Monthly Archive for März, 2010

“Das ist kein Mainstream.”

Robert Müller von Vultejus von UFA Sports stand nach der offiziellen Pressekonferenz Sebastian Fiebrig (Textilvergehen) und Mathias Bunkus (Berliner Kurier) für einige Nachfragen zur Verfügung.

Sie haben mehrfach auf die Wichtgkeit der langfristigen Vereinbarung zur Stundung der Darlehen zwischen Kölmel und Union hingewiesen. Sind solche Deals aus Vermarktersicht nicht lukrativ?

Das sind Einmaleffekte, die es mal gegeben hat. Sei es die bei Borussia Dortmund mit den 50 Millionen Euro, Hertha oder beim HSV die Finanzierung des Stadions. Da schafft man sich in der Sekunde aus Vermarktungssicht zwar einen Wert, weil man da einen Gegenwert in Form eines 10-Jahresvertrag bekommt. Aber am Ende ist es ja so, dass der Verein ja auch das Netto braucht, um am Ende sportlich wettbewerbsfähig zu werden. Und das ist natürlich immer schwierig, wenn ich mit diesen Altlasten zu kämpfen habe. Da ist Kölmel kein Einzelfall und Union kein Einzelbeispiel. Da gab es viele verschiedene Fälle. Und ich glaube, dass die Vereine, die daraus gelernt haben und sich vielleicht ein bißchen langsamer dafür aber kontinuierlicher entwickeln als andere, wettbewerbsfähiger sind. Siehe Bayern München. Die haben diese Fehler nie in dem Maße begangen. Und von daher glauben wir auch, dass diese Partnerschaft mit Union auf extrem gesunden Füßen steht, weil jeder weiß, was er von dem anderen erwarten kann und erwarten muss. Und das basiert eben nicht auf einer Finanzierungsform wie in der Vergangenheit.

Wenn die Finanzierung des Stadions wider Erwarten nicht klappt, wäre die UFA Sports bereit, da Entsprechendes in die Wege zu leiten?

Das sind Dinge, die wir nie diskutiert haben, weil uns der Verein glaubhaft versichert hat, das alleine stemmen zu können.Von daher gehen wir auch davon aus, dass die Haupttribüne innerhalb der nächsten zwei bis drei Saisons steht.

Bei wievielen Vereinen außer St. Pauli und Union sind sie bisher in der Vermarktung engagiert?

Das war es. Wir arbeiten noch mit anderen Vereinen und Verbänden zusammen. Aber das eher international für die Vermarktung der Europa League und von Qualifikationsspielen. Wir haben ein Büro in Bratislava, wo wir den gesamten slowakischen Fußball vermarkten. Die sind jetzt auch WM-Teilnehmer. Das sind TV-Rechte, Marketing von Liga und auch Nationalmannschaft.
Aber wir streben nicht nach Größe der Größe wegen sondern weil wir auch Spaß an den Themen haben. Zum Beispiel unser Engagement beim FC St. Pauli. Das ist für uns jeden Tag wieder Spaß.

Union und St. Pauli sind aber auch Vereine, bei denen die Vermarktung einfacher ist, weil sie als Marke etabliert sind.

Sie ist anders. Ich weiß nicht, ob sie einfacher ist. Das ist kein Mainstream, was man hier verkauft. Es gibt bestimmte Dinge, die sich gegenseitig ausschließen. Also Vattenfall zum FC St. Pauli zu bringen zum Beispiel [Anmerkung: Vattenfall betreibt zwei Kernkraftwerke in Norddeutschland]. Das würden wir nicht einmal versuchen, weil das nicht funktionieren würde. Das wäre für Vattenfall der falsche Klub. Aber das wäre auch für St. Pauli der falsche Partner. Dafür gibt es andere Marken, die dann richtig gut passen und sowohl für den Verein als auch für das Unternehmen die Ziele erreichen lassen. Das sehen wir beim FC St. Pauli einfach jeden Tag.
Man muss sich einmal diese Erlebniswelt anschauen. Die ist an den Spieltagen durchaus vergleichbar. Jeder Kunde, auch Hospitality-Kunde, den man einmal hier mit zum Heimspiel bringt, der geht danach nicht nach Hause und sagt: “Das hat mich nicht berührt” oder “Das war mir egal.” Das ist schon ein Thema, mit dem man die Leute begeistern kann.
Man stelle sich tatsächlich mal vor, Hertha schafft es nicht und steigt ab. Dann hat man eben auch das Problem Olympiastadion mit den vielen Plätzen. Ein Heimspiel gegen Ahlen. Und dann frage ich mich: “Will ich dazu meine Kunden einladen? Ist das für die ein toller Samstag- oder Sonntagnachmittag, an dem sie auch mit einem tollen Gefühl nach Hause gehen?” Das kann ich hier immer bieten. Und zwar ligaunabhängig.

Wenn die Vermarktung nicht einfacher ist, was ist dann daran schwieriger?

Es ist natürlich so, dass jeder Verein, der Ecken und Kanten hat, auch polarisiert. Es gibt bestimmte Unternehmen, die sagen: “Das deckt sich nicht mit meinen Werten und ist dadurch für mich nicht relevant.” Wenn ich einen Verein biete, der sich an die Masse wendet. Und dem Unternehmen geht es nur um die Aufmerksamkeit, um die Fernsehzahlen, dann ist das vielleicht eher ein Engagement für die. Von daher muss man ein bisschen genauer hinschauen und ein bisschen genauer suchen. Aber wenn man dann den richtigen Partner gefunden hat, dann glaube ich eben auch, dass man langfristige und tolle Engagements findet, die beiden Seiten Spaß machen.

Sich vermarkten lassen

Die Einladung zur Pressekonferenz von Präsident Dirk Zingler und geladenen aber nicht näher benannten Gästen hätte auch die Checkliste des Vereins sein können. Auf dem Zettel mit den zu erledigenden Dingen steht: “Der Bau der Haupttribüne, die Weiterentwicklung der Infrastruktur der Sportanlage An der Alten Försterei und die schrittweise Erhöhung des Etats mit dem Ziel, den Verein dauerhaft im DFL-Bereich zu etablieren.” Da der Präsident dem Verkauf von Vermarktungsrechten auf der letzten Mitgliederversammlung eine eindeutige Absage erteilt hatte, blieb nur etwas übrig, was man als Unioner bereits kennt: Bauen.

Groß war die Überraschung, als Dirk Zingler die UFA SPORTS GmbH als exklusiven Vermarktungspartner des 1. FC Wundervoll vorstellte. Der Vertrag wird bis 2020 laufen. Zunächst kamen Erinnerungen hoch an die Vorstellung einer strategischen Partnerschaft mit einer Firma, der der Verein mittlerweile nur noch vor Gericht begegnet. Danach Gedanken an Hertha BSC, der sich für eine Vorauszahlung sämtliche Vermarktungsrechte bis 2018 von Sportfive hat abkaufen lassen.

Die Verbindung zu Hertha bestätigt Robert Müller von Vultejus, Managing Director von UFA Sports, als er kurz die Geschichte der Firma erläutert. Vom ehemaligen Präsidenten von Hertha BSC, Bernd Schiphorst, wurde 1988 die UFA Film und Fernsehen GmbH als hunderprozentige Tochter der Bertlesmann Gruppe gegründet, die seit 1994 im Bereich der Sportrechtevermarktung tätig ist. Erster Verein, der sich der Gesamtvermarktung der UFA hingab, war Hertha. Die Firma konvertierte zu Sportfive und wechselte in den letzten Jahren mehrfach den Besitzer. Müller von Vultejus und Philip Cordes, der ebenfalls auf der Pressekonferenz anwesend war, verließen 2007 mit einigen Mitarbeitern Sportfive und gründeten 2008 mit dem erneuten Gesellschafter Bertelsmann Gruppe die UFA Sports GmbH, die mit mittlerweile 25 Mitarbeitern an vier verschiedenen Standorten aktiv ist.

Präsident Zingler steht weiterhin zu seinem Statement gegen eine Zentralvermarktung und will vielmehr mit der Vermarktungspartnerschaft “die Basis dafür legen, dass wir uns dauerhaft im DFL-Bereich etablieren.” Die Frage, die sich die Vereinsführung gestellt habe, sei gewesen, ob man die Wachstumsziele selbst aus dem Verein heraus schaffen kann oder dafür externe Hilfe in Anspruch nimmt. Seit mehreren Monaten seien Gespräche mit verschiedenen Vermarktern geführt worden. Diese seien nicht immer einfach verlaufen, da der Verein seine eigenen Vorstellungen nicht aufgeben wollte. Die eigenen Vorstellungen sind konkret zu benennen: Kein Gesamtverkauf von Vermarktungsrechten, Unveräußerlichkeit des Stadionnamens oder Einflußnahme auf Gestaltung des Stadionheftes. UFA Sports hat sich, wie das auf Marketingdeutsch heißt, zu diesen Vorstellungen bekannt.

Während der Fragen durch die Pressevertreter ging Präsident Dirk Zingler auch auf die Frage nach dem Neubau der Haupttribüne ein. Er hoffe, dass die Gespräche über die Finanzierung in den nächsten Monaten abgeschlossen werden würden. UFA Sports sei daran nicht beteiligt. Sollte die Finanzierung nicht zustande kommen, werde man sich eventuell mit dem Vermarkter zusammensetzen, um eine andere Finanzierung zu realisieren. Alle diese Aussagen sind zwar Balsam auf der Seele der rot-weißen Anhänger, aber wenig konkret. Und vor allem hilft der Seelenbalsam nicht, den Etat nennenswert zu erhöhen.

Die auf zehn Jahre für alle Ligen und unabhängig vom weiteren Stadionausbau angelegte Vermarktungspartnerschaft wird so aussehen, dass die bisher in der Vermarktung tätigen Mitarbeiter der Geschäftsstelle sowie Mitarbeiter von UFA Sports gemeinsam als Firma für den Verein tätig sein werden. Der Sitz wird im Forsthaus in Köpenick sein. Der Vorteil der kurzen Wege liegt auf der Hand und ist eine interessante Strategie für einen Vermarkter, der passend zum Verein Sponsoren akquirieren möchte. Geld soll entsprechend der Tätigkeit als Dienstleister für den Verein mit Provisionen verdient werden, über deren Höhe sich allerdings ausgeschwiegen wurde. Präsident Dirk Zingler betonte auf Nachfrage, ob bereits Geld geflossen sei: “Es wurden keine Rechte verkauft oder auf zukünftige Erträge Einnahmen generiert.” Wie das Commitment von UFA Sports zum 1. FC Union, welches die beiden Vertreter des Vermarkters betonten, genauer aussieht, blieb im Unklaren. Den Verantwortlichen des Vereins ging es vielmehr darum, den Grund der Partnerschaft als den konkreten Inhalt zu vermitteln. So glaubt Zingler, mit UFA Sports schneller und vor allem überregional wachsen zu können. Schaut man sich im Stadion um und liest sich die einzelnen Werbebanden durch, fällt auf, was die Vereinsverantwortlichen umtreibt, wenn sie sagen, dass sie regional gut verwurzelt sind. Es sind die fehlenden überregionalen Sponsoren. Und genau dort wird UFA Sports wohl auch als erstes ansetzen.

Eine Sicherung vor der Verselbständigung der Vermarktung wurde eingebaut, indem die Vermarktungshoheit weiterhin beim Verein bleiben soll. Das bedeutet, dass die jeweiligen Verträge mit zukünftigen Partnern vom Verein unterzeichnet werden und dieser diese Verträge bzw. die darin aufgeführten Preise und Dienstleistungen auch ablehnen kann. Ob der vom Präsidenten angestrebte Transfer von Know-How von der Vermarktungsfirma in den Verein hinein stattfinden wird, wenn alle mit dem Thema befassten Mitarbeiter nicht mehr beim Verein angestellt sind, wird sich zeigen.

Für die Anhänger wird sich mit Sicherheit bis auf einige Werbebanden zunächst gar nicht soviel ändern. Im Gegensatz zur Präsentation der ISP im letzten Jahr wurde dieses Mal viel Wert darauf gelegt, zu vermitteln, worum es geht und was nicht betroffen sein wird. Außerdem wurde ein Partner gesucht, der durch Seriosität und Erfahrung glänzt. Zwar ist die UFA Sports ein junges Unternehmen, dass gerade einmal 18 Monate existiert, doch haben sie bereits Erfolge vorzuweisen. Eine ähnliche Vermarktungspartnerschaft wie jetzt mit dem 1. FC Wundervoll wurde vorher mit dem FC St. Pauli beschlossen. Dort sitzen ebenfalls die Vermarkter direkt vor Ort. Außerdem vermarktet die Firma bis 2011 die Medien- und Fernsehrechte der deutschen U21, besitzt eine Vermarktungspartnerschaft mit dem Deutschen Basketballbund und vermarktet die slowakische Fußballnationalmannschaft.

Mit der jetzt endgültigen Absage an ein schnelles Wachstum des Vereins durch fremde Mittel wird es sicherlich einfacher werden, die Anhänger des Vereins auf der Gratwanderung zwischen Kommerz und Tradition mitzunehmen. Was die Partnerschaft aber tatsächlich in Zahlen für den Verein bringt, wird man erst später bewerten können.

der Bau der Haupttribüne, die Weiterentwicklung der Infrastruktur der Sportanlage An der Alten Försterei und die schrittweise Erhöhung des Etats mit dem Ziel, den Verein dauerhaft im DFL-Bereich zu etablieren.

Tapetenwechsel

Erik Meijer hatte nach dem Spiel von Alemannia Aachen beim 1. FC Wundervoll sein Mitleid gegenüber der Mannschaft geäußert, die auf dem RasenAcker ihre Heimspiele bestreiten muss. Aber ein Wechsel des Geläufs stand erst für Mai auf dem Plan. Und bis dahin würde es schon nicht so schlimm werden.

Beim heutigen Blick ins Stadion waren allerdings Traktoren zu sehen, die das Spielfeld beackerten. Der Rasenwechsel wurde also vorgezogen. Da die Mannschaft mit den jeweiligen Gästen bei dem ein oder anderen Subbotnik den Grund gut umgepflügt hatte, geht die Arbeit gut voran. Zum Heimspiel gegen den KSC sollten also beste Bedingungen vorherrschen.

Falls der Plan wider Erwarten nicht erfüllt wird, kann ein neues Lied in den rot-weißen Kanon aufgenommen werden. Angesichts des fehlenden Grüns dichtete Mathias Bunkus vom Berliner Kurier:

Auf einer braunen Wiese, zwei Tore angelehnt…

Zwischen Plappern und Schweigen.

Ey, liebe Saison – so hatten wir nicht gewettet! Jan Hollants hat uns einen Gastbeitrag über den aprilwettrigen Verlauf der aktuellen Spielzeit und die sich ausbreitende Sprachlosigkeit in Sachen Union geschrieben. Auch wenn der Anlass ungut ist: Dankeschön, Jan!

Gestern Nachmittag, vor dem Eiscafé – denn trotz eines kalten, böigen Windes will die Liebste Eis, und so tun wir so, als wäre ein schöner Frühlingstag und bestellen große Eisbecher, mit von allem etwas zu viel. Wir sind Unioner, wir machen das so, insbesondere für unseren Verein. Wir kommen immer wieder und singen, springen, schreien. Wir pfeifen nicht, wir lernen statt dessen neue Lieder. So machen wir das.

Gestern vor dem Eiscafé trafen wir noch einen Unioner mit Kind und Kegel, man schaut sich an und jedem steht ins Gesicht geschrieben: Hast du irgendeine Erklärung? Gespräche beginnen dann mit: “Ähm,…”, werden fort geführt mit: “…sie haben ja nicht schlecht gespielt…” “…im Vertrag von M. wird doch nicht stehen…” “…ach Quatsch, das Glaube ich nicht, aber wieso…” “…Platz 11…” “…sieben Punkte…”, und Enden mit: “Ick versteht dit nicht. Wirklich.” “Ich auch nicht.”

Die Sprachlosigkeit ist mit Händen greifbar.

Sogar die Bildzeitung wärmt nur noch einmal den Unfug vom Traum eines Durchmarsches auf, den sie selbst verzapft haben, um ins in den Abstiegskampf zu reden, in dem wir nun schon eine Weile stecken. Zugegeben war unser Vorsprung auf den Relegationsplatz bisher beruhigend groß. Mein Wunsch, drei Spieltage vor Ende der Saison auch rechnerisch auf einem Nichtabstiegsplatz zu stehen (weil ditt hält mein ollet Herz nich mehr aus), wurde oft mit einem “ach mit dem Abstiegskampf haben wir diese Saison überhaupt nüscht zu tun!” quittiert. Darauf kann ich nur sagen, ick kenne mein Union, und einfach haben wir uns es nur ganz, ganz selten jemacht.

Dass Uwe Neuhaus aufgehört hat, Quatsch zu reden und scheinbar das erste Mal richtig sauer geworden ist, hilft auch nicht weiter. Wo ist der Typ hin, dem man alles geglaubt hat, weil er gradeaus gesprochen hat und nicht windelweichen Unsinn? Sind wir nun im Abstiegskampf angekommen? Und wird bitte wieder Klartext geredet? Ich würde sehr darum bitten. Es würde uns allen das Leben leichter machen.

Die Mannschaft spielt nicht schlecht, in keinem der letzten Spiele habe ich uns dem Gegner wenn nicht überlegen, doch zumindest ebenbürtig gesehen, und das ist ein Ergebnis guter Trainingsarbeit und einer Mannschaft mit dem Willen zum Sieg. Warum es nicht langt? Ich bin kein Erleuchteter aus den Fußballtalkrunden, und alle Erklärungen, die ich lese, erklären mir nichts. Ein einziges großes Geplapper in den Medien und im Unionforum. Schulterzucken allenthalben.

Also machen wir es wie es Unioner machen. Wir sind da, singen, schreien, springen und lernen neue Lieder.

Den Schreier an die Wand malen

Seit Freitag weiß man auch als Unioner, wie sich Hertha diese Spielzeit anfühlt. Big Points, ein sogenanntes Sechs-Punkte-Spiel, vor Augen. Selbst der Trainer gibt offen zu, dass nach einem Sieg in Frankfurt der Klassenerhalt wohl durch sei, und rückt damit von seinem Mantra der 40 Punkte ab. Und dann gleich nach drei Minuten ein Stürmertor für den 1. FC Wundervoll. In Sack und Tüten werden die drei Punkte gepackt, als Mosquera auf den Frankfurter Torhüter Ischdunat zuläuft. Mitnichten. Der Rest ist Historie. Mosquera vergibt. Younga spielt zu lässig zurück, woraufhin Bemben musterhaft auf den gegnerischen Stürmer vorlegt. 1:1. Ähnlich in Hälfte zwei. Younga patzt, Göhlert schlägt sehenswert über den Ball und Mölders markiert den Siegtreffer. 2:1.

Und danach? Keine Wut. Keine schlechte Laune. Eher blankes Entsetzen. Und die Erinnerung an die Saison 2006/07 als man bei noch zu spielenden sechs Partien vermeintlich lockere elf Punkte Vorsprung auf einen Abstiegsplatz hatte. Niemand dachte da noch an Abstieg. Und doch blieb die Mannschaft nach dem letzten Spieltag nur aufgrund des besseren Torverhältnisses in der Liga. Es gibt zwar noch keinen Grund, den Schreier an die Wand malen, aber sicherer Klassenerhalt sieht auch anders aus.

Hoffnung? Die B-Junioren gewinnen in der Bundesliga gegen den FC Carl Zeiss Jena (2:0) und bewegen sich seit dem Wochenende wieder über dem Strich, der die schlecht gelaunten vom Rest der Liga trennt.  Die A-Junioren gewinnen gegen den gleichen Verein, die Nummer eins im Land der rauchenden Grillfeuer, mit 1:0 und sehen ebenso dem Klassenerhalt entgegen. Und Union Zwee gewinnt in der Berlin-Liga nach einem 0:2 Rückstand zur Pause noch 3:2 und hält somit Kurs Richtung Aufstieg in die Oberliga. Spielpraxis haben sich beim Spiel der zweiten Mannschaft Daniel Schulz, Bernd Rauw (schoss den Anschlusstreffer zum 1:2) und Christoph Menz (holte den Strafstoß zum Ausgleich heraus) geholt. Es ist also an der Zeit, dass die erste Mannschaft dem Beispiel der Jugend folgt.

Machbarer Gegner.

Die Saison biegt langsam auf die Zielgerade ein. Am Horizont dräut bereits die Weltmeisterschaft. Aber vorher steht eine Dienstreise nach Frankfurt auf dem Programm, nicht zur Eintracht in das Waldstadion sondern zum FSV in das Stadion am Bornheimer Hang. Während bei Union zuviel Ruhe herrscht, geht es in Frankfurt gereizt daher. Die Ausgangslage ist klar. Frankfurt will den Relegationsplatz verteidigen, während der 1. FC Wundervoll mit einem Sieg wohl jegliche Gedanken an einen Abstieg vertreiben kann.

Soweit so gut, wenn beim Sortieren des heutigen Sportprogramms nicht folgender Satz aufgefallen wäre:

Der FSV Frankfurt auf dem Relegationsplatz hat heute eine machbare Aufgabe gegen die notorisch auswärtschwachen Berliner von Union (2 Auswärtssiege in der Saison).

Ein Blick in die Tabelle bestätigt tatsächlich diese Aussage. Zwei Auswärtssiege (am 1. Spieltag 0:3 in Oberhausen und am 11. Spieltag ein 1:4 in Aachen), fünf Unentschieden und dazu sechs Niederlagen addieren sich zu elf Punkten. Damit liegt Union auf Rang 13 mit nur drei Punkten Vorsprung auf den Letztplazierten, Koblenz. Dieser Fakt sollte Motivation genug sein. Außerdem sollte niemand zu Union “machbarer Gegner” sagen.

Auch mal über Geld reden

Nach der Fußballfilmfestivalpause gibt es wieder einen Podcast. Aufgenommen am Tag nach dem Spiel gegen Alemannia Aachen. Gern gesehener Gast in der Küche ist dieses Mal Mathias Bunkus vom Berliner Kurier. Wir reden nur ein ganz kleines bißchen über unser Dauerthema Torflaute und fragen uns auch, was Karim benyamina auf die Frage, was zu ändern sei, antworten soll außer: “Tore schießen.”
Mehr Aufmerksamkeit erhält das Lied über Torsten Mattuschka, von dem wir beim Gespräch noch nicht wussten, wie er es wahrgenommen hat. Das kann man dafür heute im Berliner Kurier nachlesen. Und noch viel mehr Raum bekommt dafür die Darlehensverlängerung durch Michael Kölmel und die Einreichung der Lizenzunterlagen bei der DFL.

Anstatt der Titelmusik gibt es dieses Mal einen Wechselgesang als Intro. Gefällt das besser?

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“Dieser Film ist keine Propaganda.”

In seinem Film “Das Rudel” begleitet Regisseur Alexander Schimpke die Ultras vom Wuhlesyndikat an zwei Spieltagen. Der Streifen erhielt letztes Jahr beim Dokumentarfilmfestival in Leipzig eine “lobende Erwähnung” durch die Jury. Nach der Vorstellung des Filmes beim 1. FC Union Berlin Abend des Fußballfilmfestivals 11mm kamen einige Fragen auf, die wir an Alexander Schimpke weitergereicht haben.

An Ihrem Film „Das Rudel“ wurde bemängelt, dass es kein richtiger Dokumentarfilm sei. Es wird vorgeworfen, dass Sie sich zum Sprachrohr derjenigen machen würden, die Sie porträtierten. Wie stehen Sie dazu?

Zuerst würde ich gerne wissen, wer das wo festlegt, was ein richtiger Dokumentarfilm ist?! Aber im Ernst: Ich denke, dass dieser Film ein authentisches Bild der Szene ist. Er zeigt, wie diese Szene funktioniert und welche Bedürfnisse bedient werden. Und das war mir auch wichtig, dass der Film dieses authentische Bild ist. Aber das heisst noch lange nicht, dass dieser Film Propaganda ist, oder ich ein Sprachrohr bin. Ein Sprachrohr gibt die Meinug anderer wieder. Wenn ich aber aus 2 Millionen Möglichkeiten, wie man diesen Film gestalten kann, eine Möglichkeit auswähle, dann steckt da sehr wohl eine eigene Meinung und Haltung dahinter. Alles in diesem Film beruht auf Beobachtungen, Überlegungen und Entscheidungen, die ich mit meinem Team zusammen getroffen habe. Und natürlich ist dieser Film dann ein Ausdruck meiner Sicht auf die Dinge. Und auch wenn ich aus einer anderen Perspektive erzähle, heisst das ja nicht, dass ich als Autor nicht mehr existiere. Es kam ja auch keiner und hat gesagt “Schreib drei Zeilen zu Gewalt und dann bitte nur noch von Fahnen und Auswärtsfahrten!”. Natürlich gibt es auch Dinge, die ich außen vor lasse. Aber wenn ich einen Film mache, muss ich mich immer irgendwie beschränken – und zwar auf das, was ich als wesentlich empfinde. Dass ich eine Sympathie für die Leute habe, mit denen ich es zu tun hatte, das steht außer Frage. Aber dass man merkt, dass hinter diesem Film ein Autor steht, der die Leute mag, mit denen er es zu tun hat, das ist für mich kein Verbrechen.

Ich glaube auch, dass es ein Missverständnis ist, wenn es um Dokumentarfilme geht, dass diese so weit wie möglich objektiv sein müssten. Mir geht es beim Filmemachen darum, auch beim Dokumentarfilm,  meine persönliche Sicht auf die Dinge zu vermitteln. Ich meine jetzt nicht, dass ich irgendwelche Lügen oder Unwahrheiten auftischen will. Aber es gibt eben auf alles eine unterschiedliche Sicht.

Sie haben den Film voriges Jahr auf dem Dokumentarfilmfestival in Leipzig vorgestellt. Wie waren die Reaktionen dort?

Also erstmal habe ich es als eine sehr große Ehre empfunden, dass wir dort im Deutschen Wettbewerb laufen dürfen. Was bis zu mir durchgedrungen ist, war in der Regel positiv. Das war zum Teil richtig schön von den Reaktionen. Natürlich habe ich auch Kritik bekommen, aber ich fand das absolut im Rahmen. Ich habe auch nicht den Anspruch, einerseits unfehlbar zu sein, und anderseits will ich es ja auch nicht allen recht machen. Ein bißchen ätzend war es dann, im Nachhinein die Berichterstattung zu verfolgen, wenn man merkt, dass da Leute versuchen, einen vorsätzlich runter zu machen, mich zu diskreditieren mit falschen Zitaten oder völlig aus dem Zusammenhang gerissenen Aussagen - mir aber gleichzeitig dokumentarisches Versagen vorzuwerfen. Das finde ich schon sehr komisch. Aber wenn sich einer empört, dass ich die vedreckten Züge bei Auswärtsfahrten unterschlagen würde, dann denk ich mir auch: Meine Güte, hat der mal aus Versehen im falschen Zug gesessen? Ich glaube, für manche sind die Leute aus dem Film und ihr Verhalten einfach nur Pöbel. Mehr nicht. Und dann ist dieser Film natürlich eine Provokation.

Der Film wird durch eine Stimme aus dem Off begleitet, Gesprochen von einem Mitglied der Ultravereinigung. Dadurch entsteht der Effekt, dass man meint, die „innere Stimme der Ultras“ zu hören. Wie ist der Text für die Off-Kommentare entstanden? Waren die Ultras daran beteiligt?

Der Text ist so entstanden, dass ich Gespräche mit den Ultras geführt habe, die ich aufgezeichnet habe. Ich habe dann den Text geschrieben und mich orientiert an Aussagen, die ich wichtig fand oder die mich berührt haben. Die Art, wie sich die Leute ausdrücken, war natürlich sehr unterschiedlich. Daraus konnte man nicht eine Textfigur machen. Ich habe also nicht 1:1 übernommen, sondern neu getextet und dabei mit Kernaussagen oder einzelnen Formulierungen gearbeitet, die ich eben aus den Interviews hatte. Der Text ist in dem Sinne also keine wirkliche Collage. Und wie schon gesagt, mir war es aber sehr wichtig, dass der Text von den Protagonisten als echt empfunden wird, dass sie sagen können: “Ja, wir können uns darin wiederfinden.” Da ich nicht aus Berlin komme, war alles in Hochdeutsch geschrieben, abgesehen von bestimmten Redewendungen, und der Sprecher hat den Text dann sozusagen zurück ins Berlinerische übersetzt.

Im Film nimmt man die Ultras in ihrer Selbstsicht wahr. Die Kamera nimmt meistens die Blickrichtung des Capos ein. Warum haben Sie auf Szenen von der Vorbereitung der Chroreographien, von Diskussionen oder Konflikten verzichtet? Dem Zuschauer wird es dadurch ja nicht sehr einfach gemacht, das Geschehen einzuordnen.

Das hat unterschiedliche Gründe. Zum einen wollte ich den Film auf einen Spieltag reduzieren. Auch weil ich zum Beispiel bei vielen der englischen Hooligan-Filme den Eindruck hatte, dass es nicht funktioniert, diesen wöchentlichen Rhythmus, die ständige Wiederholung dramaturgisch zu verarbeiten. Ich dachte, die Emotionen, um die es geht, die liegen ja in jedem einzelnen Spiel, wie eine Essenz. Warum sollte ich das wieder verdünnen?

Diskussionen oder Konflikte sind, glaube ich, vor allem dann spannend, wenn es um eine Entwicklung geht, an der man teilhaben kann als Zuschauer. Aber das Thema war das eben nicht, dass jetzt die Entwicklung Einzelner oder einer ganzen Gruppe beobachtet wird über eine gewisse Zeit. Und ein wichtiger Grund ist, dass eine Kurve ihre Anziehungskraft durch das Raue und Martialische entwickelt, was ich eben filmisch unterstreichen wollte. Und das führt dann zu einer bestimmten Form, die dieser Film nun hat. Ich wollte mich konzentrieren auf bestimmte Aspekte und diese filmisch, mit gestalterischen Mitteln, darstellen. Und ich gehe gleichzeitig von einem mündigen Zuschauer aus, der seine eigene Meinung hat und sehr wohl in der Lage ist, das Gesehene zu reflektieren und sich seine Gedanken dazu zu machen, ohne dass man ihm zehnmal die Moral von der Geschichte vorkaut.

Würden Sie heute den Film genauso schneiden oder in bestimmten Punkten ändern, und wenn ja, in welchen?

Die Frage ist ein Jahr zu früh… Jetzt ist das alles noch frisch und man hat ja alles aus bestimmten Gründen gemacht. Und ich finde es richtig, wie wir es gemacht haben. Aber wie gesagt, wir sind jung und nicht unfehlbar. Vielleicht schaut man in einem Jahr wieder mal den Film und sagt, das und das vielleicht ein bißchen anders. Aber jetzt würde ich sagen, dass ich es es genauso machen würde.

Bisher wurde der Film einmal in Leipzig und einmal in Berlin gezeigt. Wird es eine weitere Verwertung geben? Aus den Reihen der Fans wird zum Beispiel stark nach DVDs zum Kaufen gefragt. Kann man damit rechnen?

Wir dürfen den Film noch am 16. April in Hamburg und danach in Linz auf Festivals zeigen, was mich sehr freut. Vielleicht kommt noch was hinterher. Das muss man sehen und wäre natürlich schön. DVDs sind leider nicht möglich, weil wir dafür Lizenzgebühren zahlen müssten für bestimmte Fremdrechte, wie zum Beispiel Archivmaterial oder Musik. Und das Geld haben wir leider nicht. Es freut mich natürlich, wenn es den Wunsch gibt. Nur leider muss ich da enttäuschen…

Wo man singt, da lass Dich ruhig nieder

“Nullnull, was soll man denn da schreiben?”, mag sich gestern so mancher Medienvertreter nach dem Spiel gefragt haben. Der RasenLehm hätte sicher so manchen Anlass geboten und Erik Meijer sagte entsprechend nach dem Spiel: “Tut mir leid für die Jungs, die hier ihre Heimspiele spielen müssen.” Aber das ist so und klarkommen müssen damit beide Teams. Dankesschreiben für den Zustand der Spielfelder nimmt sicher gerne die FIFA entgegen, die den internationalen Rahmenplan (pdf) aufgestellt hat und verfügte, bis wann alle nationalen Wettbewerbe zu Ende gespielt sein müssten.

Und natürlich könnte so manche Statistik belegen, seit wievielen Minuten die Stürmer erfolgslos sind, in wievielen Spielen der Rückrunde der 1. FC Wundervoll ohne Torerfolg auskommen musste und welch negativen Lauf die Mannschaft hat. Allein das weiß auch jeder so.

Viel imposanter daher, dass von denRängen eine Unterstützung kam, als ob die Jungs in den rot-weißen Trikots noch einmal im Aufstiegskampf mitmischen würden. Anfeuerung des eigenen Teams, Kosenamen für die gegnerischen Spieler und den Schiedsrichter. Und dazu eine Hymne für Torsten Mattuschka, den unermüdlichen Racker im Mittelfeld, der knapp mit einem Freistoß an Stuckmann scheiterte. Vom Spiel wird sicherlich nicht viel in Erinnerung bleiben, aber dieses Lied bleibt im Ohr.

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Zurückblicken. Vorfreuen.

Mit dem Kurzfilmwettbewerb “Shortkicks” ging gestern das 11mm-Festival zuende. Als bester Kurzfilm wurde “Des Königs Fußball jüngster Trabant” von Walter G. Puls geehrt. 1967 gedreht, jahrzehntelang verschollen, kürzlich wiedergefunden und 2010 uraufgeführt, war´s ein sehr anrührender, liebevoller Film über einen kleinen Jungen und seinen ersten Fußball, der sich gegen eine starke internationale Konkurrenz behauptet hat.

Mein Liebling des Abends war Las Pelotas aus Argentinien mit der bahnbrechenden Erkenntnis, dass es an den Genen liegt, ob einer ein guter Fußballspieler wird – und einem Frauentausch als logischer Konsequenz (“Das ist kein Sex, das ist Wissenschaft”), dicht gefolgt von Juanjo Giménez´”Rodilla” aus Spanien, “Bloomfield” aus Israel und “L´Abitro” aus Italien – aber ich alleine kann so schlecht ein Rudel bilden und einen Film applaudierend auf Platz 1 lärmen.

Bei der Vergabe des Publikumspreises für den besten Fußballfilm des Jahres kam es zu einem kuriosen Unentschieden zwischen Hoffenheim und Berlin. “Eisern vereint” von Andreas Gräfenstein und “Das Leben ist kein Heimspiel” von Rouven Rech und Frank Pfeiffer teilen sich diese Auszeichnung absolut punktgleich.

Fünf aufregende, spannende, lustige, unterhaltsame Kinotage liegen hinter mir. Ich kann jetzt damit angeben, mit Rufus Beck im Kino gewesen zu sein. Aber mit Recht murrte gestern zuhause das Kind “Was´n – willste schon wieder Fernsehkucken gehen?” Heute kann ich darauf antworten “Nee. Erst wieder nächstes Jahr.”