Wir können nur selbst bestimmen, wenn wir erfolgreich sind. Ansonsten bestimmen andere über uns.

Es gab auf der Mitgliederversammlung gestern Abend im Velodrom zwei Reden, bei denen ich genau zugehört habe und mal kurz den Feiermodus abgeschaltet habe. Die erste war die von Dirk Zingler. Wer erwartet hätte, dass der Präsident einfach nur Stichwortgeber für Applaus und Jubel sein wollte, sah sich getäuscht. Denn Zingler nutzte den Moment, um den über 3.500 Unionern direkt ins Gewissen zu reden und uns auf etwas vorzubereiten, wofür vielleicht einige von uns noch nicht bereit sind.


Foto: Matze Koch

Im Kern sagte der Präsident, dass Union als Verein nur eine Chance hat, seine Werte zu verteidigen und den Fußball zu leben, wie wir das wollen, wenn Union auch erfolgreich ist. Sportlich (Zingler erwähnte das Ziel Top20 von Deutschland) und auch kommerziell. Hier spielte er wahrscheinlich auf den schnellen Zufluss von Kapital durch Investoren im Fußball an, der Union selbst bei moderatem Wachstum jedes Jahr im Vergleich zur Konkurrenz zurückwirft. Worum es dem Präsidenten mit einer Erfahrung von zwölf Jahren im Amt geht: Er weiß, dass er nur Gehör findet, wenn er aus einer Position der Stärke und des Erfolges spricht.

Als Viertligist hätte sich niemand aus der Landespolitik, schon gar nicht der Regierende Bürgermeister, bei Union blicken lassen. Ich finde es toll, dass zur Erinnerung der Rahmen der Geburtstagsparty vor zehn Jahren im Saal gezeigt wurde. Das Anschneiden einer Torte im Kreis einer überschaubaren und frierenden Menge auf dem Parkplatz der damaligen Geschäftsstelle Hämmerlingstraße.

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Foto: via MariaPR

Im Profifußball sitzt Union am Katzentisch

Und das gleiche gilt auch für unsere Bedürfnisse, Fußball in einem Stehplatzstadion spielen zu wollen, den Rahmen der Vermarktung in der DFL (Bundesliga und Zweite Liga) zu setzen oder Fanrechte ernsthaft zu diskutieren, anstatt sich von Hysterie und Populismus treiben zu lassen. Hier wird Union nicht immer so gehört, wie es wünschenswert wäre. Hier gelten wir als Zweitligist, der auch vom guten Willen der Bundesligisten abhängig ist. Und wenn man Zinglers Ziel, in die Top20 des deutschen Fußballs einzubrechen, aus diesem Blickwinkel betrachtet, bekommt es noch viel mehr Sinn. Wir können unser Schicksal selbst bestimmen, wenn wir erfolgreich sind. Ansonsten bestimmen andere über uns.

Oder um es noch deutlicher zu machen: In der DFL sitzt Union am Katzentisch, wo 20 Prozent des Kuchens auf 18 Zweitligisten verteilt werden. Und zwar vor allem, weil die anderen 18 DFL-Mitglieder aus der Bundesliga es so wollen, während sie selbst 80 Prozent der Fernsehgelder unter sich aufteilen.

Union ist für alle da

Um Union gedeihen zu lassen, müssen wir uns als Verein öffnen. Das war Zinglers zweites wichtiges Thema. Offen sein, aber niemals beliebig werden. Ich sehe Union da aus meiner persönlicher Sicht auf einem sehr guten Weg. Was ich mir wünsche: Dass diejenigen, die so gerne mit uns ins Stadion gehen, weil sie unsere Vorstellung von Fußball teilen, sich dann auch bekennen und Mitglied werden. Mir persönlich ist es egal, wie viele Jahre jemand Unioner ist und wo die Person herkommt.

Wichtig ist mir, dass wir eine gemeinsame Vorstellung von dem haben, was wir wollen. Und diese Werte kann jemand haben, der im Krankenhaus Köpenick geboren wurde und im Kinderwagen schon um das Stadion gefahren wurde oder auch jemand, der in Ostfriesland groß geworden ist und erst vor drei Jahren nach Berlin gefunden hat. Ich sehe da keinen Widerspruch. Die Heimat von Union ist Köpenick und wird Köpenick bleiben. Aber Union ist für alle da, die auch für Union da sind.

Wenn es irgendwie geht, hätte ich die Rede von Zingler gerne bei AFTV oder woanders für alle Unioner dokumentiert. Auch die, die gestern nicht dabei sein konnten oder diejenigen, die noch keine Mitglieder sind. Denn ich habe das Gefühl, dass das unser Leitfaden für die nächsten zehn Jahre sein wird.


Foto: Matze Koch

Bürgermeister verspricht Unterstützung für Nachwuchsleistungszentrum

Die zweite Rede war die von Michael Müller, der meines Wissens als erster Regierender Bürgermeister überhaupt seit der überwundenen Trennung Berlins bei einer Union-Mitgliederversammlung auftauchte. Er versprach, Union bei der Suche nach einem Grundstück für das Nachwuchsleistungszentrum von Landesebene aus zu unterstützen. Das ist ein Bekenntnis zu dem die vorherigen Bürgermeister nicht fähig waren, wenn es um konkrete Projekte von Union ging.

Wir erinnern uns, dass das Gelände auf dem sich aktuell der Mellowpark befindet, in Landesbesitz ist. Aber Dirk Zingler sagte kurz danach auch, dass Union nicht gegen den Mellowpark agieren werde. Union tut gut daran, die Unterstützung der Landespolitik einzufordern, denn schließlich sind im Herbst Wahlen in Berlin. Das kann manchmal die Entscheidungsfähigkeit erstaunlich beschleunigen.

Infos von der Mitgliederversammlung

Ich spare mir die Aufzählung der Geschäftszahlen. Die könnt ihr in den Berliner Medien nachlesen:

Fotos von der Pyroshow im Stadion gestern morgen findet ihr übrigens bei unveu.de

Und dann war da noch etwas gestern. Und ich weiß gar nicht, was ich dazu schreiben soll, weil es sich für mich so unwirklich anfühlt und ich selbst jetzt noch total gerührt bin. Ich sage einfach danke! Danke an alle, die uns lesen und hören. Und ohne die Unterstützung von ganz vielen aus der Unionfamilie wäre das hier so in der Form auch nicht möglich. Danke auch dafür.

21 thoughts on “Wir können nur selbst bestimmen, wenn wir erfolgreich sind. Ansonsten bestimmen andere über uns.

  1. Herzlichen Glückwunsch!
    Habe mich sehr für euch gefreut Ihr habt es auch verdient.
    Dankeschön für Eure tolle Arbeit bitte macht weiter so.

  2. Herzlichen Glückwunsch!
    Vollkommen verdient und weiter so👍
    Eisern Union

  3. Hi + Herzlichen Glückwunsch!!! Als Christian gestern die Laudatio hielt war nach 2 Sätzen klar für wen. Ich hab mich sehr gefreut für Euch. Mit Eurem Blick auf Fußball und speziell auf Union sprecht Ihr meine Sprache.
    Danke + schöne Grüße ausm F´hain. -Kay

  4. Liebe Steffi, lieber Sebastian, liebe Textilvergehen-Mannschaft, ich habe laut gejubelt, als mir während der Laudatio klar wurde, WER da jetzt gleich geehrt wird … Ihr habt das mehr als verdient. Danke, dass ich Euch kennen lernen durfte. Deine, Eure Beiträge zu lesen, gibt mir jedes Mal eine Menge. Lese ich darin doch vieles, was nirgendwo anders steht. Tief ausm Herzen – und zugleich mit klarem Verstand, das ist einzigartig. Ihr seid Erzähler und Journalisten (dies im besten Sinne des Wortes) zugleich – und bei allem Eisern (also eigentlich sehr oft fernab von “klarem Verstand”) … So, Schluss jetzt, janz dolle herzlich umarmt Euch, hier leider nur virtuell, Dein, Eua Nussi

  5. @hendrik Wir haben den sogar ausgedruckt bekommen. Spätestens morgen kann ich den gerne veröffentlichen. Bin im Moment einfach nicht dort, wo er liegt :)

  6. Danke.. will doch selbst auch wissen, ab wann ich wohl vemutet hätte, dass ihr laudatiert(?) werdet :-) Auf diesem Weg auch nochmal herzlichen Glückwunsch und vielen Dank für viele unterhaltsame Stunden! *top*

  7. Ich geselle mich auch zur Reihe der Gratulanten und wünsche allen Textilvergehern Alles Gute!

    Nun zu etwas völlig anderem:
    Ich habe seit Jahren das Gefühl, dass unser Präsident uns gezielt auf etwas vorbereitet- und mit der angestrebten “Öffnung” des Vereins etwas ganz anderes gemeint ist als offene Arme für Zugereiste. Man möchte sich öffnen für Kaptial. Ich rechne damit, dass noch in diesem, spätestens im nächsten Jahr blühende Landschaften versprochen werden, wenn ein Investor ins Boot geholt wird, bzw. Perspektivlosigkeit und Abstieg in die Bedeutungslosigkeit, wenn nicht.
    Die zu schluckende Kröte wird eine Ausgliederung der Profiabteilung sein, aber, ja ja, die Fuma gäbe es natürlich weiterhin, selbstverständlich (wenn auch, und das wird so nicht ausgesprochen werden, als bedeutungsloser Teil des Rumpf-Vereins).
    Da geht die Reise hin, glaube ich.

    Also schnell, sag es noch einmal, bevor es unfreiwillig komisch klingt:
    Andere Vereine haben Fans,
    wir Fans haben einen Verein.

  8. Auf der Vorbesprechung verneinte Zingler ausdrücklich, dass mit Öffnuzng eine Öffnung für Kapitalgeber gemeint war.

  9. Auch von mir noch alles Gute ans Team!
    Hätt ich mal vorher gewusst, dass ich noch 2 Ehrennadel-Besitzern die Hand vor der MV schüttele ;)
    Auf weitere tolle Podcasts und Jahre mit Euch!

  10. Herzlichen Glückwunsch Euch allen. Herzlichen Glückwunsch auch Eurem Verein und den Werten, die er auch uns Fans anderer Vereine vermittelt. Herzlichen Glückwunsch auch zu Dirk Zingler. Ich glaube, es gibt nicht wenige Vereinspräsidenten, die einen Verein auch leben. Ich glaube, wir dürfen mit Michael Welling bei RWE auch einen Vertreter dieser ganz seltenen, und daher umso wertvolleren Menschen an der Vereinsspitze erleben. Bleibt, wie Ihr seit!

  11. Herzlichen Glückwunsch vom ganzen Herzen an alle 4!!! Es ist sehr verdient. Ihr braucht es nicht zieren, zu Recht habt Ihr die Ehrennadel bekommen. Macht bitte weiter so. Bis bald…

  12. Auch von mir als süchtigen blog- und Podcast-Konsumenten die allerherzlichsten Glückwünsche! Ihr wisst gar nicht wie viel Union-Gefühl und Infos ihr in die entlegensten Winkel der Republik (Rheinland^^) transportiert! Weiter so und vor allem Eisern!

  13. Pingback: Es lebe der 1. FC Union Berlin! | Saetchmos Blog

  14. Pingback: “Wer zu Union will, muss sich für eine Haltung entscheiden” | ***textilvergehen***

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