Monthly Archive for Juni, 2010

Was neues zum Anziehen.

Bis nach Südafrika drang die Kunde von den neuen Trikots des 1. FC Wundervoll, die am 6. Juli offiziell vorgestellt werden sollen. Nun ist der endgültige Entwurf, wie aus gut informierten Kreisen bestätigt wurde, bereits aufgetaucht.

Bild: ZVG

Nichts hat so sehr Tradition beim 1. FC Union Berlin wie die Diskussion um das Union-Rot. Seit jährlich die Trikotsdesigns gewechselt werden, begleitet den Verein ebenso jährlich diese Kontroverse. Sie dient den Anhängern zur Abgrenzung vom Hertha-Rot oder Tebe-Rot. Manche mögen sich noch an ein BFC-Rot erinnern, von dem sich abgegrenzt werden muss.

Doch auch mit dieser Tradition wurde gebrochen. Nun wird über ein Grün auf Auswärtstrikots diskutiert. Die Bestimmung des Union-Grün ist ideologisch noch nicht vollständig abgeleitet und abgesichert, aber es scheint wohl etwas mit der “immergrünen Alten Försterei” zu tun zu haben.

Anmerkung: Für mich ist das Auswärtstrikot braun. Grund für mich und knapp 10% der männlichen Stadionbesucher: Rot-Grün-Sehschwäche.

Niemand kuckt gerne Fußball!

Von allen Menschen, die ich kenne, kuckt Volker Strübing am ungernsten Fußball. Von allen Menschen, die ich kenne, hatte er allerdings den weltbesten Trickfilm darüber gemacht. Wie Norbert schon sagt, “ist alles Gehirnwäsche – aber denkste, ich geh mit ungewaschenem Gehirn?” Wer Norbert ist? Na hier, passt ma uff:

Danke, Volker!

Die ernsteste Sache der Welt

Fußball lebt angeblich davon, dass das Spiel so einfach ist. Und natürlich ist das richtig. Wenn das eigene Kind dem Ball hinterherjagt – nur darauf bedacht, diesen ins Tor zu schießen – bekommt man eine Ahnung davon. Und natürlich ist das falsch. Das fällt auf, wenn das eigene Kind beim Spiel eins gegen eins beständig “Abseits!” ruft. Das Spiel hat Regeln. Manche sind einfacher als andere. Vieles ist Auslegungssache. Und doch leistet sich der Fußball in seiner organisierten Form den Luxus, diese Regeln während des Spiels lediglich von Schiedsrichtern überwachen zu lassen und damit Fehler billigend in Kauf zu nehmen. Den Referees wird mit dem Argument der Tasachenentscheidung der Rücken gestärkt. Technische Hilfsmittel zur Erkennung und Bewertung von Situationen sind ihnen untersagt. Doch wie erleben Schiedsrichter ein Spiel? Wie gehen sie mit dem Brimborium um sich herum um? Dies versucht die sehenswerte Dokumentation “Referees At Work” darzustellen.

Ein ganz anderes Thema und daher auch eine ganz andere Argumentation: Doping im Fußball. Das bekannte Argument kann man bereits per Ausdruckstanz darstellen: “Doping im Fußball bringt nichts, da die Anforderungen an die Spieler viel zu komplex sind.” Das einstündige Feature des NDR “Außer Kontrolle. Doping im Fußball” zeigt anhand von vielen Beispielen wie sinnvoll der Einsatz von Dopingsubstanzen im Fußball ist. Danach ist man vielleicht nicht schlauer, weil die Netzwerke nicht aufgedeckt werden, aber man wird skeptischer und stellt sich Fragen. Wieso gleichen manche Gegner in der zweiten Liga wandelnden Kleiderschränken? Wie kann es sein, dass einzelne Spieler so exorbitant schneller sind als andere? Wieso ist die Regenerationszeit bei Verletzungen mittlerweile soviel kürzer als noch vor zwanzig Jahren? Wie werden aus den schmächtigen Jungs der A-Junioren und U23-Mannschaften solch muskelbepackte Profis?

Durch die Nacht

Die Idee klingt abgedroschen: Ein deutscher Sportkommentator besucht Johannesburg 101 Tag vor der Weltmeisterschaft und lässt sich alles im Schnelldurchlauf von einem einheimischen Kollegen zeigen: Das Stadion Soccer City, den Sender und die soziale Komponente der FIFA inklusive Township-Besuch. Am Ende gibt es ein gemeinsames Essen. So sieht der Plot der Sendung “Durch die Nacht… mit Marcel Reif und Robert Marawa” aus, die am 1. Juni 24.00 h auf Arte zu sehen sein wird.

Aber es funktioniert. Marcel Reif wird für anderthalb Tage nach Johannesburg geschickt und trifft dort den Sportmoderator Robert Marawa. Der Funke zwischen den beiden springt kurz nach dem ersten Kennenlernen vor dem Stadion Soccer City über. Marawa, im Trikot der südafrikanischen Nationalmannschaft, sagt eher nebenbei, dass er heute Geburtstag habe. Daraufhin verbeugt sich der mit einem weißen Hemd bekleidete Marcel Reif und gratuliert.

Beiden bei ihrem ersten Besuch des Stadions zuzusehen ist so ähnlich wie Kinder beim Auspacken von Geschenken zu beobachten. Mit jedem Meter nehmen sie das Stadion in Besitz und staunen. Sie zeigen sich ihre zukünftigen Arbeitsplätze, begutachten den Rasen und sehen die Aufwärmräume im Stadioninneren. Eine der stärksten Szenen ist die, in der Reif und Marawa auf den orange Plastikschalen Platz genommen haben und das Stadion mit ihren Smartphones abfilmen.

Sie unterhalten sich über das Spiel, das sich verändert hat und über das drumherum. Das wirkt manchmal komisch, da Reif selbst als Chefkommentator bei Sky an diesen Veränderungen mitwirkt. Aber man merkt, dass er sich Gedanken darüber macht, die vielleicht nicht zu hundert Prozent mit den Vorstellungen seines Arbeitgebers übereinstimmen. Vor allem ist den ganzen Film über bei beiden Männern die Liebe zum Fußballspiel spürbar.

Der Besuch des Townships Alexandra ist sicher nicht der gelungenste Teil des Films, da sich Reif hier ebenso wie Marawa sichtlich unwohl fühlt. Sie hören die Ausführungen des Angestellten, der das FIFA-Projekt eines offiziellen Festes während der WM vorstellt. Aber schon an den durch die PR weichgespülten Sätzen merkt man, dass dies ein Teil des Raumschiffes FIFA während einer WM ist, das irgendwo landet und seine offiziellen Veranstaltungen durchführt und dann wieder verschwindet. Für die Kamera kicken die beiden noch mit den Kindern, die dort im Stadion trainieren. Bei der Vorpremiere erzählt Reif, dass er das Gefühl gehabt habe, dass es dann gut war, wieder weggefahren zu sein. Denn sie seien Fremde dort gewesen, die dort nicht hingehörten. Eine Einschätzung, die durch die Bilder wieder bestätigt wird.

Sein Gegenpart Robert Marawa ist das ganze Gegenteil des vorsichtig überlegten Reifs. Er moderiert mit Reif seine Radiosendung um danach gleich noch seine Fernsehshow zu erledigen. Marawa schüttelt viele Hände, hat immer einen Spruch auf den Lippen und ist doch überhaupt kein Kasper. Er lebt einfach sehr viele Leben in einem. Zum Schluß sitzen beide in einem Restaurant als einzige Gäste und unterhalten sich und der Zuschauer bekommt das exklusive Gefühl einem Gespräch zweier sehr alter Freunde zuzuhören.

Auf die Frage, was er aus Südafrika für Eindrücke mitgenommen habe, antwortet Reif bei der Diskussion nach der Filmpremiere: “Ich sage: Mandela. Nobelpreisträger. Überragend. Und Marawa sagt: Weißt du, bei uns ist inzwischen – ich sage es mal böse – jedes Pissoir an der Ecke, das neu gebaut wird, das Nelson-Mandela-Pissoir. Jede Brücke ist die Mandela-Brücke. Jeder Flughafen ist der Mandela-Flughafen. Es gab auf Robben Island auch andere. Aber über die redet kaum jemand. Das ganze ist ein sehr komplexes Bild und es taugt nicht, um ziemlich flach über den Stammtisch hinüberzubrettern und dann Ratschläge von hier zu geben. Das ist das, was ich als erstes begriffen habe. Ich war anderthalb Tage da und kann mir überhaupt kein umfassendes Urteil erlauben. Aber ich weiß, dass ich es mir nicht erlauben kann. Das ist schon einmal ein Fortschritt.” Einen solchen Eindruck vermittelt der Film dem Zuschauer auch.

Update: Den Film kann man sich auch in der Mediathek Arte+7 ansehen.