Monthly Archive for August, 2010
Kommentar
Es lässt sich darüber streiten, ob es der Folgschaft des BFC Dynamo möglich war, Karten für das Spiel zu kaufen oder nicht. Es ging jedenfalls nicht ohne Gesichtsverlust, weswegen sich im Gästeblock etwa so viele Leute tummelten, wie Rainer Lüdtke und Sven Schlensog zusammen Haare auf dem Kopf haben.
Ich weiß nicht, wie es sich für eine Fußballmannschaft anfühlt, auf einen leeren Gästeblock zuzulaufen. Wohin jubelt und wem winkt man denn in solchen Fällen? Was soll ein 1981 geborener Torwart mit “Bodo Eierkopf”-Rufen anfangen, und wie mag der Schlachtruf “Die Mauer muss weg” von den jungen Spielern beider Teams aufgefasst werden?
Ränge und Rasen waren durch mehr als einen Zaun voneinander getrennt. Hatte das 8:0 vor fünf Jahren über die sportliche hinaus auch eine historische Bedeutung, war es schwer, in der Partie gestern mehr als ein durchschnittliches Oberligapunktspiel zu sehen. Die Mannschaft, die in weiß auflief, war nicht der übermächtige Serienmeister. Die Mannschaft in schwarz war kein Underdog. Die Verhältnisse haben sich in ihr Gegenteil verkehrt. Zu beweisen ist schon lange nichts mehr. Auch siebenköpfige Drachen werden nur einmal getötet.
Die Wende ist beinahe 21 Jahre her. Die deutsche Einheit fast 20 Jahre. Beinahe die Hälfte seiner Geschichte als 1. FC Union Berlin hat der Klub im wiedervereinigten Deutschland verbracht. Die Spieler sind meist um die 20 Jahre alt. Ein nicht unbedeutender Teil der Anhänger kennt das Verhältnis zwischen dem BFC Dynamo und dem 1. FC Union Berlin in der DDR nur vom Hörensagen.
Im Punktspiel der fünftklassigen NOFV Oberliga-Nord trifft der 1. FC Union II auf die erste Mannschaft des des BFC Dynamo. In der 90. Minute trifft Marcel Hegert zum Sieg für Union. Ein ganz normales Punktspiel vor 1.821 Zuschauern? Mitnichten. Warum? Keine Antwort.
Die 90. Minute
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Bilder: Stefanie Lamm
Vom Müggelturm schweift der Blick über den Langen See hinüber zu Villen und Häusern von Rudervereinen vorbei. Herren, die sich nur der Ausübung des reinen Sports verpflichtet sahen, fuhren auf der Regatta-Strecke in Berlin-Grünau ihre Ruder- und Segelregatten, während die Damen sich herausputzten. Wenn die Union-Supporter vom “Eisernen Virus” zu ihrem Geburtstag zum alljährlichen Drachenbootrennen rufen, steht die Szenerie im krassen Widerspruch zur Gründungszeit der Sportanlage. Dann steht neben dem sportlichen Wettstreit vor allem der Spaß im Zentrum.

Schon beim Betreten der Anlage des 8. Union Drachenboot-Fun-Cups sieht es aus, als ob römische Feldherren ihre Lager aufgeschlagen haben. Fast jedes der 33 Teams hat sein eigenes Zelt am Ufer aufgebaut und wartet auf den Start. Auf der zu den Olympischen Spielen 1936 erbauten Tribüne lümmeln sich Unioner im Schatten, während die Drachenboote in der Sonne ihre drei Vorläufe über 200m fahren. Neben den vielen Fanklubs treten auch die Geschäftsstelle, das Nachwuchsleistungszentrum und die Betriebsgesellschaft des Stadions an. Wie viele Fans haben sich auch Teile der sportlichen Leitung die Nacht auf der Autobahn um die Ohren geschlagen, um am Rennen teilnehmen zu können.
Während das Team der Geschäftsstelle im ersten Rennen das Nachwuchsleistungszentrum noch knapp schlagen kann, verliert das Team im zweiten Lauf den Steuermann, der hinterherschwimmt. Präsident Dirk Zingler erklärt das Ergebnis kurzerhand zum Streichresultat und setzt sich im letzten Lauf selbst an die Trommel um den Takt vorzugeben. Einen solchen Wechsel hat die Stadionbetriebsgesellschaft nicht nötig. Ebenso wie auf der Stadionbaustelle hat Sylvia Weisheit auch hier die Männer im Griff und gibt mit einem Lächeln eisern das Tempo vor. Auf das sportliche Ziel beim Drachenbootrennen angesprochen, äußerte der Pressesprecher der Stadionbetriebsgesellschaft nur: “Das ist eine nichtöffentliche Gesellschaft.”

Die lockere und gelöste Atmosphäre auf dem Gelände mit einer schützenswerten Anzeigetafel erinnert an einen Familienausflug. Der Ehrgeiz der meisten Teams lässt sich an der Anfeuerung einer Trommlerin festmachen, die ihre Mannschaft mit “Los ihr Luschen!” ins Boot treibt. Zur Abkühlung wird einfach ins Wasser gesprungen. Und der Aufsichtsratschef Antonio Hurtado bereitet eine Paella zu. Manchmal wird der Blick in die Seele eines Sportvereins erst abseits vom Wettkampf klar.
Bilder: Stefanie Lamm
Es gibt inzwischen ziemlich viele englischsprachige Texte, die sich mit dem 1.FC Union Berlin beschäftigen. Genannt seien etwa der Wikipedia-Eintrag von Richard Miller, die Blogs ludoeule.posterous.com und unionberlin.com oder die wöchentlichen Beiträge von Jacob Sweetman für den Exberliner. Einige der Genannten schreiben ausschließlich über Union, andere betrachten den Gesamtberliner Fußball. Um große Namen, Arenen und Hummermayonnaise geht es dabei kaum, es kann sich demnach nur um Fußball handeln, vermute ich. Deshalb habe ich Jacob Sweetman gefragt, was ihn eigentlich nach Köpenick gebracht hat. Er hat´s aufgeschrieben, und weil mein Englisch und sein Deutsch von vergleichbarer Brillanz sind, haben wir uns entschlossen, den Text genauso stehen zu lassen. Dass nach allem, was er im Fußball gesehen hat, sein bewegendster Fußballmoment der Blick in die Gesichter der Stadionbauer bei der Wiedereröffnung der neuen Alten Försterei war, versteht ihr sicher auch so.
von Jacob Sweetman
I was at the Alte Försterei on Wednesday for the press conference prior to the first match of the difficult second album, sorry season, in the 2nd division for FC. Union Berlin. The assorted members of the press eyed me suspiciosly. I can see them wondering if this scruffy looking bloke can even speak English, let alone German. What is he doing here?
Well, they may have a good question there. I moved to Berlin three and a half years ago as a drummer for a nominally successful English Rock and roll band who had given up to the dogfight. It was hard work certainly, and financially suicidal, but in Germany we were always treated well and almost, y‘know, respected as musicians so moving to Berlin seemed a pretty straightforward idea, the offer of work making the decision to up sticks easier to make.
Having written for a long time for the fantastic Ipswich Town fanzine „Those Were The Days“- I was 7 days old when Town beat Arsenal in the FA Cup final and have been stuck with them since- journalism always seemed like an excellent dying industry to add to my portfolio after fifteen years of watching record shops in terminal decline from within. It fit‘s perfectly well as someone who derives an almost sexual pleasure from construing tenuous links between the works of Willie Nelson and a bunch of overpaid blokes kicking a ball around. I eventually bullied the excellent Exberliner magazine to make me sportswriter, giving a platform to extemporise all the shit floating around my brain, with the Beatles Bsides and rules for crossing the road meeting up with the sight of Ruud Gullit playing as a very old man sweeper for Chelsea against Town in a league cup match, beautifully pinging pinpoint 50 yard balls to feet like he was a machine.
My frst visit to Köpenick was coincdentally Uwe Neuhaus‘s first league game in charge at Union, a 0-1 loss to Fortuna Dusseldorf in the Regionalliga Nord, my third a last minute 1-0 in a classic Berlin shitstorm of rain in the ultra exposed old Alte forsterei, when the weather was so miserable you couldnt make out the ecer present chimney stacks in the distance that lent the old place so much atmosphere. This was „against modern football“ like so manner baners across Europe were screaming, and I felt immediately at home. The contrasts with the bloated football scene in England where Manchester City would pass through the hands of a reviled dictator and Portsmouth would be led down the road to near extinction by the shady son of an internationally wanted arms dealer. My own team, Ispwich Town, for so long the epitomy of a local club with „roots“ were bought by a billionarie who has still never had his face shown in public- though his name adorns the stadium and the proud blue shirts.
In my time in Berlin I‘ve seen Hertha beat Hoffenheim at a time when they were marauding through the league to finish top at Christmas and I‘ve seen Türkiyemspor‘s triumphant end to last season when they miraculously stayed in the Regionalliga. I sat in front of Werner Lorant at his first game at Tennis Borussia and seen England beat Germany at the Olympiastadion surrounded by increasingly annoyed Dortmunders but nothing comes close to witnessing first hand the tears streaming down the faces of hundreds of ordinary looking men in red plastic builders hats as fireworks ripped the sky apart above the brand new Alte Försterei stadium that they had built themselves. A scene especially poignant to me as having lived in Brighton for ten years I knew how much home really means. The Seagulls‘ will finally have their own stadium a the start of next season for the first time in over 15 years as the old Goldstone Ground was sold off to make space for a Toys R Us.
What I have experienced, and hopefully will continue to, in German football is modern football with more than a wink to the past. As the numbers of English groundhoppers coming over here at weekends multiply like three dicked pigeons, it is strange to reflect on how the home of football has changed and priced out so many of thse who it is supposed to represent in the first place. At Ipswich there is a small movement called Section 6, trying to create a more European atmosphere in the library like silence of Portman Rd with flags and drums. It‘s a huge minority, but as English stadiums grow quieter and pricier it makes me realise how lucky I am here to be involved in such a vibrant football scene, even if my fellow members of the press dont understand a word I‘m going on about.
“Weil er ein Verrückter ist” ist eine bemerkenswerte Begründung dafür, warum jemand in einem Buch, das einen Ausschnitt aus der Berliner Sportgeschichte thematisiert, zu Wort kommt. Frank Willmann sagt das so, und zwar über seinen Journalistenkollegen Mathias Bunkus. Willmann hat zusammen mit Jörn Luther die Neuauflage des Union-Kompendiums “Eisern Union!” geschrieben, und beide lassen darin vor allem die Anhänger des Vereins zu Wort kommen, um ein vielschichtiges Bild des 1.FC Union Berlin und seiner Geschichte zu zeichnen, die auch ein gutes Stück weit Berliner Geschichte ist.
Willmann/Luther fassen den Begriff “Fan” dabei weit. Fans sind für sie auch, aber nicht nur die Frauen und Männer mit den Schals auf Gegengerade, Wuhleseite und Haupttribüne, sondern alle, die den Verein aus Überzeugung und mit Enthusiasmus begleiten. Weil das nicht an Ämter oder Berufe geknüpft ist, finden sich hier so unterschiedliche Gesprächspartner wie eben Mathias Bunkus (Sportjournalist), Dirk Zingler (Vereinspräsident), das Wuhlesyndikat (Ultragruppierung), Wolfgang Matthies (der ehemalige Torhüter trägt den Ehrentitel “Wertvollster Unionspieler aller Zeiten”) und Frieder Lau (Fan seit 1976, Vereinsmitglied seit 1993) sowie Texte des Schriftstellers Torsten Schulz. Fansein ist ferner nicht mit kritiklosem Bejubeln gleichzusetzen. Dadurch ist das Buch, anders als man erwarten könnte, eben kein Fanbuch geworden, sondern in der Hauptsache eine Dokumentation.
Seit der ersten Auflage sind inzwischen 10 Jahre vergangen. Der in der Zwischenzeit erfolgte Stadionumbau und der letzte Aufstieg in die zweite Bundesliga erleichtern einem Verlag die Entscheidungsfindung zugunsten eines Buches ganz erheblich, und so hat sich der Verlag BasisDruck gemeinsam mit den beiden Autoren auf eine Überarbeitung eingelassen. Über die beiden genannten Themen hinaus sind Fehler korrigiert und Schwerpunkte verändert worden, vor allem aber ist neues Bildmaterial hinzu gekommen.
Es ist den Autoren gelungen, ein sachliches, informatives und doch nie langweiliges Buch zu schreiben. Es wird dem eigenen Anspruch gerecht, “Union für jemanden verständlich zu machen, der das alles nur aus dem Radio oder Fernsehen kennt” (Chris Deutschländer, Autor des Vorworts, anlässlich der Buchvorstellung). Es ist darüber hinaus aber auch ein Nachschlagewerk für Unionfans und alle, die sich mit dem Berliner Fußball beschäftigen.
Das Buch ist heute im BasisDruckVerlag GmbH erschienen und kostet 24,80 EUR.
Groß war das Lamento in der Hauptstadt, als der Abstieg von Hertha BSC feststand. Es sei eine Schande, dass ausgerechnet in Deutschland kein Hauptstadtverein in der obersten Spielklasse vertreten sei. Ganz so, als ob es vorher ein Bundesgesetz gegeben hätte, dass bis 1990 dem Bonner SC einen Stammplatz in der Bundesliga garantierte. Die Mär vom einzigen Hauptsstadtklub stimmt indes auch nur bedingt. Allerdings ist der Verweis auf den zweitklassigen FC Vaduz auch kein erstklassiger Freispruch.
Dafür kann Berlin für sich den Titel “Hauptstadt der Zweitklassigkeit” beanspruchen. Keine andere Stadt hat seit der Einführung der Spielklasse 1974 mehr Vereine in das Unterhaus entsandt. Dabei ist ein Teil dieser sieben Klubs mittlerweile in Spielklassen angekommen, die von den vergangenen Erfolgen wenig ahnen lassen.
Quelle: http://www.fussballdaten.de/zweiteliga/ewigetabelle
Spandauer SV
Viel bleibt dem Spandauer SV nicht. Aber den Titel der schlechtesten Mannschaft der zweiten Liga wird dem Verein niemand nehmen können. 1975 in die 2. Bundesliga Nord aufgestiegen, scheiterte die Mannschaft grandios und holte lediglich zwei Siege in 38 Partien. Ebenso wie Tasmania 1900 den Titel in der Bundesliga wohl für immer behalten wird, bleibt dieser auch beim SSV. Letzte Saison machte Spandau als Skandalnudel in der sechstklassigen Verbandsliga von sich reden, als der Verein wegen ausstehender Verbandsgebühren zeitweise vom Spielbetrieb suspendiert wurde oder im Ligaspiel aufgrund fehlender Spieler einfach der 56jährige Frank Marczewski eingesetzt, der 1976 noch mit dem SSV in der zweiten Bundesliga spielte. Mit zwei Siegen und sechs Punkten stand der Abstieg in die Landesliga fest.
Frank Marczewski mit dem Spandauer SV gegen den 1. FC Union II
SC Charlottenburg
Auch die große Zeit des SC Charlottenburg ist bereits Vergangenheit. Viel bekannter ist mittlerweile die Volleyballabteilung, die beständig mit Friedrichshafen um die Meisterschaft kämpft. Doch Ende der 70er Jahre stieg der SCC mit seiner Fußballmannschaft innerhalb von fünf Jahren vier Mal auf und stand in der Saison 83/84 in der 2. Bundesliga. Es folgte mit einem knappen Rückstand von zwei Punkten der sofortige Abstieg. Da tröstete auch eine positive Bilanz gegen Hertha (Sieg und Unentschieden) nicht. Andreas Köpke wechselte jedenfalls schnell den Verein und spielte ab der nächsten Saison bei Hertha BSC. Zweimal verpasste der SCC kurz darauf in der Aufstiegsrunde den Sprung in Liga zwei. Und ab Ende der 80er ging es bergab.
Heute spielt der SC Charlottenburg in der Landesliga. Einen Aufstieg in die zwei Klassen höhere Oberliga mag man ihm und seinen Anhängern allerdings angesichts solchen Liedgutes nicht wünschen. Die Polizei in Ostdeutschland ist da mittlerweile sehr sensibel:
Wir sind die Jungs vom SCC
wir sind ein stolzer Hieb
Und mancher der uns unterschätzt
schon auf der Strecke bliebRefrain: “Schwarzes C” ist ok
“Schwarzes C” ist ok ja ja ja ja ja
“Schwarzes C” ist ok
wir sind ein stolzer Hieb
Quelle: www.scc-fussball.de
SC Wacker 04 Berlin
Vom Gründungsmitglied der zweiten Bundesliga ist nur noch ein Namensfragment geblieben. Der Verein wurde 1994 nach einem Konkurs aufgelöst und die Mitglieder traten dem Berliner FC Alemannia 90 bei, der seitdem als Berliner FC Alemannia 90 Wacker Fußball spielt. Nach der Gründung der zweiten Bundesliga spielte Wacker drei Spielzeiten in der neuen Spielklasse und gab letztmalig 1978/79 ein einjähriges Gastspiel. Diese Zeit ist identisch mit den Jahren, die Richard Golz in der dortigen Jugendabteilung verbrachte.
Heute geht es dem Verein um das Überleben in der 2. Abteilung der Landesliga, wo man dieses Jahr, Ironie der Geschichte, auf die ehemaligen Zweitligisten Spandauer SV und SC Charlottenburg trifft. Aus administrativer Sicht nicht unglücklich ist man darüber, dass Wacker 04 der Heimatverein von Bernd Schultz, dem derzeitigen Präsidenten des Berliner Fußballverbandes, ist.
SpVgg Blau-Weiß 1890 Berlin
Als sich der gesamte Westberliner Fußball Mitte der 80er Jahre dem Siechtum hingab, hielt Blau-Weiß 90 das Fähnchen hoch. Ab 1984 spielte der Verein im Profifußball. Als Tennis Borussia und Hertha BSC in die Amateurliga abstiegen, gelang dem Verein sogar der Aufstieg in die Bundesliga. Damit einher ging ein legendärer Auftritt im ZDF Sportstudio, als die Mannschaft mit dem Schlagersänger Bernhard Brink mitwippen durfte.
Sportlich in der Abstiegsrunde 1991/92 gerettet, entzog der DFB dem Verein die Lizenz für die neue Spielzeit, was Konkurs und Auflösung des Vereins zur Folge hatte. Die Traditionslinie setzt seitdem der SV Blau-Weiß 90 fort, der derzeit in der Berzirksliga wieder höhere Ziele ausgibt.
Tennis Borussia Berlin
Im Jahr der Gründung der zweiten Bundesliga spielte Tennis Borussia eine Etage höher und lernte das sogenannte Unterhaus nur im Falle des Abstieges kennen. Als die zweite Bundesliga 1981 eingleisig wurde, war der Verein ein Opfer der Reform und seiner vorher schlechteren Plazierungen. Ab da wurde bis auf die Saison 85/86 nur noch drittklassig gespielt.
1993 steigt Tennis Borussia in die zweite Liga auf, obwohl der 1. FC Union den Erfolg sportlich sicher hatte. Union hatte die Lizenzunterlagen mit einer gefälschten Bankbürgschaft erhalten. Darum, auf welchem Wege und unter welchen Umständen diese Informationen zum damaligen Präsidenten von Tebe, Jack White, kamen, ranken sich verschiedene Legenden. Fakt ist, dass White dem DFB die gefälschte Bürgschaft meldete und Tebe anstatt Union in der zweiten Liga antrat. Der Beginn einer tiefen Abneigung der beiden Anhängerschaften. Daran änderte auch der sofortige Abstieg der Charlottenburger nichts.
Ein zweites Intermezzo gab es von 1998 bis 2000, das allerdings mit den finanziellen Ungereimtheiten um die Göttinger Gruppe mit dem Lizenzentzug endete. Seitdem versucht der Klub immer wieder auf die Beine zu kommen. Aber eine solide Finanzierung hat sich seitdem nicht wieder gefunden. Letzte Saison wartete man vergeblich auf von einem nicht näher bekannten “Sponsor” zugesagte Gelder, die bis zum Schluß nicht ankamen. Die kurzfristige Präsentation von Werner Lorant als Sportdirektor half ebenso wenig. Seit diesem Jahr spielt der Verein wieder in der fünftklassigen Oberliga.
Hertha BSC und der 1. FC Union Berlin
Berlins aktuelle Zweitligisten. Die Rollen sind klar verteilt. Hertha besaß mit Theo Gries einen der erfolgreichsten Torschützen der 2. Liga (123 Tore). Union besitzt mit Theo Gries als Trainer der eigenen U23-Mannschaft einen der erfolgreichsten Torschützen der 2. Liga (123 Tore).
Hertha kann wohl auf das zuschauerreichste Zweitligaspiel verweisen (75.000), als 1997 der 1. FC Kaiserslautern im Olympiastadion gastierte. Dafür verweist Union gerne auf die zuschauerreichste Stadionsanierung (ca. 2.000).
Union ist einer der wenigen Zweitligisten, die im Europapokal spielten (2001/02). Dafür spielte die Hertha deutlich erfolgreicher im Europapokal.
Ansonsten ist zum Verhältnis beider Vereine wenig zu sagen, da diese in ihrer bisherigen Verfassung noch kein einziges Pflichtspiel gegeneinander ausgetragen haben. Das letzte Aufeinandertreffen muss in der Saison 1949/50 in der damals letztmalig ausgetragenen Gesamtberliner Stadtmeisterschaft stattgefunden haben. Kurz darauf wurden die beiden Ostberliner Vereine zurückgezogen und die von Hanne Sobeck trainierte Mannschaft aus Oberschöneweide verließ den Ostsektor.
Auch einen Tag nach der Pokalniederlage gegen den Halleschen FC im Leipziger Zentralstadion ist Sprachlosigkeit und Frust allgegenwärtig. Auch wenn es im Nachhinein sicher niemand so sagt, wurde doch im Geiste bereits die zweite Runde geplant. Ein überzeugter Trainer gab vor dem Spiel aus: “Wir nehmen die uns zugeschriebene Favoritenrolle an, so selbstbewusst sind wir. Wichtig ist es, diese dann auf dem Feld auch entsprechend umzusetzen.“ Gegen einen Viertligisten gelang dies schlussendlich nicht wie vorgestellt.
Zwar gelang es, sich eine optische Feldüberlegenheit zu erarbeiten, doch konnte man damit wenig anfangen. Während viele Anhänger dem Auftritt mit einer Spitze die Schuld gaben und damit Neuhaus Ängstlichkeit vorwarfen, war doch auffällig, dass vor allem die Außenspieler den für diese Taktik notwendigen Druck nicht ausüben konnten. Schaut man sich die Linie Mattuschka, als offensive Sechs aufgeboten, Kolk, Mosquera an, fällt auf, dass deren Spiel durch die Mitte sehr leicht zu verteidigen ist. Es ist müßig, darüber zu diskutieren, ob ein 4-4-2, wie es ab der 58. Minute durch die Hereinnahme von Benyamina praktiziert wurde, besser gegen Halle funktioniert hätte. Im Zweifelsfall hätten sich sowohl Mosquera als auch Benyamina in der Abwehr verfangen. Und genauso hätte der viel gescholtene Mosquera in der 23. Minute seinem Trainer auch Recht geben können, als er frei vor dem Keeper über das Tor drosch.
Als verhängnisvoll offenbarte sich das wenig flexible Angriffsspiel, das es nicht vermochte, die Abwehr von Halle auseinanderzuziehen. Einen Gegentreffer durch ein verlorenes Kopfballduell muss man einkalkulieren. Dies hatte eindrucksvoll St. Pauli am Vortag gezeigt.
Was bleibt von diesem Spiel? Ebenso wie im Vorjahr wurde die gute Vorbereitung durch eine Pleite im Pokal in Frage gestellt. Ob allerdings dieses Mal die Reservespieler in einem solchen Maße profitieren wie in der letzten Saison, darf bezweifelt werden. Kolk oder Madouni holt man nicht, um diese nach einem verlorenen Spiel auf die Bank zu setzen.
Neben dem Platz müssen sich die Anhänger des 1. FC Wundervoll fragen lassen, ob sie sich im Protest gegen die überbordenden Polizeimaßnahmen mit dem richtigen Partner verbündet haben. Gemeinsam erschienen die Anhänger aus Berlin und Halle in schwarz und boykottierten in den ersten 15 Minuten jede lautstarke Anfeuerung. Am Ende explodierten trotz scharfer Einlasskontrollen Knallkörper neben Unions Torhüter Jan Glinker. Dieser spielte sportlich fair weiter. Aber einen Rechtfertigungsdruck für ihre Maßnahmen wird die Leipziger Polizei nach der Partie nicht spüren. Und Halles Anhänger, bereits wegen rassistischer und antisemitischer Rufe verurteilt, werden weiter ihre Bühne nutzen. Denn durch das faire Verhalten von Glinker wird sicherlich nicht an der Wertung des Spiels gerüttelt werden.
Das Poststadion in Berlin-Moabit ist ein geschichtsträchtiger Ort. Schalke holte hier 1934 die Deutsche Meisterschaft und zwei Jahre später der 1. FC Nürnberg auch. Zwischendurch boxte Max Schmeling im weiten Rund. Von diesem Ruhm und Glanz zeugt heute vor allem die Außenfassade, die wiederhergestellt wurde und die Tribüne, obwohl dort ein Großteil der Sitze abmontiert ist. Die Anlage fasst heute noch 10.000 anstatt der früher möglichen 45.000 Zuschauer. Dort, wor früher die Tribünen waren, stehen heute Bäume.

In diesem Stadion empfing in der ersten Runde des DFB-Pokals der Oberligist Berliner Athletik-Klub 07 den Bundesligisten 1. FSV Mainz 05. Verglichen mit den Sicherheitsdiskussionen anderer Spiele bestach die Organisation durch eine beinahe familiäre Atmosphäre. Am Haupteingang probierten sich ein paar Jungs im fröhlichen Wechsel der knappen Parkschilder. Auto fährt mit Parkschein auf das Stadiongelände, Parkschein kommt wieder zurück zum Haupteingang und so weiter. Kurze Zeit später riss aber einer Ordnerin der Geduldsfaden: “Das ist doch hier keine Familienfeier!” Und der Spuk war aus.
Die gescheiterte Verschmelzung mit dem Club Italia Berlino war kein Thema mehr. Auf dessen Geld war man nach dem überaschenden Berliner Pokalsieg gegen den BFC Dynamo nicht mehr angewiesen. Allein für den Antritt in der ersten Runde erhielt der Verein vom DFB die für einen Fünftligisten sehr stolze Summe von 113.000 € (100.000 € Antrittsprämie plus 13.000 € vom Pay-TV für den Heimverein). Der Verein hat sich umorientiert. Die Kooperation mit Ankaraspor in der Türkei ist Vergangenheit und war an diesem Tag nur auf dem offiziellen Mannschaftsbogen als Berlin Ankaraspor Kulübü zu lesen. Erst in der nächsten Woche wird die Rückbenennung in Berliner Athletik-Klub 07 durch das Amtsgericht offiziell werden. Aber der neue alte Name und Emblem sind bereits überall sichtbar. Auch auf den Trikots der Spieler.

Zwar befindet man sich als Zuschauer nur knapp zehn Minuten Fußweg vom Berliner Hauptbahnhof entfernt. Aber trotzdem war die Berliner Mitte ganz weit weg. Den Ehrengästen wurde türkischer Kaffee gereicht und beleibte türkische Männer küssten sich und hielten lange die Hand. Es waren ganz andere kulturelle Codes, die wichtig waren. Über allem stand die Improvisation für einen Verein, der zu einem normalen Ligaspiel etwa 150 Zuschauer empfängt. Zur Pokalrunde waren es für Berliner Verhältnisse gute 1.120 Zuschauer. In jeder anderen Stadt eine beschämend niedrige Zahl.
Zum Anpfiff war jedoch allen das gleiche wichtig: Fußball. Ein einfaches Spiel, das in beinahe jedem kulturellen Kontext funktioniert. Mainz nahm in der schwülen Luft die vorbereitete Rolle des Favoriten an, der pomadig und behäbig das leicht zu hohe Gras beackerte, während der BAK die Räume geschickt verengte. Unterhalb der Hauptribüne standen auf Stehplätzen die Anhänger des BAK und eine kleine Gruppe sang und trommelte unentwegt. Kinder wurden von ihren Vätern auf die hüfthohe Absperrung gesetzt, während Ordner gelangweilt auf Plastikstühlen saßen.

Und dann in der 37. Minute die Einzelaktion von Lewis Holtby, der einfach mal aus 18 m zentral vor dem Tor abzieht. Vom BAK war bis dahin offensiv kein Schuss zu sehen gewesen, der auf das Tor kam. Plötzlich schien es einen Ruck zu geben und nur eine Minute später köpfte der junge Fardjad-Azad an die Latte und kurze Zeit später noch einmal am Tor vorbei. Mainz wusste sich nicht anders als mit einigen Fouls zu helfen, die vom Schiedsrichter nicht sofort mit Gelb geahndet wurden. Dies sorgte auf der Tribüne für Unmut und es entlud sich eine türkische Schimpfkanonade, die gut hörbar mit “Schirie, hast Du keine Mut oder was?” endete.
Torhüter Stillenmunkes testete in der zweiten Hälfte zweimal seine Dribbelkünste gegen die Mainzer Stürmer. Auf der Tribüne wurde geraunt, ob er unbedingt in die Sportschau kommen wolle. Nach dem Spiel löste Trainer Foroutan das Rätsel auf: “In der Kabine bin ich laut geworden, sogar sehr sehr laut. Und ich habe meinem Tormann angeordnet, wenn er den Ball bekommt, durch die Beine des gegnerischen Mittelstürmers zu spielen. Und wenn dabei ein Tor fällt, dann sei ich daran schuld und nicht er.” Der Rest des Spieles folgte der Dramaturgie eines üblichen Pokalspiels. Holtby erhöht auf 2:0. Und dann kämpft der unterklassige Gegner sich heran und macht mit Keser, der Noveski aussteigen lässt, in der 83. Minute den Anschlusstreffer. Der Rest war Kampf und bereits etwas Krampf bei den Gastgebern. Ohne den erhofften Ausgleich allerdings.

Nach dem Spiel feiert die Mannschaft des BAK vor der Tribüne. Sie gibt die Welle. Und dann stehen Torhüter Stillenmunkes, Torschütze Keser, der vor dem Tor glücklose Fardjad-Azad und der Trainer zusammen. Sie gestikulieren und diskutieren. Keser hadert mit seinen Chancen. Plötzlich zeigt der Torhüter auf die Gegentribüne und sagt: “Trainer, ich muss mal zu meinen Fans.” Und rennt los zu einer allein feiernden Gruppe von vielleicht sieben acht Leuten. Ibrahim Keser, der nach seinem Tor einen Jubel zeigte, für den auch der ehrwürdige Kicker das Prädikat “Internationale Klasse” vergeben hätte, trauerte der vergebenen Chance hinterher. Auf die Frage, ob er die Nacht schlecht schlafen würde, antwortete er: “Weiß ich nicht. Ich fliege jetzt erst einmal in die Türkei, drei Tage Urlaub machen”.
Pressekonferenz mit den Trainern von BAK 07 und Mainz 05
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Bilder: Stefanie Lamm














































































