Wer mit mir urlaubt, muss unabhängig vom Urlaubsziel zu mindestens einem Fußballspiel gehen. Die Wiener Freundin meinte, sich mit “I kenn mi da net aus” herausreden zu können, jedoch: es gibt Internet. Auch in Österreich. Und es gibt das österreichische Pendant zur 11Freunde, den ballesterer fm. Trotzdem ich in Brandenburg aufgewachsen bin, habe ich lesen gelernt. Rapid Wien gegen LASK Linz, Sonnabend, 18 Uhr. Die Wiener Freundin sah sich genötigt, die Ticket-Hotline anzurufen. Es war ihr fürchterlich unangenehm. Sie kannte sich noch immer nicht aus. “Ja, was weiß ich denn, wo wir sitzen wollen?!” – “Na, gar nicht! Wir stehen.” – “Oh … ähm … mach Du mal.” – “Tach! Ick steh zuhause imma hinterm Tor. Jeht dit bei euch ooch?”
Es ging, und zwar ganz vorzüglich. Das Gerhard Hanappi Stadion ist ein komplett überdachtes reines Fußballstadion, und auch von der Größe her weckt es Heimatgefühle. Stadionheft ist für umme, Ottakringer ist nicht zum Trinken, sondern wird ausschließlich für Becherwürfe produziert, und weltweit sollte die Thüringer Rostbratwurst mehr Verbreitung erfahren. Die Sitze gibt es nur, damit man sich drauf stellen und besser sehen kann. Zu sehen gab es so einiges, am letzten Samstag: Elfmeter, rote Karte, Spielunterbrechung, Jongliereinlagen bei Ballannahme, slow motion Fußball at it´s best und einen 5:0 Kantersieg der Hausherren, die noch am vorhergehenden Spieltag das Derby gegen die Wiener Austria verloren hatten. Nebenher feierten die Rapid-Ultras mit sehr feiner Choreo ihr 20jähriges.
Verliebenswerteteste aller je gehörten Redewendungen im Zusammenhang mit Fußball: “Hau eini die Wuchtl, Du Voikoffer!” , und für´s hausinterne Lexikon: Textilvergehen heisst in Österreich “Leiberlziehen”. Wieder was gelernt.







