbzeit) gezwungen ist, breit zu spielen und kein Ball in die Spitze ankommt.

Ich würde weiterhin daran festhalten, auch wenn das bei 8 Gegentoren in 3 Ligaspielen komisch klingt: Union hat derzeit kein Problem mit der Abwehr. Aber die Union-Abwehr bekommt derzeit Probleme mit der Spielweise des Teams.

Das schreiben die Berliner Medien zum Spiel:

Angesichts von zwei Toren und einer Vorlage von Steven Skrzybski schreibt der Tagesspiegel treffend:

Wäre ich jetzt gemein, würde ich natürlich sagen, dass nur eine Zeitung ohne Union-Reporter so etwas schreiben kann … Der Rest hat in den vergangenen 5 Jahren den Namen zu schreiben gelernt.

Die Eisernen sind noch so nett und muntern uns ebenfalls auf, falls wir das 4:4 eher negativ aufnehmen:

Facebook: Die Eisernen

Podcast

Wir senden heute ab 21 Uhr wieder live aus unserer Küche in Pankow. Und zu Gast haben wir dieses Mal Daniel vom Taktikblog Eiserne Ketten.

Update vom 29.08. um 12:05 Uhr: In einer früheren Version dieses Textes stand, dass Union bisher sieben Gegentore in den drei Ligaspielen kassiert hätte. Es sind aber acht.

6 Gedanken zu „Union steht am gleichen Punkt wie vor einem Jahr und doch ist vieles anders

  1. Ich werfe für RA noch Jan Kliment in´s Rennen. Ob das (auch) auf Seiten Paulis oder Nürnbergs relevant ist – wer weiß.

    :)

  2. Daniel doch zu schnell abgegeben? Grobe Schnitzer in 3 Spielen von Busk die Nr. 1 ?

  3. Habe so das Gefühl, als ob Sebastians Wunsch für die Außenposition im Forsthaus angekommen ist udn die gerade heftig nach dem Grippe suchen. ;-)

  4. @Bunki, das passt ja nun ganz gut ;) Mit Hedlund sind wir da gut besetzt. Eine Leihe von Kerk, als Backup für die linke Seite fände ich allerdings auch nicht schlecht…

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