Monthly Archive for Mai, 2011

Wir sammeln nur Pokale!

Wir haben über die erste Runde des DFB-Pokals berichtet, da ist es nur konsequent, bis zum Schluss dabei zu bleiben. Zum inzwischen dritten Mal haben Unioner für Schalke-Fans betreutes Reisen mit Eddyline organisiert, dieses Mal Richtung Olympiastadion zum Pokalfinale. Ich kann mit dem Begriff der Fanfreundschaft wenig anfangen. “Wir scheißen auf die Meisterschaft, wir scheißen auf die Schale – wir sind der FC Schalke, und wir sammeln nur Pokale” klingt trotzdem vertraut. “Dass wir Unioner sind, das weiß ein jedes Kind – wir reißen Bäume aus, wo keine sind” heißt es bei uns. Für Fußballfans, die eine Saison mit Würde so nehmen können, wie sie eben kommt, habe ich Respekt und Sympathie.

Die Neuhausrichtung von Union.

Eigentlich wollten wir uns mit Robert und Hans-Martin in Ruhe über Unions Saison unterhalten und zum Schluss das Phrasenschwein schlachten. Aber es kam mal wieder alles anders. Christian Beeck wurde entlassen. Nico Schäfer wurde angestellt. Wir ordnen das ein und überlegen, welche Auswirkungen dieser Wechsel auf die Weiterentwicklung des Vereins hat. Deswegen ist der ganze Podcast auch etwas länger geworden.

Das Phrasenschwein wurde trotzdem geschlachtet:

O-Töne im Podcast

00:20 Min – Dirk Zingler entlässt versehentlich Pressesprecher Christian Arbeit
01:35 Min – Dirk Zingler erklärt die Trennung von Christian Beeck
36:11 Min – Nico Schäfer spricht über seine Aufgaben bei Union
38:11 Min – Nico Schäfer erläutert Arbeit mit Verbänden
38:47 Min – Nico Schäfer redet über die Kaderzusammenstellung

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Reste-Essen.

Noch in der letzten Spielzeit wurde bei jeder Neuverpflichtung gründlich wie die Steuerfahndung nach einem Berlinbezug gesucht. In nächster Zeit empfiehlt man sich dem 1.FC Union Berlin aber wohl eher dadurch, dass man schon mal über´s Ruhrgebiet geflogen ist.

Ich mag Michael Parensen, ich schätze Patrick Kohlmann sehr, ich kann Ahmed Madouni viel abgewinnen – trotzdem möchte ich keine Außenstelle von Borussia Dortmund oder Rot-Weiss Essen werden. Es ist dieses Schöneiche-Gefühl, das Nico Schäfers Untervertragnahme umweht. Sachlich ist gegen einen Kaufmann in einem kaufmännisch geprägten Ressort zunächst einmal nichts einzuwenden.

Man bedenke allerdings: Ich bin Fußballfan. Ich kann jederzeit fordern „Es muss endlich etwas passieren“. Wenn etwas passiert, empöre ich mich unmittelbar „Aber doch nicht das – das war nicht mit mir abgesprochen!“ Die Entlassung von Christian Beeck ist für mich mit genau dieser Art von Empörung verbunden. Aus persönlicher Sympathie für Christian Beeck als Typen, als Charakter. Aber auch aus Unwissenheit. Ich kenne das Anforderungsprofil des kaufmännischen Leiters nicht. Ich vermag die Arbeit von Christian Beeck nicht daran zu messen. Ich weiß wenig über Auseinandersetzungen auf anderer Ebene.

Das schafft Unbehagen. Keine gute Grundlage für Vertrauen.

Unions neue Kompetenz-Kompetenz

Der neue Mann an der Seite von Uwe Neuhaus heisst Nico Schäfer. Der 42-jährige, der zum 1.7. seine neue Rolle als „kaufmännisch-organisatorischer Leiter der Lizenzabteilung“; ein Titel, der jede Visitenkarte sprengt; antritt, beerbt damit offiziell Christian Beeck. Soweit die nüchternen Fakten.

Als Fan frage ich natürlich bei solchen, nach aussen hin, recht abrupt kommunizierten Wechseln, nach der Notwendigkeit und den Ursachen. Beides versuchte Dirk Zingler auf der heutigen Pressekonferenz zu beantworten.

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Der Gesichtsverlust.

Bisher hat sich Uwe Neuhaus gegen das Wort Umbruch gewehrt. Aber spätestens seit heute ist der Umbruch in Köpenick offensichtlich. U23-Trainer Theo Gries wurde trotz erfolgreicher Saison in der Oberliga und laufendem Vertrag gefeuert. Acht Spieler verlassen die Profimannschaft. Und nun hat sich Union trotz laufendem Vertrag von Team-Manager Christian Beeck getrennt.

Ist Uwe Neuhaus kantig und wenig mitteilsam, so hat Christian Beeck immer einen lockeren Spruch auf den Lippen gehabt. Nicht dass er mehr gesagt hätte. Ich erinnere mich an einen Anruf beim Manager, als es um die Vertragsverhandlung mit Torsten Mattuschka ging und Beeck ins Telefon lachte: “Natürlich können Sie mich fragen. Aber erwarten Sie nicht, dass ich Ihnen etwas erzähle. Na los, fragen Sie mal!” Es entwickelte sich ein witziges Gespräch. Beeck beherrscht die Kunst mit vielen Worten ebensowenig zu erzählen wie der Trainer. Allerdings merkt man das als Fragesteller manchmal erst hinterher. Aber wenigstens fühlt man sich gut unterhalten.

Gleichzeitig hat er sich auch Zeit für Themen genommen, die einen Einblick in seine Fußballweltansicht lieferten. Nach dem langen lockeren Gespräch über die Nachwuchsarbeit bei Union, setzte er sich akribisch mit dem langen Text auseinander. Weil ihm wichtig war, dass seine dezidierte Meinung ankommt. Beeck kommt über den Fleiß. Ihm ist als Spieler nichts zugefallen und genauso lief es in der Karriere nach der Karriere. Fleiß und Kampf. Beeck hat bei Union vorgelebt, was er von allen anderen erwartet hat. Er hat dem Verein nach außen ein Gesicht und eine Stimme gegeben. Vielleicht findet sich ein Manager, der besser mit Uwe Neuhaus kann. Aber schwer vorstellbar, dass dieser Gesichtsverlust ausgeglichen werden kann.

Dank an die neuen Freunde

Die Überschrift des “Artikels” der Berliner Zeitung über Unions letztes Saisonspiel in Karlsruhe lässt viel Raum für Spekulation.

War was?

Das Spiel gegen Cottbus war gefühlt das letzte Spiel der Saison. Robert und Mathias Bunkus (Berliner Kurier) waren zu Gast in unserer Küche und haben mit uns über Höflichkeit, Professionalität und Fantum geredet. Auch über schnelle junge Flügelflitzer (Chrissy Quiring!). Und über Abschiede (Karim! Peitzinho!).

Karlsruhe? War da was?

O-Töne im Podcast

08:06 Min – Karim Benyamina kaspert
20:22 Min – Stänkerei um Vergangenheitsfußball auf der Pressekonferenz
36:42 Min – Pfiffe bei der Spielerverabschiedung
66:42 Min – Dominic Peitz freut sich über sein Tor

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Bilder: Stefanie Lamm

Die Neuverpflichtungen werden spannend.

Die Saison ist fast zu Ende. Jetzt könnten Trainer oder Spieler ein Fazit ziehen. Wir haben uns aber gedacht, wir überlassen das den Journalisten, die Union das ganze Jahr über verfolgt haben. Bis zum letzten Spieltag in Karlsruhe wird jeden Tag ein Berliner Sportjournalist beim Textilvergehen sein Saisonfazit ziehen. Bereits zu Wort gekommen sind Mathias Bunkus (Berliner Kurier), Sebastian Stier (Tagesspiegel), Jürgen Schulz (BZ/Taz), Matze Koch (freier Journalist und Fotograf), Klaus-Dieter Vollrath (Bild) und Matthias Wolf (Berliner Zeitung).

Michael Färber (Berliner Morgenpost) verfolgt Union seit 1999.

Dass die Saison schwer werden würde, war allen klar. Es konnte aber keiner damit rechnen, dass es so schwer werden würde wie nach der Hinrunde, als Union kurz vor den Abstiegsplätzen stand und mit vielen Verletzten zurechtkommen musste. Im Endeffekt ging es für den Verein im zweiten Jahr nur darum, über dem Strich zu bleiben. Das haben sie geschafft. Eine Entwicklung in der Mannschaft sehe ich eher nicht. Es ist nach wie vor das kämpferische Potential da, aber spielerisch hat sich seit dem Aufstieg wenig verbessert.

Entscheidend für die nächste Saison ist, wer als Ersatz für die Abgänge geholt wird. Entweder man holt mit acht Spielern die gleiche Quantität. Das bedeutet bei gleichbleibendem Etat, dass die Qualität nicht steigen wird. Oder Union holt drei maximal vier wirkliche Kracher und gibt ein bisschen Geld dafür aus. Sollten die sich dann mal verletzen oder wegen einer Sperre fehlen, wird es natürlich personell schon wieder eng. Ich denke, es wird spannend zu sehen, wen Christian Beeck und Uwe Neuhaus im Visier haben und wer tatsächlich an die Alte Försterei kommt.

Ob Union von dem Jahr mit Hertha BSC profitiert hat, lässt sich schwer sagen. Die Berührungspunkte der beiden Vereine sind zu gering. Zwei Derbys reichen einfach nicht aus, um von Hertha BSC zu profitieren. Zumal Union vieles oder vielleicht auch alles versucht hat, um sein eigenes Ding weiterzumachen. Was grundsätzlich nicht verkehrt ist. Aber Union müsste insgesamt offensiver werden, um sich bekannter in der Stadt zu machen.

Die Fans wollen auch mal oben kratzen.

Die Saison ist fast zu Ende. Jetzt könnten Trainer oder Spieler ein Fazit ziehen. Wir haben uns aber gedacht, wir überlassen das den Journalisten, die Union das ganze Jahr über verfolgt haben. Bis zum letzten Spieltag am 15.Mai in Karlsruhe wird jeden Tag ein Berliner Sportjournalist beim Textilvergehen sein Saisonfazit ziehen. Bereits zu Wort gekommen sind Mathias Bunkus (Berliner Kurier), Sebastian Stier (Tagesspiegel), Jürgen Schulz (BZ/Taz), Matze Koch (freier Journalist und Fotograf) und Klaus-Dieter Vollrath (Bild).

Matthias Wolf (freier Autor für die Berliner Zeitung) verfolgt Union seit 1996.

Ich bin der Ansicht, dass man diese Saison das Ziel hatte, sich spielerisch weiterzuentwickeln. Das ist nicht gelungen. Der Verein hat 20 Prozent mehr Geld in die Mannschaft gesteckt, aber nicht 20 Prozent mehr Leistung bekommen. Jetzt reagiert Union. Man trennt sich von acht Spielern, darunter Mitläufer aber auch Karim Benyamina, ein Publikumsliebling. Das ist schmerzhaft für die Fans. Aber als neutraler Beobachter kann man das nachvollziehen, weil Karim Benyamina an seiner Obergrenze gespielt hat und spielerisch der Mannschaft keine neuen Impulse geben konnte. Es ist ein Risiko, das der Verein fährt. Aber aus meiner Sicht ist es einen Versuch wert.

Man sagt ja jedes Jahr, dass die zweite Liga stärker wird. Mir ist das egal. Aber die zweite Liga hat einen großen Vorteil für Vereine wie Union: Sie hat nur zwei Absteiger. Früher waren es noch vier. Ich mache mir deswegen keine Sorgen um den Verein. Union wird auch nächstes Jahr auf jeden Fall die Klasse halten. Die interessante Frage ist: Wann kommen wir an dem Punkt, wo es den Menschen hier bei Union, die sehr genügsam und mit wenig zufrieden sind, nicht mehr reicht? Ich glaube, dass wir nächste Saison an diesen Punkt kommen, wo sich keiner mehr nur über den Klassenerhalt freut. Die Leute wollen perspektivisch auch mal oben kratzen.

Man darf immerhin nicht vergessen, was Christian Beeck auch vor kurzem gesagt hat. Er hatte eigentlich diesen Dreijahresplan, nach dem man im dritten Jahr oben mitspielen wollte. Davon hat man sich getrennt. Das ist sehr schade. Ich denke, dass die Fans über kurz oder lang zumindest oben mitspielen wollen. Das liegt auch nicht nur am Etat. Erstaunlicherweise hat Energie Cottbus dieses Jahr einen Etat von rund 13 Millionen Euro und hat diese Saison oben mitgespielt. Man sollte sich mal fragen, woran das liegt. Ich kann die Frage nicht beantworten, da ich nicht weiß, wie die Ausgabenseite in Cottbus im Vergleich zu der bei Union ist. Aber ich glaube, dass es auch in der Vergangenheit immer wieder Vereine gab, die mit wenig Geld oben mitgespielt haben, mit Leidenschaft und Begeisterung. So wie in dieser Saison das Beispiel Erzgebirge Aue gezeigt hat. Warum nicht? Man muss “nur” richtig einkaufen und man muss hier bei dem einen oder anderen, der schon etwas länger im Verein ist, wieder das Feuer der Leidenschaft wecken.

Mir wird ein Paul Thomik fehlen.

Die Saison ist fast zu Ende. Jetzt könnten Trainer oder Spieler ein Fazit ziehen. Wir haben uns aber gedacht, wir überlassen das den Journalisten, die Union das ganze Jahr über verfolgt haben. Bis zum letzten Spieltag am 15.Mai in Karlsruhe wird jeden Tag ein Berliner Sportjournalist beim Textilvergehen sein Saisonfazit ziehen. Bereits zu Wort gekommen sind Mathias Bunkus (Berliner Kurier), Sebastian Stier (Tagesspiegel), Jürgen Schulz (BZ/Taz) und Matze Koch (freier Journalist und Fotograf).

Klaus-Dieter Vollrath (Bild) verfolgt Union seit 2000.

Aufgrund der wirtschaftlichen Bedingungen, die der 1.FC Union hat, wurde nicht nur eine durchwachsene, sondern eine ordentliche Saison gespielt. Auch wenn es zwischendurch grausame Partien und wenig Heimsiege gab. Gerade letzteres hatte Union immer ausgezeichnet. Trotzdem kann und muss der Verein mit diesem Ergebnis zufrieden sein.

Was den Kader betrifft, sehe ich im Sturm durch den Wegfall von Benyamina eine schwere Aufgabe auf Union zukommen. Das wird nicht einfach, angemessenen Ersatz zu finden. Halil Savran hat dort noch nicht geschafft, was er erreichen wollte. Auf den anderen Positionen sollte etwas gepackt werden, wobei mir persönlich von der Spielanlage her ein Paul Thomik fehlen wird.

Grundsätzlich finde ich es erst einmal gut, dass Union das schwierige zweite Jahr überstanden hat. Ich glaube auch, dass sich der Verein längerfristig mit einfachen Mitteln, mit viel Kampf, vielleicht auch kleinen Überraschungen in der zweiten Liga festsetzen wird. Ich wage es zu bezweifeln, dass Union in diesem Jahr einfach nur Glück mit den schwachen Mannschaften unten hatte.