Monthly Archive for Januar, 2011

Euphoriebremse Fürth

Sollten Mannschaftskapitän Torsten Mattuschka oder Cheftrainer Uwe Neuhaus diese Saison noch einmal auf die Euphoriebremse treten müssen, brauchen sie nur ein Wort sagen: Fürth. Das Heimspiel nannte Neuhaus eines der schlechtesten Heimspiele seiner Amtszeit. Das Auswärtsspiel vom Sonntag war anders schlecht.

Gemeinsam mit Mathias Bunkus vom Berliner Kurier diskutieren wir, ob das Spiel wirklich so schlecht war, wie es aussah.

Themenliste:

02:16 Die Torwartfrage. Marcel Höttecke spielt nicht und macht deshalb keinen Fehler.
10:20 Warum hat Neuhaus die Mannschaft so aufgestellt?
27:56 These: Die Gewinner sind diejenigen, die nicht gespielt haben.
32:52 Bernd Rauw sieht rot. Wieso? Weshalb? Warum?

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Auf der Mauer, auf der Lauer.

Die Trainingsfotos von gestern früh sehen aus wie die von vorgestern, übermorgen und in drei Wochen. Waldlauf in Köpenick bei Wetter in Köpenick. Immer fünf Grad kälter als im Rest von Berlin. Eine Gruppe von Spielern läuft durch den Wald. Gewohntes Bild für die Leute, die dort mit ihren Hunden spazierengehen.

Gestern fanden sich mehr Medienvertreter als üblich am Rande des Trainingsplatzes ein. Nachdem die Berliner Zeitung als erste darüber berichtete, dass Björn Brunnemann in den Wettskandal, der derzeit in Bochum untersucht wird, involviert sei, war das Thema in den Berliner Sportredaktionen unumgänglich. Zwar war durchaus allen Journalisten klar, dass sich in einem laufenden Verfahren niemand zur Sache äußern würde. Trotzdem hoffte man auf ein wie auch immer geartetes Statement durch den Verein. Oder darauf, dass sich jemand verplappert.

Das ist widersinnig und doch logisch. Logisch, weil ein öffentliches Interesse besteht. Man kann es an der Diskussion im Forum ablesen. Der Wunsch, den Namen des Spielers von Vorwürfen reingewaschen zu sehen, ist Ausdruck dieses Interesses. Der Widersinn liegt darin, dass eine solche entlastende Aussage gestern nicht möglich war. Wenn Ermittlungen laufen, weiß zu diesem Zeitpunkt nicht einmal die Staatsanwaltschaft selbst, ob Anklage erhoben wird. Es liegt nicht mehr als ein Verdacht vor. Ein Verdacht genügt, um zu diskreditieren. Ein Verdacht ist nicht ausreichend, um zu verurteilen. Das öffnet viel Raum für Meinung und Spekulation.

Als Uwe Neuhaus sich den Journalisten zuwandte, wusste er genau, was die ihn gleich fragen würden. Nichts mit Torhütern, leider, sondern die andere, unbeantwortbare Frage. Björn Brunnemann. Ein Trainer ersetzt nun einem Spieler vielleicht Mutter und Vater, selten aber den Rechtsbeistand. Weil das allen, die ihm gegenüber standen, bewusst war, mochte niemand derjenige sein, der die Sprache auf Brunnemann bringt. Man wird nicht gerne von des Trainers Zorn getroffen. Denn natürlich ist der Dialog “Was sagen Sie zur causa Brunnemann?” – “Dazu sage ich gar nichts.” Zeitverschwendung und für beide Seiten unbefriedigend. Und selbstverständlich wurde derjenige, der die Frage trotzdem stellte, augenblicklich von des Trainers Zorn getroffen. Ungerechter Weise insofern, als er nur formulierte, was ohnehin im Raum stand, und damit zum Blitzableiter für seine Kollegen wurde. Dass auch Journalisten hier ihrem Beruf nachgehen, kam offenbar niemandem in den Sinn. Die konnten zwischen zwei Übeln wählen. Ärger mit der Redaktion oder Ärger mit Uwe Neuhaus. Pest oder Cholera.

Die Situation ist ungemütlich für Verein und Presse, der Umgang miteinander belastet. Man steht sich gegenseitig auf den Füßen. Auch wenn Karim Benyamina anschließend entspannt in Badeschlappen zum Gespräch antrat -immerhin was für´s Auge- so macht Arbeit keinen Spaß.

Wir verderben die Preise. Ihre Presse.

Neues Jahr und neuer Podcast. Dieses Mal zu Gast Kerstin, Robert und Mathias Bunkus (Berliner Kurier).

Erstes Thema ist naheliegenderweise der Sieg gegen Alemannia Aachen. In die Einzelkritik kommt vor allem Paul Thomik, aber auch Michael Parensen. Klar, denn es geht um die beiden Außenbahnen, die Unions Angriffsspiel variabler machen sollen. Der Rest wird dann ganz viel Glaskugel. Wird der Verein in der Transferperiode noch tätig werden? Was ist dran an dem Vorurteil, in der Presse gehandelte Spieler würden teurer werden? Und wo landet Union am Saisonende?

Bei Transfers geht es auch um John-Jairo Mosquera, dessen Ausleihe an Union im Sommer endet. Verpflichten? Zu welchem Preis? Außerdem diskutieren wir anhand “Mossi”, wer wem warum Spitznamen verteilt. Ihr ahnt es schon: Auch hier gibt es die Presse. Dazu fällt auch der Name eines Klubs, den nicht jeder kennt: Sherrif Tiraspol. Auch dort war Mosquera bereits. Sebastian auch. Und hat sich dort eine Fahne gekauft. Vielleicht sogar zur geichen Zeit.

Als O-Töne dabei: Aachens Trainer Peter Hyballa, Unions Teammanager Christian Beeck, Michael Parensen

Und als Extras: Michael Parensens Lied und am Ende des Podcasts den Gesang “Dem Morgengrauen entgegen…”

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#KomischeBrillenEvent

Als Avatar 2009 in die Kinos kam, galt er als Vorreiter eines neuartigen Filmerlebnisses. Das 3D-Kino war neu auferstanden. Neu war die Idee nicht, doch mit Avatar zum ersten Mal gut genug umgesetzt. Kein Film eines großen Studios kann es sich seitdem erlauben, nicht zumindest mit einer 3D-Version auf den Markt zu kommen.

Früher als gedacht, nämlich am letzten Wochenende, zog diese 3D Technologie nun auch in die Wohnzimmer der Fußballfans Deutschlands ein. Sky und Liga Total übertrugen das erste Fußballspiel in der dritten Dimension und, entsprechendes Equipment vorausgesetzt, jeder Abonnent konnte das “Fernsehen der Zukunft” schon jetzt zu Hause erleben. Soweit die Theorie. Hans-Martin und ich waren von der Telekom am Sonntag ins Berliner Hotel “Andels” eingeladen, um uns selbst ein Bild davon zu machen, wie das Ganze in der Praxis aussieht.

Um es gleich vorweg zu nehmen: Ich war enttäuscht. Nicht so sehr von der Technik – die hielt was sie versprach. Bei 600Hz Fernsehern und reichlich futuristisch anmutenden 3D-Shutterbrillen eigentlich aber auch kein Wunder. Meine Enttäuschung liegt eher in der Erfahrung. Sicherlich wirken die 3D-Bilder beeindruckend. Die Tiefe, mit der die Bilder hier künstlich versehen wurden, wirkte plastisch und alles, was man aus dem Kino kennt, geht jetzt, ca. 2.500€ Materialeinsatz vorausgesetzt, auch zu Hause.

(Trommelwirbel für das unvermeidliche “Aber”….)

Aber leider ist genau diese Tiefe ziemlich nutzlos, wenn, wie bei einer Fußballübertragung üblich, die Mehrheit aller Einstellungen eine Totale des Fußballfelds ist. Das hatte wohl auch die Regie der Übertragung des Spiels Kaiserslautern gegen Köln gedacht und spielte auffallend oft Nahaufnahmen von den Seitenlinien bzw. der Hintertorkamera. So gut gemeint das sicherlich auch war, so bescheiden war der Effekt, der damit erzielt wurde. Nicht nur brach die Regie damit mit der gewohnten TV-Fußballerfahrung, wir verpassten als Zuschauer auch entscheidende Dinge, da zu unmöglichen Zeiten wie z.B. einer Ecke in diese Nahaufnahmen geschaltet wurde, um die Spieler in 3D in relativer Ruhe zeigen zu können.

Neben diesen Problemchen, die sich sämtlichst auf die Übertragung beziehen, ist ein nicht zu vernachlässigender Faktor an dieser ganzen Geschichte sicherlich die 3D-Brille an sich. Als Brillenträger, der seit seinem siebten Lebensjahr mit einer Brille durch die Welt läuft, hätte ich nie für möglich gehalten, wie arg eingeschränkt ich mich durch eine Brille fühlen würde. Die leichte Abdunklung, bedingt durch die Shuttertechnologie und der doch ziemlich wuchtige Rahmen führten zu einer Art Tunnelblick, der sämtliche Interaktion mit den Umsitzenden unmöglich macht. Und sind wir mal ehrlich: Wer schaut schon Fußball alleine? Ein signifikanter Anteil daran, Fußball im Fernsehen zu gucken, ist es doch, dies mit Freunden zusammen zu tun.

Als es vor ca. einem Jahr hieß, dass die 3D-Technologie den Weg aus dem Kino, wo ich persönlich sie schon sehr kritisch sehe, ins Wohnzimmer finden sollte, gab es für mich nur drei wirklich sinnvolle Anwendungsgebiete: Sport, Spiele und Pornos. Leider war die Premiere von 3D-Sport für mich gespickt mit all den Dingen, die mich den 3D-Wahn im Kino mit so tiefer Inbrunst hassen lassen: Unnötige Kameraeinstellungen, die nur für den 3D Effekt existieren, teils unwirklich wirkende Tiefe und eine Abschottung von meinen Mitmenschen. Spätestens Avatar sollte doch eigentlich gezeigt haben, dass all die schöne Blendtechnik nichts bringt, wenn der Inhalt nicht stimmt. Bis 3D ohne Brille funktioniert und eine normale Sportübertragung mit den bewährten Kameraperspektiven in 3D möglich ist, muss ich Sport wohl von meiner Liste streichen. Bleibt zu hoffen, dass sich wenigstens Spiele und Pornos in 3D im heimischen Wohnzimmer bewähren.

Bis dahin schaue ich mir meinen 3D Fußball lieber im Stadion an.

Wer mehr zu den technischen Details wissen möchte, liest drüben bei www.allesaussersport.de weiter!

Schall und Wahn.

Wenn Reporter “unsere” Spieler dadurch vereinnahmen, dass sie deren tatsächliche oder vermutete Spitznamen verwenden, kommt das selten gut an. Es suggeriert eine Nähe zu den Genannten, die gar nicht besteht. Wenn Fernsehkommentatoren, ansonsten um ausgewogene Berichterstattung bemüht, plötzlich von JayJay Moskwera und Tusche, von Göhli und Stuffi reden, wirkt das mindestens befremdlich, wenn nicht sogar anbiedernd. Ähnlich sensibel fallen die Reaktionen auf den Wortgebrauch hinsichtlich des Vereins- und Stadionnamens aus.

Wenn andererseits aus Gründen der Silbenzahl eine Liedzeile “FC Union, du sollst leuchten” heißt, oder die “wunderschöne, immergrüne Alte Försterei” besungen wird, ist das zulässig – denn es kommt aus dem Fanblock, und der Fanblock hat immer Recht. Wie soll man aber mit Benennungen umgehen, die zwar aus dem Fanblock stammen, aber von etablierten Medien übernommen wurden? Eine Möglichkeit ist es, sich zu beschweren.

Die zweite Möglichkeit ist Differenzierung.

Die dritte Möglichkeit bestünde in etwas mehr Gelassenheit. Wäre “1. FC Wundervoll” auf der Waldseite geschöpft worden, würden wir es heute singen, statt uns darüber zu beschweren.

(Danke an @schrippe für tweets! )

Heimvorteil.

Gestern abend war der Heimvorteil auch ein Daheimgebliebenenvorteil. Spieler, Wetter und Boden hatten sich zwischenzeitlich aneinander gewöhnt. Wenn sich das durchsetzt, fragen im nächsten Winter die Erstligisten, ob sie im Stadion An der Alten Försterei trainieren dürfen. In Köpenick. Wo sie noch aus jeder Not eine Tugend gemacht haben.

1. FC Union Berlin vs. FK Teplice 4:0

Mit Michael Parensen. Mit Torsten Mattuschka. Mit Santi Kolk ohne Bart. Mit Stürmertoren ohne Gegentreffer. Mit gutgelauntem Trainer. Repräsentativ? Den Bart betreffend sicherlich.

Pole-Position: Kilian Pruschke.

Seit Uwe Neuhaus ist einer der spannendsten Momente im Pressecontainer der, in dem der Zettel mit der Aufstellung aus dem Kopierer läuft. Soviel “hä?” und “wie jetze?” hört man unter Fachleuten sonst selten, und es kommt vor, dass die vom Fernsehen mit denen vom Print gemeinsam mutmaßen, wie man das Blatt zu deuten habe, um es anschließend denen vom Radio zu erklären.

Kilian Pruschke

Nachdem klar war, dass Marcel Höttecke und Jan Glinker im Testspiel gegen den FK Teplice nicht spielen können, erschien es als folgerichtig, dass die etatmäßige Nummer 3, Christoph Haker, das Tor hüten würde. Mit Kilian Pruschke, der sonst in der U19 spielt, hatte niemand ernsthaft gerechnet. Auch nicht, dass er über die vollen 90 Minuten auf dem Platz bleibt.

Christoph Haker

Was also bedeutet es? Der Vertrag von Christoph Haker wird im Sommer nicht verlängert. Kilian Pruschke ist 18 Jahre alt. Er hat Zeit, den Sprung von der A-Jugend über die U23 in die erste Herrenmannschaft zu schaffen. Er ist vom Typ her Jan Glinker nicht unähnlich, großartig auf der Linie, aber kein Riese, der durch schiere Körperlichkeit besticht. Er strahlt Gelassenheit aus, ohne überheblich zu wirken. Das Spiel gegen Teplice war seine erste große Bewährungsprobe, und er hat sie gemeistert.

Der neue Stürmer präsentiert sich

Union und die Diskussion um die Stürmer und ihre fehlende Durchschlagskraft ist das bestimmende Thema des letzten Jahres. Und nun soll alles anders werden. Gestern nach dem Trainingslauf präsentierte sich der neue Stürmer gutgelaunt den anwesenden Journalisten. Und etwas anderes als ein Neuzugang kann in Santi Kolk nicht gesehen werden. Zunächst wurde er im Mittelfeld eingesetzt, zeigte dann aber seine Stärken tatsächlich im Sturm. Das allerdings aufgrund seiner Wadenverletzung nur sehr kurz.

Nun ist er wieder zurück und trainiert mit der Mannschaft. Während seine Mannschaftskollegen zwischen den Jahren einige freie Tage genossen, war er noch einmal zur Reha in Holland gewesen. Sein Ziel formulierte er klar: “Wir müssen jetzt langsam schauen, wie es weitergeht. Und ich werde jetzt nicht alles dafür machen, damit ich in einer Woche gegen Aachen spielen kann. Wichtig ist, dass ich in diesem Monat wieder spielen kann. Wenn das gegen Aachen ist, wäre das schön. Aber ich glaube, dass es noch zu früh ist, um 90 Minuten zu spielen oder von Beginn an auf dem Platz zu stehen.”

Die ganze Körpersprache des Holländers macht einen ruhigen Eindruck. Keine Spur von Verkrampfung. Die Verletzung? Das gehöre doch zum Fußball dazu. Er wolle jetzt die verpassten Spiele vergessen. Die Chance seien für ihn die Spiele, die noch vor ihm stünden.

Einen Vorsatz zum neuen Jahr für die Mannschaft formuliert Santi Kolk noch zum Schluss: “Wir müssen die Spiele, in denen wir nicht schlecht spielen, auch einmal gewinnen.” Hinter diesen Satz kann auch der wenig frömmelnde Unioner ohne Probleme ein “Amen” setzen. Würde das doch heißen, dass sowohl der Klassenerhalt geschafft als auch die Stürmerdiskussion beendet wären.

Eingewöhnungsschwierigkeiten.

Manches beim 1. FC Wundervoll wandelt sich. Aber es gibt auch einige Dogmen, an denen niemand im Verein rütteln würde. Eines davon lautet, dass das Stadion an der Alten Försterei hauptsächlich ein Stehplatzstadion ist. Die Anzahl der Sitzplätze richtet sich weitestgehend nach den Vorgaben von DFL und DFB.

Und vor keinem Ereignis fürchtet sich der jahrelange Unionfan so sehr, wie vor dem altersbedingten Wechsel auf die Sitzplatztribüne. Das ist eine Wegmarke im Fanleben. Ein Bruch mit alten Gewohnheiten. Und weil der so schwer fällt, hilft der Verein mit einem freundlichen Hinweis nach.