Monthly Archive for Juli, 2011

Baustellenbesichtigung.

Union und der DFB-Pokal – Freunde sind sie immer noch nicht geworden. Auf der Baustelle des Essener Stadions unterlag der 1.FC Wundervoll gegen den Viertligisten Rot-Weiß Essen im Elfmeterschießen. Gemeinsam mit dem aus dem Urlaub zurückgekehrten Mathias und Hans-Martin nehmen wir das zum Anlass für eine Baustellenbesichtigung.

Das erste Wort gebührt aber den Siegern. Uwe Strootmann vom hervorragenden Blog Im Schatten der Tribüne erzählt uns im Interview seine Eindrücke vom Spiel und die Baustellen von Rot-Weiß Essen. Danach diskutieren wir das Spiel aus Union-Sicht. Mathias ist richtig erholt und streitbar, zumal der Ausblick auf die nächsten Spiele gegen Paderborn (10:0 Sieg im Pokal) und Dresden (4:3 Sieg nach 0:3 Rückstand) nicht zum Optimismus einlädt.

Neben den Baustellen in Spiel von Union ist auch das Fantreffen mit Präsident Dirk Zingler Thema. Wir sind uns nicht sicher, ob es dort thematisch bei ausbleibenden guten Ergebnissen nur um eine Auseinandersetzung mit der DDR-Vergangenheit gehen wird. Weitere schnell abzuarbeitende Baustellen sind die Prämienverhandlungen und die arbeitsrechtlichen Auseinandersetzungen mit dem ehemaligen Team-Manager Christian Beeck und dem ehemaligen U23-Trainer Theo Gries. Zuviel Arbeit für zuwenig Bauarbeiter?

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“Scheißtag. Sport frei!”

0:4 zu Hause gegen Fürth. Das spricht eine deutliche Sprache. Dazu noch ein beinahe schon traditionell verschossener Elfmeter gegen Fürth und ein wie letztes Jahr begeisterter Gästetrainer. Logisch, die Atmosphäre in der Alten Försterei gefällt mit drei gewonnenen Punkten gleich doppelt so gut. Torsten Mattuschka nennt das einen “Scheißtag” und verabschiedet sich mit “Sport frei!”

Weiterhin ferienbedingt dezimiert diskutieren wir mit Hans-Martin das Spiel gegen Fürth, die Vertragsverlängerung von Christopher Quiring und die Bauchpinselei von Fürths Trainer Michael Büskens.

Viel mehr Platz als die Niederlage nimmt die mediale und union-interne Diskussion um Dirk Zinglers Dienst beim Wachregiment des MfS ein. Wir bewerten zunächst noch einmal den Fakt an sich und schauen uns anschließend die Berichterstattung dazu vor allem in der Berliner Zeitung an. Dabei geht es um die Frage, ob dem freien Journalisten Matthias Wolf Hetze unterstellt werden kann. Ein weiteres Thema ist die Rede von Stadion- und Pressesprecher Christian Arbeit vor Spielbeginn, in der er seine Meinung zur Berichterstattung äußert. Dazu kommt noch ein anonymer Text im Stadionheft. Diesen Punkten stellen wir Thesen von Uwe Bremer (Berliner Morgenpost) gegenüber. Zum Schluss geht es noch um die Frage, ob Dirk Zingler nun als Präsident angeschlagen ist oder nicht.

Wir hoffen, dass sich der nächste Podcast nach dem Pokalspiel in Essen vor allem wieder um sportliche Themen dreht.

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O-Töne

  • 00:19 Min Mannschaftsaufstellung Fürth
  • 01:54 Min Mannschaftsaufstellung Union
  • 16:48 Min Christoph Menz über mögliche Aufholjagd
  • 18:57 Min Zusammenschnitt von Menz und Mattuschka über mögliches Spielergebnis
  • 26:14 Min Uwe Neuhaus und Michael Büskens über Atmosphäre bei Union
  • 62:55 Min Christian Arbeits Rede vor Anpfiff

Bilder:

Bilder: Stefanie Lamm

Nicht ohne Liebe!

Dit is Union!

Dunckerstraße, Berlin Prenzlauer Berg; Bild: Stefanie Lamm

1.FC Union Berlin: Ein Fußballklub in der DDR

Die aktuelle Debatte um den dreijährigen Wehrdienst von Unions Präsidenten Dirk Zingler beim Wachregiment Felix Dserschinski des Ministeriums für Staatssicherheit haben wir zum Anlass für eine Sonderausgabe des Podcasts genommen.

Gemeinsam mit Tino Czerwinski (aka TeeCee, Moderator des Fantreffens bei Union) und Jan diskutieren wir die These, dass das transportierte Image von Union als “Anti-DDR-Verein” dazu geführt hat, die Fallhöhe für die Medienrelevanz von Zinglers Biographie herzustellen. Wir versuchen herauszufinden, wieviel von diesem Image Legende und wieviel tatsächlich Schnittmenge mit der erlebten Realität in der DDR ist. Zum Schluss überlegen wir, wie eine in unseren Augen überfällige Auseinandersetzung mit der Geschichte von Union in der DDR aussehen könnte.

Als Bonus gibt es ab 51:17 Min ein viertelstündiges Gespräch mit Andora, in dem er seine Sicht auf Unions Geschichte in der DDR schildert. Andora ist Popart-Künstler und Unionfan. Er wurde in der DDR zu sechseinhalb Jahren Gefängnis verurteilt und später freigekauft.

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Die Tonqualität ist etwas anders als sonst. Das liegt daran, dass wir in einem Café in Köpenick bzw. in Mitte aufgenommen haben.

Der Wert der Kritik.

Bernd Schröder, langjähriger Trainer von Turbine Potsdam, hielt am Montagabend einen Vortrag am Hasso-Plattner-Institut der Universität Potsdam. Die Vortragsreihe zum Thema „Soft Skills“ schließt in jedem Semester mit einem prominenten Gast.

„Woll´n Sie auch zu Schrödi?“, fragt mich ein älterer Herr, der wie ich suchend auf dem abendlich leeren Campus umher irrt. Ein Kamerateam rückt an. Wir sind also richtig. Der Hörsaal füllt sich. Überwiegend Studenten, aber auch einige Turbine-Fans. Welche, die ihn mit „Sportfreund Schröder“ und „mein lieber Bernd“ anreden. Noch ein Kamerateam baut auf. Bernd Schröder ist das offenbar gewöhnt. Freundlich und bestimmt, aber doch im Laufschritt, arbeitet er die Fragen ab, gibt Statements, stellt sich hierhin, blickt dorthin – und das alles vor dem eigentlichen Termin.

Nun ist Bernd Schröder nicht die Person, die einem als erstes in den Sinn kommt, wenn von Soft Skills die Rede ist. Meinungsverschiedenheiten mit dem Trainer gaben etwa Britta Carlson und Petra Wimbersky als Grund für ihren Vereinswechsel an. Fatmire Bajramaj, jüngst zur Konkurrenz nach Frankfurt abgewandert, mochte ihn auch schon mal lieber. Mit Bundestrainerin Silvia Neid verbindet ihn eine innige Zwietracht. Der Untertitel von Schröders Vortrag aber lautete: „Was macht erfolgreich?“ Dazu wiederum kann einer, der alles gewonnen hat, was es für einen Bundesligatrainer im Frauenfußball zu gewinnen gibt, einiges erzählen.

In der Essenz lautet seine Erfolgsstrategie: Vorbild sein, Vorbilder haben. Das sei die beste Motivation. Sein Vortrag handelt denn auch im weitesten Sinne von seiner sehr persönlichen Vorstellung darüber, was ein Vorbild auszeichnet – und was eben nicht. Das bezieht er keineswegs nur auf den Sport. Manchmal erzählt er dabei gleichzeitig seinen Lebenslauf, Fußballgeschichte und Weltgeschichte. Mindestens so oft wie Beispiele aus dem Fußball zitiert er Bergarbeitermetaphern. Er hat Montanwissenschaften an der Bergakademie Freiberg (Sachsen) studiert, eine Grobwissenschaft, wie er sagt. Was man daraus lernen und übertragen kann, sind zwei Dinge. Es gibt Situationen, in denen man nicht weg kann – die muss man auszuhalten lernen. Und zweitens, man trägt in einem Team Verantwortung füreinander. Platz für Stars ist dabei nicht. Dieses Weltbild prägt ihn und macht deutlich, warum einer wie er im Frauenfußball so sehr verhaftet ist. Es ist das Gegenteil der Glamourwelt des professionellen Männerfußballs, wo in Fantastillarden gerechnet wird. Bernd Schröder ist ein sehr erdverbundener Mensch.

Es fehlten Menschen, meint er, die widersprechen und Widerspruch annehmen können. Jemand, der den Wert der Kritik nicht anerkenne, ist in seinen Augen kein Vorbild. Das Wort Streitkultur fällt. Matthias Sammer sei noch einer, der das kenne. Bernd Schröder selbst sucht die Auseinandersetzung und trifft dabei in schönster Poltergeistmanier nicht immer den richtigen Ton.

Vielleicht liegt darin die Ursache seines Disputs mit Silvia Neid. Den Ehrenkodex habe er durch seine öffentliche Kritik verletzt, und nun soll er sich dafür entschuldigen. Weniger für die Kritik, als wohl vielmehr für ihre Öffentlichkeit. Die Ziele von Neid und Schröder liegen nicht so weit auseinander. Beide wollen erfolgreichen Frauenfußball, beide wollen eine starke Nationalmannschaft, beide wollten den WM-Titel. Bundesliga und Nationalmannschaft arbeiten idealerweise miteinander und nicht gegeneinander. Deshalb hat Schröder recht, wenn er sagt: „Wir müssen das Problem letztlich gemeinsam lösen“. Sich zu entschuldigen hält er trotzdem nicht für den richtigen Weg – denn seine Haltung zur Sachfrage besteht unverändert. Man kann sich nun darüber streiten, ob das Mangel an Diplomatie oder Charakterstärke ist. Es liegt jedenfalls keine Häme darin, wenn er erklärt, warum das WM-Spiel der Frauen gegen Japan verloren ging. Die verpasste Olympia-Teilnahme schmerzt ihn, und der durch die WM-Vorbereitung bedingte Ausfall seiner Spielerinnen im Vorfeld ärgert ihn noch immer. „Ich habe ja nicht gesagt, dass sie keine Ahnung von Fußball hat.“ Aber eine Anerkennung für seine Arbeit, Respekt ihm gegenüber hätte er sich gewünscht – das klingt in jedem Satz durch, den er sagt.

Fragt man ihn, was einen guten Trainer ausmacht, bekommt man zur Antwort: Das Team um ihn herum. Und damit meint er nicht an erster Stelle die Feldspielerinnen, sondern explizit die Sekretärin, den Busfahrer, die Betreuer, den Zeugwart. Schröder versteht seinen Beruf sehr umfassend. Genau so wichtig wie sportliche Förderung ist die Sorge um die Ausbildung der Frauen und Mädchen. Die Potsdamer Sportschule, Eliteschule des Mädchen-Fußballs, nimmt jedes Jahr zur 7.Klasse etwa 10 Nachwuchsfußballerinnen auf. In jedem Jahr stellen sich die selben Fragen. Wer kommt dafür in Betracht? Schaffen die ihr Abitur? „Wenn nicht“, sagt er, „müssen wir uns um Lehrstellen kümmern. Denn wir bilden aus und kaufen nicht ein.“ Das sei eine gesellschaftliche und eine pädagogische Aufgabe, für die man Menschenkenntnis brauche. Man müsse zudem Familie, Herkunft, Umfeld, soziale Situation und Erlebniswelt der Spielerinnen genau kennen.

Angesichts dessen, was er in den Frauenfußball investiert hat, überrascht die Nüchternheit, mit der er dessen Stellenwert beurteilt. Der WM-Hype entspricht nicht seiner Lebenswirklichkeit. Ob die WM mehr Zuschauer in die Stadien spült? Bernd Schröder glaubt nicht daran. Was ist mit den neuen Leistungszentren für die Frauen, die bei den Bundesligavereinen der Männer angesiedelt sind? Das müsse man von Fall zu Fall sehen. Der HSV, sagt Schröder, habe die finanziellen Probleme der Herrenmannschaft 1:1 an die Frauen weitergegeben. Leverkusen sei ein guter Verein, komme aber nicht richtig hoch. Bayern München spielt in Aschheim – da interessiere sich kein Schwein dafür. Die einzigen, die derzeit investierten, seien die Wolfsburger. Die anderen Männervereine betreiben Frauenfußball halbherzig, das Interesse daran sei zu gering. Er stellt das fest, ohne es als Vorwurf zu formulieren.

Bernd Schröder gilt als harter Hund. Deshalb lohnt sich die Frage nach dem berüchtigten Straftraining. „Das gibt es nicht mehr, das gibt es auch bei den Männern nicht. Wenn man im Sport eine Aufgabe nicht mit dem Herzen wahrnimmt, dann funktioniert es nicht. Ich kann die drei Runden laufen lassen oder zehn. Wenn sie das oberflächlich machen, kommt nichts dabei heraus. Das macht man höchstens, um sich selbst zu beruhigen. Wenn meine Mannschaft schwach spielt, bin ich der Schwache, und nicht die Mannschaft.“ Wie man statt dessen motiviert? Ganz einfach. Man hängt die Leistungswerte der einzelnen Spielerinnen aus.

Für alle, die mal ganz normalen Frauenfußball kucken wollen: Der Spielplan.

Bei Felix.

Als ich Felix das erste Mal kennenlernte, war ich neun Jahre alt. 1988. Zusammen mit vielen anderen Kindern saß ich in in einem abgedunkelten Saal. Die Blumen und die Büste weiter vorne waren nur schemenhaft zu erkennen im Schein von Dias, die an die Wand projiziert wurden. Die Bilder zeigten Rotarmisten im Krieg. Welcher genau es war, konnte mit Sicherheit kein Kind sagen. Plötzlich erschien das Portrait eines hageren Manns an der Wand. Er schaute uns mit seinen durchdringend blickenden Augen von der Wand aus an. Das war Felix Edmundowitsch Dserschinski. Gründer des KGB-Vorläufers Tscheka und Namensgeber meines Ferienlagers.

Während ich viel Spaß im Ferienlager hatte und die Schießübungen und das Tragen von ABC-Schutzanzügen spannend fand, dürfte Unions Präsident Dirk Zingler weniger Freude bei Felix gehabt haben. Fünf Jahre vorher, ab 1983 diente er drei Jahre im Wachregiment Felix Dserschinski in Berlin-Adlershof, was die Berliner Zeitung dazu verleitet, dem Thema fast eine gesamte Seite zu widmen. Laut Zinglers Aussage wollte er während seiner Armeezeit unbedingt in Berlin bleiben. Da blieben ihm nur zwei Möglichkeiten: Das Wachregiment Friedrich Engels der NVA oder eben das Wachregiment des Ministeriums für Staatssicherheit. Die Alternativen sind bekannt: Dienst bei den Grenztruppen mit der Maßgabe als 18-Jähriger auf Flüchtende schießen zu müssen oder bei den regulären Truppen der NVA ebenfalls fast ohne Heimurlaub.

Die Zeit bei der Armee ist ein Teil jeder männlichen Biographie in der DDR. Der verschwindend geringe Teil der Verweigerer spielt repräsentativ keine Rolle. Drei Jahre Verpflichtung zur Armee waren für Jungen in der DDR der Schlüssel zum Studium. Einem 18-Jährigen dabei vorzuwerfen, die Chance eines Dienstes in Berlin mit regelmäßigem Heimurlaub (!) zu nutzen, ist die bewusste Verleugnung der damaligen Realitäten. Ebenso gehört dazu das Zitieren aus DDR-Akten. Was soll denn in einer Akte der FDJ oder SED stehen außer Parteisprech? Wenn Zingler in seinem Lebenslauf für das MfS schreibt “Weil ich es für notwendig finde, der Partei anzugehören, die für den Frieden auf der Welt kämpft”, ist das nicht mehr als das, was gehört werden wollte. Die Berliner Zeitung macht das, was Journalisten eben machen, wenn sie nichts finden: Sie haut auf die Kacke, dass es richtig spritzt. So bleibt immer etwas haften. Zum Beispiel die Assoziationskette Dirk Zingler und Ministerium für Staatssicherheit.

Die Vorstellung ist abwegig, für viele treue Fans des 1.FC Union Berlin schon der Gedanke allein eine Beleidigung: Der Präsident des Vereins trägt einen weinroten Trainingsanzug, Modell Dynamo. Und doch: Es ist so gewesen. Denn dieser Sportdress gehörte zu seiner Ausrüstung.

Zurück in die späten 80er Jahre. Berlin-Hohenschönhausen. Kraftkreis in einer Sporthalle. Die neun bis zehnjährigen Kinder führen die Übungen aus. Spaß ist etwas anderes. Aber bald ist Bezirksmeisterschaft im Ringen und die besonders guten dürfen später auf die KJS. Leises Flüstern und Lachen. “Fiebrig!”, schallt es durch die Halle. Der Trainer ist wütend. “Fünf Mal das Seil hoch!” Die übliche Strafe für Reden während des Trainings. Ich schlurfe zum Seil. In meinem weinroten Trainingsanzug, Modell Dynamo.

Die Geschichten, die der Fußball immer schreibt

Als Patrick Kohlmann vom Vereinsfernsehen AFTV nach dem Spiel gegen den FSV Frankfurt (1:1) zum Ausgleichstreffer von Karim Benyamina befragt wurde, antwortete er in bester Phrasendreschmanier: “Die Geschichten, die der Fußball immer schreibt.” Wir hätten gerne auf diese Geschichte verzichten können. Es reicht schon, zu akzeptieren, dass die Nummer 22 jetzt die 9 trägt und nicht an der Alten Försterei sondern am Bornheimer Hang spielt.

Da die DFL es für eine besonders gute Idee hielt, den Zweitligastart in die Ferienzeit zu legen, wird beim Podcast alles etwas anders in den nächsten Wochen. Wir werden weniger und andere Gäste begrüßen. Dieses Mal zu Gast nur Hans-Martin, der kurz vor der Abreise in den Urlaub bei uns in der Küche vorbei schaute. Robert ist auf einem Festival und Mathias Bunkus (Berliner Kurier) hatte zwischen Arbeit (Bornheimer Hang, Frankfurt) und Arbeit (Alexanderplatz, Berlin) mit Schlaf zu tun.

Die Themen:

  • Silvio kann Elfmeter. Aufreizend lässig.
  • Der Wechsel Mosquera gegen Silvio. Ein Bruch im Spiel?
  • Babacar Gueye kann keinen Elfmeter.
  • Karim Benyamina (Aus Gewohnheit: “Ohohoho.”)
  • Zwei Halbzeiten, zwei Union-Gesichter. Bleibt das so?

O-Töne:

  • 19:54 min Uwe Neuhaus erzählt, was er bei Benyaminas Tor gedacht hat

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Quellenhinweis: Der O-Ton von der Pressekonferenz wurde AFTV entnommen.

Union wird mobil: Die erste App ist da.

Gestern verkündete der 1. FC Union auf seiner Homepage und via Twitter und Facebook die Veröffentlichung seiner offiziellen Vereins-iPhone-App. Ich habe sie mir gleich heruntergeladen und mal angesehen.

 
Bild: 1.FC Union Berlin

Der erste Eindruck ist angenehm. Das Design ist das von der Homepage bekannte. Es wirkt übersichtlich und aufgeräumt. Es gibt die üblichen Menüpunkte wie Vereinsnews, Team, Spielplan und Tabelle. All diese sind allerdings nur im Online-Modus ansteuerbar, sprich: die Inhalte werden jeweils erneut von der Homepage geladen. Unter “Links” gibt es Weiterleitungen in den mobilen Browser zu diversen weiteren Angeboten wie Fan- und Ticketshop sowie Facebook- und Twitter-Auftritte des Vereins.

Der Menüpunkt AFTV bietet einen kurzen Werbetrailer für das Vereinsfernsehen und eine Verlinkung auf den zugehörigen YouTube-Kanal. Dort findet man lediglich einige der originär von AFTV erstellten Videos, hauptsächlich abgefilmte Fanblöcke aus diversen Spielen und Interviews mit Trainern und Spielern. In der App selbst sind keine Videos verfügbar, und die eigentliche AFTV-Seite ist für iPhone-User aufgrund des Flash-Players nicht benutzbar. Ob Union da auf eine Änderung hinwirken kann, ist unklar, da die technische Umgebung für AFTV von Liga-Total der Telekom zur Verfügung gestellt wird.

Insgesamt ist es eine schön designte App, deren tatsächlicher Mehrwert allerdings in der derzeitigen Version kaum über eine für mobile Browser optimierte Website hinaus geht. Die auf dem iPhone etwas frickelige Navigation auf der regulären Union-Homepage wird zwar deutlich erleichtert, mehr aber eben auch nicht. Dass ich mir auch als AFTV-Abonnent auf dem iPhone weiterhin nur die bei YouTube angebotenen Videos ansehen kann, ist bedauerlich. Da es sich aber, wie der Verein betont, um eine erste Version handelt, bleibt die weitere Entwicklung abzuwarten.

Kleine Randbemerkung: Hertha BSC hat ebenfalls eine offizielle  App fürs iPhone. Die ist von den Machern von iLiga gemacht. Im Gegensatz zur  Ebenso wie die Union-App ist sie nativ, bietet also aber anders als jene die meisten Inhalte auch offline an, was ein klarer Pluspunkt ist. Auf der anderen Seite unterscheidet sie sich optisch kaum von der originalen iLiga-App und vermutlich der ein oder anderen vereinsspezifischen Auftragsarbeit und fällt damit gegen den Wiedererkennungswert der Union-App ab.

Das Tor zum Herzen.

Die Alte Försterei ausverkauft. Das Flutlicht angeschaltet. Die zweite Hälfte läuft schon lange an diesem 17. September 2010. Gute 60 Jahre nach dem letzten Pflichtspiel gegeneinander steht es im Berliner Derby zwischen dem 1.FC Union und Hertha BSC 0:1. Dem frühen Tor von Peter Niemeyer folgt ein Spiel von Union, das niemand für möglich gehalten hat. Zweifel an der Mannschaft nach dem Pokal-Aus in der ersten Runde gegen Halle und den mageren Ergebnissen in der Liga werden vom Team weggerannt. Hertha spielt, als ob sie von einem Auto angefahren wurden. Die Spieler wanken. Doch sie fallen nicht.

Eine knappe Viertelstunde vor Abpfiff geht der Kapitän. Sein potentieller Nachfolger kommt. Mattuschka macht Platz für den leichtfüßigen Santi Kolk. Knapp fünf Minuten nach seiner Auswechslung nimmt der Holländer den Ball unweit der Mittellinie an. Er wird nicht angegriffen. Dann macht Santi, was er kann. Er sieht den Platz. Und läuft einfach los. Keiner geht ihm entgegen. Er nimmt Fahrt auf. Als sich ihm dann Mijatovic in den Weg stellt, hält er einfach drauf. Aus vielleicht 20 Metern. Danach passiert etwas, was alle im Stadion so gesehen haben. So und nicht anders. Wie in Zeitlupe fliegt der Ball. Ebenso langsam scheint Maikel Aerts zu fallen. So lang er sich auch streckt, der Ball dreht sich von den Torwarthandschuhen des holländischen Keepers weg in das Tor. Das Zuckertor.

Santis Treffer ist die Erfüllung einer Sehnsucht. Endlich ein Treffen auf Augenhöhe. Kein Freundschaftsspiel, wo der Eintritt auch mit Ost-Mark bezahlt werden konnte wie 1990. Kein Benefizspiel vor einigen hundert Fans im Olympiastadion, weil in Köpenick mal wieder die Pläne hoch flogen, aber das Geld knapp war. Keine Pflichtspiele in der Regionalliga gegen Hertha BSC II. Nein. Auch kein schönes Stadioneröffnungsspiel, das nur noch mehr die Sehnsucht nach dem richtigen, dem echten Spiel geweckt hat. Nein, es geht in der gleichen Liga gegeneinander. Zwar nicht unter den gleichen Voraussetzungen, aber unter den gleichen Wettkampfbedingungen. Um drei Punkte. Und um ein kleines bisschen mehr.

Für die drei Punkte hat es nicht gereicht. Es blieb beim 1:1. Aber das kleine bisschen mehr war nach der Partie im Gesicht von Werner Gegenbauer zu lesen. Mit verschränkten Armen an die Wand des heillos überfüllten Medien-Containers gelehnt, verfolgte der Präsident von Hertha die Ausführungen von Markus Babbel auf der Pressekonferenz nach dem Spiel. Seine Augen schauten ins Leere. Der Mund ein Strich. Worte mussten nicht gewechselt werden, um zu sehen, was in Gegenbauer vorgeht.

Der Rest sind Zahlen, die nichts über die Zuneigung zu Santi Kolk aussagen. Sieben Spiele über volle 90 Minuten. Insgesamt vier Tore geschossen. Einmal mit Gelb-Rot vom Platz geflogen. Die Rolle des Anführers konnte er weder auf dem Spielfeld noch daneben ausführen. Die blieb Mattuschka vorbehalten. War er auf dem Platz, sah es aus, als würden seine Mitspieler nicht verstehen, was Santi spielen will. Dazu immer wieder Verletzungen. Für eine längere Reha ist er wieder zurück nach Holland gegangen. Er wohnte lieber am Potsdamer Platz als in der Nähe des Stadions. So ganz ist Kolk nie beim 1.FC Union angekommen. Am Ende sah es so aus, als hätte er richtig Heimweh gehabt. Obwohl ihn alle immer herbeigesehnt haben. Kolk und Union – Eine Liebe, die keine Beziehung geworden ist.

Mach’s gut, Santi. Danke für das Tor. Und das kleine bisschen mehr.

Testspielweltmeister.

Der 1.FC Union Berlin gewinnt auch sein letztes Testspiel gegen Heart of Midlothian mit 3:0. Zwei Fragen drängen sich auf. Wie hat uns Silvio gefallen, und was sind diese Siege wert?

Zumindest für das Selbstvertrauen sind sie wichtig. Uwe Neuhaus zeigt sich denn auch keineswegs enttäuscht vom schottischen Team. Dessen Qualität sei trainingsbedingt nicht durchgängig gegeben gewesen. Individuelle Klasse bescheinigt er speziell Mehdi Taouil, dem Zehner der Hearts. Insgesamt sei es aber vor allem eine konzentrierte Leistung seiner eigenen Mannschaft gewesen. Mit Simon Terodde und Silvio stünden zwei anspielbereite Stürmer zur Verfügung, die die Lücke finden und als Typen optimal zusammenpassen. Auch Simon Terodde sieht in seinem Sturmkollegen Silvio eine echte Bereicherung und zitiert die sprichwörtliche Konkurrenz, die das Geschäft belebt. Besonders, wenn John-Jairo Mosquera und Santi Kolk wieder fit sind. Spannend wird, wie sich Halil Savran hier einfügt. Letztlich kann Uwe Neuhaus auf die Frage “Wie sieht es im Sturm aus?” freundlich lächelnd mit “Gut!” antworten und gelassen auf die nun folgende Trainingswoche verweisen.

Silvio selbst schätzt seinen derzeitigen Fitnesszustand auf etwa 80%. Vom Team fühlt er sich gut angenommen, Eingewöhnungsschwierigkeiten hat er keine. Der Umweg Schweiz hat es ihm ermöglicht, sich an europäischen Fußball zu gewöhnen, sagt er. Neuhaus traut Silvio noch wesentlich mehr zu als das, was er heute gezeigt hat. Einer, der im Zweifel nicht auf den Pfiff wartet, sondern erst einmal wieder aufsteht und den Ball im Tor versenkt, wird aber wohl kaum Mühe haben, in Köpenick Freunde zu finden.

Michael Parensen, der dazu neigt, sich zu übernehmen, hat sich gefreut, überhaupt auf dem Platz zu stehen. “War schön, mal wieder bei der Mannschaft zu sein, die Wettkampfschnelligkeit zu erfahren.” Er will sich dennoch zurücknehmen, in Ruhe fit werden. Ihm fehlt ein Jahr, sagt sein Trainer. Läuft man Gefahr, nach sechs Siegen in Folge überheblich zu werden? “Die Testspielsiege waren super”, meint Parensen, “aber entscheidend ist es, am Freitag da zu sein. Die Saison wird kein Selbstläufer.”

Freuen wir uns trotzdem drauf? Aber hallo!