Wir spielen nicht. Wir trainieren nur. Der Grund.
Monthly Archive for Oktober, 2010
Wir diskutieren mit Mathias Bunkus (Berliner Kurier) die unglückliche Niederlage in Augsburg. Dabei geht es natürlich um das Spiel allgemein und den Fehler von Jan Glinker zum 1:1 im besonderen. Wir versuchen herauszufinden, ob nun einfach Jan Glinker mal mit einem Fehler dran war oder das Problem komplexer ist. Und natürlich fragen wir uns, wie es mit Unions Nummer eins weitergeht.
A propos weitergehen. Wie geht es weiter, wenn Union auch in Bielefeld verliert? Wie ist das Bekenntnis von Präsident Dirk Zingler zu Trainer Uwe Neuhaus zu bewerten? Und weil es gerade sich anbietet: Hat Union das Syndrom der Hertha aus dem letzten Jahr? Wir suchen Gemeinsamkeiten und vor allem Unterschiede zur fatalen Entwicklung des anderen Berliner Vereins in der letzten Saison.
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Two people ran up to Uwe Neuhaus on Friday evening. The first was John Jairo Mosquera after his equalizer had crossed the line. He had to fight through his jubilant teammates to get to the gaffer, the man who has staked so much of his own reputation on the mercurial Colombian striker coming good. It was a touching scene, a genuine moment of release and relief and one that sent the Eisern faithful into raptures.
The second was less heartening. Mosquera had just had his second golden edged chance, one on one with the keeper, saved- just hit it, anywhere, that little round thing goes in the rectangular netted thing at the end, hit it- a fan left his seat in the stand to remonstrate with Neuhaus, presumably about his unflinching support for the profligate striker. From the look on his face the Union trainer had not taken the fans case on board. He looked like he wanted to lump him.
So what is wrong with Mosquera? He certainly wasn’t alone in missing opportunities against Aue. But again in the press conference Neuhaus was quick to defend him, and gave the impression that he is as bored of hearing the questions about him as the press are of having to ask them. The fact he’d bagged his first goal in almost fourty weeks was covered up by the other misses. The monkey, though briefly shrugged off, clambered again up on to Johns back.
So here’s a theory. He’s just not enough of a bastard. He has always come across as quiet and devout, but a striker needs to be self important and driven. Fuck your teammates, they are only there to provide YOU with the opportunities to score. They are there to be berated if they do something wrong and ignored if they do it right. There is a sparkling example of this in the wonderful Welsh Italian centre forward Georgio Chinaglia. The man who scored 24 goals in Lazio’s Championship win of 1974 remains one of the most devisive, dislikeable and disagreeable men ever to grace a pitch. According to John Foot’s masterful “Calcio. A History of Italian football” to be the standout bastard in that team full of bastards was an achievement in itself. They had a huge punch up with Arsenal in a restaurant, and another one after Ipswich had knocked them out of the Fairs cup. That Chinaglia was the peacemaker on both occasions beggars belief. When he left Swansea he told his fellow players that “One day you will all be begging me for my autograph”. He kicked a fellow player up the arse on the pitch after a misplaced pass, boasted of his always carrying a gun and declared that he would vote for the self declared neo-fascist Movimento Sociale Italiano.
Most of this was on the wind up. A psychological battle is already won if the other guy has got the red mist descending, and when you have a shot so hard that it, allegedly, broke the crossbar in his first training session in Rome then the game is over before it has begun.
Chinaglia, of course, went to the New York Cosmos. Everybody hated him, and he was the top scorer in the league every season he played. He shouted out Pele for not passing him the ball enough and told him to saty out wide and leave the scoring to him. To fucking Pele!
So Johnny, if I may be so presumptious, don’t worry about the catcalls mate. Don’t think about the one on ones, just think about how you can boost your own ego, rough up your team mates and score goals. They all go together and you will still be a hero to the fans. It’s the Robbie Savage principal, everybody hates him too, but it’s different if he’s YOUR bastard.
John-Jairo Mosquera schießt ein Tor. Ja. Aber, John-Jairo Mosquera vergibt auch großartige Chancen. Union war überlegen. Ja. Aber Union hat nicht gewonnen. An einem Freitag Abend kamen knapp 17.000 Zuschauer. Ja. Aber es flogen massiv Becher auf den Platz.
Das 0:1 für Aue durch Hensel
Mosquera trifft zum 1:1
Über all diese Themen und die Tore reden wir im Podcast mit Hans-Martin, Robert und als besonderen Gast Christian Arbeit.
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Bilder vom Spiel
Bilder: Stefanie Lamm
Im Vorfeld des DFB-Bundestages am 21. und 22.Oktober 2010 haben wir uns mit der kontrovers diskutierten Möglichkeit einer erneuten Regionalligareform beschäftigt. Auf einem Treffen der Vertreter des Ligaverbandes DFL, der die Erst- und Zweitligaclubs vertritt, wurde dieses Thema behandelt. Für den 1. FC Union Berlin hatte der Teammanager Christian Beeck teilgenommen.
Nachdem in den Medien ein eigener Antrag der DFL als Reaktion auf die Anträge aus Bayern und durch den Westdeutschen Leichtathletik- und Fußballverband in Rede stand, haben wir Christian Beeck nach dessen Inhalt gefragt. Mit einem Ergebnis, das uns selbst überrascht hat. Im Anschluss besprechen wir einen Punkt, der in der allgemeinen Debatte um die Ligastruktur etwas untergeht: Die Nachwuchsarbeit der Vereine. Ein Thema, das Christian Beeck sehr am Herzen liegt, weswegen das Interview länger als ursprünglich geplant geraten ist.
Was war der Anlass des Treffens der DFL-Vertreter am 03.09.2010, und welche Themen standen auf der Agenda?
Anlass des Treffens waren die beiden Anträge des Bayerischen Fußballverbandes und des Westdeutschen Leichtathletik- und Fußballverbandes zur Ligastrukturreform. Zwei Anträge, die bestimmte Modelle sehen. Man kann sich die Anträge durchlesen und sieht: Da soll eine individuelle U23-Liga geschaffen werden, eine größere Regionalliga, eine flächendeckende Oberliga.
Also, für uns war es ein Cut.
Klar ist doch, dass man das große Ganze sehen muss, wie es 2000 begonnen hat. Man hat sich damals zusammengesetzt und festgestellt, wenn man mit dem deutschen Fußball so weiter macht, wird unsere Fußballnationalmannschaft die nächsten Qualifikationsrunden für die Europameisterschaft und für die Weltmeisterschaft nicht überstehen. Wir müssen etwas tun. Und demzufolge wurde etwas getan. Und es wurde eigentlich etwas richtig Gutes getan.
Es wurde wesentlich mehr Wert auf die U23-Mannschaften gelegt, so dass es eine Möglichkeit gibt, mit diesen Mannschaften auch höherklassig zu spielen. Es wurde Wert darauf gelegt, eine dritte Liga einzuführen und darunter die Regionalligen. Letztendlich dabei herausgekommen sind jetzt, 2010, bei der Weltmeisterschaft in Südafrika zum Beispiel Badstuber und Müller. Vor allem eigentlich Müller. Ein Shootingstar, der vor 18 Monaten noch in der Dritten Liga Fußball gespielt hat.
Der Ansatz der Ausbildungsphilosophie ist es, den Nachwuchskickern die bestmögliche Ausbildung zu geben, sie in den höchsten Ligen spielen zu lassen, in denen sie spielen können. Und dieser Ansatz ist aufgegangen. Dafür haben die Bundesligisten bei ihren U23-Mannschaften zum Beispiel auf die Teilnahme am DFB-Pokal verzichtet oder auf Fernsehgeldteilung in der Dritten Liga. Und, was ich gut finde, jeder DFL-Verein, der eine U23-Mannschaft hat, kann selbst entscheiden, was er mit ihr macht. In Augsburg spielt die U23 in der 6.Liga, bei Bayern München in der 3.Liga.
Das Problem bei der Geschichte ist bloß, dass, wenn diese 36 Vereine dort sitzen, wir eigentlich ganz unterschiedliche Inhalte haben. Die Global Player wie Leverkusen, Dortmund, Bayern München und so weiter haben ganz andere Inhalte als Paderborn, Union Berlin, 1860 München. Und sie haben noch einmal ganz andere Inhalte als Koblenz, die jetzt in der Dritten Liga sind, aber auch schon in der zweiten Liga waren, oder Osnabrück.
Grundsätzlich waren die Einführungen richtig, weil die deutsche Nationalmannschaft mit unserem Dachverband eigentlich über allem steht. Wenn das oben funktioniert, wenn der Kopf funktioniert, dann funktioniert auch der Rest.
Nun geht es aber um ein ganz anderes Problem: Dass die Traditionsvereine und die Amateurvereine leiden. Aber sie leiden nicht in erster Linie wegen der U23-Mannschaften. Die leiden unter anderem nicht unwesentlich darunter, dass der Spieltag am Freitag um 18 Uhr anfängt und am Montag um 22:15 Uhr zu Ende ist.
Das ist auch eine Lesart und sicherlich eines der Probleme bei den Amateurvereinen, dass man in der Konkurrenz um den Zuschauer keinen exklusiven Anstoßtermin mehr hat. Ist es das?
Ja. Es geht ja immer oben los. An die DFL werden 480 Millionen Euro zum Verteilen gegeben. Derjenige, der 480 Millionen gibt, möchte natürlich auch so transparent wie möglich übertragen und das meiste Geld damit verdienen, wenn er schon 480 Millionen zahlt. Davon haben die Erstligisten etwas, die Zweitligisten, die Drittligisten und die Viertligisten.
Noch, sagt man.
Noch. Aber selbst da sage ich: Das wird auch so bleiben. Das wird die DFL mit dem DFB zusammen nicht wegnehmen. Man muss die Regionalliga unterstützen. Das ist doch ganz klar. Wenn die Vorgabe lautet, dass die Vereine Sitzplätze brauchen, dann brauchen sie auch Geld dafür, um Sitzplätze zu haben.
Wir haben in der Regionalliga West zehn U23-Teams, im Norden fünf und im Süden 8. Da gibt es noch einmal ganz unterschiedliche Inhalte, die dieses Thema „U23“ haben kann. Aber es liegt nicht an den U23-Mannschaften. Die Regionalliga Süd hat das nachgewiesen, als beim Spiel der zweiten Mannschaften mehr Zuschauer waren als bei einem Spiel von Traditionsteams. Das ist auch schon aufgetreten. Es ist nicht so, dass durch die U23-Mannschaften dort in den Regionalligen die Zuschauerzahlen so gesunken sind. Das ist ja nicht der Fall. Die kommen genau deswegen nicht, weil Freitag 18 Uhr und Montag 20.15 Uhr angepfiffen wird.
Bei Union gab es auch schon schlimme Anstoßzeiten – Mittwoch, 13:30* …
… gegen Werder Bremen II …
… oder Lüneburg. – Also, wenn das Treffen im Prinzip die Reaktion darauf war, dass die Anträge vom Bayrischen Fußballverband und dem Westdeutschen Leichtathletik- und Fußballverband für die DFL so nicht handhabbar waren, was steht denn dann in dem eigenen Antrag, den man dann beschlossen hat?
Wenn diese Anträge bestehen bleiben, gibt es einen Eventualantrag.
Das ist der einzige, der nicht veröffentlicht ist – deshalb fragen wir. Also, der wird nur gestellt, wenn …
Den werde ich hier auch nicht veröffentlichen.
Das ist klar.
Aber die DFL wird natürlich darauf reagieren. Weil dieser Status Quo, der übrigens grundsätzlich gut ist, auch wieder weiter entwickelt werden muss. Das Problem ist, dass zu einem Spiel in der Kreisliga A nicht mehr wie vor 15 Jahren 500 Leute hingehen, sondern nur noch 50. Darum geht’s doch auch.
Es geht aber auch um solche Sachen wie Anforderungen, die an Stadien gestellt werden.
Das Thema wurde auch angesprochen. Und alle haben gesagt, dass darüber noch einmal nachgedacht werden muss, ob diese Bedingungen für alle zu erfüllen sind. Die Kommunen sind dem DFB auf das Dach gestiegen, weil jeder Regionalligist plötzlich eine überdachte Sitzplatztribüne haben musste. Das ist aber eher ein DFB-Thema. Und der DFB denkt darüber nach, die Daumenschrauben ein bisschen zu lösen und die Bedingungen angenehmer, einfacher und besser umsetzbar zu gestalten.
Zu lesen war, dass in diesem Eventualantrag steht, dass die strukturellen Bedingungen gelockert werden sollen. Im Moment ist es ja so, dass Regionalligisten auch einen Sportdirektor nachweisen müssen.
Das sind solche Inhalte, die nicht hundertprozentig zu Ende entwickelt sind, und die natürlich jetzt auf dem Prüfstand stehen. Dort muss angesetzt werden. Denn es kann nicht sein, dass ein Regionalligist in etwa dieselben Bedingungen benötigt wie ein Zweitligist. Das kann nicht funktionieren. Wer soll denn das bezahlen?
Die Vorschläge der Verbände sind beides Extrempositionen, die in Reinform nicht akzeptabel sind?
Jeder hat seinen Anspruch. Jeder. Der Regionalligist, der Oberligist, der Landesligist – aber genauso hat den Anspruch eben auch der Erstligist und der Zweitligist. Es ist vielleicht ein bisschen übertrieben, aber der Erstligist oder die Fußballnationalmannschaft oder der Fußball in Deutschland an sich hat immer eine höhere Priorität als der Landesligist.
Das hat eine höhere Reichweite.
Der Landesligist oder der Fußball insgesamt profitiert nur dann, wenn die Fußballnationalmannschaft funktioniert. Wenn wir ständig ausscheiden und sich das keiner mehr ankuckt, dann ist das Interesse für Fußball in den unteren Ligen nämlich auch nicht mehr so hoch.
Um auf den DFL-Antrag zurückzukommen – auch das war nirgends nachzulesen: Wurde dieser Antrag tatsächlich einstimmig beschlossen?
Bisher wurde kein Antrag gestellt. Es wurde über einen Eventualantrag gesprochen und der wurde von allen DFL Vereinen bestätigt, aber es wurde bisher kein Antrag gestellt.
Eigentlich sind der Amateurbereich und der Breitensport Aufgabe des DFB. Es kann aber nicht im Interesse der DFL sein, dass in der Regionalliga nur noch U23-Teams gegeneinander spielen. Wie schafft man da den Ausgleich?
Das ist ein großes Thema insgesamt: Transparenz und Balance. Das Geben und Nehmen muss übereinstimmen, wie in der Ehe und bei allen anderen Dingen des Lebens. Der DFL ist das auch nicht egal, was im Amateurbereich stattfindet. Ich glaube, das, was die DFL an Geld für den Amateurbereich weitergibt, ist nicht wenig. Vor allem, wenn man das mit dem Rest von Europa vergleicht.
Für mich wäre es aber viel wichtiger, die Struktur, in der wir leben, immer mehr den tatsächlichen Gegebenheiten anzupassen. Es sollten sich die Menschen zusammensetzen, die die gleichen Inhalte im Arbeitsleben haben, und dann in diesen Gruppen vernünftige Vorschläge machen, was wir jetzt benötigen, um noch besser zu sein. Genauso wie die Global Player der Branche sich zusammensetzen müssten, genauso müssten sich auch die zusammensetzen, die der Durchschnitt in dieser Branche sind. Und auch die, die im unteren Teil sind, und genauso die Regionalligisten und die Oberligisten. Ein Global Player wie Bayern München oder Bayer Leverkusen kann doch gar nicht wissen, was Darmstadt 98 gerade für Probleme hat.
Das ist wie hier in der Stadt bei Hertha und Union. Wir haben ganz andere Arbeitsinhalte. Das ist null vergleichbar. Michael Preetz hat etwas ganz anderes zu tun als ich. Er hat 20 Scouts in ganz Europa, die er alle betreuen muss. Das Thema haben wir doch gar nicht. Wir haben ganz andere Themen. Wir müssen zusehen, dass die Flüge funktionieren, die Hotels funktionieren und alle vernünftige Verträge haben. Wir müssen darauf achten, dass wir gute Wettkampf- und Trainingsbedingungen haben, dass die Rasenplätze gemäht sind, dass Kreide drauf ist und so weiter. Also ganz einfache Dinge, die am anderen Ende der Stadt selbstverständlich sind. Die einfach da sind. Da kümmern sich alle Mitarbeiter aller Bereiche jeden Tag darum, dass unsere Mannschaft beste Bedingungen nach unseren Möglichkeiten erhält.
Wenn man sich das alles so anhört, sollte man eigentlich sachlich zusammenarbeiten können. Gerade auch deshalb, weil der DFL-Bereich keineswegs homogen ist. Aber wir sehen, dass die Diskussion sehr vehement geführt wird, dass die Kompromissbereitschaft fehlt.
Das ist doch klar, wenn man solche Anträge stellt! Einfach aus dem Nichts.
Die waren nicht vorher abgesprochen?
Nein, natürlich nicht! Dass sich dann alle treffen und darüber diskutiert wird, zeigt dass alle interessiert sind. Aber unter den vorgeschlagenen Bedingungen verbessert sich nichts für den deutschen Fußball, sondern wir gehen zurück dahin, wo wir einmal waren. Also lassen wir den Status Quo, entwickeln uns in dem weiter und müssen die Bedingungen der Regionalliga natürlich überdenken – das ist Thema des DFB. Die DFL ist aber gesprächsbereit und als Ratgeber etc. gerne dabei.
Aber es gilt, was ich vorher schon sagte, die einzelnen Vereine müssten nach ihren Inhalten zusammengestellt werden oder sich zusammensetzen, um zu klären, was sie denn wirklich für Probleme haben. Der Schutz der Leistungszentren ist für mich zum Beispiel ein Riesenthema.
Das hatten wir vorhin angesprochen, Europameisterschaft 2000 und die Zurückstufung des Amateurbereichs in die Basisförderung, während die Talent- und Eliteförderung in Eliteschulen, Stützpunkten und Leistungszentren stattfindet.
Der Stützpunkt ist für mich ein Riesenthema. Wir haben 1200 Stützpunkttrainer und 40 Superkoordinatoren. Wer überprüft denn die 1200 Trainer? Wer macht denn das? Da ist man alle 8 Wochen mal bei der Trainingskontrolle. Da den Ansatz zu finden, noch mehr Intensität reinzubringen, die Trainerqualität zu erhöhen, um noch mehr rauszuziehen …
Das Programm ist ja richtig gut. Jetzt läuft es aber schon zehn Jahre, ohne dass es in irgendeiner Form verändert wurde. Dazu müsste man meiner Meinung nach Arbeitsgruppen mit einer guten Mischung an Qualitäten gründen, die diese Dinge analysieren und weiterentwickeln.
Wir haben uns das Talentkonzept angesehen und festgestellt, dass es sich vom Prinzip her nicht von den Jugendsportschulen der ehemaligen DDR unterscheidet.
Das ist doch okay.
Das war auch nicht als Vorwurf gemeint.
Es unterscheidet sich nicht. Es gibt ja auch nichts Besseres. Es gibt nichts besseres als dieses Sportförderungssystem, das es in der ehemaligen DDR gab. Die Politik lassen wir mal völlig raus. Aber das Sportthema wurde in der DDR mit den Förderungen, mit der Intensität des Trainings, top vorgelebt und top umgesetzt.
Auch im Fußballbereich?
Ja natürlich! Die Intensität zu heute ist schon eine andere gewesen. Mein Schultag hat damit begonnen, dass ich halb sechs aufgestanden bin und am Abend halb acht zuhause war, fünf Tage in der Woche und am Wochenende war Spiel.
Wahrgenommen hat man das bei Einzelsportlern, bei Leichtathleten. Bei Fußballmannschaften war das schwieriger oder?
Beim Fußball hat man natürlich nicht so eine Trainingsintensität wie bei einem Turner, bei einer Eiskunstläuferin oder bei einem Schwimmer. Aber wir hatten eine Betreuung, eine Versorgung, ein Kümmern – das ist heute nicht mehr aufzustellen, weil man die Leute gar nicht bezahlen kann.
Beispiel Union Berlin: Wir haben einen Nachwuchsleiter, der erst dieses Jahr hauptamtlich wird, einen A-Jugendtrainer, der nach fünf Jahren wieder hauptamtlich ist, einen hauptamtlichen U23-Trainer und einen technischen Leiter. Das sind vier. Wenn man zum Beispiel in der Regionalliga seine Talente mit einer U23-Mannschaft entwickeln möchte, bräuchte man denselben Stab wie eine Lizenzspielermannschaft, um es richtig zu machen. Früher war das alles automatisch vorhanden, der DDR-Sport war top strukturiert. Eine A-Jugendmannschaft hatte auch einen Physiotherapeuten, einen Mannschaftsleiter.
Sie haben als Fußballer die gesamte Jugendausbildung in der DDR mitgemacht. In der Oberliga gab es ja die Nachwuchsrunde vor den Punktspielen. Das wird ja heute immer nochmal als Modell eingebracht. Hatte das Sinn oder nicht? Es fällt uns schwer, das sportlich zu bewerten.
Der Vergleich ist schwierig, da das bereits 25 Jahre her ist. Grundsätzlich war das für uns als Jugendliche natürlich top. Wir sind mitgefahren, haben gegen die Nachwuchsmannschaft des Gegners unserer ersten Mannschaft gespielt und uns danach das Spiel der Ersten angesehen. Aber eigentlich wäre es uns angenehmer gewesen, wenn wir eine eigene Runde unabhängig von der ersten Mannschaft gespielt hätten, wie es jetzt ist.
Dann kann man auch mal gegen Bentwisch spielen, wo es auch mal ein bisschen anders zu Werke geht. Denn irgendwo hatten alle Nachwuchsmannschaften dann doch dasselbe Ausbildungssystem und die gleichen Spielsysteme. Bei Bentwisch stehen sie hinten zu viert und rumms! … Das sind doch mal Unterschiede!
Die Flexibilität, die jetzt da ist, finde ich besser und wesentlich interessanter für die Ausbildung von jungen Spielern. Das war ein Nachteil damals, weil man über Jahre hinweg gegen die gleichen gespielt hat. Man hat als 16jähriger gegen Karl-Marx-Stadt gegen den gleichen gespielt, als 17jähriger, als 18jähriger, beim Hallenturnier im Winter, beim Sommerturnier irgendwo anders – man hat immer gegen die gleichen gespielt.
Und im Zweifelsfall in der Juniorenauswahl gemeinsam.
In der Juniorenauswahl hat man gemeinsam gegen die Russen gespielt, gegen die man schon fünf Mal gespielt hat, gegen die Polen, gegen die man auch schon fünfmal gespielt hat. Und immer wieder gegen den gleichen Stürmer. Das war natürlich am Ende nicht gut.
Der Sprung in den Herrenbereich war dann zu groß für viele?
Der ist immer zu groß. Der war früher zu groß, der ist auch heute noch zu groß – obwohl es viele Vereine richtig, richtig gut machen, dass er nicht zu groß wird. Bayern München ist ein Paradebeispiel.
Aber ist es dann nicht sinnvoller, Jugendspieler zu verleihen?
Kann man ja machen.
Das würde das Problem lösen, nicht immer gegen die gleichen spielen zu müssen, wenn man die Spieler direkt in einer anderen Spielklasse unterbringt.
Aber eine eigenständige U23-Liga zu gründen? Die würde wenig Teilnehmer haben. Die Rostocker werden nicht an einer U23-Liga teilnehmen, um in Freiburg zu spielen. Wir auch nicht.
Klar, das ist eine Kostenfrage.
Und dann sind wir wieder dabei – dann trifft sich da oben die Elite. Die, die Geld haben, wenn die es wollen.
Wie sehen denn dann die Interessen von Union aus? Wenn man realistisch ist, ist Klassenerhalt immer das erste Ziel. Man muss aber natürlich auch damit rechnen, dass man absteigt. Und dann hat man selbst mit U23-Mannschaften zu kämpfen. Sind die Interessen von Union dann auch im Falle eines Abstiegs gewahrt, wenn man jetzt so agiert?
Wir haben, glaube ich, im ersten Drittligajahr nachgewiesen, dass die Dritte Liga funktionieren kann. Sogar in einem fremden Stadion. Und die Menschen haben sich ja auch an die U23 von Werder Bremen gewöhnt. Und auch an die U23 von Bayern München. Natürlich würden wir am liebsten an jedem Wochenende ein Derby gegen eine Traditionsmannschaft in der 3. Liga haben.
Wenn es um die Reduktion von U23-Teams in bestimmten Ligen geht: Es könnte sein, dass der sportliche Wettstreit für U23-Teams nicht mehr gegeben ist, wenn sie nicht aufsteigen können.
Es kommt grundsätzlich darauf an, was ein Fußballverein mit seinem Nachwuchsleistungszentrum eigentlich machen möchte. Bilde ich für den internationalen Bereich aus? Bilde ich für den nationalen Bereich aus? Oder bilde ich dafür aus, dass auch mal einer in der Mannschaft oben ankommt? Wir machen letzteres. Wir bilden ja nicht für den internationalen Bereich aus. Wir bilden auch nicht für den nationalen Bereich aus. Wir bilden dafür aus, dass ein Spieler aus dem Nachwuchsleistungszentrum in den Lizenzkader rutscht und Profi wird. Weil wir gar keine anderen Bedingungen haben.
Wenn man die letzten 5 Jahre betrachtet, ist die Entwicklung des Nachwuchsbereiches bei Union wirklich gut. Alles wunderbar. Ich war dabei, als alles verändert, gekürzt und neu strukturiert wurde. Es waren am Ende nur noch zwei Hauptamtliche tätig, die den Laden geschmissen haben. Das geht für einen überschaubaren Zeitraum auch mal…. Wir sind in die A-Junioren-Bundesliga aufgestiegen. Wir sind in die B-Junioren-Bundesliga aufgestiegen. Das ging alles.
Grundsätzlich ist es für uns als Verein das Wichtigste, dass wir gute Bedingungen haben, um Jungs ausbilden zu können, die den Sprung in die Lizenzmannschaft, die erste Herrenmannschaft, packen können. Jungs, die uns dann zur Verfügung stehen. Das muss das erste Ziel sein. Alles andere ist Träumerei.
Wir haben in den letzten anderthalb Jahren die U23-Mannschaft von Union auch ziemlich intensiv beobachtet und fanden immer, dass die U23 von Union und die erste Mannschaft von den Spielklassen her viel zu weit auseinander liegen. Dass es ja wunderschön ist, wenn da jemand in der U23 toll spielt in der Berlin-Liga, aber der Sprung in die Herrenmannschaft ist so fast nicht zu schaffen.
Ist schwierig, logisch.
Und dass es natürlich sinnvoll ist, wenn man da näher aneinander rückt. Gibt es mittelfristig das Ziel Regionalliga?
Aber klar ist das ein Ziel. Ich bin immer dafür, dass unsere Ausbildungsmannschaften in den höchstmöglichen Ligen Fußball spielen. Das ist das Wunschdenken der Abteilung Sport. Auf der anderen Seite darf man natürlich die Bedingungen nicht vergessen und die Finanzierung in der Regionalliga, die erfüllt werden müssten. Was ist jetzt die Priorität? Und da steht an erster Stelle die Etablierung im DFL-Bereich und nicht der Aufstieg der U 23 in die Regionalliga.
Die Ernährung findet oben statt. Das trägt ja auch den Rest…
Genau das. Das dürfen wir nie vergessen. Wenn das oben nicht funktioniert, wenn die Lizenzmannschaft – und da rede ich ganz speziell von Union Berlin – nicht funktioniert, wird alles andere darunter auch nicht funktionieren. Nichts. Das heißt nicht, dass man sich als Lizenzspielerabteilung alles erlauben darf. Das ist sehr verknüpft mit allen anderen Abteilungen dieses kleinen, wunderbaren Vereins. Aber es muss für alle klar sein: Die Lizenzmannschaft steht an erster Stelle. Dann kommt der Rest. Manchmal tut es mir selbst weh, weil ich das ja selbst durchlaufen habe. Ich habe das mitgemacht und kenne das auch sehr gut. Aber es geht nicht anders.
Eine persönliche Einschätzung: Ist Union unter den Top 36 in Deutschland in Sachen Nachwuchsarbeit?
Na, absolut! Wir haben zwei Sterne bei der Zertifizierung bekommen. Wir haben Top-Bedingungen.
Zwei Sterne von wievielen?
Von dreien. Wir sind besser als mancher Bundesligist, von den Abläufen, von den Strukturen, von der Dokumentation, von der Intensität. Aber ich sage trotzdem, es geht noch mehr. Es geht immer noch mehr. Und wir haben viele gute Sachen gemacht in den letzten drei, vier Jahren – seit Theo Gries und Lutz Munack zusammen gearbeitet haben. Wir haben es geschafft, dass in unserem Nachwuchsbereich die Jungs am Vormittag von den Trainern trainiert werden, die sie auch am Nachmittag trainieren. Bei Hertha ist das zum Beispiel anders.
Wir haben uns den Trainingsplan von Herthas U23 auch angeschaut.
Es ist dort anders. Es sind dann welche von Tennis Borussia dabei, weil die alle in eine Schule gehen, in eine Klasse. Bei uns war das auch so, da haben Dirk Berger und Gunnar Heinrich unsere Jungs vormittags trainiert. Und nachmittags sind sie zu Engin Yanova und Theo Gries gegangen. Das war ein Vorgang, der konnte nur durch die Eliteschule des Fußballs geändert werden, weil da der Träger gewechselt hat. Vorher war es der Berliner Fußballverband. Die Struktur war nicht korrekt. Es darf niemals sein, dass eine Mannschaft von zwei Trainern trainiert wird. Dann wird das System, das an sich richtig ist, nicht richtig umgesetzt. Aber so, wie es jetzt ist, sind wir richtig gut aufgestellt.
Hermann Andrejew hat jetzt hauptamtlich die Leitung übernommen, Theo Gries als U23-Trainer hatte die vorher noch zusätzlich mitgemacht?
Theo Gries ist Trainer der U23, und hatte auch gleichzeitig das Nachwuchsleistungszentrum geleitet. Unterstützt durch Lutz Munack als technischen Leiter, der administrative Dinge macht, die ganzen Dokumente zusammenstellt und so weiter. Aber nach wie vor ist es so, dass wir viel zu viel Arbeit haben und viel zu wenig Menschen.
Wenn man den Vergleich ziehen möchte: Nach der Umstrukturierung beim DFB im Anschluss an die Europameisterschaft 2000 hat es etwa acht bis zehn Jahre gedauert, bis es den ersten sichtbaren „Ertrag“ gab. Setzt man sich das Fenster bei Union auch so? Vorausgesetzt, die Lizenzmannschaft hält die Klasse.
Was heißt Ertrag? Ertrag heißt ja bei uns, dass Spieler oben ankommen. Ich glaube, wir haben eine richtig gute Durchlässigkeit, zum jetzigen Zeitpunkt.
Ob das so bleibt, ist natürlich nicht von der A-Jugend, der B-Jugend, der C-Jugend oder der D-Jugend abhängig, sondern von dem, der sie sichtet, mit sechs, sieben oder acht Jahren. Ob sie dieses Bewegungsmuster für Fußballer haben. Das ist das Entscheidende. Daran können die Trainer ausbilden. Klar kann man dann noch viele Dinge tun. Aber dieses ursächliche, instinktive für Fußball, was Raum und Zeit und Orientierung und das periphere Sehen bringt – in der D-Jugend lernt man davon nichts mehr. In der A-Jugend kann man nur noch etwas an den physischen Dingen tun. Grundvoraussetzungen, Passspiel, Finden – das kann man alles perfektionieren. Aber da noch einmal Bewegungsabläufe beibringen, Handlungsschnelligkeit, Handlungsmuster, …
Und dann das Wichtigste von allem: Wenn die Persönlichkeit nicht stimmt, dann fehlt etwas ganz wesentliches. Oberster Punkt im Fußball ist die Persönlichkeit. Denn wenn man vor 40.000 Fußball spielt und kann nicht einmal vor 25 Leuten Guten Tag sagen, und sagen, wie man heißt, dann braucht man nicht beginnen.
Da müssen wir ansetzen – dass das Typen sind. Die sicherlich polarisieren, aber trotzdem total integriert sind und Regeln akzeptieren. Aber trotzdem Typen sind. Doch solche Jungs heranzuführen, auszubilden, zu sehen, zu finden – das können nur Leute, die nicht vom Himmel fallen. Die kosten auch schon wieder richtig Geld.
Man sieht so etwas schon bei Fünf-, Sechsjährigen?
Ja, das erkennt man. Das haben sie bei uns früher auch gemacht. Aus meiner Klasse, aus meinem Jahrgang, aus meiner Schulklasse KJS Wasserfahrsport, 7.Klasse, sind drei Spieler von sechs Bundesligaprofi geworden: Martin Pieckenhagen, Marko Rehmer und ich. Und wenn ich noch hinübersehe nach Hohenschönhausen: Angelo Vier und Stefan Beinlich. Fünf. Aus einem Jahrgang. Aus einem einzigen Jahrgang in einer Stadt. Heute ist es so: Man stellt eine Million Sechsjährige hin. Es gibt 900 Bundesligaspieler, 450 aus dem Ausland, 450 aus Deutschland, geteilt durch 36 –das sind etwa 15 Spieler pro Mannschaft durch 18 Jahrgänge in dieser Mannschaft. Ich denke das sagt alles!
Da hätten wir mehr erwartet.
Deswegen brauchen die Spieler, die es werden könnten, die beste Ausbildung und besten Bedingungen nach den jeweiligen Möglichkeiten. Die Ausbilder müssen es Ihnen vorleben können mit Begeisterung auf Augenhöhe, mit hoher Disziplin und knallhartem Training, Freude und Leidenschaft. Diejenigen zu finden, die das können, ist mit das Schwierigste was es gibt. Hermann Gerland ist ein Beispiel…
Als Union in der Dritten Liga spielte, hat Bayern II viel Freude gemacht.
Das haben sie… Aber dort werden Persönlichkeiten entwickelt mit hohen fußballerischen Fähigkeiten. Dieses Training, diese Intensität möchte niemand erleben. Ede Geyer – das ist das gleiche in Grün gewesen. Klar sind alle die dort trainieren durften auch ein bisschen verrückt. Aber das geht nur so.
Man ist ein Künstler. Genau wie Musiker oder Schauspieler. Am Ende ist das nichts anderes. Eine Million Sechsjährige wollen Schauspieler werden, und es werden am Ende auch nur drei in einer Stadt.
*Die Anstoßzeit für das Heimspiel gegen Lüneburg im Jahr 2000 kam auf den Wunsch des 1. FC Union Berlin zustande, der die Winterpause durch ein Vorziehen des Spiels verlängern wollte.
Etwas überraschend hatte der 1. FC Union nach dem Testspiel am Freitag gegen den eigenen Nachwuchs für diesen Dienstag einen weiteren Test anberaumt. Um die Belastung vor dem Ligaspiel in drei Tagen gegen Aue nicht allzu hoch werden zu lassen, wurde bis auf die Torhüterposition zur Halbzeit komplett durchgewechselt.
Ziel des Spiels war es sicherlich, den Stürmern nach dem Ausfall von Santi Kolk, die Möglichkeit zu geben, sich für die Startelf zu empfehlen. Mit der Auswahl des Gegners, des in dieser Saison sieglosen Landesligisten SSV Köpenick-Oberspree, war auch die zweite Intention der sportlichen Leitung klar. Die bisher nicht besonders treffsicheren Stürmer sollten sich Selbstbewusstsein durch Tore holen. Dem 10:0 Ergebnis nach scheint dies auch funktioniert zu haben.
In der ersten Halbzeit gelang dem Duo Savran/Skrzybski vor dem Tor nicht viel. Beide trafen zum Anfang des Spiels zunächst den Pfosten und machten danach jeweils ein Tor. Savran war eindeutig bemühter und bissiger, aber vor dem Tor manches Mal ein bißchen zu eigensinnig. Mit etwas Glück hätte Köpenick-Oberspree kurz vor der Halbzeit sogar einen Treffer erzielen können. Aber der ehemalige Unioner Gert Müller verpasste die Hereingabe.
Trainer Uwe Neuhaus scheint mit einer schwierigeren ersten Hälfte gerechnet zu haben und brachte seine nominell stärksten Stürmer erst für die zweite Halbzeit, als der Gegner sturmreif war. Doch das erste Tor in der 47. Minute zum 4:0 machte Hofmann, der für einige Verwirrung sorgte. Denn es war nicht der auf dem Spielplan stehende Maximilian Hoffmann, der als offensiver Mittelfeldspieler auf dem Platz stand, sondern der A-Jugendspieler Oliver Hofmann. Nicht die einzige Anekdote, die für Heiterkeit sorgte. So trug der Nachwuchsspieler Kiminu Mayoungou kurzerhand das Trikot mit der Nummer 25, auf dem Malinowski stand.
Das Kalkül von Neuhaus ging auch auf. Karim Benyamina holte sich mit drei Treffern Selbstvertrauen für die anstehenden Partien. Sorgenkind Mosquera hatte gute Szenen, bei denen jeweils wenig zu einem Treffer fehlte. Mitte der zweiten Halbzeit startete er aus dem Mittelfeld, lief den Gegenspielern davon und schob im eins gegen eins am ansonsten sehr gut haltenden SSV-Torhüter vorbei ein. Ob dieser Treffer das allseits und lang herbeigesehnte Platzen des Knotens bei Unions Sorgenstürmer war, wird sich zeigen.
Bilder: Stefanie Lamm
Die deutsche Nationalmannschaft gewinnt im Berliner Olympiastadion gegen die türkische Auswahl 3:0. Die Quintessenz des Spiels wurde an der Strandpromenade von Ahlbeck auf Usedom wie folgt zusammengefasst.
Ein Mann in den 50ern: “Gib mir mal die Zeitung, ich möchte noch einmal die Tore lesen.”
Seine Frau: “Welche Tore?”
“Die von gestern Abend. Das 3:0.”
Die Frau offensichtlich desinteressiert: “Ach Fußball!”
Der Mann liest die Agenturmeldung im Hotelblatt, als seine Frau ihn unterbricht: “Und? Gab’s Randale?”
Der Stadtteil Oberschöneweide war einmal so etwas wie der industrielle Pulsschlag von Berlin. Wo aber einst Läden standen, finden sich nun Automatencasinos und Dönerbuden. Um die Lenkung des Wandels kümmerte sich bis 2007* ein Quartiersmanagement. Von der ursprünglich prägenden Industrie ist nicht viel geblieben. Das ehemalige Fabrikgelände von AEG und später Kabelwerk Oberspree (KWO) heißt nun Campus Wilhelminenhof der Hochschule für Technik und Wirtschaft. Gegenüber in einer Kneipe lädt Moderator Tino Czerwinski zu Saisonbeginn immer Teammanager und Trainer zum Fantreffen des 1. FC Union Berlin ein.
So, wie es für den VfL Bochum schon günstigere Momente für Jahreshauptversammlungen gegeben hat, ist auch die Situation für Teammanager Christian Beeck und Trainer Uwe Neuhaus bereits einmal rosiger gewesen. In Vereinskreisen hatte man nicht das “allerlustigste Fantreffen” erwartet. Nun ist es nicht so, dass sich die beiden Verantwortlichen für den Profibereich vor Schulterklopfen nicht mehr hätten retten können. Aber dass die Veranstaltung beinahe kuschelig verlief, war überraschend. Das lag zu einem wesentlichen Teil an der selbstkritischen Analyse des Trainers.
Dieser ordnete die erste Zweitligasaison in zwei Teile ein. Die erste Saisonhälfte sei überdurchschnittlich und die zweite unterdurchschnittlich verlaufen. Christian Beeck hingegen erklärte den Anwesenden, was richtiger Abstiegskampf sei. Und so fiel auch sein Fazit zum ersten Jahr in der zweiten Liga aus: “Das war eine schöne ruhige und gemütliche Saison.” Der Manager kam den Anhängern mit viel Witz und Verve, während Neuhaus sachlich und ruhig analysierte. Es ist genau diese Mischung, die die Anspannung von Beginn an löst und jeglichem Missfallen den Wind aus den Segeln nimmt.
Uwe Neuhaus erläuterte die Saisonvorbereitung und die Arbeitsteilung im Trainerstab. Dabei glitt er nie ab in die übliche Sprache, die Pressekonferenzen vor und nach Spielen so austauschbar macht. Zwar gab es in der Substanz nicht viel Neues zu hören, aber für die anwesenden Fans war es die Möglichkeit, sich einmal ein ungefiltertes Bild zu machen.
Die Systemfrage stellte sich Uwe Neuhaus zwar auch. Aber er machte sie für sich abhängig vom vorhandenen Spielermaterial. Entscheidend sei, wie sich die Spieler auf dem Platz bewegen und das System mit Leben erfüllen würden. Daher sei die Diskussion um Systeme für ihn überschätzt. Das Kernproblem liegt für den Trainer seit geraumer Zeit in der Verwertung der Torchancen. In der vieldiskutierten Frage nach der Aufstellung des schon lange glücklosen Stürmers John-Jairo Mosquera nahm sich Neuhaus auch selbst nicht von der Kritik aus: “Vielleicht habe ich zu lange an ihm festgehalten.” Er verwies aber auch auf die anderen Stürmer, die in der gleichen Zeit ähnlich erfolglos waren. Die Spieler im Sturm seien momentan nicht am Leistungslimit, und das sei natürlich auch die Verantwortung des Trainers. Und er fühle sich persönlich auch dafür verantwortlich.
Angesprochen auf den “Kapitänsfluch” hatte Uwe Neuhaus eine unkonventionelle Lösung parat: “Wir müssen nur irgendeinen suchen, den wir zum Kapitän machen können, aber eigentlich gar nicht brauchen.” Während an anderen Orten bei Tabellenplatz 15 und dem Beisammensein von Fans, Manager und Trainer eine explosive Stimmung herrscht, wurde in der Kneipe viel gelacht. Auch Vereinspräsident Dirk Zingler, der zwischen den Zuschauern saß, machte einen gelösten Eindruck. Vielleicht liegt das daran, dass spürbar ist, dass die Verantwortlichen im Verein daran arbeiten und die Situation nicht auf die leichte Schulter nehmen. Vielleicht hat der durchschnittliche Unionanhänger auch genug Misserfolg erlebt, so dass ein 15. Tabellenplatz keinen Angstschweiß mehr auslöst. Christian Beeck hat dazu seine persönliche Einstellung: “Wir müssen nicht in jedes Stück Holz beißen, das herumliegt. Ich habe als Spieler 15 Jahre lang Abstiegskampf mitgemacht. Wenn ich mich da jedes Mal nach einer 4:1 Niederlage in Freiburg zerfressen hätte bis Donnerstag, dann hätte ich jetzt schneeweiße Haare.”
* Der Hinweis auf das 2007 beendete Quartiersmanagement kam von Sterni Peng auf Facebook. Danke.
Es gibt solche Spiele, die den Betrachter ratlos zurücklassen. Das Spiel von Union bei 1860 in München war ein solches. Kein besonders gutes Spiel. Aber auch kein besonders schlechtes. Wahrscheinlich hätte man danach von einem gerechten Nullnull gesprochen. Wenn nicht Benjamin Lauth einen Konter von 1860 gegen eine sich im Aufbau befindliche Berliner Elf verwandelt hätte.
Gemeinsam mit Robert und Hans-Martin haben wir nicht nur das Tor von 1860 im Bewegtbild nachgestellt, sondern auch über das Spiel und die Situation von Union gesprochen.
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