Länderspielpause. Um im Rhythmus zu bleiben möchte Trainer Uwe Neuhaus ein Testspiel durchführen. Aber nicht gegen den Köpenicker SC wie früher. Das bringt als Zweitligist nichts mehr. Da bleiben nur die Nachbarn aus Polen und Tschechien. Polen fällt wegen Fanaufwand aus. Der Test im Winter gegen den tschechischen Erstligisten FK Teplice war auch nicht ideal. Zweikämpfe: Fehlanzeige!
Am Donnerstag dann die Mitteilung: “1. FC Union Berlin testet gegen RB Leipzig”. Anschließend gleich die Entrüstung: “Wir gehen NICHT zu Red Bull” Boykottaufrufe. Natürlich stehen sich das Projekt in Leipzig und der 1.FC Union vom Entwurf der Fankultur diametral entgegen.
Aber andererseits ist es nur ein Testspiel. Kein Grund möchte man meinen, den Teammanager öffentlich zu teeren und zu federn. Doch Christian Beeck muss tatsächlich noch einen selbstkritischen Beitrag für die öffentliche Mitteilung verfassen: “Die Entscheidung für dieses Testspiel ist nach rein sportlichen Motiven erfolgt. Es gibt natürlich auch andere Perspektiven dazu und es ist wichtig und richtig, diese ebenfalls zu berücksichtigen. Das nicht getan zu haben, war ein Fehler.” An Uwe Neuhaus ist der Kelch der Entrüstung vorbeigegangen. Obwohl sowohl Beeck als auch Neuhaus gleichberechtigt die sportliche Leitung innehaben.
Am Montag reichte es Trainer Uwe Neuhaus irgendwann. Wochenlang wurde der Coach vom 1. FC Union nach dem Zustand des Rasens und den Auswirkungen auf das Spiel befragt. Auch nach dem mageren 0:0 gegen Aufstiegskandidaten FC Augsburg wurde das Restgrün im Stadion an der Alten Försterei zum Schuldigen auserkoren. Kein Passspiel möglich. Ballannahmen Glückssache. Als Indikator der Auswirkungen des Rasens auf das Fußballspiel taugt das Gesicht von Santi Kolk nach seiner Auswechslung. Es muss für ihn eine Beleidigung seiner fußballerischen Fähigkeiten gewesen sein, auf diesem Untergrund spielen zu müssen.
Aber jetzt würde alles wieder gut. Montag. Der Rasen wird abgetragen. Jetzt ist das Thema durch und bei Union kann der Spaß wieder einziehen. Weit gefehlt. Denn kaum werden die Reste des Stadionrasens am Trainingsplatz vorbeigetragen, soll sich der Trainer zur nächsten medialen Baustelle äußern. Union ist 325 Minuten ohne Torerfolg. Wäre Uwe Neuhaus eine Cartoon-Figur, hätten sich die Augäpfel nach hinten gerollt. Die Fragen kommen holzgeschnitzt daher: “Wann schießt ein Stürmer das nächste Tor?” Damit ist Uwe Neuhaus nicht aus der Reserve zu locken: “Wer weiß, vielleicht trifft auch ein Mittelfeldspieler…” – “Welche Übungen kann man als Trainer nun machen?” – “Torschüsse üben.” Erst als die Frage kommt, ob das vielleicht Kopfsache sei, platzt Uwe Neuhaus der Kragen. “Es ist doch egal, was ich hier sage. Die Geschichte steht doch schon fest. Erst war es der Rasen, jetzt kommt die Kopfsache. Warten sie doch erst einmal ab.”
Und dann erklärt Neuhaus, wie schwierig es sei, sich bei den bisherigen Bodenverhältnissen Chancen zu erspielen. Er bringt das Beispiel von Aue, die zu Hause aus den gleichen Gründen vor allem aus Standardsituationen zum Torerfolg kämen. Deshalb das Hauptaugenmerk erst einmal auf die Defensive. Zwar hat Union in den letzten vier Spielen nur ein Tor geschossen, aber eben auch nur eines hinnehmen müssen. Die ganze Zeit fahren weiter LKWs oder Traktoren mit Anhängern am Trainingsgelände vorbei. Für den Trainer ist die Sache mit dem Rasenwechsel erledigt. Schuldig und weg. Ob die Balance zwischen Defensive und Offensive intakt ist, wird man frühestens gegen Bielefeld sehen können.
Für eine WM im eigenen Land wird alles gemacht. Der DFB beendet zum Beispiel die Bundesliga Mitte März, damit sich die Nationalmannschaft drei Monate auf die Weltmeisterschaft vorbereiten kann. Deshalb spielt Turbine Potsdam schon am 12. März vor der für den Frauenfußball bemerkenswerten Kulisse von 7.000 Zuschauern das letzte Spiel gegen Essen-Schönebeck. Nur ein Sieg hilft, um den Vorsprung von einem Punkt auf Frankfurt durch das Ziel zu retten.
Da die Potsdamer bereits nach fünf Minuten durch Viola Odebrecht (3.) und Anja Mittag (4.) 2:0 führen, geht es weniger darum, ein spannendes Spiel zu sehen. Ganz im Gegenteil, das Spiel ist sogar schlecht. Eine unerwartete sportliche Kuriosität bringt Essens Michelle Weissenhofer ins Spiel. Sie wirft den Ball auf eine unorthodoxe Art und Weise ein. Letzten Endes schießt Babett Peter das 3:0 in der 57. Minute per Kopf. So weit, so unspektakulär. Und daran kann auch das 8:2 von Frankfurt gegen Bayern München nichts ändern.
Spannender sind die vielen kleinen Szenen im Karl-Liebknecht-Stadion. Es beginnt bereits damit, dass die Einlaufkinder gemeinsam zur Tribüne laufen und schon vor dem Anpfiff die Welle machen. Den Zuschauern ist von Anfang an die Freude am Fußball und am Event anzumerken. Gesänge und Trommeln bestimmen die Akustik.
Aber es gibt auch die Frustration. Turbine gelingt nach den ersten fünf Minuten kaum noch etwas. Trainer Bernd Schröder flippt an der Seitenlinie aus und beschwört seine Mannschaft, einfache Bälle zu spielen. Allein es nutzt nichts. Fatmire Bajramaj, der Star der Mannschaft, kommt sich bei einem Einwurf mit einem Fotografen ins Gehege. Was auch immer er gesagt hat, ihre Antwort ist deutlich zu hören, als sie ihn anherrscht: “Willst Du mal spielen oder was?”
Der Bundespräsident ist auch da. Sein erstes Bundesligaspiel (der Frauen). Die Bürde des Amtes, könnte man böswillig meinen. Aber er macht einen ganz gelösten Eindruck. Und lässt sich von mir ganz normal von der Seite anreden. Seine Antworten sind wenig überraschend. Er ist von der Kulisse und der Stimmung beeindruckt. Es sei eine Werbung für den Frauenfußball. Auch der Ministerpräsident von Brandenburg, Matthias Platzeck, freut sich: “Was gibt es Schöneres als die Deutsche Meisterschaft?” Es ist ja nun auch nicht so, dass Brandenburg sportlich auf der Sonnenseite steht. Da tut ein wenig Glanz gut.
Einen Konfettiregen gibt es nicht zur Meisterfeier. So übertönt nichts den Jubel der Spielerinnen bei der Feier. Sektduschen gibt es für alle. Selbst die Essener machten mit. Schließlich können sie trotz Niederlage den Klassenerhalt feiern. Fatmire Bajramaj ist gefragt. Während ihre Mitspielerinnen sich gegenseitig über das Spielfeld jagen, muss sie Interviews geben. “Das ist ein verdienter Titel. Egal, was die anderen sagen. Wir haben die meisten Punkte. Aber wir waren vorher auch sehr aufgeregt.” Was Spieler eben so direkt nach einem Titelgewinn sagen. Nach einer Sektdusche antwortet sie auf die Frage, ob sie daran denke, dass sie dieses Jahr mit Meisterschaft, DFB-Pokal, Champions League und Weltmeisterschaft vier Titel gewinnen könne: “Klar denke ich daran, alle vier Titel zu gewinnen. Ich will ja alle vier Titel gewinnen!” Da spricht plötzlich nicht die professionelle Fußballspielerin. Da spricht der Wille.
Im vollen VIP-Zelt steht Trainer Bernd Schröder. Der Eindruck drängte sich auf, dass er Hof halten würde. Dabei tut er das gar nicht. Aber die Leute kommen einzeln zu ihm. Sie drücken ihm die Hand und danken ihm für seine Arbeit. Sie küssen ihn und danken ihm für den Titel. Sie fragen ihn und bekommen seine Meinung zu hören. Bernd Schröder hat eine klare Meinung. Und das auch in der euphorischen Stimmung des Titelgewinns. Zwei Stunden nach Abpfiff steigt er die Stufen zur Hintertortribüne hoch. Ein Autofahrer hupt, kurbelt die Scheibe herunter und ruft: “Bernd Schröder, Fußballgott!” Bernd Schröder dreht sich auf der höchsten Stufe um und winkt.
Vor dem Stadion stehen die Fans. Sie planen die Auswärtsfahrt zum Spiel in Paris. Viertelfinale der Champions League. Es gibt Lätzchen für Babys zu kaufen, auf denen “Turbinchen” steht. Eine Gruppe steht auf der Straße und singt: “In Frankfurt wird geweint, in Frankfurt wird geweint!” Schadenfreude hat auch im Frauenfußball ihren Stammplatz in der Fankurve. Eine Frau ruft in ihr Telefon: “Ich habe meinem Mann die Monatskarte gegeben, damit er schon anch Hause fährt. Wir gehen noch saufen.” Der Frauenanteil ist vielleicht höher als bei einem Männerfußballspiel. Aber die Mehrheit stellen sie auch hier nicht dar. Turbine ist ein erfolgreiches Biotop in der sportlichen Wüste Potsdams. Das zieht. Singend macht sich die Gruppe auf: “Es gibt nur ein’ Bernd Schröder, ein’ Bernd Schröder!”
Nullnull in Aue. Wir sparen uns sämtliche Witze mit Ortsnamen. Außerdem reden wir nur sehr kurz über das Spiel des 1.FC Wundervoll im Erzgebirge. Der Grund ist unser Gast. Schon lange wollten wir mit Sven, der eine Website zur Unionjugend betrieben hat, gemeinsam einen Podcast machen. Thema: Nachwuchsarbeit bei Union. Und die beste Verbindung zwischen Spieltagspodcast und Nachwuchs-Schwerpunkt hat uns Sven gleich mitgebracht: Mit Jan Hochscheidt spielte der einzige Nachwuchsspieler von Union an diesem Spieltag ausgerechnet beim FC Erzgebirge Aue.
Erste Details und Vereinssicht zum Thema Nachwuchsarbeit hat uns bereits Christian Beeck in einem Interview dargestellt. Nun wollten wir mehr den Schwerpunkt auf das Thema Ausbildung legen. Gemeinsam mit Sven und Robert versuchen wir herauszufinden, welche Philosophie der 1.FC Union beim Thema Nachwuchs verfolgt. Außerdem interessiert uns, warum so wenige Spieler den Weg zu den Profis schaffen.
Themenliste:
00:00 Minute Spielanalyse. Nullnull in Aue. Lag es am Rasen?
21:00 Nachwuchsarbeit bei Union.
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Wieder 0:1. Dieses Mal allerdings zu Hause. Gemeinsam mit Robert und Mathias Bunkus (Berliner Kurier) unterhalten wir uns über die schwankenden Ergebnisse von Union.
Themenliste:
Spielanalyse (mit O-Ton vom Trainer der Löwen, Rainer Maurer)
Einzelkritik zu Santi Kolk, Björn Brunnemann und Karim Benyamina (mit O-Ton von Trainer Uwe Neuhaus
Wie wird’s Wetter? Die Aussichten für Union.
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