Monthly Archive for August, 2009Page 2 of 3

Imagetransfer

Christoph Biermann von SpiegelOnline hat mit seinem gestrigen Artikel hohe Wellen geschlagen. An dieser Stelle soll es aber gar nicht direkt um die Tätigkeit des ISP-Chef Jürgen Czilinsky für das Ministerium für Staatssicherheit gehen. Für deren Bewertung gibt es einfach noch zu wenig Informationen.

Bereits jetzt lässt sich aber betrachten, wie der Verein mit dem Sponsor verknüpft wird. In der Pressemitteilung bei der Vorstellung der ISP als Sponsor war von Imagetransfer die Rede:  “Um zum Imagegewinn und Imagetransfer der Unternehmensgruppe rund um die ISP beizutragen, hätte es also keinen besseren Standort als Berlin für den Start der ISP-Tätigkeiten geben können.” Nun ist es normal, dass eine Firma sich erhofft, dass durch Sponsoring ihre Marke positiv aufgeladen wird. Im Falle der ISP ist allerdings bis jetzt noch unklar, was die Marke sein soll.

Ein Blick in die Presse am Tag eins nach dem Artikel von Biermann macht dann deutlich, dass Imagetransfer auch andersherum und dazu noch negativ funktionieren kann:

- Beim Berliner Kurier ist völlig sauber vom Unionsponsor die Rede: “Der Boss war ein Stasi-Hauptmann” Der Kurier hat im Osten seine Stammleserschaft, die ihm unsaubere Überschriften à la “Stasiskandal bei Union” sehr übel nehmen würde.

- Auch die B.Z. (neuer Medienpartner des Vereins) trennt sauber Sponsor von Verein: “Union-Schock: ISP-Boss Czilinsky war Stasi-Offizier”

- Aber schon in der Berliner Morgenpost klappt es mit der Sprache nicht mehr so: “Sponsor-Chef von Union soll für Stasi gespitzelt haben”

- Völlig merkwürdig und obskur dann diese Überschrift: “Ex-Stasi-Offizier sponsert Fußball-Zweitligisten Union Berlin”, die von einer Nachrichtenagentur verfasst wurde.

Sichtbar wird aber schon durch diese wenigen Beispiele, dass Union mehr oder minder offen im Text oder im Bewusstsein des Lesers mit der Undurchsichtigkeit seines Sponsors verknüpft wird. Es hat Jahre harter Arbeit des jetzigen Präsidiums gebraucht, damit der Verein wieder als seriöser Partner wahrgenommen wird. Und die Aktion des Stadionbaus hat dem Verein landesweit eine positive Ausstrahlung gegeben, die durch keine Kampagne zu schaffen gewesen wäre. Es braucht nur wenig, um das alles wieder einzureißen.

Bei Oma ist ‘ne Schraube locker

Bei der Inbesitznahme des Stadions wurde viel gestaunt. Aber es passte auch noch nicht alles, wie @loolie_berlin feststellte.

Bei Oma ist 'ne Schraube locker

Intensive Recherchen brachten zutage, dass dies der Platz von Olle Oma ist. Und Skandal: Auch jetzt, drei Wochen später, wackelt er noch. Die Task Force “Ein Platz für Olle Oma” wird sich nun der Sache annehmen. Wir bleiben dran.

Die Antwort auf alle Fragen.

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Dies wunderbare Bild ist eine punktgenaue Zusammenfassung der Ereignisse des gestrigen Spieltages und illustriert ganz prachtvoll die niemals versiegen wollende Ost-West-Frage im Zusammenhang mit dieser Fußballmannschaft da aus Berlin-Köpenick, von der hier öfter mal die Rede ist. Großen Dank an Tobi!

Klassiker oder Derby? Nee, Abstiegskampf!

Heute Abend spielt der 1. FC Wundervoll gegen die Jungs vom FC Hansa. Da kommen Sie wieder geflogen die Etikette und ehe man sich versieht, hat man eines an der Stirn kleben. Batsch – Ostklassiker. Batsch – Osthit. Batsch – OstDerby.

Fangen wir von hinten an. Ostderby: Berlin und Rostock trennen 194 km. Wenn man ein Derby auf diese Entfernung bezieht, könnte die Partie Hamburg gegen Bielefeld auch als solches durchgehen. Beide Städte trennen 196 km. Auch sonst haben Berlin und Rostock wenig gemein. Nicht die gleiche Region. Nicht am gleichen Wasser. Gemeinsam ist beiden zum Teil der Geschichtsverlauf nach Kriegsende bis 1990.  Da waren Berliner außerhalb von Berlin nicht wohlgelitten. Aber das ist Geschichte und heute so nicht mehr zu spüren. Rivalität zwischen den Städten also: Keine.

Ostklassiker. Insgesamt spielten beide Vereine 28 mal gegeneinander. Herausgekommen ist dabei die ausgeglichene Statistik von 9 Siegen, 9 Unentschieden und 10 Niederlagen für Union. Im Vergleich dazu spielten Jena gegen Erfurt bisher 77 Mal gegeneinander. Dresden gegen Magdeburg 64 Mal. Und der letzte Vergleich der jeweiligen ersten Mannschaften datiert vom 18.04.1989 und war ein 1:1 an der Alten Försterei. Wenn man das so sieht, ist jede Partie von Mannschaften, die einmal in der DDR-Oberliga gegeneinander gespielt haben, eine Art Ostklassiker.

Letztendlich noch Osthit. Über die chronische Erfolglosigkeit und häufigen Spielklassenwechsel von Union in der Zeit vor 1990 muss man nicht allzuviele Worte verlieren. Bei den Rostockern sieht es etwas anders aus. In den sechziger Jahren häufig mal zweiter Platz und auch das ein oder andere Pokalfinale verloren. Ansonsten ging es auch für sie meist gegen den Abstieg. Gewonnen haben sie Meisterschaft und Pokal in der NOFV-Oberliga 1990/91 und sich damit für die Bundesliga qualifiziert. Hitverdächtig…

Vielleicht sollte man die Vereine, die MDR-Derbys untereinander ausspielen, vielleicht noch mit dem Attribut Ost versehen. Aber Rostock und uns könnte man damit in Ruhe lassen. Heute geht es für beide Mannschaften um drei Punkte gegen den Abstieg. Das ist, was zählt.

“Das muss ich mir erstmal im Fernsehen ankieken.”

1. FC Union Berlin vs. Fortuna Düsseldorf 1:0

Das gute am Fernsehfußball ist ja, das alle das selbe Spiel sehen. Das enorm öde an Fernsehfußball ist aber, dass alle das selbe Spiel sehen. Sebastian hat eine sehr starke Düsseldorfer Mannschaft gesehen, ich habe eine überraschend wenig offensive Düsseldorfer Mannschaft gesehen, und mööp will sich überhaupt alles nochmal im Fernsehen ankieken, bevor er sich entscheidet, was das für eine Düsseldorfer Mannschaft war, die er da gesehen hat. Gottseidank schreibt keiner von uns Spielberichte, zwangsläufig breitete sich Zwist aus. “Zwist” sage ich, denn ich weiß nicht wie man Zwietracht nennt, wenn drei oder mehr Personen beteiligt sind. Es gäbe aber jedenfalls einen vorzüglichen podcast.

Einigermaßen einig sind wir uns jedoch in folgendem: Schöne Tabelle! Und eine gewisse Frau Schadenfreude stand neben uns im Block und kicherte hexenhaft und wie bescheuert bei dem Tor von Kenan Sahin.

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Über den Tellerrand

Sonntagmorgen. Rührei mit Schinken. Frische Brötchen. Kaffeeduft dringt durch die Küche. Perfekt. Fast jedenfalls, denn es fehlt die Zeitung. Ohne Zeitung ist es kein Sonntagsfrühstück. Lächelt sie und schiebt ein Magazin zum Teller rüber. Titelgeschichte: “Fußball und Drogen – Das Spiel im Rausch”. Der Ballesterer.
Das Magazin kommt angenehm unaufgeregt herüber und zeigt in der klaren Gestaltung, dass die Inhalte vorgehen. Schöne Bilder gibt es trotzdem zu bewundern. Das hebt es von anderen Magazinen wie den 11Freunden ab. Auch, dass die Titelgeschichte über mehrere Artikel ausgebreitet wird: Vom Spielbesuch und dem damit einhergehenden Drogenkonsum, über die englische Hooligan- und Raveszene der 80er Jahre bis hin zum Portrait eines alkoholkranken Spielers. Weiter geht es in der Rubrik “Spielfeld” mit vielen internationalen Artikeln. Im “Fansektor” kommt auch der 1.FC Wundervoll zu seiner Doppelseite.

Ballesterer

Der Ballesterer kommt aus Österreich. Und es macht ihn sehr sympathisch, dass diese Herkunft spürbar ist. Er widmet sich auch unterklassigen österreichischen Klubs und hat eine kritische Distanz zum Gebahren der Herren Mateschitz und Stronach im österreichischen Fußball. In erster Linie bleibt der Ballesterer aber ein internationales Magazin. Die speziellen Fußballbegriffe sind am Anfang ungewöhnlich, heben sich jedoch wohltuend vom hierzulande gewohnten Sportspracheinheitsbrei ab.

Den Ballesterer gibt es auch in Deutschland im Zeitschriftenhandel oder im Abo.

Jetzt reden die Fußballblogger

Doppelpass geht seit dem Abgang von Rudi Brückner nicht mehr. Sendungen mit Waldemar Hartmann sind spätestens nicht mehr ernstzunehmen, seit er seine eigene Karikatur spielt. Und die weichgespülten PromotiongesprächeInterviews des Aktuellen Sportstudios sind verzichtbar.

Das dachten sich auch viele Fußballblogger, die ein Netzwerk für einen eigenen Fußballpodcast gründeten. Letzte Woche ging in einer Münchener Küche die zweite Nullnummer über die Bühne, bei der sich fünf Blogger über die kommende Bundesligasaison unterhielten. Heraus kam eine muntere und ausgewogene Unterhaltung, die von 96 Minuten auf gut hörbare 51 Minuten geschnitten wurde. Die ungeschnittene Variante gibt es bei Probek. Kommentare und Anregungen zu dem Podcast sind dort sehr willkommen.

Es fehlt momentan die Zweite Bundesliga. Mal sehen, was wir dazu aus Berlin auf die Beine gestellt bekommen.

Direkter Download

Von Tuschi, Stuffi und Göhli

Das ist also der professionelle Fußball, den die DFL meint. Wir müssen Kneipen unseres Vertrauens anrufen und sie bitten, doch schon 18 h die Pforten zu öffnen. Weil wir spielen.

Eine dunkle Höhle im Prenzlauer Berg, aus der Rufe auf die Straße dringen. Rufe der Verzweiflung, ob schönster Nichttore in Halbzeit eins. Großfressige Sprüche, die sich der Nichthörbarkeit des Oberhausener Anhangs widmeten. Lachen, als der Reporter von Sky anbiedernd erst von Tuschi, dann von Stuffi und letztlich von Göhli spricht. Erleichterter Jubel, als Mosquera einen Steilpass von Benyamina endlich verwertet. Verwunderung, ob der mannschaftlichen Geschlossenheit und Abgeklärtheit, mit der die Tore zwei und drei folgten. Schlußendlich macht sich Größenwahn breit, als es aus der Höhle schallt: “Zweite Liga, nie mehr, nie mehr!”

Wir sind gerne wieder da.

Endlich wieder da.

Wieder da.

Das Spiel der Spiele – bei www.dugehstniemalsallein.de ist die Ratesaison wieder eröffnet. Das einzige Gesellschaftsspiel, das ich spiele, ohne dass man mich dazu nötigt, hat ein neues Zuhause bekommen. Wer sich jetzt augenblicklich anmeldet, schafft´s noch pünktlich zur ersten Runde.

Endlich da.

Ein Artikel über uns, der manches gewiss etwas schönt, glättet und begradigt, aber dennoch das mit weitem Abstand Verständigste ist, das ich je über Union gelesen habe (via Der Hönower).

Unpolitisch heißt bei Union nicht, was die Vokabel häufig zur Schutzbehauptung von Ignoranz macht. Unpolitisch heißt hier, dass es keine Direktiven gibt, sondern dass eine Gemeinschaft ihre Wertvorstellungen unter sich ausmacht.

[Matthias Dell in Der Freitag: Gute Gesellschaft]

Nie weg gewesen.

Dieses Bild widme ich dem Freund & Mitstreiter mööp. Der mag, sagt er, Suchbilder. Also, wieviele Bälle sind hier in den Thomsdorfer Feuerwehrlöschteich neben dem Fußballplatz gefallen?

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Was Dirk Zingler sagt.

Der Präsident des 1. FC Union Berlin im Gespräch mit Matthias Wolf, Berliner Zeitung:

Wird das Stadion An der Alten Försterei irgendwann einen Sponsoren-Namen tragen?

Ich verrate jetzt mal was: Wenn ich das wollte, wäre der Name schon weg. Es wäre auch kein Problem, mit einem Vermarkter einen Vertrag zu schließen: 15 Jahre, gebt mir 20 Millionen sofort. Aber diese Wege wollen wir nicht gehen. Wir wollen unabhängig bleiben.

Diese Aussage wüsste ich gern irgendwo einbetoniert.