Monthly Archive for August, 2011Page 2 of 2

UNglaublich! UNfassbar! UNvergleichlich! UNion!

Alles wird gut. Auch die Ergebnisses des 1.FC Union. Beseelt sitzen wir mit Robert und Hans-Martin nach dem schönen 3:0 Sieg über Paderborn zusammen und lassen die Kasse des Phrasenschweines klingeln. Denn nichts macht erfolgreicher als Erfolg. Oder zufriedener.

Thematisch hangeln wir uns am Spiel entlang, reden über die Tore von Christian Stuff und Christopher Quiring. Glücklich machen uns die aktiven Außenspieler, unter anderem bedingt durch das Comeback von Michael Parensen und der taktischen Versetzung von Christoph Menz, die das flügellahme Spiel in Essen verblassen lassen. Kilian Pruschkes Debüt finden wir gut. Vor allem, wenn man bedenkt, welches Stigma Herthas U23-Keeper Sascha Burchert nach seinem Profidebüt anhaftet.

Es ist aber auch nicht alles toll. Die Abstimmungsprobleme in der Rückwärtsbewegung hat Paderborn nicht ausgenutzt. Geteilter Meinung sind wir auch über das Transparent “UNzufrieden”, das in Anspielung auf die Initialen von Cheftrainer Uwe Neuhaus vor dem Spiel gezeigt wurde. Das macht aber nichts, denn nach dem Spiel sind wir alle unzufrieden.

Abseits vom ersten Saisonsieg reden wir über die Ehrung von Keeper Marcel Höttecke als “Unioner des Jahres” und was das über die Leistung in der letzten Saison aussagt. Im Nachklapp zu den im letzten Podcast benannten Baustellen betrachten wir deren Schließung und überlegen, was der Einsatz des aussortierten Jérôme “der macht nie wieder ein Spiel für Union” Polenz beim Saisonauftakt der U23 über dessen Perspektive im Verein aussagt.

O-Töne:

00:20 Min Aufstellung SC Paderborn
01:47 Min Aufstellung 1.FC Union
05:45 Min Unsere Mannschaft, unser Stolz, unser Verein
12:34 Min Christian Stuff über sein Kopfballtor
21:18 Min Uwe Neuhaus über Ballgeschiebe nach 3:0
28:41 Min Michael Parensen über das Spiel
32:27 Min Michael Parensen und Christian Stuff über Kreis nach Spiel
52:36 Min Uwe Neuhaus über Krankenstand von Höttecke/Glinker
62:46 Min Auszeichnung Hötteckes als “Unioner des Jahres”

Musikvideo: Adobe Flash Player (Version 9 oder höher) wird benötigt um dieses Musikvideo abzuspielen. Die aktuellste Version steht hier zum herunterladen bereit. Außerdem muss JavaScript in Ihrem Browser aktiviert sein.

Sonderheftsonderkritik

“In schöner Regelmäßigkeit ist Fußball doch immer das Gleiche”, soll Hans Meyer gesagt haben. Und zu keinem Zeitpunkt hat er mehr Recht als zum Saisonstart. Trainingslager, Transfers, Fehlstarter und Durchstarter. Überraschung ist etwas anderes. Dazu die Sonderhefte. Mit Spielern auf Mannschaftsfotos, die beim Erscheinen schon woanders untergekommen sind. Zu den Sonderheften gehört natürlich dann auch wie jedes Jahr Sonderheftkritik. Einen Abgesang auf die Sonderhefte, dem ich mich nur anschließen kann, hat Kai Pahl bei allesaussersport.de geschrieben.

Sportbild, Kicker und 11Freunde

Darum setze ich mal bei den drei Klassikern unter den Sonderheften den Schwerpunkt etwas anders. Wie nimmt der zukünftige Rentezahler im Haushalt die Hefte auf? Da haben Sportbild und Kicker ganz klar die Nase vorne. Das Kaufargument für den Kicker ist die Stecktabelle, die an die Kinderzimmertür gepappt gehört. Als zusätzliche Quengelware gibt es dieses Mal noch Aufkleber von allen Erst- und Zweitligateams. Verklebt wurden fast alle. Sogar Hoffenheim. Nur Energie Cottbus schaute in die Röhre. Wichtig für das zahlenverrückte Kind ist die Kaderübersicht mit der Angabe von Gewicht und Körpergröße. Der absolute Liebling ist Schalkes dritter Torhüter Lars Unnerstall. 100 Kilogramm verteilen sich auf 1,98 Meter.

Die Sportbild ist Pflichtprogramm. Allerdings hat sie kaum Mehrwert. Keine Gewichtsangaben. Körpergröße Fehlanzeige. Allerdings ist sie immer als erste im Handel. Das einzige Kaufargument.

Das sogenannte Sonderheft der 11Freunde gleitet kaum beachtet durch die Hände des Juniors. Hängt vielleicht mit der arg rückwärts gerichteten Retro-Berichterstattung zusammen, die einen Siebenjährigen als Zielgruppe klar verfehlt. Das Titelbild kommt richtig gut an. Allerdings vor allem wegen der Star Wars Optik. Ist gerade das Non plus ultra auf dem Schulhof. Mario Gomez (O-Ton Junior: “Die Pfeife!”) als Prinzessin Leia kommt auch ganz gut. Männer in Frauenkleidern eben. Das kleine Beiheftchen wird durchgeblättert. Die Autos sind ganz interessant. Einen Zusammenhang zwischen den Autos und den Fußballklubs kann das schlaue Kind aber auch nicht finden.

Lokale Helden

Die Fußballwoche ist die einzige Zeitschrift, die so etwas wie tiefere Berichterstattung bietet. Jedenfalls zu Berliner Mannschaften. Lange Interviews mit den Vereinspräsidenten von Hertha und Union, eine detaillierte Vorstellung der Neuzugänge und eine kurze Darstellung der Saisonaussichten. Alle anderen Teams, die nicht irgendwie das Verbreitungsgebiet Neufünfland haben, werden auf Zugänge, Abgänge, Kader und Adresse eingestampft. Konzentration auf das Wesentliche. Da ist es egal, ob es sich um Borsussia Dortmund oder Paderborn handelt. Die weiteren Ligen werden intensiv beleuchtet. Bis zur Kreisliga C 4. Abteilung. Überraschendes gibt es auch hier nicht, aber dafür wieder solides Handwerk auf 186 Seiten.

Natürlich gibt es noch die herrlichsten Mannschaftsbilder, die man sich wünschen kann. Wo die 11Freunde ins Archiv stiefeln, schöpft die Fußballwoche aus dem reichhaltigen aktuellen Fundus. Die Spieler des FC St. Pauli schauen alle in eine andere Richtung, der VFC Plauen sitzt in den Hartplastikschalen auf der Tribüne, während der VfB Oldenburg es mit Längs- und Querstreifen auf dem Bild versucht. Den Vogel schießt RB Leipzig mit dem Mannschaftsfoto im neuen Bahntunnel ab. Der von mir hochgeschätzte Perry Bräutigam, momentan Torwart-Trainer in Leipzig, muss sich allerdings etwas an die Röhre schmiegen, damit es passt. Die finanzielle Not von Carl-Zeiss Jena mag man daran erahnen, dass sich Bäcker Scherer aus Zeulenroda, Sponsor und Fan, mitten ins Mannschaftsbild stellen durfte. Die Fußballwoche – irgendwie schrullig. Passt zu Berlin.

“Die Medien sind halt da.”

Wie geht man mit einem Hype um, Aylin Yaren?

Im großen Kinosaal des Babylon sitzen ein paar hundert Leute. Die sind da, weil sie Kurzfilme sehen wollen. Für die Pause wird Aylin Yaren angekündigt. Bitte wer? Aylin ist das Mädchen auf dem Plakat des diesjährigen 11mm-Fußballfilmfestivals, sie zeigt Fußballkunststücke für den Kinotrailer dazu. Ach, das war kein Trick, das war echt? Das waren nur Tricks und nichts als Tricks. Das war echter Trickfußball. Die kann das aber wirklich, dieses Ball stoppen und Jonglieren und Balancieren und in der Luft halten mit so ziemlich jedem Teil ihres Körpers? Ja, sie kann.

Aylin ist von Beruf Freestyle Girl. Sie tritt im Rahmenprogramm größerer Events auf und zeigt, was man mit einem Fußball so alles anstellen kann. Das wirklich ungewöhnliche an ihr: Sie begeistert Frauen und Männer, Jungen und Mädchen gleichermaßen. Auf Aylin Yaren können sich alle einigen. So unangestrengt sähe man die Nationalspielerinnen um Silvia Neid auch gerne mal. Wenn das Frauenfußball ist, sollten Frauen nichts anderes mehr machen.

Dennoch wirkt Aylin im ersten Moment fast schüchtern, als sie die Bühne betritt. Sie lächelt unter ihrer Mütze hervor, antwortet brav auf alle Fragen des Veranstalters, redet über ihre Sponsoren und ihren Ausstatter. Eine ideale Werbeträgerin. Ihr Wesen verändert sich, sobald sie einen Ball vor die Füße bekommt. Mit Ball ist sie eine andere. Konzentriert, selbstbewusst, geschmeidig. Ihr Lachen danach ist strahlend und gelöst. Sie weiß, dass sie gut ist. Und gerade eben ist ihr etwas gelungen.

Alles, was sie macht, sieht leicht aus. Als würden die Regeln der Schwerkraft für sie nicht gelten. Wasser fließt bergauf und Bälle fallen nach oben. Ein einfacher Weg ist es trotzdem nicht, den sie da beschreitet. Ihr spektakulärer Auftritt im ZDF-Sportstudio, bei dem sie 2007 Franck Ribery beim Torwandschießen besiegte, markiert den Beginn ihrer Freestyle-Karriere. Inzwischen hat sie Auftritte in ganz Deutschland. Und 2011 ist ihr Jahr. Die mediale Aufmerksamkeit ist so hoch wie nie zuvor. Sie war eines der Aushängeschilder der Fußballweltmeisterschaft der Frauen. Während dieser Zeit war sie ausgebucht, trat fast an jedem Tag in einer anderen Stadt auf. Ob das Spaß macht? Ja, sagt sie. Denn die Auftritte mag Aylin, ihre Freude am Freestyle ist ungebrochen und der Zuspruch des Publikums nach wie vor groß. Langweilig sind nur die endlosen Zugfahrten. Und ab und an eine Verschnaufpause wäre gut. Mal nach Hause fahren.

Das wird jetzt nach der WM ruhiger, glaubt sie. Auch wenn sie schon wieder Termine für den Monat August hat. Aber eben nur die üblichen drei oder vier. Das ist mit ihrem Trainer so vereinbart. Ihr Trainer ist Jürgen Franz. Aylin ist nicht nur Freestylerin, sondern auch Mittelfeldspielerin bei den Frauen des 1.FC Lübars. Im Spiel, sagt sie, braucht man die Tricks eigentlich nicht. “Ich kann mich ja nicht hinstellen und sagen, wartet mal ‘nen Moment, ich möchte hier noch einen Trick machen. Aber das Ballgefühl, den Ball annehmen und mitnehmen, das braucht man schon.” Sie versucht, zu jedem Training, zu jedem Spiel da zu sein. Das ist anstrengend und bedeutet im Extremfall, vom Bahnhof direkt zum Fußballplatz zu fahren. “Aber ich gehöre zur Mannschaft dazu.” Solange ihre Leistung stimmt, wird ihr besonderer Weg akzeptiert.

Hat sie Angst, ähnlich wie Fatmire Bajramaj erst bejubelt und dann auf die Bank gesetzt zu werden? Ein gewisses Maß an Aufmerksamkeit ist Aylin gewöhnt. “Die Medien sind halt da.” Das findet sie in Ordnung, relativiert aber gleich: “Es ist nicht so, dass hier tagtäglich Reporter anrufen.” Es ist elf Uhr mittags und ich bin an dem Tag die erste, erfahre ich.

Das Freestylen hat sich Aylin selbst beigebracht. Jetzt gibt sie manchmal Workshops für Jungen und Mädchen, kann sich für später eine Trickschule für Kinder vorstellen. Sie weiß, dass sie vielen ein Vorbild ist. “Ich ermutige Talente, wenn ich sehe, eine hält den Ball gut hoch.” Eine Ausbildung hat sie bisher nicht abgeschlossen. Ihr Traum ist es, erzählt sie zum Schluss, in Berlin ein Fußballcafé zu eröffnen. Zur nächsten Weltmeisterschaft der Herren. Zusammen mit ihrem Bruder.