Monthly Archive for August, 2009Page 3 of 3

Wechselspiele

Spätestens nach dem PokalTrainingsspiel gegen Bremen hat es jeder verstanden. Daniel Schulz verliert sein Amt als Mannschaftskapitän an Marco Gebhardt. Dies ist sicherlich bitter. Trennen doch beide 14 Jahre Altersunterschied und steht Gebhardt mit seinen bald 37 Jahren sicher nicht für die mittlere Zukunft der Mannschaft. Doch was die Leistung betrifft, rechtfertigt er seine Aufstellung. Daniel Schulz hingegen hat sich seit seiner schweren Verletzung nicht mehr an das Niveau der Mannschaft herankämpfen können. Heute Mittag wurde beiden von Trainer Uwe Neuhaus und Sportdirektor Christian Beeck die Entscheidung mitgeteilt. Dabei spielte eine Rolle, dass sich ein Mannschaftskapitän schon alleine wegen seiner exponierten Rolle innerhalb der Mannschaft in der Stammformation befinden sollte. Daniel Schulz wurde damit ziemlich direkt mitgeteilt, dass er noch einen weiten Weg, zumal in einer höheren Spielklasse, vor sich habe. Und es sei sicherlich besser für ihn, wenn er diesen Weg ohne die Bürde des Amtes als Spielführer angehen würde. Mit dieser Argumentation sind sicher sehr viele d’accord. Die Parallelen zur Entwicklung bei Sebastian Bönig sind unverkennbar. Wir warten den Saisonverlauf ab und hoffen, dass Daniel Schulz den Anschluss an die Mannschaft wiederfindet.

Weniger auf Verständnis trifft allerdings die Entscheidung der sportlichen Leitung, dass während der Punktspiele in der 2. Bundesliga nicht mehr Mannschaftsleiter Detlef Schneeweiß und Masseur Thomas Riedel auf der Bank sitzen werden. Sie müssen Platz machen für Konditionstrainer Johann Strohmann und den neuen Videoanalytiker Daniel Stenz. Letzteren möchte Trainer Uwe Neuhaus zunächst bei sich auf der Bank haben, damit dieser lernt, was dem Trainer für die Videoanalyse besonders wichtig ist. Mit Schneeweiß und Riedel machen erneut zwei Personen Platz, die durch die entbehrungsreichen Zeiten der 3. und 4. Liga gegangen sind. Das stößt vor allem auf, wenn man bedenkt, dass gerade der seit 10 Jahren in Vereinsdiensten stehende Webadmin und die bisher für das Catering im Stadion verantwortliche Fankneipe Abseitsfalle ausgebootet wurden.

Ist das jetzt der neue Wind der echten Profiwelt, der durch unseren Verein weht?

Eins, zwei, drei, Fußball.

Ich habs momentan erstens, zwotens, drittens mit Listen, und weil ich auch in meinen Macken (gerade oder sogar ausschließlich in meinen Macken) überaus konsequent bin, gibts heute, na? Ganz genau, eine Liste. Die Liste der Tätigkeiten, die mir das Warten auf die kommende Saison süß machen.

Da wäre zuvörderst das Lesen. Lesen ist schön und macht klug, und umgekehrt stimmts auch. Das am 1. August erschienene FuWo-Sonderheft 2009/10 beispielsweise. Unverzichtbar für Berliner und Brandenburger, die so wie ich gerne Fußball quer durch die Ligen kucken. Das hab ich heute bei jemandem in der Bahn erspäht, zu spät leider, sonst hätt ich mich dazugesetzt und mitgelesen. Gehört sich zwar nicht, aber hey – FuWo-Sonderheft, wa? Berlin, Alter! Es wird also sein wie jede Saison, ich kaufs selber, damit die anderen bei mir mitlesen können.

Da wäre sodann das Teilen. Teilen macht Spaß. Vorfreude teilen verdoppelt die Vorfreude. Roberts Vorfreude auf die Saison, die wird, die teile ich selbst und empfehle sie zur weiteren Teilung. Is´ jenuch für alle da.

Da wäre schließlich das Planen. Ein Terminkalender, ein Kugelschreiber, drölf Bier und eine Stammtischrunde beschließen, am 29. November in Hamburg zu sein.

Kann von mir aus losgehen, die Saison.

Auch mal gegen Bremen verlieren.

Völlig unüberraschend verliert der 1. FC Union Berlin zuhause gegen Werder Bremen 0:5 und scheidet damit verdientermaßen bereits in der 1. Runde aus dem DFB-Pokal aus.

Dem Spielmacher sei Dank gab es ein Liveblog vom Spiel, bei dem mir drei Dinge klar wurden: Eins, verlieren ist manchmal durchaus heilsam, denn es erdet und korrigiert Perspektiven; Zwei, Herr Sebastian und Frau Steffi sollten wegen ausgeprägten blinden Verständnisses zusammen Fußball spielen oder meinethalben als Sprechchor auftreten, keinesfalls aber vom selben Fußballgroßereignis berichten; Drei, die bekloppteste Fangemeinde der Welt wohnt in Berlin – oder hat sonst noch wer ein Publikum zu bieten, das nach einer 0:5-Klatsche völlig unironisch “unsere Liebe, unser Stolz” anstimmt und die Mannschaft sehen will?

Ich glaube kaum.