Monthly Archive for Juni, 2011

Spielercheck

Die Saisonvorbereitung ist schon vier Testspiele alt. Neben Lichtenberg 47 (5:0), wurden Viktoria Seelow (10:1), Germania Schöneiche (4:3) und Pogon Szczecin (1:0) besiegt. Im Podcast mit Robert, Hans-Martin und Mathias Bunkus (Berliner Kurier) geht es uns aber gar nicht um die Spiele, sondern um die vier Neuzugänge.

Die Themen:

  • Marc Pfertzel verdrängt Christoph Menz
  • Markus Karl eröffnet Optionen
  • Patrick Zoundi hat keine Malaria
  • Simon Terodde beherrscht den Strafraum

Auf das fünfte Thema hätten wir gerne verzichtet:

  • Wer ersetzt Torsten Mattuschka?

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Zum Angriff bereit.

Das gewonnene Testspiel gegen Pogon Szczecin (1:0 durch Neuzugang Markus Karl) wollte Trainer Uwe Neuhaus nutzen, um langsam seine Stammelf zu formen. Die Aufmerksamkeit zog allerdings nicht das Spiel auf sich. Die polnischen Fans stellten sich selbst in den Mittelpunkt und ließen erahnen, wie der Schwerpunkt der Berichterstattung vor der Europameisterschaft 2012 in Polen und der Ukraine aussehen wird.

Extra für die verspäteten Fans aus Szczecin wurde der Anpfiff um 30 Minuten nach hinten verschoben. Kurz nach Anpfiff gab es Probleme, als die nachrückenden polnischen Fans den Eintritt nicht zahlen wollten. Teilweise wurde in Zloty bezahlt, am Ende wurden sie ohne Eintritt durchgelassen. Die Situation eskalierte in einem Pfefferspray-Einsatz, der sowohl Polizei als auch Fans traf. Eltern mit Kindern, die den Fanblock verlassen wollten, durften auf die Sitzplatztribüne. Ein erschreckendes Bild des Gewaltexzess: Bei einer Schlägerei unter den polnischen Fans wird der bereits zu Boden gegangene Gegner noch mehrfach mit dem Fuß gegen den Kopf getreten.

Die Situation beruhight sich erst zur Hälfte der ersten Halbzeit. Die Fans hängen Zaunfahnen auf. Auf einer steht: “Elite Wyjazdow – Na atakcje gotow!” (Elite Reisen – Zum Angriff bereit!) Der Eindruck, dass sich hier das hässliche Gesicht der deutschen Fanszene der 80er und 90er Jahre zu Gast ist, bleibt. Zumal der glücklose John-Jairo Mosquera noch mit Affenrufen verunglimpft wird.

Als Markus Karl nach einer hübschen Freistoßvariante von Mattuschka das 1:0 köpft, gibt es kein Halten mehr. Allerdings wieder im polnischen Block. Neben den üblichen bengalischen Feuern, werden mehrere starke Böller auf das Spielfeld geworfen. Die Ordner bringen sich in Sicherheit. Bundesligaschiedsrichter Felix Zwayer unterbricht die Partie. Unverständlich, dass die Ultras von Union in dem Moment rufen: “Pyrotechnik ist kein Verbrechen!” Der Initiative “Pyrotechnik legalisieren” erweist sie damit keinen Dienst. Denn diese ächtet aufgrund der Verletzungsgefahr Böllerwürfe im Stadion und setzt sich bei DFB und DFL für kontrolliertes Abbrennen von Pyrotechnik ein.

Während in deutschen Stadien in solchen Momenten Spieler und Verantwortliche auf die Fans zugehen, um sie zu beruhigen, ist hier der Schiedsrichter das Ziel der Spieler. Alles sei nicht so schlimm. Zwayer ist allerdings nicht gewillt, sich in Verhandlungen zu begeben. Als Szczecins Trainer Marun Sasal seinen Spieler Blazej Radler nach der Auswechslung zur Halbzeit in der Mitte der zweite Hälfte wieder einwechseln will, bricht es aus ihm heraus. Er schreit den Trainer an: “Do you understand, what I say? If you don’t accept my decisions, you won’t play here anymore!”

Lust auf die Europameisterschaft im nächsten Jahr kommt nicht auf. Die Fans in Polen sehen sich massiven Repressionen ausgesetzt. Ob das die jeweils richtigen Antworten auf die Probleme in den Stadien in Polen sind, sei dahingestellt. Argumente für eine Lockerung der Maßnahmen lieferten die Fans aus Szczecin jedenfalls nicht. Uwe Neuhaus gab sich im Gespräch nach dem Spiel sehr unaufgeregt: “Ich finde es nicht so schlimm. Wenn man sich in Europa umguckt, ist das fast Gang und Gebe. Die Fans haben in jedem Spiel eine solche Phase, in denen zwei Minuten auf sie geachtet wird. Und diese Zeit sollen sie bekommen.” So kann man das sicher sehen. Allerdings grenzen solche Vorfälle diejenigen aus, die Fußball in einer Atmosphäre sehen wollen, die sich nicht in den Extremen Hooliganismus oder Langnese-Familienblock bewegt.

Update: Ein Video, dass die polnische Sicht zeigt. Ohne die ganzen negativen Erscheinungen, die im Text beschrieben wurden. Dafür ist sichtbar, wie die Böllerwürfe auf die Person wirkten, die die Kamera hielt. (Danke für den Hinweis an @mycrsoft)

Die Schöpfungsgeschichte des Spielplans

Berlin-Köpenick im Februar 2012. Zwei Anhänger des 1.FC Wundervoll waten in dicke Jacken eingemummelt durch den Schneematsch des Waldes an der Alten Försterei zur Partie gegen Dynamo Dresden.  Fragt der eine: “Wetten, dass Mosquera in den nächsten drei Partien gegen Bochum, 1860 und Ingolstadt trifft?” Seinem Kumpel fällt das sowieso viel zu kalte Bier aus der Hand: “Bist Du blöd, das hier laut zu sagen? Wenn das jemand gehört hat! Dann sind wir dran.”

So oder so ähnlich kann das passieren. Die Deutsche Fußball-Liga (DFL) hat letzte Woche bekanntgegeben, dass sie ihr Urheberrecht am Bundesligaspielplan durchsetzen wird und jegliche kommerzielle Verwendung der Erlaubnis der DFL bedarf. Begründet wird das mit der “erheblichen schöpferischen Leistung” bei der Spielplangestaltung. Damit reiht sich die DFL ein in eine lange Liste von Fällen, in denen das Urheberrecht als Vehikel der Durchsetzung anderer Ziele dient. Denn die DFL stört sich offensichtlich daran, dass der reformierte Glücksspielstaatsvertrag im Bereich Sportwetten nicht so ausfällt, wie sie es sich erwünscht. Mit der nun bekanntgegebenen Lizenzierung für die Nutzung der Spielpläne will die DFL selbst aussuchen, wer Wetten für Bundesligaspiele anbieten darf. Gegen Gebühr selbstverständlich.

Der gesunde Menschenverstand reagiert darauf mit: “Geht’s noch?” Doch in Wirklichkeit schafft die Liga so massive Rechtsunsicherheit. Jeder, der kicktipp.de oder andere Tippangebote im Netz anbietet, läuft nun Gefahr von der DFL abgemahnt zu werden. Übertrieben gesagt könnte jede Bürotippgemeinscht ab Januar als kriminelle Vereinigung durchgehen. Auch wir vom Textilvergehen nutzen den Spielplan für einen Fan-Kalender. Telefonisch wollte uns die DFL keine Erklärung abgeben: “Das steht doch alles in der Pressemitteilung.” Wir sind also gespannt, ob wir eine Erlaubnis zur Benutzung des handgeschöpften Spielplans erhalten.

Update vom 14.07.2011: Ein weiteres Telefonat mit der DFL brachte nicht viel Neues, aber dafür Bestätigung einiger Vermutungen. Mehr im Kommentar.

Momentaufnahmen.

Fahrgäste und Fußballfans.

“Sehr geehrte Fahrgäste und Fußballfans, sind Sie nicht traurig, wenn Sie diesmal nicht mitkommen. Der nächste Zug wartet schon hinter mir.” Unbeholfene Freundlichkeit bei der S-Bahn. Der Berliner ist das nicht gewöhnt und wundert sich, der Brandenburgerin geht´s ganz genauso. Ich betrachte meine Mitreisenden. Zwei ältere Damen in beigen Strickpullovern mit noch eingeschweißten Deutschlandfahnen. Erstgebrauch, vermutlich. Zwei befreundete Ehepaare um die 50 auf Berlinreise in Fan-T-Shirts. Eine Gruppe junger Mädchen mit schwarzrotgoldenen Blumengirlanden. Einige wenige in Trikots. Familien mit kleinen Kindern und dezenter Gesichtsbemalung. Frauen mit Frauen. Während die Mannschaften einlaufen, soll auf den Rängen eine Choreografie entstehen. Vorher wird am Spielfeldrand ein Transparent entlang getragen: Bitte zum Einlauf der Mannschaften die Papiertafeln hochhalten. Es ist kein typisches Fußballpublikum, das zum Olympiastadion pilgert, um die Eröffnung der Frauenweltmeisterschaft im Fußball zu sehen. Darin besteht der auffälligste Unterschied zur WM der Männer.

Wer prinzipiell nur Champions League der Herren kuckt, wer Stars braucht, Diven und Empörung, der wird bei einem Frauenfußballspiel nicht glücklich werden. Als in der 67. Minute Kerstin Garefrekes das leere Tor verfehlt, wirft der rechts neben mir sitzende Mann die Arme in die Luft und ruft gequält “Oarrrrrr – Mosquera!” Seine Karten hat er bei einem Radiosender gewonnen, erzählt er. Und hingegangen ist er, weil “schlimmer als Oberliga kann das auch nicht sein, und da hab ich meine Dauerkarte sogar gekauft.” Die Frau hinter uns findet dagegen alles “sehr gut”. Bis auf das, was “sehr, sehr gut” ist. Bei Abpfiff sagt sie “Ich bin ganz beseelt.” Zu meiner Linken sitzt ein Rentnerpaar, das ohne Rücksicht auf das Spielgeschehen große Freude an La Ola hat.

Es war nicht das überschäumende Wahnsinnsspektakel, von dem ich heute in den Zeitungen gelesen habe. Es war auf andere Weise trotzdem schön, die Freude ehrlich. Das mag auch daran liegen, dass man das Erlebnis Fußball für ein Publikum geöffnet hat, das sonst gute Gründe hat, dem fernzubleiben.

Ich glotz TV: The other Chelsea

Ein kurzer TV-Tipp für heute Nacht. Das ZDF zeigt leider erst um 0.10 Uhr den schönen und sehenswerten Dokumentarfilm “The other Chelsea – A story from Donetsk“. Vielleicht gibt es den Film danach auch in der ZDF-Mediathek.

Weiter lesen und hören:

Von der Schwierigkeit, ein guter Eventfan zu sein.

Das Ticket habe ich. Aber Zubehör, ich brauche doch Zubehör! Na gut, da sind noch diese schwarzrotgoldenen Lametta-Pompons vom letzten Sommer. Die kichernden kleinen Schwestern der Nationalfahne. Ich versuche, ein Panini-Album zu kaufen. Ich erwerbe versehentlich ein Fußball-Sonderheft. Weder die Verkäuferin noch ich bemerken den Fehler. Extra für mich öffnet sie dann die Box mit den Aufklebern. Sie hat nur diese eine Hunderter-Box. Ich kaufe die ersten zwei Tütchen. Keine Ahnung, was mit den anderen achtundneunzig passieren wird. “Geht ja bald los”, sagt sie zu mir. Aber man merkt eben nichts davon, denke ich und antworte “Hm”. Wo sind eigentlich diese spielfeldgrünen Servietten bei Lidl, die fußballförmigen Untersetzer bei Aldi und die bekloppten Hüte bei Pfennigland, wenn man sie mal braucht? Mehr als bei einem vergleichbaren Männerturnier bin ich entschlossen, das alles gut zu finden. Es gibt kein vergleichbares Männerturnier, ich weiß. Selbst das Wintertrainingslager der Männerproficlubs in Belek ist spannender. Diese deutsche Nationalmannschaft, die da ab Sonntag um die Weltmeisterschaft spielt, soll nicht nur gewinnen – es wird von ihr erwartet, dem Frauenfußball zu mehr Ansehen zu verhelfen. Die Aufgabe ist schwer, jedes Mittel ist recht.

Ich bin neugierig, ob es gelingt.

Und das Paniniheft muss ich wohl doch noch haben, denn etwas optisch so eigenwilliges wie die Panini-Bilder der Nordkoreanerinnen wird es ganz bestimmt nie wieder geben.

Sonntagsausflug nach Lichtenberg.

Ein Sonntag in Berlin-Lichtenberg. Im ersten Testspiel nach Trainingsauftakt gastierte der 1.FC Wundervoll beim Sechstligisten Lichtenberg 47, auf den ebenso wie auf das Hans-Zoschke-Stadion bereits ein Loblied gesungen wurde. 2.412 Zuschauer sahen ein standesgemäßes 5:0.

Viel wichtiger als das Spiel war der unmittelbare Kontakt zu den Spielern. Außerdem war während des Spiels genug Zeit, sich zu zeigen und zu reden. Ein Sonntagsausflug irgendwie. Sehr entspannt.

Uwe Neuhaus und Daniel Volbert (Lichtenberg 47) im Nachgespräch

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Wipfelstürmer.

Mutter: Was ist denn hier los? Ich versteh nicht, was die ganzen Leute mit den Fotoapparaten hier machen.
Tochter: Na, fotografieren. Die Mannschaft.
Mutter: Was für´ne Mannschaft?
Tochter: Na, die da oben – die gehören alle zusammen. Union Berlin steht druff. Is´Fußball, glaub ich.
Mutter: Ach. Aber soviele Fotos?
Tochter: Na für die Zeitung. Und für´s Internet. Ey, ich bin auch im Internet! Auf youtube, hab ich erzählt? Also, neulich …

Aller Anfang ist leicht.

Saisonauftakt. Für Fans und Mannschaft der entspannteste Moment des gesamten Jahres.